Donnerstags-Nachdenk-Input

Hand kaputt. Fast jedenfalls. Der Grund ist der jährliche – Quittenernte. Rund 250 Kilo trägt der Baum in diesem Jahr, das erste Mal und das bei dem Hitzesommer. Allerdings merke ich das beim Verarbeiten. Quitten sind ja nie so wirklich weich zum gut verschaffen. Manches Mal wünschte ich mir schon ein Beil. Trotz Gießen ohne Ende sind sie in diesem Jahr wirklich pickelhart. Ich hab nicht mal ein Fünftel verschafft und überlege schon, wie ich meinen Handteller schütze, wenn ich mich mit voller Kanne auf das Messer stütze. Der Lohn für eine Stunde Quitten kleinhacken – nicht mal 2,5 Liter Saft. Und warum tut man sich das an?

Ganz einfach. Wenn die Quitte gewaschen und der Flaum abgerieben wird, steigt ein betörender Geruch auf. Kocht man sie, stehen nicht nur die Wespen vor dem Fenster Schlange (dumm gelaufen. In diesem Jahr gab es Fliegengitter). Füllt man den Saft ab, sieht man eine betörende Farbe, die man sonst niemals in der Küche sieht – so eine feine Röte spielt im Glas. Der Saft so dick wie Sirup (obwohl mit Minimalzuckermenge gekocht). Er tropft in die Flasche, zum Fließen ist er fast zu dick. Und wenn dann im Winter wirklich jeder Knochen schmerzt und die Flasche mit dem goldroten Glück wird geöffnet – kein Saft ist besser als der. Würden wir nicht so schrecklich gern Saft trinken, wären wir mit Sicherheit am Geleekochen. Vielleicht reicht es ja auch dieses Jahr für ein paar Gläser, denn Quittengelee – ungelogen! Frisches Toastbrot, wenig Butter, Quittengelee. Der Himmel ist offen!

Und wenn ich nach dem Hacken noch genug Nerven habe, schau ich, dass ich Quittenbrot mache. Das braucht halt alles wirklich viel Zeit und davon ist im Herbst nicht allzuviel vorhanden, aber wenn es klappt, wird es die feinen Würfel wieder geben. Ich lese im Katalog, dass 100 Gramm Quittenwürfel 8 Euro kosten. Jep. Wundert mich nicht.

250 Kilo. Wow. Und das nach nur neun Jahren Warten, der Baum war fix, wie froh ich bin! Wenn wir dann mal ernsthafte Mengen ernten, wird die Presse wieder spannend. Wie angenehm – Quitten waschen, reinwerfen, Saft nur noch kochen zum Haltbarmachen, das ist in einem Tag gelutscht, egal, wie viele Quitten es sind. So sind es viele, viele Tage, aber für 250 Kilo wirft keiner seine Presse an, nur mit anderem gemischt. Aber ich streichel ja nicht den Sommer über jede Quitte einzeln, damit sie ja lang am Baum bleibt, damit ich hinterher nicht genau diese Kandidaten in der Flasche habe.

Ach ja. Gibt es Faszinierenderes als Rosengewächse??? Freude herrscht und Dankbarkeit. Also, falls meine Hand aufhört zu schmerzen.

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