Author page: Christine Krokauer

Womit machst du die Welt besser?

Donnerstag ist mein persönlicher Freutag in der Woche. In letzter Zeit verstärkt, denn da nehme ich mit Gabi Heilmann immer unsere neueste Podcastfolge auf. So haben wir schon ein bisschen im Voraus gearbeitet, damit wir euch nach und nach gut versorgen können. Gabi denkt sich stets eine spannende Frage aus. Ich erfahre sie um 13 Uhr. Aufnahmestart: 13 Uhr. Insofern trainiere ich seit Wochen Geistes-Gegenwart, was uns schon richtige Fails beschert hat, die nicht sendefähig sind. Spaß macht es in jedem Fall und ist ein schöner Austausch. Danke für eure Feedbacks zu den Post. Applaus ist die Nahrung der Künstler.

Steffis Foto mit dem doppelten Regenbogen ist ein Motiv, das für das Frühjahr 2021 insgesamt stehen könnte. Der Frühling war oft mit schwarzen Wolken unterwegs und davor leuchten die Bögen. Sie stehen für uns Menschen als Symbol von Hoffnung. Ich finde die Menge an Regenbögen in diesen Wochen auffallend. Vielleicht ist es Zeit, dass wir bei so viel Himmelshoffnung auch wieder innerlich gestärkt und ermutigt werden. Regenbögen stehen für Veränderung nach Chaos, für Neubeginn.

Viele Menschen werkeln derzeit an ihrer Vision von einer besseren Welt. Sie arbeiten Konzepte aus, wie man z.B. Schule in Zukunft denken kann. Dass die beste Vorsorge zur Vermeidung langwieriger Therapien als Erwachsener ein neues Denken in der Erziehung ist. Wie kann man Eltern stärken, damit sie trotz Homeschooling und Homeoffice in ihrer Kraft bleiben und ihre Kinder gut erziehen können? Wie gestalten wir Einrichtungen, die auf neue Weise mit dem wertvollsten, was eine Gesellschaft hat, die Kinder, umgehen?

Wenn in unserer Cardea-Therapie®-Ausbildung Menschen sind, die später gern mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchten, rede ich mir den Mund fransig, dass nur Menschen mit einer enorm hohen Ethik, mit tiefster Menschlichkeit, mit innerer Ruhe und starker Reflektionsfähigkeit mit den Jüngsten arbeiten sollen, denn Kinder brauchen in allem Menschen, die bestens aufgestellt sind. Es bringt wenig, sie permanent zu loben, sondern es gilt, sie zu ermutigen, immer wieder ein Thema aufzugreifen, dranzubleiben, aus Talent gesicherte Fähigkeiten zu machen, Ausdauer, Mut, Gelassenheit und Lernfreude lebenslang anzulegen. Wer als Kind lernt, dass herausfordernde Aufgaben dazu dienen, zu wachsen und sich selbst immer wieder zu zeigen, dass man es schaffen kann, wenn man nicht gleich nach zwei Versuchen aufgibt, wird später im gesamten Leben anders dastehen. Wer viel draußen in der Natur ist, sich bewegen darf, die Welt mit allen Sinnen entdeckt, wird ein anderer Mensch als ein Käfighuhnkind, das ganztags auf Bildschirme starrt. Vorlesende Eltern, singende Eltern, selbst kochende Eltern – das braucht es. Eltern, die offen sind für Kinder und ihre Wunder, die sie auf die Welt mitbringen. Wird es ein hervorragender Zimmermann werden? Ein Bauer? Ein Arzt? Ein Erfinder? Ein Musiker, der die Menschen berührt? Jeder, der auf seinem Gebiet ein Meister ist, ist ein wunderbares Vorbild. Wie beeindruckend, wenn Menschen Tonschalen für Tee formen und im Lauf der Jahre immer besser werden. Wer tut, was er liebt, und es darin zur Meisterschaft bringt, leuchtet und ermutigt andere, ebenfalls so zu leben.

Tust du, was du am meisten liebst? Bist du im Leben an der Stelle, an der du sein willst? Hast du Kinder und wie möchtest du sie in die Welt schicken? Hast du Ideen, wo und wie du Welt besser machen kannst?

Der Schwarm ist wesentlich begabter als wir meinen. Da draußen kursieren für alle nur denkbaren Gebiete wunderbare Ideen. Lasst uns zusammentragen, was es an zukunftsträchtigen Planungen gibt. Was ist deine absolut beste Idee, um diesen großartigen Planeten zu einem liebens- und lebenswerten Ort zu machen? Was stellst du, du persönlich, in die Welt? Danke dafür. Zeige es uns.

Allen einen freudevollen, stärkenden Jupitertag.

Bist du ein guter Buddy?

Die Woche ist um einen Arbeitstag gefühlt kürzer, was bedeutet, dass sich alles auf den verbleibenden Tagen aufstapelt. Viele sind weggefahren, Ferien sind, es ist ruhig auf der Straße und im Supermarkt war ich mit den Angestellten vorhin alleine.

Nach wie vor bin ich in den freien Momenten damit befasst, meine Visionen und Zukunftsvorstellungen neu zu formulieren, denn ohne Klarheit, wo es hingehen soll, ist kein Wind der richtige, um den Zielhafen anzusegeln. Vieles bleibt über Jahre oder gar Jahrzehnte ähnlich/gleich, weil sich entsprechende Werte nicht ändern. Manches erfährt Veränderung, muss angepasst werden. Was für 20-Jährige gilt, sieht bei fast 60-Jährigen anders aus und das ist gut so.

Wohin soll es arbeitstechnisch gehen, in der Ehe, spirituell und vieles mehr wird hinterfragt. Spannend, so eine Arbeit. Wenn ich sie wirklich ernsthaft und gründlich mache, komme ich mir auch bei den Alltags- und Faulheitsschummeleien auf die Schliche, wo ich aus Bequemlichkeit luschig bin. Bemerke ich das, kann ich genauer hinschauen, bemerke ich es nicht, schleicht sich schnell eine falsche Richtung ein. Deshalb regelmäßig Visions-TÜV.

Sehr anregend der Austausch mit einer Kollegin in der Coachingausbildung, die mit mir (per „Zufall“) in einer Übgruppe war. Sie plant ein tolles Projekt und wir haben uns gestern zwei Stunden lang darüber unterhalten. Die Gesamtsituation hat ihre Vorteile, ich lerne sehr viele neue Menschen kennen, das erweitert sehr den Horizont. Bedenken wir, dass die Menschen, mit denen wir dauernd zu tun haben, unseren Entwicklungsweg am meisten prägen. Möchte ich mit jemandem zusammen sein, der mich bremst, meckert, kritisiert, unzufrieden und jammernd ist? Sicher nicht. Deshalb muss ich zuerst dafür sorgen, nicht so für andere zu sein. Klar meckere ich. Klar jammere ich auch. Aber das ist zeitlich durchaus überschaubar, weil wenig zielführend. Früher oder später fällt mir dann auf, dass eine klare und bedachte Analyse der Situation und der wahren Auslöser meines Missmuts sinniger sind, denn nach wie vor gilt: wir regen uns niemals über das auf, worüber wir uns gerade aufregen. Stimmt nicht? Stimmt wohl. Meistens sind wir über uns selbst sauer, weil uns jemand in die Lage bringt, dass wir uns hilflos, unfähig oder sonst wie vorkommen und wir ärgern uns, dass wir uns darüber ärgern.

Richten wir unseren Fokus also wie den Taschenlampenstrahl der Sonne auf den Weg, den wir uns ausgesucht haben, den wir immer wieder prüfen und dessen Weggabelungen wir bewusst wählen, anstatt uns mit negativem Denken aufzuhalten. Damit ist nicht gemeint, wirklich schlimme Dinge mit rosa Spray und Glitzer zu übertünchen, sondern hinzuschauen, anzuerkennen, was ist und daraus seine Schlüsse zu ziehen.

Wer geht mit dir deine Wege, sei es von nah oder fern? Hast du gute Buddys, die dich stärken, stützen und denen du Stärke und Stütze bist? Falls nein – sei dir erstmal selbst ein guter Buddy und dann suche dir Menschen, mit denen du wachsen und gedeihen kannst.

 

Allen einen beweglichen Merkurtag! Für alle Müden ein bisschen Koffein zum Durchstarten.

Gottes Taschenlampe

Sieh doch den Wettersturm am Himmel,

Sieh doch die Wolken um die Höhn!

Ich aber sag: das geht vorüber,

Und auf den Abend wird es schön.

Cäsar Otto Hugo Fleischlen, 1864–1920

Steffi hat dieses bewegte Foto gemacht. Danke dir! Als Kind dachte ich bei so einem Anblick sehr beruhigt, dass Gott mit seiner Taschenlampe durch die Wolken schaut, ob alles bei den Menschen in Ordnung ist. Ich fand das sehr tröstlich. Bald kam die Erklärung: „So ein Quatsch! Die Sonne zieht Wasser.“ Na dann. Egal, ob Zahnfee, Osterhase, Christkind oder Gottes Taschenlampe – Erwachsene haben wirklich oft keine Augen für die Wirklichkeit. Siehe „Der kleine Prinz“. Sie sind halt „sonderbar“.

Meisterschaft erlangen

Pfingsten – für viele waren das drei freie Tage zum Abschalten, manch einer hat seinen Koffer gepackt und ist nach Monaten des Wartens in Ferien gefahren. Wir haben uns in ein Abenteuer der speziellen Art begeben. Wir sind in der „grünen Hölle“ gewesen, so nennen wir den Garten seit einigen Jahren. Der Grund ist einfach: durch das ganze Drumherum, was gerade bei uns los ist, kommen wir nicht mehr regelmäßig in den Garten. Da ich mit den Jahren zum Allergiker mutiert bin, geht Garten zu normalen Zeiten gar nicht. Die einzige Möglichkeit ist normalerweise direkt zur Dämmerung, ehe der Tag anbricht, oder aber es ist sehr bewölkt, kalt und regnerisch. Dann beißen weder Grasmilben noch Kriebelfliegen, beides haben wir hier leider.Es war gut am Samstag und am Sonntag, da haben wir jetzt fast Halbzeit, was nix heißt, denn kaum ist man an einer Seite fertig, steht der Weg-damit-Spaß am Anfang wieder so wie zuvor.

Ansonsten gab es Übgruppentreffen, neuer Lerninput und Austausch mit Menschen, die ähnlich unterwegs sind wie ich.

Verlesen habe ich mich zudem. Das passiert, wenn ein Buch wirklich total spannend ist und das war es – Ausdauer zählt wesentlich mehr als Talent ist die Quintessenz gleich zweier Bücher zum Thema mit viel Forschung dazu. Das beobachte ich schon seit meiner Schulzeit. Die Überflieger waren es im Leben nicht immer. Im Gegenteil, sie sind oft übel abgestürzt, wohingegen die Mittelschicht, die unauffällig durch den Schulbetrieb durchgelaufen ist und sich sehr bewusst war, dass sie weder durch exorbiante Ausnahmebegabungen noch superengagierte Familien auffallen, sich mit Fleiß bestens vorangebracht hat.

Ich habe beim Versuch, mit neun Riesengartensäcken auszukommen (ich habe einfach aufgehört, als sie voll waren, wie gesagt, nicht mal richtig Halbzeit), gut nachgedacht über solche Dinge, daraus ergibt sich viel: Wie fördert man Menschen mit einer besonderen Begabung so, dass sie sich nicht auf ihrem Talent ausruhen? Wie ermutigt man Menschen mit „normaler“ Begabung, dass sie dranbleiben und auf ihre Weise zur Meisterschaft kommen?

Letztlich bewundern wir alle Meister, egal, auf welchem Gebiet. Die Frage ist: Wie werde ich Meister? In welchem Bereich? Wie entwickle ich mich, damit das Meistertraining jeden Tag quasi automatisiert läuft, damit ich dranbleibe? Genau das sind die Themen, die derzeit in der Praxis stark auftauchen. Gerade in der Pandemie ist es nämlich superschwer vor allem für Kinder und Jugendliche, dranzubleiben an ihrem Schulpensum, nicht aufzugeben und jeden Tag auf der Übungsmatte aufzuschlagen. Gilt übrigens für uns Erwachsene exakt genauso! Um in irgendetwas Meisterschaft zu erlangen, muss man jeden Tag üben. Ob man Lust hat oder nicht, ist egal, einfach tun.

Was tust du, um in welchem Gebiet Meisterschaft zu erreichen? Was motiviert dich, jeden Tag anzutreten zum Üben? Welchen Tipp hast du für uns?

Allen einen kraftvollen und entscheidungsfreudigen Marstag.

 

Frankfurt, Römer, vor Corona.

Kastanienbaum, Kastanientraum

Der Kastanienbaum

 

Dort unter dem Kastanienbaum

War’s einst so wonnig mir,

Der ersten Liebe schönsten Traum

Verträumt ich dort mit ihr.

 

Dort unter dem Kastanienbaum

Ist’s jetzt so traurig mir.

Dort gab ich meinen Schmerzen Raum,

Seit Vanda schied von hier.

 

Und doch ist’s gar ein lieber Ort,

Erinnrung heiligt ihn.

Es ist kein Zweig, kein Blütchen dort,

Dem sie nicht Reiz verliehn.

 

Das Windesspiel in dunkler Krone,

Ihr melancholisch Rauschen

Gleicht ihrem bangen Abschieds-Tone

Und zwingt mich, ihm zu lauschen.

 

Die weiße Blume? War sie nicht

Selbst eine weiße Blüte?

Strahlt Unschuld nicht ihr Angesicht,

Nicht Reinheit, Seelengüte?

 

Mit zartem Purpurnetz durchstickt

Seh ich die Blume prangen

Und denke, wenigstens entzückt.

An ihre Rosenwangen.

 

Bald werd ich eine Frucht erschaun

Und sehe dann fürwahr.

Es war ja auch kastanienbraun,

Ihr schöngelocktes Haar.

 

Nur eines fehlt, des Auges Blau,

Des Liebchens größte Zier,

Das trägt der Baum mir nicht zur Schau,

Das zeigt er niemals mir.

 

Doch wenn der Frühling wiederkehrt.

Belebt die weite Au,

Da, hoff ich, ist der Baum bekehrt

Und blüht halb weiß, halb – blau.

 

Theodor Fontane, 1819–1898

 

 

2017 blühten in Frankfurt die Kastanien schön. Von der Aussichtsplattform eines Sightseeing-Wagens hat man einen guten Blick.

Du erntest, was du säst

Rumi trifft einen guten Punkt auch in unseren Leben – die Konsequenzen unseres Handelns haben wir selbst zu verantworten und man erntet, was man gesät hat. Säen wir Missgunst, Hass, Gier und anderes Negatives, kommt auch das uns als Antwort von außen entgegen. Manchmal säen wir liebevoll und freudig und bekommen dennoch eines auf die Mütze, auch das gibt es.

Kein Grund, garstig zu werden, sondern bei der Linie zu bleiben, die wir uns selbst als Wert und persönliche Ethik angelegt haben. Niemand muss dieser Linie folgen, sie ist unsere und deshalb nur für uns relevant. Oft erleben wir, dass Menschen jedoch erwarten, dass wir ihren Vorstellungen zu entsprechen haben. Gern kommt als Argument dann der Generaltotschläger: Ich habe es doch nur gut gemeint. Da kann man nur antworten: Stets bemüht (damit die Klischeekiste wieder mal leer ist).

Es macht oft Sinn, von der Zukunft oder anders formuliert von den Konsequenzen her zu denken. Das würde so manchen Ärger elegant ersparen, da wir viele Konsequenzen falschen Handelns oft erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten aufs Brot geschmiert bekommen. Und es ist hilfreich, immer wieder auf dem Schirm zu haben, dass unsere Werte, unsere Vorstellungen und Gedanken zu etwas, unserer Privatwirklichkeit entspringen. Dass uns jemand folgt, liegt nicht in unserer Hand und ist ehrlich gesagt nicht notwendig. Natürlich teilen viele Menschen bestimmte Werte, aber dadurch erhalten sie weder Allgemeingültigkeit noch sind sie Pflichtstandard. Ich darf etwas ablehnen, was ein anderer gut findet und umgekehrt.

Neulich sagte jemand zu mir: „Da musst du jetzt durch und dir das anhören.“ Ist das so? Ich denke nicht. Ich bin nicht verpflichtet, mir irgendwas anzuhören. Ich darf „nein“ sagen und meine Zeit anders einsetzen. Ich sage „Ja“, wenn mir der Mensch wichtig ist und ich spüre, dass ihm mein Lauschen am Herzen liegt. Dann höre ich hin. Aber ganz sicher nicht, weil ich irgendwas müsste. Ich muss wenig. Schlafen, Atmen, Wasser trinken, Sterben. That’s it.

Achten wir darauf, was wir säen. Ernten wir bewusst. Und überlegen uns bei jedem „muss“, ob es unseres ist und wir ihm folgen wollen oder ob es ein Versuch ist, im Sinne von jemand anderem etwas zu tun, was wir gar nicht wollen. Das kann Mut erfordern. Super! Aus ZuMUTungen entstehen Demut und Mut. Dann ernten wir auf alle Fälle Abenteuer. Wie willst du leben?

 

Allen freundliche Pfingsttage. Manch einer ist in diesen Tagen im ersten Urlaub seit langem. Für uns, die wir daheim die Stellung halten, heute mehr Meer. Danke an Anne für das Foto!

Volles Leben oder Resterampe

Hach. Gerade haben Gabi und ich unsere neue Podcastfolge aufgenommen. Ihr könnt euch vorfreuen, wir haben Glaubenssätze als Thema und Gabi hatte eine geniale Idee dazu.

Spannend ist der Austausch in dieser Woche mit den Klienten. Zukunft ist das bestimmende Thema. Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft, wissen nicht genau, wie sie ausschauen soll oder ob sie darauf überhaupt Einfluss nehmen können.

Zukunft gibt es immer! Da müssen wir uns keine Sorgen machen. Und ja – wir nehmen sehr mächtig Einfluss auf unsere Zukunft. Die Art, wie wir denken, wie und vor allem wofür wir leben, uns aus- und fortbilden, welche Routinen unseren Alltag bestimmen, woran wir glauben und was wir für möglich halten, all das sind Erfolgsfaktoren für unsere Zukunft. Halten wir doch einfach mal viel mehr für möglich und denken wir ruhig intensiv, sorgfältig und achtsam über unsere Vision nach.

So viele Lebensbereiche haben wir – für jeden einzelnen bedarf es einer guten Vision. Wenn ich nicht weiß, was für mich Partnerschaft, Arbeit, Spiritualität, Freundschaften etc. bedeutet, bekomme ich, was auf der Resterampe des Lebens liegen bleibt. Habe ich konkrete Vorstellungen, kann ich gangbare Wege erarbeiten. Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt, oder? Dann folgt der nächste, egal, wie groß oder klein mir Schritte möglich sind, geht es wie bei Beppo Straßenkehrer: „Atemzug, Besenstrich, Schritt und irgendwann ist die ganze Straße gekehrt und man weiß nicht, wie und man ist nicht außer Atem“.

Wie deine Zukunft wird, hängt zum Großteil von dir ab. Und ja, auch das Außen hat Einfluss darauf. Wer darauf wartet, dass das Außen das Innen bestimmt, ist eben generell der Resterampetyp. Auch okay. Dann aber nicht meckern über das, was da noch ist.

Wie wäre es, wenn du dein Leben in die Hand nimmst und was draus machst? Wer sonst könnte das? Wie soll es ausschauen? Nehmen, was übrig geblieben ist oder selbst entscheiden? Du wählst. Wähle klug.

 

Allen einen freundlichen und liebevollen Venustag.

Ohne Grundsätze

Ohne Grundsätze ist der Mensch wie ein Schiff ohne Steuer und Kompass, das von jedem Winde hin und her getrieben wird.

S. Smiles

Auf diesem See verirrt man sich noch nicht. Steffi war für uns mit der Kamera unterwegs. Danke!

Unsere neue Welt

Jupitertag! Hurra! Mein Lieblingswochentag. Sehr spannende Begegnungen stehen heute auf dem Tagesplan und am Abend noch Übgruppe in unserer Fortbildung, wir werden also erfüllte Stunden haben.

 

Ich bin sehr beeindruckt von den bisherigen Terminen in dieser Woche. Sehr viele Menschen sind inzwischen am Limit angelangt – sie haben keine Perspektiven mehr, die sie zur Ermutigung aus dem Zukunftsköcher ziehen können. Wenn Kriege Explosionen sind, sind Situationen wie diese wie Implosionen. Sie verursachen keinen Schaden im sichtbaren Außen, sondern in den Seelen der Menschen. Ob das nun Kinder und Jugendliche sind, die massive Probleme mit der Schule, den fehlenden Sozialkontakten, der Ausgrenzung haben (denken wir nur an die Anfänge der Pandemie mit Fernbleiben von Großeltern, keine Freunde mehr zum Spielen mehr um sich haben dürfen, die absurde Idee, ein krankes Kind in der eigenen Wohnung zu isolieren, was zu einer krassen Ausgrenzung und mobbingähnlichem Verhalten führte) oder Erwachsene, die verzweifelt seit Monaten versuchen, Partner kennen zu lernen oder ihre eigene berufliche Zukunft abzusichern – es knallt an allen Ecken und Enden. Orientierungslosigkeit entsteht so sehr rasch.

Ich kann es nur wiederholen: Wir stehen in feurigen Zeiten. Der Quantensprung auf ein anderes Level menschlicher Existenz auf diesem Planeten ist dran oder Rückschritt auf vorige Stufen, weil er nicht geschafft wird. Das meine ich wertungsfrei, manchmal muss man erstmal noch zurücktreten, um Kraft zu sammeln und Schwung zu holen. Das Problem ist, dass wir seit Jahren weltweit rumdümpeln, die Probleme stets unter die Teppiche gekehrt und immer schlechter kommuniziert haben. Es ist für den Planeten zu spät für Rückschritt und Schwung holen. Jetzt braucht es Vertrauen, dass wir das nächste Level schaffen! Was bedeutet das?

Zuerst brauchen wir für die Kinder und Jugendlichen schnell geregelte Tagesabläufe. Wir brauchen eine vollkommene Erneuerung des Schulsystems, es gibt genug Ideen. Lehren wir an den Schulen Glück, Würde, Eigenverantwortung, Kulturtechniken, erweitern wir den Lehrplan auf handwerkliches tun, auf Gemüseanbau und Verantwortungsgefühl für die eigene Gesundheit, weiten wir den Blick auf das, was der Planet in Zukunft für Menschen braucht: Leute, die vernetzt sind, die eigenständig denken können, stabile Werte haben, einer Ethik folgen und den Machthunger und die Geldgier unserer Zeit überwunden haben, weil es darum geht ein ERFÜLLTES Leben zu leben, keines mit „schneller, höher, weiter“ und „alles meins“.

Dann brauchen wir ein Neudenken der Arbeit. Vielleicht ist ein Grundeinkommen ein guter Anfang und jeder fragt sich – gehört schon als Lehrfach in der Schule dazu – welches Potential er entwickeln und der Welt dienend zur Verfügung stellen kann. Wer kann was besonders gut und wie kann er da auch Arbeit finden? Wo braucht es welche Idee?

Alles ist neu zu denken und zu gestalten. Aus dem Gesundheitssystem muss ein System heraus entwickelt werden, das Menschen in Eigenverantwortung auf Basis einer ausgezeichneten Grundversorgung bringt. Gesundheit hat viele Gesichter: körperliche, seelische und geistige Aspekte. Bringen wir uns wieder bei, für alle Bereiche gut zu sorgen und im Krankheitsfall auf bestens ausgebildete Ärzte, Pfleger und Fachpersonal zu treffen, die ganzheitlich schauen und unterstützen.

Holen wir alte Menschen in die Mitte der Gesellschaft, fördern wir generationenübergreifende Projekte und ziehen wir auch wenn gewünscht Singles mit Familienanschlusswunsch mitten hinein – Eltern auf Zeit unterstützen Eltern, die alleinerziehend am Limit sind. Wer gut kochen und liebevoll sorgen kann, mache das –  die anderen sorgen für den Rest. Jeder gebe sein Bestes und achte auf seinen Nächsten. Jeder Einzelne zählt mit seinen Talenten und seinem Können, seinem Herz, seinem Lachen, seinem Strahlen.

Was wir im Moment in den Praxen leisten, ist Überbrückung von Notfällen und der Versuch, Perspektiven zu eröffnen, oft genug vereitelt durch die nächsten Pressemeldungen, die das Gegenteil erlebbar machen. Und trotzdem – ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir es gut schaffen. Dass das Leben Sinn macht. Dass jeder Einzelne zählt und wichtig ist. Das Liebe die Grundlage allen Seins ist und jeder von uns die Macht und die Kraft hat, sich selbst bestmöglich in die Welt zu stellen.

Hey – wer bist du? Was kannst du? Welches Licht stellst du auf den Scheffel, um die Welt hell und schön werden zu lassen? Danke!

 

Auch dieses tolle Foto verdanken wir Steffi!!

Sturmgrund

Das Lachen ist der Regenbogen, der dem dunklen Grund des Sturms entsteigt.

Anastasius Grün, 1806–1876

Steffi hat den seltenen doppelten Regenbogen fotografiert! Herzlichen Dank dafür!

Bist du geborgen?

In den letzten Wochen kam immer wieder in der Praxis eine spannende Frage auf: Woran glaubst du? In vielen Menschen schlummert eine Sehnsucht nach „Wiederanbindung“ an das Göttliche, nichts anderes heißt „re-ligio“. Viktor Frankl sagte sinngemäß einmal, die tiefsten menschlichen Fragen seien metaphysischer Natur, sind also letztlich Fragen, die man stark verkürzt mit Göttlichem in Verbindung bringen kann. Offenbar sind Kirchen nicht mehr  für alle Menschen in der Lage, eine Heimat zu bieten, sind wir in einer Art postmoderner Spiritualität angekommen.

Woran glauben wir? Dass wir in etwas Größerem aufgehoben, geborgen sind? Behütet und beschützt? Ich finde so ein Bild durchaus wichtig, vor allem für Kinder. Wenn wir Kinder ohne das Bewusstsein erwachsen werden lassen, dass ihr Leben einen tiefen Sinn hat, dass es eine Bedeutung hat, dass gerade sie auf der Welt sind und dass wir uns an etwas innerlich anbinden können, das größer ist als wir, stärkt das sehr.

Menschen erleben Halt in Ritualen, das Wort Kultur hängt nicht umsonst eng mit Kultus zusammen. Die Frage ist, ob wir das institutionalisiert brauchen oder nicht. Viele Menschen bemerken, dass wir heute anders denken, dass Rituale nicht sinnentleert abgehalten werden sollen, sondern sehr bewusst. Dass wir kein Gottesbild brauchen, das geglaubt werden soll, sondern Erfahrungen mit dem Gefühl des Göttlichen wichtig sind.

Herzliche Einladung – wo fühlst du dich geborgen, aufgehoben, angebunden an etwas, das größer ist als du selbst? Dieses Geschenk wünsche ich an diesem Wochenteilungstag jedem.

 

Danke an Steffi für das wunderbare Bild.

100 Jahre Sebastian Kneipp

Sebastian Kneipp wurde vor 100 Jahren geboren. Er wurde bekannt als Wörishofener Wasserdoktor, der sich selbst mit einer gewaltigen Rosskur von seinem Lungenleiden kurierte. Der Junge aus einer extrem armen Weberfamilie, die ihr Haus durch Feuer verlor, erfüllte sich mit dem Theologiestudium seinen Lebenstraum und er schaute genau auf die Menschen. Er hat eine Lebensordnung aufgestellt, die nicht komplett neu war, Hippokrates kannte das Meiste davon bereits und riet es schon in der Antike den Patienten. Die Kombination mit dem Wasser als tiefgreifender Hilfe erweiterte die Säulen der Gesundheit dennoch. Kneippgüsse sind den meisten Menschen irgendwie bekannt.

Wir freuen uns, dass wir genau im Kneipp-Jahr unsere Ausbildung als Kneipp-Gesundheitsberater in Bad Wörishofen machen dürfen. Wegen der Pandemie verschob sich der Beginn, wir hoffen, dass es dennoch klappt. Dann werden wir tief einsteigen in das Wissen von Kneipp, da treffen sich unsere Liebe zu Heilpflanzen, zu Grundlagen vernünftiger Lebensordnung und zum Wasser. Längst haben wir ein Gießrohr daheim, das täglich im Einsatz ist. Wo immer wir ein Armbecken sehen, sind wir drin und genießen den „Kneipp-Espresso“. Wir sind super gespannt auf die Inhalte der Ausbildung und freuen uns, damit unser Wissen abermals zu vertiefen und freudig an euch weitergeben zu können.

Lebenszweck wäre in unserer Sprache heute Sinnhaftigkeit, Bewegung und Luft gehören zum Bereich der Machbarkeit ebenso wie eine gute Ernährung. Antonovsky hat in seinem Salutogenesemodell später noch das Verstehen dazu gepackt. Wir erleben seit Monaten, wie wichtig es ist, dass jeder Einzelne dafür sorgt, in einer guten Mitte zu bleiben, um seine Gesundheit stabil zu halten. Die Regeln des Wasserdoktors sind dazu nicht die schlechtesten. Drum froh ans Gießrohr und auf zu einer guten Lebensordnung.

Allen einen tatkräftigen Dienstag, vielleicht mit einem Beinguss zum Duschende? Gießrohre kann man problemlos am Brauseschlauch anschließen. Sie machen mit einem Handgriff die Dusche zum Gießparadies.

 

Zäune – der hier gefiel mir in Mittelberg so gut, dass ich ihn fotografieren musste, falls ich mal einen Lattenzaun brauche mit Zwischenraum, um durchzuschau’n.