Monthly Archives: Mai 2020

Wochenend-Feiertags-Nachdenk-Input

Ein anderes Fest als Ostern, nicht nur vom Thema her. An Ostern war der Lockdown in vollem Gang, zu diesem Fest können sich die Familien wieder anders begegnen. Dennoch bleibt es ein Ausnahmezustand, gelten neue Regeln im Miteinander, sei es in den Familien, in Gottesdiensten, Restaurants und vielem mehr.

Ein Moment des Innehaltens, vielleicht zur blauen Stunde, die Ursulas Foto symbolisieren soll. Die Zeit zwischen Tag und Traum gilt schon immer als magisch, die Dämmerung, die Stunde am Morgen und am Abend, wenn die Schleier zwischen den Welten luftig und durchlässig sind, Magie geschehen kann, wir in die zweite Hälfte gehen, die wir vielleicht schlafend verbringen oder mit emsiger Tätigkeit, je nachdem.

Wir nehmen uns selten Zeit für die Magie dieser Dämmerungsphasen, wenn der Himmel anfängt, sich zu röten oder die Sonne untergeht. In diesen Phasen sind wir wie eingesponnen in die Schönheit eines Übergangs. Die meisten Menschen lieben Sonnenauf- und –untergänge.

Übergangsphase im „richtigen Leben“ werden oft anders gesehen, sind angstbesetzt, mit Vorbehalten. Wie wäre es, wenn wir diese Zeit, die für alle Menschen durch die Pandemie eine Übergangszeit ist, als magische Zeit betrachten, in der Wunder geschehen können? In der wir zwischen Tag und Traum im Feld der Möglichkeiten sind und die Gedanken so lose dahintreiben, entfernt von den Irrungen und Wirrungen unseres Alltags? Wenn wir loslassen, uns treiben lassen, den Gedanken kein Machbarkeitskorsett anlegen, entwickeln sich plötzlich andere Aspekte, tauchen Dinge auf, die wir nie bei Wachbewusstsein miteinander verbunden hätten. Go with the flow.

Allen gesegnete Feiertage und schöne Erlebnisse mit Sonnenauf- und –untergang, mit der Magie der „blauen Stunde“ und den Energien, die uns die Natur nun zukommen lässt.

Eilet zu blühen

Rosen, ihr blendenden, // Balsam versendenden! // Flatternde, schwebende, // Heimlich belebende, // Zweiglein beflügelte, // Knospen entsiegelte, // Eilet zu blühn!

Goethe, Faust II, Chor der Engel

Freitags-Nachdenk-Input

Der Mensch ist, so empfand es Ludwig Feuerbach, nicht nur zum Handeln, sondern auch zum Beschauen bestimmt, woran ihn der Himmel erinnert.

Die Pandemie hat manche Menschen dazu eingeladen, oft in den Himmel zu schauen. Es waren erstaunlich „leere“ Himmel, die Menschen kratzten für eine gute Weile wenig Zuvielisation in das Firmament. Erstaunlich fand ich die Information, dass die Wettervorhersage deshalb so ungenau sei in diesen Wochen, weil die Flieger sonst Wetterdaten sammeln und ohne Flieger … kein Wetter? Als ich klein war, stellte mein Vater morgens fest: Heute sind null Grad draußen. Dass null eine Art nichts ist, hatte ich verstanden. Ich rannte zum Fenster, gespannt. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir kein Wetter hätten? Ich stellte mir vor, der Himmel sei weg und war total gespannt, was stattdessen zu sehen wäre. Nun, es sah aus wie immer. Und dass null Grad nicht bedeutet, es sei weder heiß noch kalt sondern angenehm mittig hat sich auch erledigt.

Ich musste erwachsen werden, um zu begreifen, dass die Kehrseite von Nichts Alles, Fülle ist. Das ist wie beim Yin und Yang-Zeichen, das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Das finde ich beruhigend, es geht nichts verloren.

Verbinde ich diese Gedankengänge mit Feuerbachs Aussage und meinen Erfahrungen der letzten Wochen, weiß ich: Es gibt eine Zeit, in der muss der Mensch handeln, aktiv sein, tätig sein, etwas in die Welt hineinstellen. Und es gibt eine Zeit, in der ist Atmen dran, Begutachten des Geschaffenen, Staunen über die Welt und Dankbarkeit. Fehlt diese Pendelbewegung zwischen otium und negotium, wie es in der Antike hieß, betreten wir die Scheinwelt der Hamsterräder, deren Antreiber wir selbst sind.

Freitag steht unter dem Schutzschild von Venus. Ein Tag, der uns zur Freundlichkeit uns selbst gegenüber einlädt, ein Tor bildet zum Wochenende. Schauen wir in den Himmel. Schauen wir auf das Tagwerk der Woche zurück und danken wir für das, was uns möglich war. Es ist nicht wichtig, wie viel das war. Wichtig ist, dass wir es mit innerer Freude und Anteilnahme geschaffen haben. Genießen wir den Tanz der Wolken und träumen uns beim Blick über die Felder ans Meer.

Allen einen gelungenen Freitag.

Danke an Manuela für das Wolkenfoto, das einen ganz anderen Himmelsaspekt aufzeigt.

Himmels-Memo

Der Himmel erinnert den Menschen an seine Bestimmung, daran, dass er nicht bloß zum Handeln, sondern auch zur Beschauung bestimmt ist.

Ludwig Feuerbach

Den feurigen Himmel hat Steffi uns geschenkt. Danke!

Donnerstags-Nachdenk-Input

 

Ein Storchennest hat Sigrid mit ihrer Kamera entdeckt. Der Storch! Meister Adebar in den alten Geschichten. Er ist in die Farben des Lebens gekleidet – schwarz, weiß und rot. Falls jemand dabei an Schneewittchen denken muss: bingo, korrekt. Der Storch bringt dem Volksglauben nach die Kinder bei uns, deshalb stehen hier in Franken immer wieder in den Vorgärten hübsche Holzstörche, an denen kleine Socken und andere Willkommensgeschenke für den neuen Erdenbürger baumeln. Adebar heißt „Von den Sternen gebracht“. Ist das nicht wunderbar? Wir werden vom Storch, der gar Meister genannt wird,  von den Sternen auf diese Erde heruntergebracht. Wir sind also alle Kinder des Kosmos‘ und bringen aus den fernen Weiten des Universums etwas mit auf diese Erde. Jeder von uns enthält auch Spuren von Sternenstaub, von Meteoreisen, das über die Jahrmillionen aus dem Weltall auf die Erde gefallen und langsam zu Staub zermahlen worden ist. So bringt uns der Storch, gewandet in die Farben des Lebens – Haare so schwarz wie Ebenholz, Haut so weiß wie Schnee und Lippen so rot wie Blut – aus dem Kosmos hierher, damit wir unsere Aufgaben hier erfüllen können. Von den Sternen, mit den Weiten des Universums gesegnet.

Das kann einen doch still, demütig und gleichzeitig zutiefst verbunden mit allem werden lassen, oder?

Oft wissen wir gar nicht, welche tiefste Weisheit in den Sprichworten unserer Sprache steckt.

Allen einen kosmischen Tag mit der Freude des Jupiter.

Mittwochs-Nachdenk-Input

Lincoln war extrem beschäftigt. Er hatte sein Land als 16. Präsident der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert zu regieren. Er sorgte dafür, dass die Sklavenhaltung abgeschafft wurde, was ihm viele Feindschaften eintrug. Lincoln ist in einer Blockhütte unter harten Bedingungen aufgewachsen. Walt Whitman schrieb nach Lincolns Tod das Gedicht „O Captain! My Captain!“, was Filmfreunden des Clubs der toten Dichter bekannt vorkommen könnte.

Schon als Kind habe ich angefangen, Biografien zu lesen. Ich wollte wissen, was Menschen antreibt, zu werden, was sie wurden. Es hat mich beeindruckt, dass Sebastian Kneipp aus einer extrem armen Weberfamilie stammte und obwohl sein Elternhaus abbrannte und er kaum Unterstützung hatte, seinen Traum vom Pfarrerdasein durchzog, obwohl er fast an Tuberkulose gestorben wäre. Er hat sich selbst kuriert – mit Schwimmen in der kalten Donau im Winter und fortan war das Wasser sein Lebenselixier, eine wichtige Wende. Ich verschlang Ferdinand Sauerbruchs „Das war mein Leben“, das ich endlich mit 10 bekam, weil ich wissen wollte, wie jemand denkt, der die Unterdruckkammer entwickelt, obwohl keiner vor ihm Menschen bei offenem Brustkorb operieren konnte (am meisten mitgenommen hatte mich dann die Tatsache, dass sein Hund, den er darin operierte, verstarb wegen einer defekten Dichtung). Das war die spannende Zeit, in der Menschen auf dem Mond landeten und Christian Barnaard das erste Herz verpflanzte. Alles, alles würde möglich sein, ich war in einer Zeit der Optionen gestartet!

Ich las eine Biografie nach der anderen und hatte die Hoffnung, dass all diese Menschen, die mir vorangegangen waren, die unglaubliche Taten vollbracht hatten, die jeden Tag zeigten, dass man Grenzen überwinden kann, es schaffen würden, die Welt zum besten Ort überhaupt zu machen und mich damit wie aufforderten, selbst zu wachsen, damit das alles auch Bestand hat.

Ich lese immer noch Biografien. Ich habe verstanden, dass all diese Menschen, deren Biografien ich gelesen habe, eines gemacht haben – sie haben sich konsequent ihrem Weg verschrieben. Sie haben sich weder verführen noch blenden noch abhalten lassen, ihre eigenen Grenzen zu sprengen. Sie sind viele Extrameilen gelaufen. Sie haben genau an dem Punkt nicht aufgegeben, an dem wir gern alles hinwerfen. Sie haben etwas geglaubt, das alles verändern kann: an sich, ihren Weg und die Möglichkeit, dass immer dann, wenn sie es brauchen, auch die not-wendige Kraft  entstehen wird, um diesen einen Schritt zu tun, der den Unterschied macht. Wann immer ich denke „oh nee, das ist jetzt echt zu schwer“, schaue ich in die Augen der Ärztin Dr. Ita Wegman, die auf meinem Schreibtisch steht, und stelle mir das Arbeitspensum vor, das sie jeden Tag im Dienst ihrer Patienten bewältigte. Dann atme ich tief durch und denke mir „okay, einmal eine Runde durchs Zimmer tanzen und weiter geht’s, aufgeben ist nicht.“

Was sind deine „geistigen Väter und Mütter“, wer inspiriert dich, schafft es, dich immer wieder zu motivieren, auf wessen Bild auf dem Schreibtisch schaust du also?

Allen einen sehr inspirierten Tag. Mit der hilfreichen Sorgenpause à la Lincoln natürlich.

Danke an Dieter für das Farbleuchtefoto!

Sorgenzeit

Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und in dieser Zeit mache ein Nickerchen.

Abraham Lincoln

Die Pause hat Theresa auf dem Jakobsweg genossen. Danke!

Dienstags-Nachdenk-Input

Das Wetter wäre perfekt für den Garten. Wäre, die Woche ist mit Aufgaben bestückt, so dass der Garten warten muss. Was den Garten freut, denn er gestaltet sich gerade frisch grün, nachdem wir ja in gigantischen Nachtaktionen (besser gesagt Morgengrauen-Aktionen) alles Unkraut draußen hatten. Kaum waren wir hinten fertig, sah es vorne aus, als wäre schon lange keiner mehr da gewesen. Dafür wächst der Salat farbig hocherfreulich, der bunte Mangold reckt sich in die Höhe und ich versuche den Schnecken im Beet Botschaften zu senden, dass sie meine Erdbeeren ausnahmsweise dieses Jahr mal hängenlassen sollen.

Hinter den Kulissen können sich die Leser der Holunderelfe vorfreuen! Herausgeberin Kristin Ritschel hat ein wunderbares Heft zusammengestellt, das jetzt gerade durch meine Hände und dann anschließend in die Druckerei geht. Ein pralles Sommerheft. Das macht richtig gute Laune!

Besonders bewegt hat mich letzte Woche die Aufstellungsarbeit. Es gab so viele Aufstellungen wie noch nie in einer Woche! Wir arbeiten derzeit überwiegend mit Kissen,das ist sehr tiefgreifend. Aufstellungen dienen der Erkenntnis von Zusammenhängen, der Erhellung verkrusteter Strukturen und weisen Wege, wie künftig mit einer anderen Sicht Belastungen aufgelöst werden können. Dabei werden viele Glaubenssätze sichtbar, ergibt sich die Chance, die fatalen negativen Mantren zu verändern. Wir stellen am Ende das persönliche Kraftteam dazu, da ergeben sich oft auch erstaunliche Ressourcen. Ich bin so dankbar für diese Arbeit! Sie kann vieles zum Guten anstoßen, darum geht es immer, bei jedem Termin mit Menschen. Wo stehe ich und wo geht es hin? Wie gelange ich in machbaren Schritten von A nach B? Welche alten Muster und Strukturen sind wie Gummibänder, die mich immer wieder zurückziehen und wie löse ich sie auf?

Ich freue mich auf diesen Dienstag, der hoffentlich viel Kraft von sich aus mitbringt, die wir als Geschenk der Dienstage annehmen und einsetzen dürfen. Für die kleinen Pausenmomente im Leben, in denen wir durchatmen, bei uns ankommen, dem Tanz des Cortisols in unserem Körper die Berechtigung nehmen, hat uns Sigrid das feine Drachenfoto vom Meer geschickt. „Tabalugas“ haben den Himmel belebt und den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das verteilen wir hiermit – das schönste Lächeln, das uns möglich ist, verbunden mit Freude, Herz und Tatkraft! Einen kraftvollen Dienstag euch allen.

PS: Erzeugen wir eine neue Pandemie. Infizieren wir möglichst viele Menschen mit unserem schönsten Lächeln, das aus dem tiefsten Herzen kommt und sagt: Hallo! Schön, dich zu sehen. Ist es nicht großartig, dass gerade wir uns gerade jetzt begegnen können? Ich danke dir. – DAS ist die wahre Pandemie der Veränderung.

Der Sonne Licht

Der Sonne Licht

Es hellt den Tag

Nach finstrer Nacht:

Der Seele Kraft

Sie ist erwacht

Aus Schlafes Ruh‘:

Du meine Seele

Sei dankbar dem Licht

Es leuchtet in ihm

Des Gottes Macht;

Du meine Seele

Sei tüchtig zur Tat

Rudolf Steiner

Vielen Dank an Steffi für das wunderbare Morgenfoto.

Montags-Nachdenk-Input

 

Einen Lieblingsplatz hat Sigrid mit der Kamera entdeckt, DANKE. Wir mögen Lieblingsplätze. Was ist DEIN Lieblingsplatz daheim? Von manchen Menschen weiß ich, dass es ihr heißgeliebter Kachelofen im Winter ist, an dem sie einen Platz haben, mit Wärme im Rücken, der schnurrenden Katze neben sich. Andere bevorzugen ihr lauschiges Plätzchen im Garten unter einer Pergola, die mit duftendem Geißblatt umrankt ist und sie zu Gedichten inspiriert. Wieder andere haben Lieblingsplätze draußen in der Natur, an denen sie mit dem Hund vorbeikommen, oder wie Martina und Stefan Orte, an denen sie ihre Kristallklanginstrumente herausholen und die Naturreiche grüßen.

Mein Lieblingsplatz ist nicht im Außen zu finden. Es ist ein uralter großer Ohrensessel, den es schon in meiner Phantasie gibt, seit ich ein Kind bin. Ich verschwinde in diesem riesigen plüschigen Ohrensessel. Die „Ohren“ sind so weit um mich herumgebogen, dass ich fast versteckt dahinter bin, eingehüllt und muckelig ist es da. Ich habe ein Ablagefach, in dem steht meine Teekanne auf dem Stövchen, die Tasse mit den Kluntjes daneben und ein Teller mit Keksen. Auf der anderen Seite öffnet sich das Ohr zu meiner Bibliothek hin. In der Phantasie meiner Kindheit waren es Regale bis zur Decke, gefüllt mit den herrlichsten Buchrücken, die die wunderbarsten Aufregungen bargen und es wäre meine Lebensaufgabe, all diese Bücher zu lesen, denn sie sterben, wenn man sie nicht liest und achtet. Bücher brauchen Menschenaugen, die sie öffnen, sich hineinstürzen ins Abenteuer des Lesens, die Buchdeckel schließen sich, solange man in der Buchwelt lebt und schützen den Leser vor der nervigen Außenwelt, die dauernd etwas von einem möchte.

Eines der ersten Bücher, die ich für meine Kinder zum Privatgebrauch schrieb, als sie krank daheim waren und Geschichten hören wollten, war die Geschichte einer Leseratte (was denn sonst), die natürlich in einer Bücherei lebte und nachts, wenn alles still war, mit der Rohrpost umherfuhr und in die Bücher steigen und die Abenteuer darin miterleben konnte. Logisch musste sie sich dann auch in der wahren Welt bewähren! Helden im Buch müssen auch mal auf Alltagstauglichkeit getestet werden.

DAS ist der Lieblingsplatz meines Lebens – eine Bücherwelt mit genug Tee und der Gewissheit, dass ich begeistert aus dem Leseland komme, weil es ein Autor geschafft hat, eine Welt auferstehen zu lassen, in der ich als Leser für eine gute Weile, vielleicht sogar für immer, beheimatet sein darf.

Was ist DEIN Lieblingsplatz?

Einen mond-freundlichen Wochenstart von Herzen!

Wochenend-Nachdenk-Input

Meine Arbeit ist so spannend. Für mich ist es immer wieder staunenswert, was Menschen an Schicksalen stemmen und welche kreativen Lösungen unser System anbieten kann. Zwischen Herkunftsfamilie und Zukunft spannen sich unsere Lebenssysteme auf, prägen uns, stellen uns vor Herausforderungen, bieten Reibungsmöglichkeiten und Wachstumschancen. Da wir derzeit natürlich nicht mit „Menschenteams“ aufstellen, rücken die „kleinen Varianten“ mit Brett, Kissen und anderem stärker in den Mittelpunkt und bieten vielfältige Erkenntnismöglichkeiten. Daraus dann Handlungsoptionen zu entwickeln, ist der zweite Schritt.

Am Morgen beim Einkaufen ist mir aufgefallen, dass viele Menschen den Brückentag zum Ausschlafen genutzt haben, es war herrlich leer, das ist schön, dann geht es fix. Keine Kassenschlange – das war sehr ungewohnt, wobei ich schon zu eher untypischen Zeiten einkaufen gehe.

Das frischgewaschene Auto hat gestern ein kostenloses Blütenfeinstaubbad abbekommen und ist jetzt gelbgemustert. Auf einem frischen Fahrzeug sieht sowas gleich viel besser aus, finde ich. Bietet viel mehr Möglichkeiten, so ein sauberes Auto.

Facetten des Alltags – als würde ich in ein Kaleidoskop schauen. Tiefe Erkenntnisse, Auflösen von Mustern, Erarbeiten neuer Perspektiven, dazwischen Wäsche waschen und bügeln, Gemüse und Salat schnippeln, kochen, staubsaugen, Mails beantworten, einkaufen und wieder eintauchen in den nächsten Arbeitsprozess. Bunt wie das Leben, schillernd und schaurig schön. Leben eben.

Allen ein gutes, gesundes und frohes Wochenende. Vielleicht mit Wegen wie diesen, den Manuela festgehalten hat. Da wächst unser Essen für 2021. Hoffentlich unbeschadet.

 

 

Ur-Grund

Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so hat die Liebe eines Menschen ihren rätselhaften Grund in Gottes Licht.

Søren Kierkegaard

Das zauberhafte Seenbild verdanken wir Steffi.

Freitags-Nachdenk-Input

Verschlungen sind die Pfade, die wir im Leben gehen. Wir treten an und denken linear. Wir haben einen Startpunkt. Wir haben ein Ziel. Wir setzen den Fokus und laufen los. Von A nach B brauchen wir nach unseren Berechnungen so und so lange. Los! Und peng! Kommt das Leben und sagt – nö. Der Weg verschwindet im Dickicht. Die Brücke, die wir erwartet hatten, gibt es nicht mehr. Aus der Furt wurde ein reißender Fluss, wir können das Wasser nicht queren und laufen Wochen auf der Suche nach einer anderen Furt. Wir werden in Geschehnisse verwickelt, haben ein Versorgungsproblem, stürzen, verunfallen oder werden krank. Wir erleiden massive Gedächtnisverluste, es entfällt uns gar das Ziel. Was war das nochmal? Was wollten wir wirklich, was war unser Lebensauftrag? Verschwunden im Off, verloren und oft genug haben wir das Entschwinden der Klarheit nicht mal ansatzweise wahrgenommen. Anderes wird wichtig. Job. Geld. Familie. Urlaub. Pflege von Eltern. Hobbys. Was fürn Ziel und warum überhaupt, ist doch nett so. Und doch bohrt und nervt da etwas Ungelebtes, merkst du das?

Vergessen wir das lineare Gehen. Tanzen wir spiralig. Wir kommen immer wieder an schmerzhafte Punkte und Muster im Leben – wenn wir uns weiterentwickeln, sehen wir sie von einer immer höheren Metaebene aus und kommen besser klar damit. Wir dürfen uns bewusst machen, dass das Leben ein Tanz ist – zwei Schritte vor und einer zurück wie einst im Labyrinth, einem wunderbaren Symbol für das Leben. Wenn wir meinen, am Ziel zu sein, führt uns ein Weg noch einmal ganz außen herum.

Wir haben zwei Aufgabe: In unserem Herzen wieder den Ursprungsauftrag unserer Existenz zu finden. Was soll ich in diesem Leben tun? Was ist mein Beitrag für die Welt? Und zum anderen, zu akzeptieren, dass Wege in der Natur niemals linear sind, sondern geschwungen, mit harten Höhenmetern und tiefen Schluchten. Wir wissen auch aus der Forschung, dass eine Kugel in der Kugelbahn schneller ist, wenn sie Wellentäler durchrollt als wenn die Strecke gerade ist. Die Täler scheinen Schwung zu geben! Nehmen wir also Schluchten notfalls zum berechtigten Schluchzen. Dann mit frischem Mut bergan. Wenn wir dem Herzen, dem Flow, der Freude folgen, sind wir auf dem Pfad der Bestimmung unseres Lebens. Da treffen wir nicht allzu viele andere, doch wir erkennen – so mancher geht neben uns her. Gemeinsam erkennen wir uns, reichen uns die Hand und machen die Welt zu einem guten Ort. Jeder auf seine Weise, mit seinen Talenten, Gaben und Geschenken. Und mit seinen Schwächen, Schattenseiten und Problemen. Entscheidend ist unser Umgang mit dem Schatten, dem Problem. Annehmen und ganz werden ist der Plan.

Vielleicht erreichen wir als besonderes Geschenk des Lebens den Punkt ganz am Ende, wenn wir rückblickend erkennen: unser Lebensweg hat ein wunderbares Muster ergeben. Wir sind ja gar nicht vom Pfad abgekommen, jede Abzweigung hat uns direkt wieder zurückgeführt. Was uns oft hat verzweifeln lassen, war in Wirklichkeit nur Aufsammeln von Erkenntnis, Lernen und Vertrauen üben.

Allen einen wunderbaren Venustag mit der Kraft des Glaubens an den eigenen Weg, den keiner für uns gehen kann. Nur wir. Also steh auf und geh ihn. Er entsteht, wenn du die ersten Schritte machst, keine Sorge, er ist da und wartet auf dich.

Den Waldpfad hat Steffi entdeckt. Ich danke allen Menschen so sehr, die mir ihre wunderbaren Fotos senden. Jeder einzelne Nachdenk-Input entsteht beim Betrachten eines Fotos. Die Bilder und manchmal auch das Zitat geben mir den Impuls fürs Schreiben. Je nachdem, was zuerst da war.

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