
Die meisten leben in den Ruinen ihrer Gewohnheiten.
Jean Cocteau zugeschrieben.

Es ist viel los derzeit in der Praxis: Heftige körperliche Diagnosen, die psychisch erst verkraftet werden müssen, auch Angehörige schickt das in krassen Schleudergang. Es geht um Familienprobleme, Konflikte, die sich entzünden, weil wir Kommunikationsschwierigkeiten haben, um das Gefühl, nicht gesehen und wertgeschätzt zu sein, um Ängste, um Überforderung. Der meistgehörte Satz der letzten Wochen: „Ich kann nicht mehr“. Es ist nichts, was sich mit Urlaub lösen lässt. Es ist tiefer, größer, schwerwiegender. Oft schwingt mit „ich will nicht mehr“. Sinnkrise kollektiv, Verbindlichkeit, die zu Verbundenheit führt quasi inexistent, Wahrnehmung von „lost sein“. Eine Kollegin vorgestern im Gespräch: „Wie kommt man damit klar?“ Gute Frage. Manche Menschen sind so müde-erschöpft, dass man sie am liebsten sofort schlafen legen würde, mit einer guten Suppe versorgt, genährt, gehüllt, behütet. Nach langem Schlaf ein gutes Frühstück und eine Einladung: „Erzähl mal, was los ist.“ Dann kann man den Problemstapel zerlegen, anschauen und erkennen, was wirklich ist. Wege entwickeln zu Sinn, Perspektivwechsel und Anerkennung der Tatsache, dass wir oft einfach erstmal nicht wissen, wie wir etwas lösen werden, doch vertrauen dürfen, dass wir Antworten finden, wenn wir aufhören zu rudern, zu fragmentieren und zu potenzieren. Schauen, was ist. Kleine Portionen. Kleine Schritte. Einen nach dem anderen. Kein Allheilmittel. Nur eine Möglichkeit. Und es für möglich halten, dass wir gute Wege entdecken werden. Falls du es brauchst – Ruheinseln heute für dich, gute Nahrung für Körper, Seele und Geist und genug Humor für deinen Tag.
Das Leben ist manchmal wie eine lange Treppe. Eine Stufe nach der anderen. Diese führen direkt zum Goetheanum.

Weltenlicht und Weltenwärme – das spüren wir in diesen Tagen am intensivsten im Jahreslauf. Lassen wir uns durchlichten und durchwärmen und Licht und Wärme ins Innere, in den Herztraum, einladen, damit wir im Herbst und im Winter immer ein wenig davon herausnehmen können, wenn es im Außen und vielleicht auch im Inneren dunkler und kälter wird oder wir uns dankbar daran erinnern, wie am 24. Juni, dem Jahrespol zu Weihnachten, die Welt geblüht, durchwärmt und lichtdurchflutet war. So schwingen wir mit den Rhythmen der Natur und jedes Bewusstsein dafür verbindet uns mit dem größten Wunder, dem Leben auf der Erde, dessen wir täglich zwar ansichtig sind, es dennoch nicht wirklich wahrnehmen. Was wir wahrhaftig erkennen, sehen und fühlen, schützen wir auch.
Einen licht- und wärmevollen Johannitag für dich.
Auch dieses herrliche Foto von ihrer Vogesenwanderung stammt von Anna, vielen lieben Dank für dein Bild!

Johannes-Stimmung
Der Welten Schönheitsglanz
Er zwinget mich aus Seelentiefen
Des Eigenlebens Götterkräfte
Zum Weltenfluge zu entbinden;
Mich selber zu verlassen,
Vertrauend nur mich suchend
In Weltenlicht und Weltenwärme.
Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.
Das herrliche Foto ist vor wenigen Tagen in den Vogesen entstanden. Anna hat es gemacht. Danke dir dafür!

Rechtzeitig zur Sommersonnwende Sommer, erscheinen Herbst und Winter in weiter Ferne. Spüren wir in der Alltagshatz noch die Rhythmen der Natur? Klar bemerken wir die langen Stunden Helligkeit derzeit, doch erleben wir, dass vieles nun vom Blühen ins Reifen übergeht, erkennen wir den Wandel der Blühphasen? Die ersten Schafgarben tauchen auf, Rosen haben Pause, falls sie mehrfach blühen, Lavendel duftet betörend. Wo erlebst du derzeit frohe Momente in der Natur, erlebst die einzelnen Pflanzen auf ihrem Weg durch das Jahr, entdeckst Johanniskraut in diesen Tagen und staunst über dessen sonnenstrahlige Blüten?
Menschen sind Gewohnheitswesen. Wie gelingt es uns, förderliche Gewohnheiten anzulegen, ohne vorschnell aufzugeben? Dieser Frage werden wir an zwei Abenden in der Alten Synagoge in Kitzingen im Rahmen eines VHS-Seminars nachgehen. 1. Abend ist am Dienstag, 24. Juni, 19.30 Uhr (2. Abend 1. Juli 19.30 Uhr). Hierfür bitte direkt über die VHS Kitzingen anmelden!
In diesem Jahr werden wir am 3. 10. von 9 bis 16 Uhr letztmals in Präsenz in der Praxis unseren Kurs Wickel und Auflagen haben. Infos und Anmeldung hier: https://www.seelengarten-krokauer.de/wickelkurs/
Einen guten Wochenstart dir!

Seit Wochen will ich den einzigen Teppich im Haus, der riesig ist und das halbe Wohnzimmer bedeckt, tiefenreinigen. Alles ausgeräumt, alle Möbel weg, Teppich schön eingeschrubbt, jetzt kann alles trocknen. Der Bruder findet das lustig, wie ich mit dem Schrubber über den Teppich fahre und hat vor lauter Begeisterung alle Puzzles (er war gerade fertig und eher aus Versehen, weil schief gestapelt) umgekippt. Jetzt sitzt er zwischen 12 Puzzel und muss sie allesamt aus einem Riesenberg Holzteilen zusammenbauen. Das braucht den Rest des Vormittags.
Der Postbote klingelt, eine langersehnte Pflanzenlieferung! Von wegen. Statt meiner Euphorbia-Spezial finde ich eine Echinacea, die an einen bienenfreundlichen Herrn in Marburg gehen sollte, entnehme ich dem beiliegenden Lieferschein, der wiederum wird überrascht meine sehr spezielle Pflanze aus dem Paket schälen. Mal schauen, was der liefernde Staudengärtner sagt, bei der Hitze mag ich Pflanzen nicht gern mehrfach auf den Postweg senden. Nix mit einpflanzen und beim Wachsen zugucken. Klar ist eine Echinacea ebenfalls toll, nur hab ich davon schon viele und genau diese andere Pflanze ist eine, die ich noch nie in unserer Gegend gesehen habe. Halt dann irgendwann. Es kann nicht alles klappen. Schönes Wochenende!
Blick ins Goetheanum.

Eine Sonderausstellung im Goetheanum befasst sich mit dem Lebenswerk von Rudolf Steiner. Manchmal kann man nur staunen, mit welcher Vielfalt sich Menschen in ihrem Leben befasst und unglaublich viel in die Welt gestellt haben: Von Waldorfpädagogik über Demeterlandwirtschaft, anthroposophische Medizin und vor allem Mistelforschung, Gemeinschaftsbildung und soziale Dreigliederung, Kunstformen und vielerlei mehr.

Schönheit in der Umgebung eines Menschen sorgt für eine andere Haltung der Welt gegenüber. Ein winzig kleiner Strauß in einem Miniväschen kann uns ein Strahlen ins Gesicht zaubern. Keine Ecke ist zu klein, als dass nicht ein Zweig dort Platz finden und Freude schenken kann.
Neben dem Pflegebett meines Bruders steht ein Regal, Christoph hat für den Bruder aus einem kleinen Stückchen Holz ein zauberhaftes kleines Brettchen geschnitten, geölt, am Regal festgemacht und nun passen genau ein Kartenständer und eine Minivase darauf. Weil derzeit so viele kleine Vögel im Garten brüten, ist das im Moment eben eine Vogelkarte, er liebt Lavendel, die ersten geöffneten Blüten hat er nun in seiner Vase. Ich finde, dass es diese Dinge sind, die einen Unterschied machen. Auch wenn es nur eine kleine Kerze, ein Blütenzweig, ein Bild ist – es bringt Freude. Was uns freut, hilft uns, gut durch den Alltag zu kommen. Und wenn ich ihn wasche und versorge, fällt mein Blick auf dieses winzige Regal und ich freue mich mit. So nimmt mein Bruder an den Jahreszeiten zusätzlich auf eine ganz andere Weise teil.

„Ich bin ein wenig erledigt“, sage ich, als wir in Dornach zwischen zwei Terminen den Ort wechseln, und stutze. Irgendwas im Außen hat mich irritiert. Genauer hingeschaut – es war eine Türklinke. Es wäre leicht übertrieben, da schon von Synchronizität zu sprechen und die Klinke war auch eher schlecht gelaunt, ich nur müde ob des schwülen Wetters, aber immerhin. Vielleicht zaubert dir diese Türklinke auch ein Lachen ins Gesicht.

Alchemilla – das Kraut der Alchemisten, denn in den Blattachseln bildet die Pflanze von sich aus glänzendes Wasser (Guttation), von dem man hoffte, dass man damit Gold herstellen könne. Elfenquelle wird das Rosengewächs auch genannt, als ein Heilkraut seit dem Mittelalter geschätzt. Seinen deutschen Namen hat es von der Blattform, die an den Mantel der Gottesmutter Maria erinnern soll.

Was hilft uns, uns immer wieder von Neuem zu motivieren, auf unserem Weg zu bleiben, unser Tagwerk mit Freude zu ergreifen? Das war Thema des dritten Mini-Nautilus gestern. Wir haben uns angeschaut, welche Begrenzungen unser Geist erzeugt, weshalb wir manchmal gern was aufschieben und wie unser Gehirn von einem gelangweilten „hab ich keine Lust drauf“ zu einem neugierigen „lass uns das machen“ schaltet. Was unterscheidet Motivation von innen heraus von Druck von außen und wie können wir uns mit einer kreativen Schaffensfreude verbinden? Danke an euch für diesen schönen Austausch auch in unserer Runde!
Vieles auf dem Weg zum Erreichen von Zielen hat mit der Kraft guter Gewohnheiten zu tun. Das Thema werden wir an zwei Seminarabenden in der Alten Synagoge in Kitzingen am 24. Juni und 2. 7. jeweils um 19.30 vertiefen, da befassen wir uns mit der Herausforderung, wie wir gute Gewohnheiten anlegen können. Für das Seminar bitte über die VHS Kitzingen anmelden.
Was mir pragmatisch hilft: Ich vergeude keine Zeit damit, zu lamentieren, wie viel Arbeit alles ist oder wie ich das alles wuppen soll. Ich fange mit dem Unangenehmsten an wenn möglich und arbeite mich Stück für Stück durch, mit Freumomenten dazwischen, die ich bewusst einplane. Jammerstopp war der Gamechanger, im Nachhinein betrachtet hat mich das nicht nur richtig viel Lebenszeit, sondern vor allem auch Freude, Energie und Wachstumschancen gekostet.
Einen feinen Wochenteilungstag dir und morgen einen schönen Fronleichnamstag.
Dieser handwerklich schön gestaltete Nachtkasten erfreut Besucher des Hauses Friedwart in Dornach.