Monthly Archives: Juli 2022

Deine Flügel entfalten

Unsere Lungen! Engel, heißt es, haben Flügel außen, wir Menschen innen, damit wir etwas zum Entfalten haben. Paarig im Brustkorb angelegt, bestens geschützt durch die Rippen, zauberschön und klug aufgebaut wie umgedrehte Bäume sind sie der Ort des Gasaustauschs mit der Umwelt. Ich atme ein, was andere ausatmen, im Idealfall sind das Bäume. Die Lunge ist ein Grenzorgan wie Haut und Darm, in dem Fall die Grenze zur gasförmigen Welt.

Rund 25.920 Mal am Tag atmen wir ein und aus, das ist unglaublich, wie oft wir atmen, total unbewusst in der Regel. 25.920 Mal ein- und ausatmen = ein Erdentag. Die Sonne braucht rund 25.920 Jahre, um einmal durch den Tierkreis zu wandern = das platonische Weltenjahr. Und wenn wir 25.920 Mal eingeschlafen und aufgewacht sind, sind wir etwa 72 Jahre alt, in alten Zeiten = ein Menschenleben.

Mikro- und Makrokosmos.

Als einziges Organ im Menschen ist die volle Funktionsfähigkeit der Lunge beim Ungeborenen nicht notwendig, sie übernimmt hoffentlich einige Augenblicke nach der Geburt ihre Aufgabe. Lunge und Zwerchfell sind eng verbunden. Tiefe Bauchatmung entspannt uns, stressiges Luftschnappen sorgt für massive Anspannung, die über die Rückenmuskulatur bis in den obersten Halswirbel für Probleme sorgen kann.

Zur Lunge gehören der Planet Merkur und das Metall Quecksilber. Das Wort Lunge leitet sich vom Indogermanischen lenguh ab, das bedeutet leicht.

Die Lunge ist auch ein wesentliches Ausscheidungsorgan. Lunge ist mit dem Dickdarm verbunden.

In meiner Arbeit steht die Lunge für Kommunikation – nach innen und nach außen und oft ist sie mit Angst verknüpft.

Wenn du deine Lunge heute liebevoll behandeln willst: frische Luft! Bewegung! Singen, tönen, summen. Breite deine Arme aus und atme tief, tief, tief ein – am  besten im Wald.

Und dran denken: Es gibt Tage im Leben, die sind einfach nur hammerhart. Da gilt: „Nur dieser eine Atemzug. Und dann der nächste. Und dann vielleicht noch einer.“

Hab ein wunderbares Wochenende!

 

Ursula hat diesen wunderbaren alten Baum entdeckt und fotografiert. Ich danke dir sehr für das Bild!

Was nur Wanderer kennenlernen

Die erhabene Sprache der Natur, die Töne der bedürftigen Menschheit lernt nur der Wanderer kennen.

Johann Wolfgang von Goethe

Maike hat bei ihrer Alpenüberquerung die erhabene Sprache der Natur auf vielfältige Weise kennen gelernt und uns einen Einblick mitgebracht. Vielen Dank!

Was nimmst du wahr?

„Im Detail kannst du oft das Gesamtbild wahrnehmen“, hat mir einer meiner besten Lehrer vor Jahren ans Herz gelegt. Ich solle auf die winzigen Details achten am Menschen, denn sie erzählen die wahre Geschichte. An der Art, wie ein Mensch seine Schuhe schnürt, könne man seinen Charakter erkennen und damit auch sein Schicksal. Das hat mich sehr beeindruckt und fortan versuchte ich mich im Üben. Ach, was übersehen wir nicht alles jeden Tag. Unglaublich. Manchmal denke ich, ich stolpere wie blind durch den Tag mit Scheuklappen direkt vor den Augen. Wunder von Makro- und Mikrokosmos? Never seen.

Wahrnehmung ist das Zauberwort. Unser Gehirn erkennt Menschen grob und dann folgt „ah, der oder die und das bedeutet dieses und jenes“. Als ob die Menschen, die wir sehen, die Menschen wie vor zwei Wochen, drei Jahren oder aus der Grundschulzeit seien. Keine Sekunde sind wir gleich, dauernd vernetzen sich Zellen neu, sterben und wachsen Zellen, erkennen wir oder machen Erfahrungen. Wir sind lebendige Prozesse, doch wir behandeln uns oft, als seien wir Möbelstücke, über dir wir wissen, wie sie sind (oder im Konfliktfall: wie sie zu sein hätten) und wozu sie dienen.

Uns entgeht damit die Schönheit dieser lebendigen Prozesse. Das Ringen um Erkenntnisse, um Entscheidungen, das Für und Wider, der Kampf der Zellen gegen Viren, Bakterien und sonstwas. Wie aus Nahrung Kraft für die Muskeln wird. Wie der kleinste Knochen im Körper (im Ohr) funktioniert und warum das Trommelfell wie der Paukenspieler im Orchester fungiert. Wir merken nicht, wie der Fuß abrollt beim Gehen und welche Handbewegungen wir vornehmen, wenn wir vom zweiten in den dritten Gang schalten und was geschieht, damit aus dem Erkennen der roten Ampel im Auge ein softes Bremsen wird. Wer organisiert das Wachstum von Nagel und Haar und woher weiß mein Magen, was die korrekte Menge an Magensäure ist?

Unser Gehirn schafft den ganzen Tag solche unglaublichen Meisterleistungen und wir füttern es mit Junkfood, verhindern nächtliche Spülungsdurchgänge, weil wir zwei Stunden weniger schlafen als Menschen vor 30 Jahren und sorgen für Ablagerungen, die irgendwann die Reizleitungen dichtmachen, so dass nicht mehr viel durchgeht, weil unsere Lebensführung unterirdisch ist.

 

Herzliche Einladung – nehmen wir uns doch einfach mal die nächsten Tage ein paar Organe vor und schauen, was sie für uns tun. Warum? Damit wir die Anteile unseres Körpers, die heimlich, still und leise teilweise über Jahrzehnte ohne Mucken ihre Arbeit tun, wertschätzen lernen. Bedenken wir: Ein Team, das Wertschätzung erfährt und Anerkennung für die geleistete Arbeit schafft selbige lieber. Mir ist es angenehm, wenn mein Körper für und nicht gegen mich ist, weil ich nicht wahrnehme, wo es klemmt.

 

Allen einen sehr liebevollen und wahrnehmungsfreudigen Freitag.

 

Allen Schulkindern heute einen tollen letzten Schultag mit möglichst wenig Zeugnisstress und wunderschönen erholsamen Ferien. Habt es fein alle!

Das Ganze im Kleinsten

Willst du dich am Ganzen erquicken, so musst du das Ganze im Kleinsten erblicken.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

Das Kleinste auf dem Waldboden hat Katjas gutes Fotoauge für uns entdeckt. Danke!

Masterclass Geduld

Ein Fels in der Brandung sein – das wünschen wir uns. Einfach in den stürmischen Wellen des Lebensmeeres ruhig stehen, unbeeindruckt das Wasser um uns herumrauschen lassen und Fels sein.

Viele erleben turbulente Zeiten und gefühlt nimmt das Tempo immer mehr zu. Es ist an der Zeit, das Atmen zu lernen, um bereit zu sein, wenn die Wellen mal wieder über einen drüberschlagen. Das wird sich nie verhindern lassen. Manchmal müssen wir schwimmen, manchmal ist es schlau, sich einfach von der Strömung des Lebens mitnehmen zu lassen, weil Schwimmen gegen diese Kräfte sinnlos wäre. Und manches Mal gehen wir auch unter, um uns neu zu erschaffen, zu erfinden oder um etwas ganz und gar loszulassen.

Wir tun uns schwer mit dem „vertrau der Strömung oder dem „lass los“. So lange haben wir an Überzeugungen festgehalten, Jetzt sollen wir sie einfach ziehen lassen und vielleicht sogar das Gegenteil glauben?

Wir sehen, was unser Gehirn erlaubt zu sehen. Wir sind Mustererkennungsprofis und stülpen gern ein Muster auf alles, doch das Leben ist kein Webteppich, der einem Rapport folgt. Was mal funktioniert, muss nicht bei der nächsten Herausforderung ebenso klappen. Ansichten, die wir heute hatten, können morgen nicht mehr hilfreich sein. Eine Meinung, von der ich gestern überzeugt war, erweist sich als nicht haltbar – warum festhalten, wenn anpassen an die neuen Erkenntnisse das einzig Richtige ist?

In der Familie erleben wir gerade viele Loslassprozesse. Meine 97 Jahre alte Schwiegermama war eine Woche in der Klinik wegen Herzproblemen und Schwindel, zu wenig getrunken vermutlich. Jetzt ist sie wieder daheim und bekommt jetzt eine kleine Unterstützung in ihrem Alter. Sie ist unglaublich! Unverdrossen froh und munter mit der Bemerkung „da hab ich ja nochmal Glück gehabt!“

Der Vater liegt mit dem Pflegedienst für den behinderten Bruder im Clinch. Er versteht die Abrechnungen nicht und dass man Pflegende freundlich behandelt ist nicht seines. Nun hat es massiv gekracht. Wie bringt man jemanden, der gar nichts einsieht, dazu, dass er nicht im Recht ist? Ist er. In seinem Kopf. Leider nur da – wie übrigens bei uns allen. Wir haben alle Recht, in unserer Birne und das ist der einzige Ort, an dem wir jemals Recht haben werden. Es geht nie ums Rechthaben. Ihm verständlich zu machen, wie er sich aufführt, wo er doch alles nur gut meint – schwierig. Ich bin oft vor Ort und habe keinen unnetten oder inkompetenten Pflegedienst erlebt, nur einen alten Herrn, dem alles zu viel wird und der einfach nicht loslassen kann. Er wird mit den Füßen voran aus dem Haus getragen, so seine Theorie und entscheidet damit auch für den Bruder mit. Ich sags mal so – Mein Geist absolviert gerade die Masterclass in Geduld und Aushalten.

Wer weiß, wozu all diese Erfahrungen hilfreich sind. Meine Quintessenz: Altwerden kann sehr verschieden sein. Es gibt würdevoll alternde Menschen und Menschen, die damit nicht klarkommen. Der Schlüssel ist Zufriedenheit, Dankbarkeit und Ergebenheit in das, was ist und möglich sein kann. Ich nehme mit: Üben, üben, üben. Damit man es kann, wenn es nötig ist.

 

Allen einen freundlichen Jupitertag!

 

Kleine Pause am Meer? Das hat Theresa auf dem Jakobsweg auch gemacht. Danke fürs Foto!

 

Felsenkraft

Sei wie ein Fels, an dem sich beständig die Wellen brechen! Er bleibt stehen, und rings um ihn legen sich die angeschwollenen Gewässer.

Mark Aurel, 121–180

Diesen mächtigen Fels hat Theresa in Australien entdeckt. Danke für das Foto!

Unsere Fähigkeit, wahrzunehmen

Dieses Jahr sind wir von der Sonne durchleuchtet, durchsonnt, durchglüht und durchwärmt, denke ich. Alle Sommerfreunde sind nun froh und schälen sich aus den letzten Jacken. Schade, dass wir die Kraft der Sonnenstrahlen nicht in uns speichern und nach Bedarf abrufen können in den kalten Monaten.

Die Bäume leiden sehr am Straßenrand. Die Säcke mit Wasser, die oft an den jüngeren Bäumen stehen, finde ich hilfreich. Die Stadtgärtner verstehen ihr Handwerk. Ich liebe es auf dem Weg zum Einkaufen an toll gestalteten kleinen Stückchen Grün vorbei zu kommen. Letzte Woche sah ich eine riesige Distel und eine Passantin, die einen Besenstielstecken dran befestigte, weil der bienenumsummte Blütenkopf so schwer war. Das sind Momente der Freude, wenn ich sehe, dass sich die Menschen verantwortlich fühlen für die Natur jenseits ihres Gartenzauns und den dürstenden Pflanzen oder den ungestützten zu Hilfe kommen.

Im Grunde ist es genau das, was Menschsein ausmacht – unsere Fähigkeit wahrzunehmen, wenn ein Lebewesen, egal ob Pflanze, Tier oder Mitmensch, gerade Unterstützung braucht und wir erleben eine tiefe Herzensfreude, wenn wir fragen, ob unsere Hilfe gewünscht und angenommen wird. Dann ist zwei Menschen geholfen: Dem, der Hilfe braucht ebenso wie dem, der Hilfe gibt. Martin Buber hat es so formuliert: „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Und wenn wir aufgeweckte Iche sind, können wir ein wunderbar stärkendes Wir formen. Starke Iche sind nicht egozentrisch, sondern ruhen in der eigenen Kraft und wissen auch darum. Solche Bausteine für ein Wir tragen die gesamte Welt.

 

Nehmen wir noch die Geduld der Natur dazu, dann wird es rund, oder? Geduld hat es auch gebraucht auf dem Foto von Theresa aus Australien, um Steine in solche Formen zu verwandeln. Danke für dein Foto und gute Besserung zu dir!

Leuchten und wärmen

Der Wolkendurchleuchter:

Er durchleuchte,

Er durchsonne,

Er durchglühe,

Er durchwärme

Auch uns.

Rudolf Steiner

Danke an Theresa für das Foto aus Australien, bei dessen Betrachtung ich wirklich jedes Mal sofort den Steinerschen Wolkendurchleuchter im Sinn habe.

Wilde Tage

So eine spannende Woche ist das! Zuerst ging es um Neurotransmitter, enttäuschte Freundschaften und das Thema Essen. Dann folgt ein Teamcoaching einer Gruppe, die sich in einer sehr angespannten Situation befindet und – großes Schiff – kaum mehr manövrierfähig in den wilden Wogen der Herausforderungen dümpelt mit seekranker Besatzung drauf, die auch gerade lieber am ruhigen Strand wäre. Einzelcoachings stehen diese Woche an, die teilweise auf der Grenze zu therapeutischer Arbeit Fingerspitzengefühl brauchen. Jemand fährt zwei Stunden für ein Gespräch an – ich freue mich.

In diesen Tagen versuchen viele Menschen hier, Themen noch abzuschließen, denn traditionell ist bis Mitte September das Leben in Bayern nicht existent, weil alle in Ferien sind. und sich niemand für etwas entscheidet oder Neues beginnt. Das ist mir jedes Jahr ein wenig fremd. Am Donnerstag ist Neumond, also hohe Zeit, loszulassen, was wunderbar zum Ferienbeginn passt. Und dann sind wir eingeladen, den Kompass auf Neues auszurichten. So, wie der Gärtner im Winter überlegt, wie er die Beete bepflanzt, was er neben wen setzen wird und testet, ob die Samen noch keimfähig sind, um kein Fiasko zu erleben, legen wir jetzt, in der Hochzeit der äußeren Fülle, den Grundstein für die nun wieder einfacher werdende geistige Arbeit, die  massiv Schwung nimmt ab Michaeli, der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, wenn sich die geistige Welt uns wieder intensiv zuneigt. Ich habe eine Menge vor im Herbst und das hilft mir, diese Wetterkapriolen auszuhalten, denn die Vorfreude ist eine mächtige Kraft!

Sigrids Foto zeigt eine bunte Blütenwiese. So, wie die Pflanzen auf dem Foto wild gemischt sind, sind wir Menschen auch. Ist es nicht schön, wie alles zusammenpasst? Ich habe am Wochenende einen riesigen Strauß geschenkt bekommen, gepflückt vom Feld mit allem drin, was man sich nur wünschen kann, Zinnien, Sonnenblumen, Rosen, Gräser und vieles mehr, alles bunt und wild. Herrlich. Die Mischung ist toll.

Der Herbst hält insofern gerade schon Einzug bei mir, weil im Hintergrund das Korrekturlesen der Holunderelfe läuft für das Herbstheft. Ich sags mal so: Auch hier jede Menge Vorfreude!

 

Allen einen tatkräftigen Marstag.

 

Danke an Sigrid für dein Foto dieser feinen Sommerwiese in voller Blütenpracht.

Wunderwelten entdecken

Am Wochenende hatten wir sehr, sehr tiefgehende Aufstellungen. Menschen mit großen inneren Nöten wurden von uns begleitet. Manches wurde erkannt, klar, fassbar gemacht, der Blickwinkel ein anderer. Angenommen sein, Verstehen, Erkennen und eigene Irrungen und Wirrungen wahrnehmen sind gute Schritte auf dem Weg, sich aus seinen eigenen Denkschleifen zu lösen. Aufstellungsarbeit ist Friedensarbeit – für die Systeme, weil Lasten der Vergangenheit zurückgegeben werden können, wo sie hingehören. Für die Menschen im System, weil sie Zusammenhänge wahrnehmen und ihr eigenes Erleben neu einordnen können. Wir beenden Aufstellungen immer mit dem Kraftteam für den oder die Aufstellende/n, damit ein tiefes Bewusstsein für die eigenen Ressourcen spürbar wird. Wir wissen oft gar nicht, wie stark wir sind. Ein sehr bewegender Samstag war das.

Am Sonntag war ein toller Übungstag für die angehenden Cardea-Therapeut:innen, die im November ihre Ausbildung beenden. Wir sind nochmal auf Erstgespräche eingegangen, haben verschiedene Aufstellungen intensiv geübt und das wichtige Thema Selbstschutz, Abgrenzung besprochen. Viele Fragen fanden Antworten und auch die Abschlussarbeiten wurden besprochen. Die Kursteilnehmer beenden ihre Ausbildung mit einer Arbeit zu einem Thema ihrer Wahl aus dem großen Feld der Therapie und präsentieren am Abschlusswochenende ihre Erkenntnisse. Auch das ist wunderbar und ein würdiges Ende für zwei gemeinsame Jahre.

Erstaunliche Nebenerkenntnis: Manchmal stellt man etwas auf  und sieht plötzlich, dass die Lösung auf einer anderen Ebene zu finden ist als der, auf der man schon lange kreist, weil wir oft verschiedene Bereiche in einen Topf werfen. Überraschende Aussage: „Oh Mann. Wenn ich gewusst hätte, wie einfach das eigentlich ist! Jetzt, wo ich es sehe, erkenne ich sofort, wo das Problem liegt.“ – Ja. Das ist manchmal so. Ebenen im Leben sind nicht immer scharf getrennt. Es braucht ein gutes Auge und ein immer feineres Hinsehen. Das bringt auch die Erfahrung mit oder eben – das Tun.

Am Wochenende wurde an mich die Frage herangetragen, ob ich nicht mal einen Kurs zum Thema Märchen machen kann. Märchen sind oft Bestandteil meiner Arbeit, weil sie so viele Tiefenwahrheiten enthalten, die auch für erwachsene Menschen sehr, sehr heilsam sein können. Eine schöne Idee und – Ja. Machen wir. Wenn Nautilus im Kasten ist, bin ich für neue Werke sehr bereit und danke für diese herrliche Idee.

 

Allen nun einen guten Start in die warme Woche!

 

Sigrid hat diesen Zwergeneingang im Wald entdeckt und vermutet einen „Mini-Bilbo-Beutlin“ dahinter. Ich finde, so ist auch Aufstellungsarbeit – du entdeckst ein magisches Tor, darfst eintreten und hinter dieser Tür findest du eine unfassbar großartige Welt voller Facetten wie Kristalle in einer Höhle. Danke für dein Foto!

Die Seele ist wie der Wind

Die Seele ist wie der Wind, der über die Kräuter weht, wie der Tau, der über die Wiesen sich legt, wie die Regenluft, die wachsen macht. Desgleichen ströme der Mensch ein Wohlwollen aus auf alle, die da Sehnsucht tragen. Ein Wind sei er, der den Elenden hilft, ein Tau, der die Verlassenen tröstet. Er sei wie die Regenluft, die die Ermatteten aufrichtet und sie mit Liebe erfüllt wie Hungernde.

Hildegard von Bingen, 1098-1179

Katja hat diesen erfrischenden Wasserfall entdeckt. Für alle, die heute Abkühlung brauchen können. Danke für dein Bild!

Lebensfragen lösen

Leonardo da Vinci hat da eine Ansage rausgehauen, die hat es in sich. Das Leben nicht zu schätzen ist eine weit verbreitete Angewohnheit. Es wird gejammert und geklagt, alles ist doof, schwierig und sonstwie tragisch, auf jeden Fall Drama.

An diesem Wochenende widmen wir uns in unseren Aufstellungen Fragen, die absolut in die Tiefe gehen. Wir dürfen Menschen begleiten, deren Leben von Schicksalsschlägen gezeichnet wurde. Die sich durchgebissen haben, die dem Leben jeden Tag gezeigt haben, dass sie es TROTZ ALLEM schätzen. Viele Menschen belegen die Erkenntnis: Es gibt auch postraumatisches Wachstum und das ist wunderbar, solche Menschen begleiten zu dürfen. Mit einer großen Gruppe dürfen wir dieses Mal aufstellen, denn die Cardea-Therapeuten, die im Dezember ihren Abschluss feiern, bekommen Besuch von der Gruppe, die seit letzten Dezember fertig ist – Alumni und derzeitige Teilnehmer ergeben ein großes Kraftfeld. Da ist viel Austausch und voneinander lernen möglich. Ist das nicht wunderbar? Am 18. September sind unsere nächsten Aufstellungen, wer da gern mit dabei sein mag,  sollte sich jetzt schon anmelden.

In der nächste Woche freue ich mich auf einige Coachings – ein großes Team möchte Begleitung auf dem Weg, Vergangenes abzuschließen, um sich ganz neu für die Zukunft aufzustellen und jemand möchte ein Coaching, um einem drohenden Burnout gut entgegen treten zu können.

Viele Begegnungen in der Praxis hinterlassen in diesen Tagen tiefen Eindruck, weil es oft sehr, sehr heftig ist, was Menschen tragen und erlebt haben. Es sind auch viele Menschen dabei, die schwere und schwerste körperliche Erkrankungen haben und von mir im Seelischen Unterstützung auf ihrem Weg haben wollen. Das ist oft so tiefgreifend und berührend, was da an Gesprächen entsteht über den Sinn des Lebens, die Kunst des Lebens und die Kunst des Sterbens.

Beides – Kunst des Lebens und Kunst des Sterbens, ars vivendi und ars moriendi, werden auch in der Nautilusausbildung ab September Thema sein, denn wenn wir das Sterben nicht üben, sind wir nicht bereit, wenn es so weit ist. Und wann das ist – wer weiß es? Mitten im Leben stehen wir im Tod, keiner kennt die Stunde. Insofern  hat da Vinci Recht – das Leben schätzen ist wichtig.

Allen ein gutes Wochenende. Für die Schulkinder bricht dann die letzte Schulwoche hier in Bayern an – schafft es gut! Und dann ab mit euch in die wohlverdienten Ferien.

 

Danke an Steffi für dieses himmlische Bild. Ist das nicht unfassbar, wie die Wolken diese Woche am Himmel standen?

Zauberwort-e

Das Zitat von Steiner: „In jedem Einzelnen, das man seelisch-geistig an dem Kinde und mit dem Kinde vollbringt, greift man gesundend oder schädlich in sein Leibesleben ein“ war das Schlusswort in einem Kindergartencoaching am Mittwoch. Ein spannender Tag, nicht nur wegen der großen Hitze (ich bin ja bekennender Nebel- und Regenfan). Ein Team hat um Unterstützung gebeten und das finde ich toll – das machen in der Regel nur Teams, die sich grundsätzlich viele Gedanken über ihre Arbeit, ihr Miteinander und ihren pädagogischen Ansatz machen. Ich bin viel in Kindergärten unterwegs, ganz unterschiedlichen Einrichtungen und unter verschiedenen Trägerschaften. In Kindergärten kommt seit der Pandemie viel zusammen und das war auch ein wichtiges Thema der gemeinsamen Arbeit.

Kommunikation ist das Zauberwort und immer wieder ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir oft die Appellohren offen haben – wir betrachten eine Ansage als Befehl, etwas zu erledigen. Schnell fühlen wir uns angegriffen, wenn jemand „komisch guckt“ oder es fehlt an Wertschätzung untereinander. Wir reden zu viel über Unwesentliches und lassen außer Acht, was wahrhaft wichtig ist. Aus Angst, nicht mehr gemocht zu werden, fressen wir was in uns hinein und es platzt an der falschen Stelle hoch.

Bei dem Coaching ging es nicht nur um das Team an sich, sondern auch um die Frage, wie Erzieher:innen mit Eltern umgehen. Kinder werden krank gebracht, sie haben Fieber (und ein Medikament dagegen bekommen, das an sich ist schon hinterfragbar), sich nachts erbrochen – das geht nicht von alleine weg und schon gar nicht im Kindergarten, wo dann viele angesteckt werden können. Auf der anderen Seite haben wir alleinerziehende Eltern, die nicht „schon wieder“ daheim bleiben können, weil Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit gefühlt 200 Tage im Jahr krank sind. Ein Immunsystem muss auch erst trainieren.

Erziehungsarbeit wird auf die Institutionen übertragen – das kann kein Kindergarten leisten, auch Schulen sind keine Reparaturanstalten für zuhause nicht erfolgte Erziehung.

Auf der anderen Seite haben wir überforderte Eltern im Spagat zwischen Arbeit, Familie und dem Leben insgesamt. Sie haben sich das Elternsein oft anders vorgestellt, mehr mit ruhigen netten Babys statt Schreikindern, Schlaf statt durchwachter Nächte und dass sich das Kind in ihren Rhythmus fügt – das tut es aber so gut wie nie. Der Chef macht Druck, Großeltern leben 500 km weit weg, sie sind oft auch alleinerziehend.

Drei Seiten kommen zusammen: Eltern am Limit, Erzieher am Limit und Kinder, die in den ersten sieben Lebensjahren „Das Schöne, das Wahre und das Gute“ erleben sollen.

Eltern dürfen Hilfe annehmen, wenn sie nötig ist. Sie brauchen Ermutigung und Unterstützung. Erziehende in Institutionen ebenso, denn sie leisten in diesen Jahren Meisterliches. Und die Kinder brauchen allen Schutz der Welt, denn sie sind in eine komplexe Zeit hineingeboren.

Ich bin so dankbar, wenn ich in Kindergärten coachen kann – es ist eine Ermutigungsarbeit. Wir gehen mit dem Blick weit über die zwischenmenschlichen Konflikte und richten den Fokus wieder auf das, was wirklich wichtig ist: das Kind. Diese Wundertüte, aus der es sein ganzes Leben Dinge auspackt, wenn es in diesen wichtigen Kleinkindjahren lernen durfte, dass es eine Wundertüte ist und kein Paket, das von A nach B verschoben wird, damit es aufbewahrt ist.

Wer immer sieht, dass Eltern in der Umgebung gestresst sind – fragt, ob Unterstützung gebraucht wird. Wenn eine berufstätige Mama mal alleine in Ruhe den Wocheneinkauf machen kann und weiß, dass die Nachbarn mit dem Kind Apfelküchle backen, ihm zeigen, wie man einen Fahrradschlauch flickt oder einfach nur auf ein Baby achtgeben, hilft das. Dem Kind, der Mama/dem Papa und der Person, die hilft. Dann entsteht Kontakt, Gemeinschaft, Verantwortung mit- und füreinander.

In Afrika heißt es: Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf. – Was, wenn wir auch in den Städten aus Herzensliebe „Kinderdörfer“ entwickeln, um gemeinsam diese wichtigste Aufgabe einer Gesellschaft zu stemmen: sich um die Entwicklung einer guten Zukunft zu bemühen?

Allen einen liebevollen Venustag.

 

Sigrid hat diesen Flieger am Meer fotografiert. Für alle, die in diesen Tagen manchmal auch gern am Meer säßen und einfach nur Vögel angucken wollen. Danke für das Foto!

 

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