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Wunder des Tages

Wunder! Als Kinder WISSEN wir, dass jeden Tag Wunder geschehen und möglich sind. Erwachsene glauben kaum mehr an Wunder, neigen jedoch sehr zum sich wundern eher im negativen Sinne. Was passiert mit uns auf dem Weg zum Erwachsenwerden, dass wir den Wunderglauben verlieren?

Vermutlich etwas, was Thomas von Aquin beschreibt, den Unterschied zwischen Wunder und Veränderung. von Aquin hatte erkannt, dass Veränderung etwas ist, was Initiative von uns benötigt. In diesem Zitat ist ein Wunder etwas, um das man beten, also bitten kann und dass die Gewährung eines Wunders von jemandem oder etwas anderem abhängt. Was wir jedoch als Menschen selbst in der Hand haben, ist die Macht zur Veränderung.

Mascha Kalekó wird die Aussage zugeschreiben, wer nicht an Wunder glaube, sei kein Realist. Ich glaube, dass Wunder möglich sind, wenn wir uns bewusst werden, dass wir selbst die ersten Schritte zur Veränderung gehen dürfen und daraus mehr Vertrauen ins Wunderbare entwickeln können.

Was sagt der Alltag? Ich höre viele Klienten lang und breit klagen, dass sie nicht wissen, was sie wollen. Sie können wahre Listen aufmachen, was sie alles nicht wollen und wie sehr sie sich als Opfer ihrer Umstände fühlen. Sie sind nicht das Opfer von Umständen oder der bösen Welt, nicht Opfer ihrer grauenvollen Vergangenheit oder von Angst vor der Zukunft gelähmt. Sie sind Gefangene ihrer Denkkonstrukte über die Welt, die nicht so ist, wie sie ist, sondern so, wie sie sie sehen wollen und können. Letztlich sind wir also auf unseren eigenen „Mindfuck“ hereingefallen, weil wir dazu neigen, zu glauben, was wir uns den ganzen Tag im Kopf erzählen über unsere Unschuld an allem und die schlimme Welt und die fiesen anderen.

Verantwortung übernehmen ist der erste Schlüsselentscheid im Spiel auf dem Weg zum Wunder. Übernimm Verantwortung für dein Denken, dein Fühlen und dein Wollen. Finde heraus, was du willst und bete nicht zum tausendsten Mal die Liste dessen herunter, was du nicht willst. Wofür schlägt dein Herz? Was ist dein Ziel, dein Ikigai, dein Grund morgens aufzustehen? Was bist du bereit, heute für dein Ziel zu tun? Welche Schritte wirst du jetzt unternehmen, um in einem halben, einem ganzen Jahr an einer anderen, vielleicht wunderbaren Stelle deines Lebens zu stehen?

Einstein hat gesagt, dass wir Probleme nicht auf der Ebene lösen, auf der sie entstanden sind. Denkfehler werden selten durch bessere Denkfehler ausgemerzt, sondern durch kluge Handlungen und spielerisches Ausprobieren (oh ja!!! Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt, Schiller). Etwas in uns weiß immer hundertprozentig, was wir wollen und wo es hingeht, nur unser innerer Schweinehund, bestens genährt von Selbstzweifeln, mangelndem Selbstwert und anderen nervigen Querschlägern bleibt bei Vollgas auf der Bremse stehen.

„I want to break free“ sang Freddy Mercury voll Inbrunst. Wo willst du die Eierschale sprengen, um Veränderung anzustoßen und dich bereit für die Wunder zu machen? Wo ist die Freude in deinem Leben? Folge ihr. Und dann geh los. Es geht nicht ohne Arbeit, das wusste von Aquin schon im 13. Jahrhundert. Nehmen wir noch Khalil Gibran dazu, der im „Propheten“ schreibt: „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“. Also, du Wundertüte, du Schöpfergeist, was willst du denn sichtbar machen, wo willst du hervortreten, was ist dein Beitrag, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen für alle? Zeig dich, damit die anderen auch Mut fassen, sich zu zeigen. Raus mit den Teelichtern auf den Scheffel! Es IST Zeit für Wunder!

Allen einen sehr kraftvollen Marstag.

 

Steffi schenkt uns Freude unter die oft schweren Alltagsflügel mit diesem Traumfoto vom Frühlingswald. Bald ist es so weit – dieses Wunder geschieht. Welches ist DEIN WUNDER DES TAGES?

Sich wandelnde Welten und DANKE

Es kommt nicht zu oft vor, dass man an einem Sonntag Geburtstag hat. Unsere erste Kurswoche in der Kneippausbildung wurde pandemiebedingt verschoben, so dass der Tag kursfrei ist. So konnte ich in Ruhe die Post lesen, feine Geschenke auspacken und mich freuen. Allen von Herzen DANKE für eure lieben Grüße und Wünsche, da kann die nächsten 365 Tage wenig schiefgehen.

 

Noch läuft der Flow summit 2021 und bietet manchen spannenden Input. Wenn man so lange in dieser Welt unterwegs ist, stellt man fest, dass sich im Lauf der Jahre mehr Klarheit ergibt, die Suchbewegungen geringer und dafür wesentlich tiefer und zielgerichteter werden. So kann ich leichter als früher entscheiden, was ich mir anhöre und wo ich mir denke – das muss ich jetzt nicht haben. Insofern lasse ich mich von der Angebotsfülle nicht erschrecken. So gab es sehr spannenden Input über Neurotransmitter, die bei vielen Klienten in meiner Praxis ein Thema sind. Die Hirnforschung ist extrem interessant, das Fachgebiet der Psychoneuroimmunologie ist hochspannend. So viele Studien laufen, Forschungen zum Thema Meditation, Hirnwellen und vieles mehr. Wenn unsere Hardware passt, können wir auch entsprechend gute Software aufspielen. Mehr und mehr wird mir die Macht des Denkens immer klarer. Derzeit fällt mir oft so richtig auf, wie wir die Welt sehen – so, wie wir sie sehen möchten. Da kommen oft heftigere Themen und Spannungen auf. Für mich sehr hilfreich, um meine eigenen Themen und Ansichten auf den Prüfstand zu legen und mir klarzumachen, wo ich Denkirrtümern auf den Leim gegangen bin und gehe.

Das freie Wochenende haben wir zudem genutzt, um das WeltenWandlerProjekt einzufilmen und wir beginnen, die Goldwege des Herzens aufzunehmen, damit auch Menschen, die nicht in der Nähe wohnen, die Chance haben, an diesen wunderbaren Kursen teilzunehmen. Ich gewöhne mich wieder an sehr helle Scheinwerfer und alles, was mit dem Filmen zusammenhängt. Es ist nicht einfach, vor einer Kamera zu stehen und zu versuchen, alles, was einem so sehr am Herzen liegt, so auch rüberzubringen, damit der Mensch, der sich das anschauen wird, vom Flow gut mitgenommen wird.

Allen einen wunderbaren sonnigen Wochenstart. Verlieren wir keine Sekunde das Vertrauen in unseren Weg und die Zuversicht, die wir in diesen Tagen stets not-wendig haben.

 

Ein Bild wie ein Gemälde von Stephanie. DANKE.

Der Augenblick ist Ewigkeit

Vermächtnis

 

Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!

Das Ew’ge regt sich fort in allen,

Am Sein erhalte dich beglückt!

Das Sein ist ewig: denn Gesetze

Bewahren die lebend’gen Schätze,

Aus welchen sich das All geschmückt.

 

Das Wahre war schon längst gefunden,

Hat edle Geisterschaft verbunden;

Das alte Wahre, fass es an!

Verdank‘ es, Erdensohn, dem Weisen,

Der ihr, die Sonne zu umkreisen,

Und dem Geschwister wies die Bahn.

 

Sofort nun wende dich nach innen,

Das Zentrum findest du da drinnen,

Woran kein Edler zweifeln mag.

Wirst keine Regel da vermissen:

Denn das selbständige Gewissen

Ist Sonne deinem Sittentag.

 

Den Sinnen hast du dann zu trauen,

Kein Falsches lassen sie dich schauen,

Wenn dein Verstand dich wach erhält.

Mit frischem Blick bemerke freudig,

Und wandle sicher wie geschmeidig

Durch Auen reichbegabter Welt.

 

Genieße mäßig Füll und Segen,

Vernunft sei überall zugegen,

Wo Leben sich des Lebens freut.

Dann ist Vergangenheit beständig,

Das Künftige voraus lebendig,

Der Augenblick ist Ewigkeit.

 

Und war es endlich dir gelungen,

Und bist du vom Gefühl durchdrungen:

Was fruchtbar ist, allein ist wahr;

Du prüfst das allgemeine Walten,

Es wird nach seiner Weise schalten,

Geselle dich zur kleinsten Schar.

 

Und wie von alters her im stillen

Ein Liebewerk nach eignem Willen

Der Philosoph, der Dichter schuf,

So wirst du schönste Gunst erzielen:

Denn edlen Seelen vorzufühlen

Ist wünschenswertester Beruf.

 

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

Der Augenblick ist Ewigkeit – das denke ich oft bei Steffis Bildern. Vielen Dank!

Was willst du eigentlich im Leben?

Unsere Glaubenssätze sind oft wie festzementiert. Felsenfest sind sie im Gehirn wie eingebrannt und alles, was an Neuem hineinfluten mag, wird durch diese Wegweiser in entsprechende Bahnen gelenkt. Soll daran etwas geändert werden, ist das richtig Arbeit, man hört es förmlich im Gebälk knirschen. Neues lernen kann anstrengend sein und doch ist es notwendig, die übliche Komfortzone zu verlassen und durch die Angst- und Lernzone in die Wachstumszone zu geraten, dem Ort, „where magic happens“. Manchmal hoffen wir auf Wunder. Am Ende haben wir uns wenigstens sehr gewundert. Es macht also viel Sinn, sich gut zu überlegen, was man sich konkret wünscht. In aller Regel dürfte es sehr zielführend sein, sich selbst Richtung Ziel zu bewegen, anstatt sich nur in Vorstellungen zu ergehen, wie es wäre, das Ziel zu erreichen und davon zu träumen.

Die meisten Menschen unterschätzen, dass vieles im Leben schlichtweg aus richtig viel Arbeit besteht. Meister wird man nicht, weil man dreimal was gemacht hat und dann glaubt, man könnte es. Meisterschaft, Leichtigkeit, Sicherheit entstehen, wenn man die Dinge viele tausend Mal gemacht, wiederholt, geübt und ausgeführt hat. Scheitern inklusive.

Wir möchten heute alles ohne großen Aufwand, Express geliefert bis an die Haustür, das ist nicht das echte Leben. Schmetterlinge, denen man aus der Puppenhülle hilft, sind zum Tod verurteilt. Einem Kind nehmen wir so viel Grundsicherheit, Vertrauen und Eigenantrieb, wenn wir es in eine bestimmte Richtung ziehen, sein Denken bereits in Schablonen pressen und ihm die Chance nehmen, die Wunder der Welt zu entdecken. Wir wollen, dass es schnell spricht, früh läuft (was dann bereut wird, denn ein Laufling bedeutet massive Anstrengung im Hinterherrennen) und vor allem schnellstmöglich medienkompetent wird. Ehrliche Frage: Was ist denn wirklich der Nutzen daran?

Ein Mensch braucht erst Sozialkompetenz, dann Medienkompetenz. Wir dürfen erstmal die Welt entdecken und lernen, wer wir sind, bevor wir uns vor Kästen setzen in schlechter Körperhaltung, und uns stundenlang damit berieseln lassen, wie toll andere Menschen sind und dann hängen wir an ihren Lippen, wenn sie uns sagen, wie easy going sie xyz geschafft haben. Glauben wir das echt?

Vielleicht gibt es Glückspilze und Genies in Massen. Für die meisten Leute bedeutet das Leben: Jeden Tag auf der Übungsmatte der Menschwerdung erscheinen und richtig tüchtig trainieren. Ob mit oder ohne „Bock“ – das Leben fragt nicht danach, es legt uns die Fragen vor und wir sind aufgefordert, die Herausforderung anzunehmen oder abzulehnen.

Heutzutage lehnen viele gern ab. Es ist zu anstrengend. Ehrlich – schaut euch die Kleinen an. Wenn sie es geschafft haben, sich auf ihre Füße zu stellen und die ersten Schritte zu laufen, haben sie jede Komfortzone krass verlassen. Da stehen sie wackelnd und strahlen über alle Backen, stolz wie Bolle auf sich selbst. Warum nehmen wir mit unserer „steht mir zu“-Affigkeit jeden Tag so viele Möglichkeiten, auf uns selbst stolz zu sein, weil WIR aus eigener Kraft und mit vielleicht richtig viel Anstrengung etwas geschafft haben? Um dann das nächste Level anzustreben, leichter dieses Mal, weil wir das tiefe Wissen einer Mastery experience haben, also das Gefühl „ich hab schon Schlimmeres gewuppt, lasst es uns probieren!“?

Wo willst du an diesem Wochenende deine Schnarchnasenecke verlassen, um dich in eine spannende Herausforderung zu stürzen? Oder, wenn du ein Hamsterrädler bist, dich der krassesten Erfahrung, die du dann machen kannst, auszusetzen – der Stille, dem Nichts und der Ruhe? Schau, was geschieht. Allen ein schönes Wochenende!

 

Ostern naht in sehr kleinen Schritten bei mir. Jedenfalls muss ich erstmal überlegen, wo ich die Karotte aus Filz vom letzten Jahr hingepackt habe 🙂

So kalt ist die Flur

März

Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen,

So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.

Theodor Storm, 1817–1888

Oy-Mittelberg im Oktober 2020

Kommunikationswunder

Am letzten Wochenende ging es in einem Kurs um die spannende Frage, was denn der Mensch ist und was wir meinen, wenn wir Körper, Seele und Geist sagen. Ich fasse es mal griffig zusammen: Ein Kaleidoskop an Erklärungen, Glaubenssystemen, Überzeugungen und Vermutungen ergab sich rasch. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, schreibt Platon Sokrates zu und das trifft es gut. Wir wissen ziemlich wenig von ziemlich viel. Und genau das macht oft auch Probleme, denn wir tauschen uns über das Wenige, was wir wissen, dann leider auch nicht aus, so dass der eine unter Freundschaft was ganz anderes versteht als ein anderer und schon ist sie aufgekündigt.

Klare Begriffe – das scheint uns schwer zu fallen. Bei Zahlen ist es leichter, da sind 12 immer 12. Bei einem Dutzend ist der Spielraum schon größer, weil der Begriff nicht mehr so geläufig ist (es sind 12), aber wieviel ein Schock sind, muss man heute schon fast googlen (60), Mandel ist für uns ein Rosengewächs (das wären 15) und ein Pfund Mehl ist auch ein böhmisches Dorf für die meisten heute.

Auch unsere Sprache ist ein aussterbendes Wesen. Wir pflegen eine Menge Worte nicht mehr und das bedeutet zunehmend Armut. Wenn ich einen Text von Adalbert Stifter vorlese, fällt mir immer wieder auf, wie schlicht wir uns mittlerweile austauschen. Wer kennt noch Purzelbaum, Botschamber, Kabale, Sommervögelein, saumselig, Mumpitz oder macht sich Gedanken, woher manche Begriffe stammen? Ich habe Jahre gebraucht, bis ich das „dutzwitt“ meiner Mutter verstand. Damit meinte sie, ich soll schneller machen und im Französischunterricht kam mir dann „tout de suite“ unter, was „sofort“ bedeutet. Und aus dem Bottschamber wurde ein „pot de chambre“. Klar, wenn man an der Grenze zu Frankreich aufwächst, rutschen in die Sprache viele Ausdrücke der Nachbarn mit hinein.

Herzliche Einladung, an diesem Tag der Venus mal nachzudenken, ob wir, wenn wir kommunizieren, wirklich über die gleichen Dinge sprechen oder ganz andere Vorstellungen von etwas haben, also permanent erfolgreich aneinander vorbeireden? Und uns mal überlegen, was unsere liebsten alten Worte sind wie Kandelaber und Konsorten? Was ist dein Lieblingswort? Warum?

 

Dieter hat diese beiden uralten Baumherrschaften bei einer kleinen privaten Auseinandersetzung entdeckt J Danke für das Foto! So viel zum Wunder der Kommunikation.

Mit dem Wind treiben

Ihr seid nicht in euren Körper eingeschlossen, noch an die Felder oder Häuser gebunden. Das, was ihr seid, wohnt über dem Berg und treibt mit dem Wind.

Khalil Gibran, 1883 – 1931

Maike hat dieses wunderschöne Foto gemacht. Herzlichen Dank dafür!

Frühjahrsputz, innerlicher

Der Frühling inspirierte zu allen Zeiten Dichter und Denker. Vor allem in der Zeit der Romantik war das blaue Band, das durch die Lüfte flattert, ein wichtiges Symbol. Welches Symbol verbindest du mit Frühling?

Meine Nachbarin hat ihre Dekohasen aufgestellt. Eine Klientin berichtete mir, dass sie alles in diesem Jahr mit Primelchen vollgestellt hat und die Osterdeko schon steht, weil in ihr in diesem Jahr so eine Sehnsucht nach Frühling lebt. Offenbar regt der Frühling viele auch zum Fensterputzen und Vorhänge waschen an. Ich habe die Fenster wenigstens mal nach Saharastaub und Winterregen das erste Mal wieder geputzt, der Rest muss warten.

Was ich viel wesentlicher finde, ist der innere Frühjahrsputz. Für viele ist gerade Halbzeit im Fasten. Brennnesseltee und Birkenelixier sorgen für eine gute Durchspülungstherapie. Manche fasten Medien, andere Meckern, die Erfahrung zeigt – less is more. Alles, was wir bewusst loslassen, übt uns für das letzte große Loslassen im Leben.

In diesen Tagen gab es in der Praxis viele Gespräche über den Tod. Ars moriendi, die Kunst des Sterbens, ist eine hohe Kunst. Mit dem Einschlafen üben wir es jeden Tag, auch mit dem bewussten Loslassen von Dingen, die wir für wichtig gehalten haben, die es vielleicht aber gar nicht sind, wie wir dann oft überrascht feststellen. Der Mensch braucht wesentlich weniger, als uns die Welt da draußen klarmachen will. Weniger Konsum in jedem Fall.

Was wir brauchen, sind Werte und ein neuer Blick auf das Thema Ethik sowie die Gelassenheit, uns in all dem zu üben (und kläglich zu scheitern). Aus Freundlichkeit zu uns selbst entsteht ein gewisser Seelenfrieden, der nach außen wirkt und so auch das Umfeld befriedet. Wenn ich aufhöre, meine inneren Themen in die Außenwelt zu projizieren, werde ich frei und das Umfeld ebenfalls. Raum entsteht. In diesem Raum kann vieles neu wachsen und gedeihen wie Liebe, Achtsamkeit und Freundschaft. Zu uns selbst und zu anderen!

Feiern wir also mit Freundlichkeit diesen Jupitertag, den ersten im März. Lassen wir uns überraschen, wie sich der Monat entwickeln mag. Richten wir das Augenmerk mal vom Problem weg zu Lösungsmöglichkeiten, das entspannt.

 

Die erste Primel kämpft sich durch im Garten.

Geht über’s Land ein wunderbares Wehen

Frau Venus

Was weckst du, Frühling, mich von neuem wieder?
Dass all‘ die alten Wünsche auferstehen,
Geht über’s Land ein wunderbares Wehen;
Dass schauert mir so lieblich durch die Glieder.

Die schöne Mutter grüßen tausend Lieder,
Die, wieder jung, im Brautkranz süß zu sehen.
Der Wald will sprechen, rauschend Ströme gehen,
Najaden tauchen singend auf und nieder.

Die Rose seh‘ ich geh’n aus grüner Klause
Und, wie so buhlerisch die Lüfte fächeln,
Errötend in die laue Flut sich dehnen.
So mich auch ruft ihr aus dem stillen Hause –
Und schmerzlich nun muss ich im Frühling lächeln,
Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen.

Joseph von Eichendorff 1788 – 1857

Im Garten der Klinik Arlesheim blüht es vermutlich in einigen Wochen auch wieder so zauberhaft wie vor einigen Jahren.

Deine stabile Mitte finden

Morgens Winter, mittags Frühling. Die Kleiderwahl in diesen Tagen besteht aus Schichtenlook. Wie oft bräuchten wir einen seelischen Schichtenlook, denn manche Tage zeigen einen erstaunlichen Ritt durch diverse Gefühlslagen. Genau das wird uns seit einem guten Jahr zum Verhängnis – wir sind es nicht mehr gewohnt, mit Unerwartetem im Leben umzugehen.

Der Steinzeitmensch muss große Sorgen gehabt haben. Er war durch Tiere bedroht, die mit ihm um die karge Nahrung im Wettstreit standen. Er hatte kein Haus mit Klo und Warmwasser, sondern musste schauen, wo er einen Unterschlupf findet, der noch nicht bewohnt war. Ackerbau und Viehzucht sind die Grundlage der Kultur. Erst damit begann die Sesshaftigkeit, bis dahin folgte der Mensch der Nahrung. Ein Gewitter war angstauslösend, weil man nicht wusste, warum die Götter erzürnt sind, wenn sie grollten und wütend Blitze schickten, aber auch Feuer damit auf die Erde kam.

Heute sind wir so gestresst wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Unser Gehirn hat im Bereich der Stressverarbeitung nach wie vor das Steinzeitgehirn: Fight or flight heißt die Devise, die Ausschüttung der Stresshormone erfolgt auch bei Telefonanrufen, Gemecker vom Chef oder der derzeitigen Mehrfachbelastung, wie sie nach wie vor in den Familien herrscht. Wir sind also dauerhaft im Betazustand unserer Gehirnwellen, auf Neurotransmitterdroge und Adrenalinjunkies geworden. Wenn man ohne Familie weniger Aufregung hat, weil alles seit einem Jahr ausgebremst ist, braucht es Ersatz durch Actiongames und anderes.

Wie immer geht es um eine Mitte, um wirklich gesund zu bleiben, zu werden oder zu sein. Ein guter Wechsel aus Bewegung, Anspannung, Entspannung. Ab und an die Metaebene, um die eigene Lebenssituation mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wie oft wäre es hilfreich, wie die beiden alten Herren aus der Muppetsshow in ihrer Loge das eigene Leben mit Abstand zu betrachten und dann zu entscheiden, ob man auf etwas reagiert und wenn ja, wie. Das wäre hilfreicher, als sofort das gesamte Stressprogramm ablaufen zu lassen. Da wir Stress nur durch Bewegung abbauen, die aber nicht haben, ist das ohnehin nicht die optimale Strategie mit der Daueraufregerei.

Das richtige Maß ist eine hohe Form der Lebenskunst. Wir brauchen den Wechsel zwischen An- und entspannung, Bewegung und Ruhe, Meditation und hellwache Begeisterung, alles kreist um eine stabile Mitte. So, wie die Woche um den Mittwoch kreist, die Mitte der Woche und Merkur gewidmet ist, dem Gott der Kommunikation, der zwischen den anderen Göttern mit Botschaften höchst beweglich hin und her flitzt und dem das Quecksilber zugeordnet ist. Allen einen bewegenden und beweglichen Wochenteilungstag!

 

Noch mehr Wege – beim Wandern finden sich viele mögliche Wege, so wie diesen, den Theresa auch auf dem Jakobsweg fotografiert hat.
Vielen Dank!

Wandelzeiten

Auch wenn jetzt wieder ein paar denken – hä? Ist doch erst Montag. Richtig. Damit man sich auf etwas einstellen kann und viele nicht direkt morgens lesen, sondern nachts, kommt in der Regel am Vormittag der Input für den Folgetag. Und heute noch früher, weil ich gleich im Auto sitze und zu meinen Eltern fahre. Dort stehen heute jede Menge Arzttermine an, die ich fahre, Betten müssen frisch bezogen werden und vieles mehr. Da steht mir dann der Kopf woanders und bis ich nach Hause komme, ist Praxis, da komme ich nicht zum Schreiben.

Diese Zeiten geben mir viel Gelegenheit, um über das Alter nachzudenken und wie unterschiedlich sich Alter zeigt, wenn jemand sich weitgehend gesund fühlt wie meine nach wie vor alleine lebende Schwiegermutter mit 96 Jahren (!) oder viele Krankheiten den Alltag belasten wie bei meinen 85 Jahre alten Eltern, die zudem noch meinen behinderten Bruder (51) pflegen. Wie sich das alles entwickeln wird, weiß keiner.

Da teile ich die Herausforderung mit vielen Frauen meines Alters. Die Kinder sind selbstständig und gut aufgestellt, man denkt – so, super, endlich kann ich mal ne Menge von dem umsetzen, was ich so vorhabe im Leben und schon kommt das Thema Wechseljahre-Altersbegleitung von Eltern. Es ist nochmal ne andere Hausnummer, wenn ein behinderter Mensch mit im System ist und es dann mit einem Schlag drei Pflegefälle werden.

Allein der Bürokram, der Kampf mit Krankenkassen um Windeln, Taxifahrten, Hilfsmittel und Orthesen wäre ein Fulltimejob. Menschen mit chronischem Nierenversagen brauchen dauernd Urinkontrollen. Mittlerweile transportiere ich in meiner Getränkehalterung längst keinen Kaffee mehr (würde eh nur Herzrasen erzeugen), sondern Pipidosen. Wo früher Kinderwindeln im Fond lagen, liegen heute Bügelbrett (meine Mutter bügelt bis heute auf dem Tisch mit einer Decke, ich nicht, also verstaue ich im Fiat Panda ungelogen ein Bügelbrett. Es geht!!) und Kochkisten mit dem Essen für mehrere Tage, das ich vorgekocht habe, damit sie es nur warmmachen müssen. Fensterputzen, Garten, all das werden heute Themen, die mich in den Wahnsinn treiben können, denn ich habe eine sieben Tage-Woche mit meiner Arbeit, finde saubere Fenster überschätzt und den Garten halte ich für Hausherrensache. Mit 85 hat man jedoch sehr genaue Vorstellungen, wie alles zu laufen hat und wo der Vater früher für einen vergessenen Liter Milch losgeschickt wurde, kaufe ich einmal die Woche groß ein und was vergessen ist, gibt es halt nicht. Da prallen Welten aufeinander.

Der Vorteil – ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es vielen Klienten in ähnlicher Situation geht. Leider ist das nach wie vor ein Frauenthema der Generation Frauen, die jetzt zwischen 45 und 65 Jahre alt sind. Ich sehe sehr deutlich, was die innere Haltung in Bezug auf würdevolles Alter ausmacht. Ich lerne, ich übe und trainiere Geduld und Gelassenheit im Bootcamp (alles geben die Götter ihren Lieblingen ganz).

Deshalb allen schon am Montag einen wunderbaren Marstag mit kraftvollen Energien!

 

Für viele Menschen ist das eine Sehnsuchtsbucht im Süden Frankreichs zwischen Wassersport und mondänem Flair. Annemarie hat das Foto gemacht. Danke!

Märzbeginn

März

Es ist ein Schnee gefallen,

Denn es ist noch nicht Zeit,

Dass von den Blümlein allen,

Dass von den Blümlein allen

Wir werden hoch erfreut.

Der Sonnenblick betrüget

Mit mildem, falschem Schein,

Die Schwalbe selber lüget,

Die Schwalbe selber lüget,

Warum? Sie kommt allein.

Sollt ich mich einzeln freuen,

Wenn auch der Frühling nah?

Doch kommen wir zu zweien,

Doch kommen wir zu zweien,

Gleich ist der Sommer da.

Johann Wolfgang von Goethe,1749 – 1832

Noch sind wir nicht vor Frost gefeit, das hat auch Ursula beim Fotografieren entdeckt. Danke für dein Foto!

Wer inspiriert dich?

Manche Wochenenden sind klasse. Nachdem sich die angehenden Heilpraktiker am Freitag prima durch Medikamente gekämpft haben, ging es am Samstag um die Themen „Labyrinth als Symbol des Lebenswegs“ und „Temperamente“ bei den angehenden Cardea-Therapeuten und bei den Rogerskursteilnehmern um die Frage: Was inspiriert mich? Wer bin ich? Wie kommuniziere ich mit mir und mit meinem Gesprächspartner auf gute Weise? Inzwischen sind wir fit im Üben im Dreiergruppenraum online. Nach einem Jahr Erfahrung wissen wir, was wo wie funktioniert und was angepasst werden muss an diese Form der Lehrstoffvermittlung. Danke allen, die so super mitgearbeitet haben!

Was inspiriert mich – die Frage finde ich so wesentlich. Die Welt ist voller Inspirationsquellen. Das können Menschen sein, Organisationen, ich erlebe viel Anregung durch Pflanzenbeobachtung und Natur generell. Mich fasziniert das Wissen unserer Altvorderen um die Signaturenlehre – sie konnten an Pflanzen ablesen, wofür sie geeignet waren. Farbe, Form, Wachstum, Blattform – all das wussten die Menschen früherer Zeiten und konnten dieses Wissen bestens verwenden. Menschen, die so sehen gelernt, diese Achtsamkeit kultiviert haben, wären vermutlich entsetzt über unser modernes Nichtwissen.

An Kurswochenenden wie diesem versuche ich, in den Teilnehmern eine Neugierde zu entflammen – auf sich selbst, die Welt, ihren Platz darin, ihre Wünsche, ihr Ikigai, also das, was sie antreibt, morgens aufzustehen. Ich lade ein, sich kennen zu lernen, zu erfahren, zu hinterfragen. Wach zu sein und zu werden. Wahrnehmung zu erleben statt glotzen. Lauschen lernen, anstatt sofort auf etwas zu reagieren. Es sind eher Innerungen als Äußerungen, die wir üben. Es geht mehr um Ent- als Verwicklung.

Der Buddha zugeschriebene Satz „Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust“ könnte eine wunderbare Richtschnur sein für unser Alltagshandeln. Was ist dein Schritt heute, deine „Tat“, deine Handlung, die du für deine Zukunft tun wirst? Welche eine Sache bist du bereit, heute für dich zu tun auf deinem eigenen Entwicklungsweg? Was ist heute dein Geschenk an die Welt?

Ich habe ein wunderbares Geschenk bekommen! Eine Dame schickte mir eine Mail mit einem Foto von einem selbstgemalten Aquarell, einer zauberhaften Tulpe. Mit dem Hinweis, das habe sie zum Trost gemalt für mich, weil meine Vorträge in der Alten Synagoge Kitzingen noch ausfallen. Das sind so Momente, da bin ich echt gerührt. DANKE. Wie schön. Ich vermisse euch alle auch!

Allen einen wunderbaren Wochenstart in die erste Märzwoche. Ist das nicht aufregend? Lebst du deine Zeit oder überlebst du?

 

Danke an Manuela für das wunderbare Foto, das uns die grazile Schönheit der Pflanze wirklich gut vors Auge stellt.

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