Monthly Archives: Mai 2020

Mittwochs-Nachdenk-Input

Lincoln war extrem beschäftigt. Er hatte sein Land als 16. Präsident der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert zu regieren. Er sorgte dafür, dass die Sklavenhaltung abgeschafft wurde, was ihm viele Feindschaften eintrug. Lincoln ist in einer Blockhütte unter harten Bedingungen aufgewachsen. Walt Whitman schrieb nach Lincolns Tod das Gedicht „O Captain! My Captain!“, was Filmfreunden des Clubs der toten Dichter bekannt vorkommen könnte.

Schon als Kind habe ich angefangen, Biografien zu lesen. Ich wollte wissen, was Menschen antreibt, zu werden, was sie wurden. Es hat mich beeindruckt, dass Sebastian Kneipp aus einer extrem armen Weberfamilie stammte und obwohl sein Elternhaus abbrannte und er kaum Unterstützung hatte, seinen Traum vom Pfarrerdasein durchzog, obwohl er fast an Tuberkulose gestorben wäre. Er hat sich selbst kuriert – mit Schwimmen in der kalten Donau im Winter und fortan war das Wasser sein Lebenselixier, eine wichtige Wende. Ich verschlang Ferdinand Sauerbruchs „Das war mein Leben“, das ich endlich mit 10 bekam, weil ich wissen wollte, wie jemand denkt, der die Unterdruckkammer entwickelt, obwohl keiner vor ihm Menschen bei offenem Brustkorb operieren konnte (am meisten mitgenommen hatte mich dann die Tatsache, dass sein Hund, den er darin operierte, verstarb wegen einer defekten Dichtung). Das war die spannende Zeit, in der Menschen auf dem Mond landeten und Christian Barnaard das erste Herz verpflanzte. Alles, alles würde möglich sein, ich war in einer Zeit der Optionen gestartet!

Ich las eine Biografie nach der anderen und hatte die Hoffnung, dass all diese Menschen, die mir vorangegangen waren, die unglaubliche Taten vollbracht hatten, die jeden Tag zeigten, dass man Grenzen überwinden kann, es schaffen würden, die Welt zum besten Ort überhaupt zu machen und mich damit wie aufforderten, selbst zu wachsen, damit das alles auch Bestand hat.

Ich lese immer noch Biografien. Ich habe verstanden, dass all diese Menschen, deren Biografien ich gelesen habe, eines gemacht haben – sie haben sich konsequent ihrem Weg verschrieben. Sie haben sich weder verführen noch blenden noch abhalten lassen, ihre eigenen Grenzen zu sprengen. Sie sind viele Extrameilen gelaufen. Sie haben genau an dem Punkt nicht aufgegeben, an dem wir gern alles hinwerfen. Sie haben etwas geglaubt, das alles verändern kann: an sich, ihren Weg und die Möglichkeit, dass immer dann, wenn sie es brauchen, auch die not-wendige Kraft  entstehen wird, um diesen einen Schritt zu tun, der den Unterschied macht. Wann immer ich denke „oh nee, das ist jetzt echt zu schwer“, schaue ich in die Augen der Ärztin Dr. Ita Wegman, die auf meinem Schreibtisch steht, und stelle mir das Arbeitspensum vor, das sie jeden Tag im Dienst ihrer Patienten bewältigte. Dann atme ich tief durch und denke mir „okay, einmal eine Runde durchs Zimmer tanzen und weiter geht’s, aufgeben ist nicht.“

Was sind deine „geistigen Väter und Mütter“, wer inspiriert dich, schafft es, dich immer wieder zu motivieren, auf wessen Bild auf dem Schreibtisch schaust du also?

Allen einen sehr inspirierten Tag. Mit der hilfreichen Sorgenpause à la Lincoln natürlich.

Danke an Dieter für das Farbleuchtefoto!

Sorgenzeit

Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und in dieser Zeit mache ein Nickerchen.

Abraham Lincoln

Die Pause hat Theresa auf dem Jakobsweg genossen. Danke!

Dienstags-Nachdenk-Input

Das Wetter wäre perfekt für den Garten. Wäre, die Woche ist mit Aufgaben bestückt, so dass der Garten warten muss. Was den Garten freut, denn er gestaltet sich gerade frisch grün, nachdem wir ja in gigantischen Nachtaktionen (besser gesagt Morgengrauen-Aktionen) alles Unkraut draußen hatten. Kaum waren wir hinten fertig, sah es vorne aus, als wäre schon lange keiner mehr da gewesen. Dafür wächst der Salat farbig hocherfreulich, der bunte Mangold reckt sich in die Höhe und ich versuche den Schnecken im Beet Botschaften zu senden, dass sie meine Erdbeeren ausnahmsweise dieses Jahr mal hängenlassen sollen.

Hinter den Kulissen können sich die Leser der Holunderelfe vorfreuen! Herausgeberin Kristin Ritschel hat ein wunderbares Heft zusammengestellt, das jetzt gerade durch meine Hände und dann anschließend in die Druckerei geht. Ein pralles Sommerheft. Das macht richtig gute Laune!

Besonders bewegt hat mich letzte Woche die Aufstellungsarbeit. Es gab so viele Aufstellungen wie noch nie in einer Woche! Wir arbeiten derzeit überwiegend mit Kissen,das ist sehr tiefgreifend. Aufstellungen dienen der Erkenntnis von Zusammenhängen, der Erhellung verkrusteter Strukturen und weisen Wege, wie künftig mit einer anderen Sicht Belastungen aufgelöst werden können. Dabei werden viele Glaubenssätze sichtbar, ergibt sich die Chance, die fatalen negativen Mantren zu verändern. Wir stellen am Ende das persönliche Kraftteam dazu, da ergeben sich oft auch erstaunliche Ressourcen. Ich bin so dankbar für diese Arbeit! Sie kann vieles zum Guten anstoßen, darum geht es immer, bei jedem Termin mit Menschen. Wo stehe ich und wo geht es hin? Wie gelange ich in machbaren Schritten von A nach B? Welche alten Muster und Strukturen sind wie Gummibänder, die mich immer wieder zurückziehen und wie löse ich sie auf?

Ich freue mich auf diesen Dienstag, der hoffentlich viel Kraft von sich aus mitbringt, die wir als Geschenk der Dienstage annehmen und einsetzen dürfen. Für die kleinen Pausenmomente im Leben, in denen wir durchatmen, bei uns ankommen, dem Tanz des Cortisols in unserem Körper die Berechtigung nehmen, hat uns Sigrid das feine Drachenfoto vom Meer geschickt. „Tabalugas“ haben den Himmel belebt und den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das verteilen wir hiermit – das schönste Lächeln, das uns möglich ist, verbunden mit Freude, Herz und Tatkraft! Einen kraftvollen Dienstag euch allen.

PS: Erzeugen wir eine neue Pandemie. Infizieren wir möglichst viele Menschen mit unserem schönsten Lächeln, das aus dem tiefsten Herzen kommt und sagt: Hallo! Schön, dich zu sehen. Ist es nicht großartig, dass gerade wir uns gerade jetzt begegnen können? Ich danke dir. – DAS ist die wahre Pandemie der Veränderung.

Der Sonne Licht

Der Sonne Licht

Es hellt den Tag

Nach finstrer Nacht:

Der Seele Kraft

Sie ist erwacht

Aus Schlafes Ruh‘:

Du meine Seele

Sei dankbar dem Licht

Es leuchtet in ihm

Des Gottes Macht;

Du meine Seele

Sei tüchtig zur Tat

Rudolf Steiner

Vielen Dank an Steffi für das wunderbare Morgenfoto.

Montags-Nachdenk-Input

 

Einen Lieblingsplatz hat Sigrid mit der Kamera entdeckt, DANKE. Wir mögen Lieblingsplätze. Was ist DEIN Lieblingsplatz daheim? Von manchen Menschen weiß ich, dass es ihr heißgeliebter Kachelofen im Winter ist, an dem sie einen Platz haben, mit Wärme im Rücken, der schnurrenden Katze neben sich. Andere bevorzugen ihr lauschiges Plätzchen im Garten unter einer Pergola, die mit duftendem Geißblatt umrankt ist und sie zu Gedichten inspiriert. Wieder andere haben Lieblingsplätze draußen in der Natur, an denen sie mit dem Hund vorbeikommen, oder wie Martina und Stefan Orte, an denen sie ihre Kristallklanginstrumente herausholen und die Naturreiche grüßen.

Mein Lieblingsplatz ist nicht im Außen zu finden. Es ist ein uralter großer Ohrensessel, den es schon in meiner Phantasie gibt, seit ich ein Kind bin. Ich verschwinde in diesem riesigen plüschigen Ohrensessel. Die „Ohren“ sind so weit um mich herumgebogen, dass ich fast versteckt dahinter bin, eingehüllt und muckelig ist es da. Ich habe ein Ablagefach, in dem steht meine Teekanne auf dem Stövchen, die Tasse mit den Kluntjes daneben und ein Teller mit Keksen. Auf der anderen Seite öffnet sich das Ohr zu meiner Bibliothek hin. In der Phantasie meiner Kindheit waren es Regale bis zur Decke, gefüllt mit den herrlichsten Buchrücken, die die wunderbarsten Aufregungen bargen und es wäre meine Lebensaufgabe, all diese Bücher zu lesen, denn sie sterben, wenn man sie nicht liest und achtet. Bücher brauchen Menschenaugen, die sie öffnen, sich hineinstürzen ins Abenteuer des Lesens, die Buchdeckel schließen sich, solange man in der Buchwelt lebt und schützen den Leser vor der nervigen Außenwelt, die dauernd etwas von einem möchte.

Eines der ersten Bücher, die ich für meine Kinder zum Privatgebrauch schrieb, als sie krank daheim waren und Geschichten hören wollten, war die Geschichte einer Leseratte (was denn sonst), die natürlich in einer Bücherei lebte und nachts, wenn alles still war, mit der Rohrpost umherfuhr und in die Bücher steigen und die Abenteuer darin miterleben konnte. Logisch musste sie sich dann auch in der wahren Welt bewähren! Helden im Buch müssen auch mal auf Alltagstauglichkeit getestet werden.

DAS ist der Lieblingsplatz meines Lebens – eine Bücherwelt mit genug Tee und der Gewissheit, dass ich begeistert aus dem Leseland komme, weil es ein Autor geschafft hat, eine Welt auferstehen zu lassen, in der ich als Leser für eine gute Weile, vielleicht sogar für immer, beheimatet sein darf.

Was ist DEIN Lieblingsplatz?

Einen mond-freundlichen Wochenstart von Herzen!

Wirklicher als der Mond

Meine Träume sind wirklicher als der Mond, als die Dünen, als alles, was um mich ist.

Antoine de Saint-Exupéry

Diesen Weg durch die Dünen hat Sigrid fotografiert, lieben Dank!

Wochenend-Nachdenk-Input

Meine Arbeit ist so spannend. Für mich ist es immer wieder staunenswert, was Menschen an Schicksalen stemmen und welche kreativen Lösungen unser System anbieten kann. Zwischen Herkunftsfamilie und Zukunft spannen sich unsere Lebenssysteme auf, prägen uns, stellen uns vor Herausforderungen, bieten Reibungsmöglichkeiten und Wachstumschancen. Da wir derzeit natürlich nicht mit „Menschenteams“ aufstellen, rücken die „kleinen Varianten“ mit Brett, Kissen und anderem stärker in den Mittelpunkt und bieten vielfältige Erkenntnismöglichkeiten. Daraus dann Handlungsoptionen zu entwickeln, ist der zweite Schritt.

Am Morgen beim Einkaufen ist mir aufgefallen, dass viele Menschen den Brückentag zum Ausschlafen genutzt haben, es war herrlich leer, das ist schön, dann geht es fix. Keine Kassenschlange – das war sehr ungewohnt, wobei ich schon zu eher untypischen Zeiten einkaufen gehe.

Das frischgewaschene Auto hat gestern ein kostenloses Blütenfeinstaubbad abbekommen und ist jetzt gelbgemustert. Auf einem frischen Fahrzeug sieht sowas gleich viel besser aus, finde ich. Bietet viel mehr Möglichkeiten, so ein sauberes Auto.

Facetten des Alltags – als würde ich in ein Kaleidoskop schauen. Tiefe Erkenntnisse, Auflösen von Mustern, Erarbeiten neuer Perspektiven, dazwischen Wäsche waschen und bügeln, Gemüse und Salat schnippeln, kochen, staubsaugen, Mails beantworten, einkaufen und wieder eintauchen in den nächsten Arbeitsprozess. Bunt wie das Leben, schillernd und schaurig schön. Leben eben.

Allen ein gutes, gesundes und frohes Wochenende. Vielleicht mit Wegen wie diesen, den Manuela festgehalten hat. Da wächst unser Essen für 2021. Hoffentlich unbeschadet.

 

 

Ur-Grund

Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so hat die Liebe eines Menschen ihren rätselhaften Grund in Gottes Licht.

Søren Kierkegaard

Das zauberhafte Seenbild verdanken wir Steffi.

Freitags-Nachdenk-Input

Verschlungen sind die Pfade, die wir im Leben gehen. Wir treten an und denken linear. Wir haben einen Startpunkt. Wir haben ein Ziel. Wir setzen den Fokus und laufen los. Von A nach B brauchen wir nach unseren Berechnungen so und so lange. Los! Und peng! Kommt das Leben und sagt – nö. Der Weg verschwindet im Dickicht. Die Brücke, die wir erwartet hatten, gibt es nicht mehr. Aus der Furt wurde ein reißender Fluss, wir können das Wasser nicht queren und laufen Wochen auf der Suche nach einer anderen Furt. Wir werden in Geschehnisse verwickelt, haben ein Versorgungsproblem, stürzen, verunfallen oder werden krank. Wir erleiden massive Gedächtnisverluste, es entfällt uns gar das Ziel. Was war das nochmal? Was wollten wir wirklich, was war unser Lebensauftrag? Verschwunden im Off, verloren und oft genug haben wir das Entschwinden der Klarheit nicht mal ansatzweise wahrgenommen. Anderes wird wichtig. Job. Geld. Familie. Urlaub. Pflege von Eltern. Hobbys. Was fürn Ziel und warum überhaupt, ist doch nett so. Und doch bohrt und nervt da etwas Ungelebtes, merkst du das?

Vergessen wir das lineare Gehen. Tanzen wir spiralig. Wir kommen immer wieder an schmerzhafte Punkte und Muster im Leben – wenn wir uns weiterentwickeln, sehen wir sie von einer immer höheren Metaebene aus und kommen besser klar damit. Wir dürfen uns bewusst machen, dass das Leben ein Tanz ist – zwei Schritte vor und einer zurück wie einst im Labyrinth, einem wunderbaren Symbol für das Leben. Wenn wir meinen, am Ziel zu sein, führt uns ein Weg noch einmal ganz außen herum.

Wir haben zwei Aufgabe: In unserem Herzen wieder den Ursprungsauftrag unserer Existenz zu finden. Was soll ich in diesem Leben tun? Was ist mein Beitrag für die Welt? Und zum anderen, zu akzeptieren, dass Wege in der Natur niemals linear sind, sondern geschwungen, mit harten Höhenmetern und tiefen Schluchten. Wir wissen auch aus der Forschung, dass eine Kugel in der Kugelbahn schneller ist, wenn sie Wellentäler durchrollt als wenn die Strecke gerade ist. Die Täler scheinen Schwung zu geben! Nehmen wir also Schluchten notfalls zum berechtigten Schluchzen. Dann mit frischem Mut bergan. Wenn wir dem Herzen, dem Flow, der Freude folgen, sind wir auf dem Pfad der Bestimmung unseres Lebens. Da treffen wir nicht allzu viele andere, doch wir erkennen – so mancher geht neben uns her. Gemeinsam erkennen wir uns, reichen uns die Hand und machen die Welt zu einem guten Ort. Jeder auf seine Weise, mit seinen Talenten, Gaben und Geschenken. Und mit seinen Schwächen, Schattenseiten und Problemen. Entscheidend ist unser Umgang mit dem Schatten, dem Problem. Annehmen und ganz werden ist der Plan.

Vielleicht erreichen wir als besonderes Geschenk des Lebens den Punkt ganz am Ende, wenn wir rückblickend erkennen: unser Lebensweg hat ein wunderbares Muster ergeben. Wir sind ja gar nicht vom Pfad abgekommen, jede Abzweigung hat uns direkt wieder zurückgeführt. Was uns oft hat verzweifeln lassen, war in Wirklichkeit nur Aufsammeln von Erkenntnis, Lernen und Vertrauen üben.

Allen einen wunderbaren Venustag mit der Kraft des Glaubens an den eigenen Weg, den keiner für uns gehen kann. Nur wir. Also steh auf und geh ihn. Er entsteht, wenn du die ersten Schritte machst, keine Sorge, er ist da und wartet auf dich.

Den Waldpfad hat Steffi entdeckt. Ich danke allen Menschen so sehr, die mir ihre wunderbaren Fotos senden. Jeder einzelne Nachdenk-Input entsteht beim Betrachten eines Fotos. Die Bilder und manchmal auch das Zitat geben mir den Impuls fürs Schreiben. Je nachdem, was zuerst da war.

Ewigkeit

Wisse Arjuna: Es gab nie eine Zeit, da weder ich noch du nicht war. Noch diese Könige. Und es wird nie eine Zeit geben, da wir nicht sein werden.

Aus der Bhagavad Gita

Diesen zauberhaften Gruß hat Steffi für die Ewigkeit festgehalten

Donnerstags-Feiertags-Nachdenk-Input

Vatertag. Früher, vor Pandemiezeiten, ein Anlass, den Leiterwagen rauszukramen und eine Wanderung mit berauschenden Getränken zu machen. Wäre heute auch ein perfekter Plan, das Wetter ist warm. Es geht auch ohne Bierfass und Kumpels, sondern mit der eigenen Familie und Spielsachen für den ersten kurzen Hüpfer in den Badesee bis zu den Knien (je nachdem). Allen Vätern einen erfreulichen Tag.

Und für die Nichtväter: Christi Himmelfahrt ist der eigentliche Feiertag.

Was die letzten Wochen alles erzeugt haben in den Menschen, ich staune. Ich bekomme spannende Angebote, um mein Wissen zu optimieren (Es ist mir bewusst, wie gering es ist, was ich weiß und dass man diese Lücke niemals stopfen kann, weil Erkenntnis permanent weitergeht). Kurseinladungen, um mich optimal zu präsentieren (das hat sich erledigt, wenn mein Sandra-Bullock-Ganzkörperkostüm in meiner Größe lieferbar ist, bis dahin muss es reichen, dass meine Naturhaar-Friseurin Heidi Hanselmann tätig war). Anregungen, wie ich meine Sprache verbessern kann (lustig. Ich habe nach der Journalistenausbildung auch Rundfunk gemacht, hat sich wenig verändert seit damals mit den Übungen). Man hat mir sogar einen Kochkurs angeboten! Holla! Ich überlege seitdem, welcher meiner Schüler unzufrieden mit dem Essen war.

Es kostet mich Zeit, all diese Angebote wegzuklicken. Zeit, in der ich lieber was mit meinem Bücherstapel mache, Geschirr spüle oder nachdenke. Klar will jeder was verkaufen. Vollkommen legitim, mache ich auch. Dennoch fehlt mir oft die Magie der Werbung. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass wir früher jeden Tag neu verhandeln mussten. Nach dem Sandmännchen war damals theoretisch der Tag beendet, wir bettelten stets, „wenigstens noch den Werbefunk“ angucken zu dürfen. Leute meiner Generation können den General mit Bioalkohol, die wilde Frische von Limonen, den Hafer- und Bananenblues, Biff aufsprühen im Tiefschlaf singen. Ich stelle fest: damals war die Welt überschaubarer. Da brauchtest du nur einen Riegel, der verbrauchte Energie sofort zurückbringt. Heute müsste ich mich gefühlt zwischen 45.928 Kaffeemaschinen und etwa 2000 Sorten Kaffee entscheiden. Ich werde es auch an diesem Tag halten wie an allem anderen: In meine Tasse kommt nur Tee. Die Tasse selbst ist 42 Jahre alt. Handgekauft in der Provence beim Schüleraustausch in Frankreich. Mit Sprung, Patina und unerreichtem Charme. Mein Beitrag zu simplify your live.

Genießt eure Schätze, die schlichten Dinge. Sie sie die wahrhaft Großen und brauchen keine Werbung.

Danke an Ursula, die mit sehr genauem Blick die bevorstehende Geburt eines Blattes festgehalten hat.

Föhre, gewärmt

Mittag-Stille

In der blauen Mittag-Stille
stehn die Föhren ohne Regung;
hält des Windes wilder Wille
einmal nicht sie in Bewegung?
Wie sie dem Gebieter grollen,
der sie Tag und Nacht ohn‘ Ende
zwingt, Gehorsam ihm zu zollen,
Flüsterlob und Wohlduft-Spende!

Und sie rühren keine Nadel,
träumen stumm ins blaue Schweigen;
selber ihren Groll und Tadel
haben sie nicht Lust zu zeigen;
kurzes Spechtgeklopf umlärmt sie,
Brummvolk summt nach süßem Lohne,
tiefes Wohlgefühl durchwärmt sie
von der Wurzel bis zur Krone.

Christian Morgenstern, 1897

Danke an Ursula für das Foto!

Mittwochs-Nachdenk-Input

Die Zeiten sind bewegt und bewegend. Draußen toben die Meinungsverschiedenheiten zwischen „alles auf normal stellen“ und „Achtung zweite Welle“. Orientierung ist für Normalsterbliche nicht wirklich möglich, also lasse ich es sein und übe mich in Zurückhaltung, staune über die Verbissenheit des Kampfes und die Sinnlosigkeit von Hass, der nie etwas anderes erzeugt als wieder Hass. Das kann in keinem Fall eine Siegerstrategie sein. Ich bevorzuge Offenheit, Gespräch, Faktenlage und in Sachthemen möglichst wenig Emotionalität, sie hilft da nicht wirklich.

Drinnen kämpfen die Menschen ihren eigenen Kampf. Die Dame an der Kasse im Supermarkt, die Probleme hat, weil sie in den Wechseljahren ist und ihr die Maske das Gefühl gibt, nicht genug Luft zu bekommen, so dass sie von einer Hitzewallung in die andere fällt, restlos erschöpft ist, sich dann im Kühlhaus beim Warenholen eine Erkältung einfängt und sich alles verschärft. Mein behinderter Bruder, der eine Maske tragen soll, wenn er dreimal die Woche mit dem Krankenwagen abgeholt wird, damit in der Klinik der Verband an seinem Knie gewechselt werden kann. Für ihn ein Alptraum, er muss auf eine Trage, er wird von fremden Menschen angefasst und jetzt eine Maske! Für hospitalisierte Autisten mit schwerster geistiger und körperlicher Behinderung ist das der Alptraum ever. Er versteht das mit der Maske nicht und irgendwelche Aufforderungen, er möge sie aufsetzen, löst in ihm nur einen Angstanfall aus, der krasse Folgen haben kann. Wenn er von der Bahre springt, sind 10 Monate Klinikaufenthalt und seit Corona die Fahrten dreimal die Woche ins Krankenhaus dann mal wieder für die Katz. Hatten wir alles schon, damit befasst ist er nun seit drei Jahren und meine alten Eltern mit, die das kaum mehr bewältigen.

Die Kindergärtnerin, die Panikattacken hat und in der Krippe arbeitet. Wenn die Kleinen weinen und sie darf sie nicht in den Arm nehmen, wenn, dann mit Abstand und Maske – was macht das mit Kindern, die in ihrem Fall Frühchen waren und nun langsam aufholen sollen, sie brauchen erst recht Körperkontakt und Umarmungen.

Menschen, die mir in der Praxis gegenübersitzen und Angst haben, weil während des Lockdowns klar geworden ist, dass die Partnerschaft nicht mehr trägt. Wie soll es weitergehen, wo einer der Partner seit Wochen Kurzarbeit hat und der andere als Selbstständiger keine Aufträge, weil Gastronomie? Wie soll das gehen, fünf Jahre nach dem gemeinsamen Hausbau und drei Kindern?

Mütter mit behinderten Kindern, die seit sieben Wochen daheim sind und die weiter freigestellt bleiben müssen für die Pflege des Kindes und überfordert sind mit dem Kind, der Pflege, dem Homeschooling der anderen Kinder und der Unsicherheit, wie sie wieder ins Arbeitsleben kommt, denn ihr Arbeitsplatz muss besetzt werden und sie hat als Alleinerziehende keinen Plan, wie das gelingt.

Es sind schwere und bewegende Zeiten. Schicksale werden massiv und geballt neu gemischt. Menschen müssen sich jetzt ganz neu erfinden, weil das, was sie bisher gemacht haben, mit einem Schlag vorbei ist.

Vieles muss sich nun erst einmal sortieren. Dampf muss raus, Dinge müssen sich setzen und angeschaut werden, um zu einer neuen Bewertung zu gelangen, was bleiben kann und was nicht. Es geht hier in jedem Fall und immer um Menschen. Menschen mit Ängsten und Nöten, mit Visionen und genialen Ideen, um Menschen, die erst groß werden sollen und Sicherheit und Geborgenheit brauchen, um Menschen, die alt sind und sich Sorgen machen, wie es weitergeht.

Respekt für alle, die in diesen Wochen stabile Faktoren im Umfeld ihrer Mitmenschen sind. Die unaufgeregt ihre Arbeit tun und versuchen, selbst immer wieder in die eigene Mitte zu kommen, weil jeder mal ausflippt und Angst hat, wütend ist, für etwas kein Verständnis mehr hat. Sie machen das in Ruhe mit sich aus und stehen dann wieder wie ein Leuchtturm in stürmischer See. Ich finde, es gibt seit Wochen so viele Helden des Alltags, Königinnen und Könige der Herzen. Feiern wir sie.

Allen einen beweglichen und bewegenden Mittwoch.

Manuela hat ganz genau hingeschaut mit ihrer Kamera. Ist diese Welt nicht ein einziges Wunder?

Natur

Betrachte die ganze Natur, wovon du nur ein winziges Stücklein bist, und das ganze Zeitmaß, von welchem nur ein kurzer und kleiner Abschnitt dir zugewiesen ist, und das Schicksal, wovon das deinige nur einen Bruchteil bildet.

Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Das ruhige Stückchen Natur mit See hat Steffi fotografiert, liebes Danke zu dir.

Dienstags-Nachdenk-Input

Manchmal fühle ich mich wie ein gesegneter Glückspilz. Es gibt Termine mit Klienten, die sind einfach bewegend, berührend und man merkt: da geht gerade eine neue Tür in die Zukunft auf und ich durfte als Geburtshelfer mit dabei sein. Schön zu sehen, mit welcher Körperhaltung, welchem Gesichtsausdruck Menschen nach Hause gehen im Gegensatz zu ihrem Ankommen. Genau das ist es, was meine Arbeit so wunderbar macht, wofür ich jeden Tag von Herzen dankbar bin.

Genauso gern unterrichte ich. Inzwischen sind es elf Jahre mit unzähligen Heilpraktikerkursen (im August startet Kurs 35, im September Kurs 36!!), immer wieder bedeutet das, Skripten upzudaten, umzuschreiben, die Unterrichtsmaterialien anzupassen, was wir jetzt auch wieder gemacht haben und 2022 erneut, wenn die ICD-11 an den Start geht.

Es gibt Herzenskurse, die sowohl der Selbsterfahrung dienen als auch für Therapeuten gute Grundlagen legen wie die Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers, Herzenskurse auf anderen Ebenen wie die Einführung in die Grundlagen der Anthroposophie (die Goldwege des Herzens) oder unser Sahnestückchen, die Cardea-Therapie®, in der wir angehende Therapeuten ausbilden.

Das WeltenWandlerProjekt ist zukunftsorientiert und bietet hochkomprimiert Grundlagen des Denkens für die Zukunft, wer das gemütlicher angehen will, kann 2021 am LebensKUNSTseminar teilnehmen, eine sehr intensive Selbsterfahrung und Neuausrichtung fürs Leben. Im Herbst wird es einen neuen kleinen Kurs geben unter dem Aspekt „Stress und Nervosität verwandeln“, daran arbeite ich gerade.

Im Austausch mit lieben Kollegen warten wir auf das Go des Gesundheitsamts und der Regierung, dass die Kurse wieder starten, bis dahin sind die Schüler mit Videos versorgt, so dass es keinen Unterbruch im Lernen vom Stoff her gibt, direkter Kurs mit Fragemöglichkeit ist klar noch etwas anderes. Alles hat Vor- und Nachteile.

Die Kunst besteht darin, die Situationen im Leben zu nehmen, wie sie eben sind und sich frei zu machen von hätte, möchte, wollte und könnte. Damit das gelingt, brauchen wir einen stabilen Stand und eine hochflexible Mitte, die dem Sturm des Lebens standhält. Das vermitteln wir, das leben wir, das üben wir gemeinsam mit dem Menschen, die mit uns gehen. Wir sind alle Lernende, Übende, Scheiternde und Erfolgreiche! Es kommt immer darauf an, dass wir uns motivieren, uns neue Chancen geben, schauen, was wir mit in eine Zukunft nehmen wollen und was zurückbleiben darf und wie wir aktiv diese Zukunft gestalten durch unser Denken und Handeln im Hier und Jetzt. Ist das nicht total genial? Wir entscheiden zu jeder Sekunde unseres Lebens, wie wir denken, fühlen und handeln.

Wer gern seine Belastungsthemen anschauen und befrieden mag, sich neu aufstellen will und wieder ein Gespür für seine Ressourcen erhalten möchte – mach einfach einen Termin und wir schauen. Wer Interesse an Kursen hat, kann sich gern informieren, alle Anmeldelisten für den Herbst sind offen, alle Infos findet ihr auf der Homepage oder fragt per Mail. Wir freuen uns darauf, euch auf guten Wegen in eure Zukunft zu begleiten!

Zukunft wird, was du darüber denkst. Und was du denkst, wirst allein du entscheiden. Der Rest ist hartes Training 🙂

Habt einen kraftvollen Dienstag, der euch Luft unter eure Flügel für so manche Entscheidung bringen kann. Nehmt sie ruhig mit und wagt den Flug.

Unsere zauberhaften Iris – der Frost hat ihnen einen harten Schlag versetzt, gut, dass ich sie vorher fotografiert habe. Nun hoffe ich auf eine reiche Blüte wieder in 2021.