Author page: Christine Krokauer

Die Seele ist wie ein Baum

Was der Saft im Baum ist, das ist die Seele im Körper und ihre Kräfte entfalte sie wie der Baum seine Gestalt.

Die Erkenntnis gleicht dem Grün der Zweige und Blätter, der Wille den Blüten, das Gemüt ist wie die zuerst hervorbrechende Knospe, die Vernunft wie die voll ausgereifte Frucht. Der Sinn endlich gleicht der Ausdehnung des Baumes in Höhe und Breite. So ist die Seele der innere Halt und die Trägerin des Leibes.

Hildegard von Bingen, 1098–1179

An manchen Orten kann die Seele sich direkt mit diesen Gedanken von Hildegard von Bingen verbinden, wie hier im Garten von Primavera mit Blick Richtung Zugspitze.

Gewaltige Range derzeit

Das Wochenende klingt noch nach in mir mit all den neuen Erkenntnissen, die zu gewinnen waren. So viel wird geforscht und versucht für kranke und alte Menschen, Kinder und Jugendliche, um alle in diesen herausfordernden Zeiten zu unterstützen.

Heute in der Praxis saßen mir Menschen unterschiedlichen Alters gegenüber und die Thematik ist ähnlich: Wer bin ich? Was ist ein gutes Leben für mich? Wie kann ich hoffnungsfroh in die Zukunft gehen? Gibt es Zukunft und wenn ja, welche Gestaltungsmöglichkeiten habe ich selbst?

Dazwischen die Realität eines Montagmorgens im Krankenhaus. Es war noch stockfinster und die Fahrtzeit dorthin quer durch dichten Nebel und über die ersten rutschigen Straßen,  als ich meine Mutter ins Krankenhaus gefahren habe. Klassiker – Stau ohne Ende. Schranke zum Parkplatz defekt, Mutter vor die Tür gefahren, dann Parkplatzsuche ohne Ende, mit dem Koffer in die Klinik, bis durch die Pandemie alle Formulare erledigt waren, die Erkenntnis –  Datenübermittlungsfehler, sie hat kein Bett. Zwei Stunden später (man hat sonst nix im Leben) löste sich alles in Wohlgefallen auf, Bett stand bereit, alles ausgepackt, Mutter ins Bett gesteckt, Telefonkarte organisiert. Morgen Magenspiegelung, dann Darmspiegelung. Das sind die noch offenen Fragen, nachdem Herzinfarkt ausgeschlossen worden war.

Das waren so die Momente am Wochenende – ich im Allgäu, großer Kongress, viele hundert Zuschauer, ich soll einen Vortrag halten und weiß nicht – sollte ich jetzt nicht besser im Auto sitzen und heimfahren (was auch vier Stunden gedauert hätte), falls was Schlimmeres ansteht? Es ist ein erstaunliches Spannungsfeld im Moment, in dem wir und die gesamte Menschheit stehen. Vermutlich ist das unsere momentane Lernaufgabe, diese Range in irgendeiner Form zu bewältigen.

Falls du auch eine ordentliche Range hast – wir sind dehnbar. Vertrau dem Prozess. Und mach dir klar: wir wissen alle nicht, was die Zukunft mit uns vorhat. Wir sind jedoch bereit, sie willkommen zu heißen. Und bis dahin struggeln wir und bewältigen Herausforderungen, vergeigen auch Dinge und das ist halt das, was wir so gemeinhin Leben lernen nennen.

 

Traummomente im Garten von Primavera. Das sind Krafttankstellen, die einen wirklich tragen können. Natur heilt nur vom Anschauen.

Nebel

Nebel

Du, trüber Nebel, hüllest mir
Das Tal mit seinem Fluss,
Den Berg mit seinem Waldrevier
Und jeden Sonnengruß,

Nimm fort in deine graue Nacht
Die Erde weit und breit!
Nimm fort, was mich so traurig macht,
Auch die Vergangenheit!

Nikolaus Lenau, 1831

Ist das nicht herrlich – dieser Sonnenaufgang in Oy-Mittelberg.

Ein Online-Kongress mit Herzmenschen

Großartige Tage liegen hinter uns, die uns aus dem Alltag weit herausgeholt haben. In Oy-Mittelberg fand am Wochenende die Primavera-Fachakademie als Onlineseminar statt. Für uns Referenten hieß das – auf geht’s ins Allgäu, das sich in bestem Sonnenschein mit atemberaubendem Sonnenaufgang und beeindruckenden Morgennebeln von seiner schönsten Seite zeigte (freut euch auf tolle Fotos!). Zwei Tage lang ging es um den Einsatz ätherischer Öle im Alltag verschiedener Anwender. Die Referenten waren beeindruckend!

Den Auftakt machte Prof. Dr. Thomas Hummel vom Uniklinikum in Dresden, der sich mit dem Geruchs- und Geschmacksverlust bei Covid-19 befasst hat, gefolgt von Chris Kelly, der Gründerin von Abscent in England, der größten Vereinigung weltweit von Menschen mit Geruchsverlust, die Riechtraining vorstellte und live aus Großbritannien zugeschaltet wurde. Weiter ging es mit Best Practicevorträgen über den Einsatz ätherischer Öle während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, Aromatherapie für Kinder und Jugendliche in Übergangssituationen, SMILE wurde vorgestellt, ein Programm, das Menschen vom Kindergartenalter bis zum Berufsalltag unterstützt, motiviert mit Hilfe ätherischer Öle zu sein. Aus der Hufelandklinik in Bad Mergentheim, die mit ätherischen Ölen das Fasten wunderbar unterstützt, gab es einen Einblick in den Alltag der Fastenden.

Sabine Maucker berichtete aus ihrer Arbeit in der Psychiatrie zum Thema ätherische Öle bei Angst und Panik. Benita Meinel von der Adorfer Paracelsusklinik nahm uns mit in den Pflegealltag mit ätherischen Ölen in einer Klinik, in der dieser Bereich wunderbar die schulmedizinischen Interventionen ergänzt. Claudia Ginter blickte auf das Thema bei Darmflora-Fehlbesiedlung, ein Thema, das zukunftsweisend wird. Den Abschluss am Samstag durfte ich machen mit der Vorstellung von Riechsticks und Mutmach-Roll-ons. Zwischen den Blöcken gab es Fragerunden, so dass die Menschen vor den Bildschirmen ihre Fragen gleich stellen konnten.

Der Sonntag startete mit der Vorstellung einer megaspannenden und ebenfalls zukunftsweisenden Pilotstudie von Prof. Seifert und Judith Czakert von der Berliner Charité zum Thema ätherische Öle für Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen, ebenfalls ein Zukunftsthema und für viele Menschen sicherlich eine unglaubliche Unterstützung in einer sehr belastenden Lebensphase. Einen im wahrsten Sinne des Wortes berührenden Vortrag hielt Gerda Zölle von Wala über Wickel, Auflagen und Einreibungen (mit denen wir uns seit Jahren intensiv befassen!) und den Abschluss machte Frau Prof. Bettina Pause von der Uni Düsseldorf, die in ihrem Vortrag den Besonderheiten des Riechsinns nachging und erklärte, weshalb Menschen mit gutem Geruchssinn auch sozial viel besser vernetzt sind und für uns sehr überraschende neue Fakten zum Thema „Menschen riechen hervorragend“ präsentierte.

Zwischen den Vorträgen gab es wunderbare Begegnungen der Referenten untereinander, mit den Mitarbeitern von Primavera, die nicht nur für ein wunderschönes Ambiente vor Ort sorgten, sondern für jeden Vortrag liebevoll kleine Tischchen zusammenstellten, damit zum Thema Passendes angeschaut werden konnte, die für die Menschen vor den Bildschirmen tolle Mitmachübungen aus dem Yoga boten, Einblicke in den zauberschönen Garten gaben und vieles mehr.

Rundum eine gelungene Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern, die bei allen wohl noch sehr lange nachklingen darf. Ich bin sehr von Herzen dankbar, dass ich mit dabei sein durfte mit einem Vortrag. Was mich am meisten berührt hat – jeder Einzelne, der vorgetragen hat, arbeitet in irgendeiner Form mit ätherischen Ölen oder dem Riechen. Jeder Einzelne strahlte von innen heraus und man spürte bei so manchem Vortrag, wie intensiv hier jemand sein Herzblut in seinen Arbeitsalltag steckt. Wie großartig, Menschen zu begegnen, die ihre Arbeit von ganzem Herzen lieben, forschen, um ätherische Öle auch auf eine gute wissenschaftlich erforschte Grundlage zu stellen und die allen, die mit ihnen zu tun haben, etwas an die Hand geben können, was das Leben leichter, schöner und kostbarer macht.

Vielen lieben Dank fürs dabei sein dürfen und die tollen Begegnungen.

 

Ich sags mal so – ich war schon mega aufgeregt!

Pflege ist Kunst

Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe, eine ebenso große Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers. Denn was bedeutet die Arbeit an toter Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu der am lebendigen Körper, dem Tempel für den Geist Gottes?

Florence Nightingale, 1820–1910

Auf dem Weg ins Allgäu begleitete uns ein Wolkenengel ein gutes Stück.

Die Fachakademie ruft

Herzliche Einladung am Wochenende zu einem besonderen Event: Der Primavera-Fachakademie. Der Themenbogen ist breit gespannt; Neuigkeiten aus der Forschung über Anwendung ätherischer Öle im Pflegealltag, bei Fastenanwendungen, bei Darmflorafehlbesiedlung, im Praxisalltag im Bereich Psyche und Hebamme, Aromatherapie für Kinder in Übergangsphasen, Unterstützung bei Alltagsthemen. Dazu kommen wissenschaftlichen Herausforderungen wie Erforschung von Riechen und Schmecken, die Sinne, die in der Pandemie oft sehr gelitten haben, Riechtraining bei Verlust des Geruchssinns, Einsatz ätherischer Öle bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs und vieles mehr.

Ich freue mich unglaublich, dass ich mit als Referentin bei diesem wichtigen Kongress dabei sein darf, der dieses Jahr als Stream kommt, so dass ihr das alles bequem von daheim aus anschauen könnt. Ich werde über die in unserer Praxis sehr beliebten Riechsticks und Roll-ons berichten, von meinen Erfahrungen mit diesen individuellen Helfern im Praxisalltag und dem, was mir die Klienten froh darüber berichten.

Wer mit dabei sein mag, kann sich hier anmelden, am Samstag geht es los bis Sonntagmittag: https://akademie.primaveralife.com/online/primavera-fachakademie-2021

 

Lasst euch entführen in die Zauberwelt der Düfte. Oder testest es bei einem eurer nächsten Termine aus und baut euch einen Riechstick zusammen – wie ihr seht, ist die Auswahl in meinem geheimen Riechschrank nicht klein, so dass jeder durchaus „seine Mischung“ finden kann.

Wonach riecht es hier?

Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut,

holdselig sind deine Gerüche.

Heinrich Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen

Riechen ist für uns Menschen untrennbar mit Erinnerung verbunden. Bei Heine war es das Sauerkraut, das er offenbar mochte. Im Winter riecht es im Garten von Primavera anders als im Sommer, aber allein das Licht und der Zauber dieses prachtvollen Gartens machen diesen Ort zu einem wunderbaren.

Begegnung mit mir selbst

Marie von Ebner-Eschenbach hat etwas beobachtet, was wir aus unserem eigenen Leben kennen: Wenn Menschen in die Überforderung kommen, treten oft erstaunliche Dinge zutage – sie wachsen über sich hinaus, bewältigen Herausforderungen auf eine Weise, die man nie für möglich gehalten hätte oder umgekehrt, starke Menschen können auch zusammenbrechen und aufgeben, sich und andere, weil ihre Kraft aufgezehrt ist.

Wie gehen wir mit Schicksalsschlägen um? Ich glaube, dass wir das im Vorfeld bei vielem nicht wissen können. Wie würden wir reagieren, wenn wir vom Arzt hören: „Besorgen Sie Ihre Angelegenheiten, Sie haben vielleicht noch drei Monate.“, oder wenn geliebte Menschen sterben, das über alles geherzte Haustier eingeschläfert werden muss, wir Haus und Hof aus welchen Gründen auch immer verlieren? Niemand kann das wissen, wie wir dann reagieren, damit umgehen und auf welche Weise wir das tun.

Etwas Wichtiges haben solche Überlegungen durchaus: Sie zeigen uns etwas auf, was wir in unserer Gesellschaft ganz weit weg schieben und was die letzten Monate jedoch stärker ins Blickfeld gerückt haben, das „Memento mori“. Bedenke, dass du sterblich bist. Im Mittelalter gab es den Dance macabre, den Totentanz, oft an Kirchenmauern aufgemalt als Sinnbild, dass der Tod alle gleich behandelt, egal, ob Kaiser oder Bettelmann. Wir leben heute oft so, als wäre der Tod weit weg, dabei geht er vom Moment unserer Geburt an neben uns und wartet geduldig auf die Stunde, die für uns vorgesehen ist. Der Tod erinnert uns an die Kostbarkeit jedes gelebten Moments.

Wie würden wir leben, wenn wir das memento mori bewusster hätten? Wie würden deine Entscheidungen heute ausfallen, wenn du wüsstest, wie begrenzt die Lebenszeit vielleicht noch ist? Was würdest du tun, wenn dir klar wäre, dass es darauf ankommt, zu tun, was du liebst und gut darin zu sein und nicht, um für den nächsten Urlaub was zu haben? Welche Menschen bedeuten dir etwas und du tust gut daran, diese Beziehungen zu pflegen und ihnen zu danken für das, was sie für dich bedeuten?

In den letzten 10 Monaten haben wir innerhalb der Familie viel mitgemacht, was man mit schwerkranken, alten und behinderten Menschen so erleben kann. Wir begleiten die Eltern und sehen täglich, wie krass das sein kann, wenn Fähigkeiten verschwinden, Kräfte rasant weniger werden, der Wille nicht mehr ausreicht, das Gehirn seine Fähigkeit verliert, bewusst Entscheidungen zu treffen. Und wir sehen, was geschieht, wenn man nicht loslassen kann, sich nicht vertrauensvoll in die Hände von helfenden Menschen begeben kann, weil „ich das selbst noch machen kann“.

Ja, es ist eine Gratwanderung zwischen „ich kann es noch“ und „kannst du mir helfen?“ Es ist nicht schlimm, sich helfen zu lassen, es ist schlimm, sich das nicht eingestehen zu können und darauf zu bestehen, dass Dinge so erledigt werden, wie sie es gewohnt sind und übersehen, dass andere Menschen auch noch ihr Leben haben, es denen vielleicht nicht wichtig ist, dass man Unterhosen von allen Seiten bügelt (sic!). Da prallen Welten aufeinander.

Es ist ein Jahr der extremen Herausforderungen und Reibungen bisher. Und wie es in den letzten Jahren auch schon zu beobachten war – je mehr das Jahr sich dem Ende zuneigt, desto mehr verschlechtern sich die Dinge, wird der Tonfall härter, krasser und die Herausforderungen explodieren.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Wir pendeln zwischen Verantwortung und Genervtsein, Überforderung und dem Wunsch, nicht ans Telefon zu gehen. Vielen geht es so mit ihren Familien, es wird nur so gern überpinselt von „bei uns ist das kein Thema, das haben wir super gelöst“. Manchmal ist es wirklich so, das setzt voraus, dass die Senioren weise im Vorfeld schon gehandelt haben und erkennen, wann Versorgung durch andere Menschen nötig ist und das dann auch annehmen können. Schön, wenn es funktioniert.

Das tut es bei uns nicht und bei vielen anderen auch nicht. Gute Allgemeinlösungen gibt es nicht. Wir halten es so: Wir stellen uns den täglichen Herausforderungen und lösen die Fragen, wenn sie da sind, damit wir nicht in ungesunde Szenarien verfallen. Und machen uns bewusst, dass wir neben diesen Themen und Herausforderungen unsere Berufsalltage haben, unsere eigene Familie und Beziehung. Klar laufen manche Dinge auf totaler Sparflamme, wenn die Prioritäten woanders liegen,  Leben ist jedoch stets mehr als nur Bürde und Last. Es ist auch der Zauber eines Moments, ein Witz, der erzählt wird, ein gutes Lied, das irgendwo läuft.

Oder was mir heute Morgen im Nieselregen geschenkt wurde: Zwei Rettungswagen hielten lautstark am Straßenrand unter der alten Mainbrücke, der Nieselregen kroch ungemütlich in die Kleider, der Wind pfiff oben auf der Brücke, unzählige Schulkinder rannten, um pünktlich anzukommen, viele andere liefen hastig zur Arbeit mit Kaffeebechern in der Hand. Eine sehr alte Frau schob ihren Rollator vor sich her. Sie hatte keinen Schirm und lange weiße Haare. Sie trug einen Rock und eine Jacke in Blau und war ein wenig zu dünn angezogen. Sie konnte nur langsam gehen zwischen all den eiligen Radlern, Fußgängern und Hastern. Sie schaute mich an und schenkte mir ein strahlendes Lächeln. Ich lächelte zurück und hatte für einen Moment das krasse Gefühl, das Goethe einst hatte, als er sich, auf dem Pferd reitend, selbst begegnete in einer Zukunftsversion. Ein Moment, in dem die Welt stillstand und Frieden und Ruhe herrschten. Da halten sich dann irgendwelche Anrufe kurz danach mit neuen Diagnosen und Herausforderungen besser aus.

Bist du deinem zukünftigen Ich schon mal begegnet? Gnadenmomente, die erhellend sein können.

Einen zauberschönen Venustag allen mit guten Nachrichten, Begegnungen und Momenten.

Wann schaust du genau hin?

Banne die Sorge, genieße, was kommt – bei dem Wind und Klatschregen gestern ist das manchem schwergefallen, die Sorgen zu bannen, die größer werden, wenn die Tage kürzer und dunkler erscheinen. Mancher fröstelt seelisch und körperlich. Jetzt ist es Zeit, den Kleiderschrank auf Herbst und Winter umzuräumen, die dünnen Sachen werden nicht mehr gebraucht, die Sandalen können hergerichtet und verstaut werden bis zum nächsten Jahr. Es wird sicherlich noch sonnige Mittage geben, aber wohl keine mehr für leichte Kleider. Wir schwingen uns ein auf die Zeit, in der wir mehr nach innen gehen und nicht mehr so im Außen durch die Pracht der Welt abgelenkt werden.

Eine Seniorin schrieb mir, dass die Menschen so kalte und harte Gesichter haben, dass ihr das Sorge bereitet und sie so froh ist, die Krieg noch erlebt hat, dass sie schon so alt ist. Vieles an der Welt ist ihr nicht mehr verständlich, dabei nutzt sie trotz ihres Alters Mail und ist fit am PC. Also niemand, der weltfremd ist, aber beobachten kann. Wie wäre es mit einem Lächeln heute für alle, die dir begegnen? Freundlichkeit ist Nahrung des Herzens.

Es braucht die Zeit des Überdenkens und des Abschließens von Dingen, damit über den Winter Neues keimen und im Frühjahr wachsen kann. Viele Menschen erkennen gerade, dass sich doch innerlich manches an Sorgen, Nöten und Ängsten aufgestaut hat, die nun drücken und wie eine unüberwindbare Wand vor ihnen stehen. Jetzt ist eine gute Zeit, um aufzuräumen und zu überdenken, was an Gedanken mitgenommen werden soll in den Winter, was angeschaut, aussortiert oder verwandelt sein möchte.

Herbst und Winter sind großartige Zeiten, um nicht nur im Außen Erntedank zu feiern, sondern zu schauen: Was war in diesem Jahr gut, wo habe ich mich entwickelt, Fortschritte gemacht, Neues gewagt, wo habe ich gemerkt, dass etwas nicht passt, bin gescheitert oder die Angst hat mich gehindert, etwas anzugehen? Du darfst feiern, was geschafft wurde! Hinschauen, was man aus dem Scheitern gelernt hat – fehlt es noch an Kompetenzen, wenn ja, an welchen? Lag es an etwas, das ich selbst nicht beeinflussen konnte? Wie kann ich so etwas künftig anders aufstellen? Und ich kann mir Gedanken machen, ob ich schon die beste Version von mir selbst bin, die ich da lebe oder ob ich mein tägliches Hamsterrad bediene und nur darüber klage.

Herzliche Einladung, im Rahmen eines Coachings auf die Themen zu schauen und den Weg zu planen zwischen dem Jetztzustand und dem, wo ich hinmöchte im Leben. Was wären die Schritte? Wie gelingt es, durchzuhalten? Dazu brauchen wir Wissen, wie wir generell funktionieren, ein Ziel, das wirklich uns entspricht und sehr viel Ehrlichkeit und Klarheit über uns und unsere Art, Projekte gern selbst zu torpedieren nach dem Motto „ach, das Alte kenn ich wenigstens“.

Wir können jede Menge Ideen und mutige Menschen auf diesem Planeten brauchen, die sich nicht von Startschwierigkeiten irritieren lassen, die wirklich bereit sind, alte Muster auszusortieren und das Neue als die bessere Option erkennen. Bist du mit dabei?

Herzliche Einladung zu unseren „Kleinen Kurstagen“ wie dem Wickelkurs am 14. 11., an dem es nicht um Babys geht, sondern um Körperwickel bei gesundheitlichen Problemen wie Bauchwickel, Wadenwickel, Ohrenwickel etc. und um Auflagen, das sind Kompressen, die mit Tee oder Ölmischungen getränkt und aufgelegt werden zur Linderung von Schmerzen etc. Wir schauen uns die Wickel an und wie sie gemacht werden. Es sind wunderbare altbewährte Hausmittel, die manche Tablette sparen helfen und wir erleben dabei: Anwendung ist Zuwendung. Am 28. 11. ist unser Kurstag über Aromatherapie und Räuchern. Was sind ätherische Öle, wie werden sie hergestellt, eingesetzt, was ist wichtig? Was versteht man unter Rauhnächten und womit und wie kann ich räuchern?

Am 27. November startet ein kleiner Kurs für alle, die gestresst und nervös sind und einfache Methoden suchen, um wieder runterzufahren und in die Kraft zu kommen. Unser Kurs „Meine innere Mitte finden“ zeigt eine Kombination aus leichten Körper- und kleinen alltagstauglichen Übungen, die uns sanft wieder zu uns selbst zurückkehren lassen im Lärm der Welt. Es gibt im Mittekurs noch zwei freie Plätze, gern also anmelden. Hier die Infos:

https://www.seelengarten-krokauer.de/mittefinden/

Allen einen freundlichen Jupitertag.

 

Ursula hat die winterfertig gemachten Boote bei ihrer Wanderung im Bild festgehalten. Hast du dich auch schon winterfertig vorbereitet?

Banne die Sorge

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,

Reseden und Astern im Verblühn,

Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,

Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch)

die Sonne glüht –

Weg drum mit der Schwermut

Aus deinem Gemüt!

Banne die Sorge,

genieße, was frommt,

Eh Stille, Schnee

Und Winter kommt.

Theodor Fontane, 1819-1898

Ursula hat beim Wandern diesen Baum entdeckt, bei dem man schön sehen kann, woher der Wind weht. Danke dir!

Herz auf dem rechten Fleck

Theodor Storms Oktoberlied hat eine schöne Zeile: „Wir wissen’s dich, ein rechtes Herz ist gar nicht umzubringen“. Medizinisch leider schon, aber wir können seelisch gut nachvollziehen, was Storm meint. Das Herz auf dem rechten Fleck haben ist auch eine Umschreibung für Mut, für Einstehen, für Vertreten von Werten, die einem wichtig sind. Recht steht hier nicht für eine Richtung, sondern für „wichtig und richtig“.

Wenn das Herz auf dem rechten Fleck ist, bedeutet das: Wir haben es mit unserem inneren Koordinatensystem in Einklang gebracht: es besteht aus dem, was für uns unverrückbar wahr, wichtig und richtig ist und dem, was uns im Leben begegnet. Das bedeutet, unsere Werte immer wieder neu zu überdenken, anzupassen, zu prüfen, ob wir noch auf dem für uns richtigen Weg sind.

Wir vergessen das gern, das Überprüfen. Motto: „Bassd scho“ und dann landen wir gern mal im Nirwana, weil wir uns total verrannt haben. Validierung gehört nicht zu den Hobbys der meisten Menschen. Es kann sehr viel helfen, wenn wir uns einen bestimmten Zeitraum in der Woche reservieren (damit es gut zur Gewohnheit wird). Da setzen wir uns hin, fragen uns nach unserer Vision, nach den Zielen, die wir im Moment verfolgen, beobachten, wie weit wir auf dem Weg zur Zielerreichung vorangekommen sind.

Dann können wir sehen: Abgewichen? Weshalb? Ist die Kursänderung gut? Passt der Weg? Gehe ich ihn auch bewusst oder schlurfe ich mal wieder im Halbschlaf auf meiner Lebensbahn und lasse die Dinge halt mal laufen, wenn es gerade läuft? Damit was „läuft“, muss ich es innerlich auf den richtigen Weg setzen und den ständig prüfen. Bedeutet: Vergleich zwischen IST- und Wunsch-Zustand anstellen. Ist die Lücke geschrumpft seit letzter Woche oder  gewachsen? Feiere ich, wenn die Lücke kleiner wird und freue mich über den Fortschritt der Zielerreichung oder sage ich mir „Bassd scho“? Ja, das macht Arbeit. Lieber latschen wir irgendwie dahin und wundern uns dann, wo wir rauskommen und wieviel Mühe es macht, den Karren dann aus dem Dreck zu ziehen. In was investiere ich Lebenszeit?

 

Allen einen wunderbaren Wochenteilungstag mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und guten Tageskoordinaten.

 

Steffi schenkt uns heute dieses Herbstleuchten gegen trübes Wetter.

Oktoberlied

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, –
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenkt ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen.

Theodor Storm, 1817-1888

Karden sehen den ganzen Winter über gut aus, wenn man sie denn stehen lässt.

Willkommen zurück in der Realität

Krass. Am Montagmorgen hatte ich um 8.15 Uhr einen Termin in der Stadt. 20 nach 7 sicherheitshalber losgefahren, damit alles entspannt ist. Nix war entspannt. Um 8.10 bin ich über den Residenzparkplatz gerumpelt, im Dauerlauf eine Runde bis zur Kaiserstraße. Hätte mir den Sprint sparen können, mein Termin war zwar um 8.15 aber neue Anweisung ans Praxispersonal: alle erst ab 8.30 reinlassen. So geht Zeitplanung. Memo an mich: mit der Straßenbahn bin ich viel schneller, wir haben von hier aus eine Straßenbahn, die nur an wenigen Punkten hält, damit die Schüler alle rechtzeitig ankommen. Werde ich für meinen zweiten 8.15-Uhr-Stadttermin diese Woche genau so machen.

Viele Menschen berichten von hohem Verkehrsaufkommen, weil jetzt wieder so viele Arbeitnehmer vor Ort arbeiten, nicht mehr im Remotemodus von daheim aus. Für manchen ist das die Rettung aus der totalen Einsamkeit, für andere eine restlose Überforderung, sie haben ihre Kollegen nicht wirklich vermisst. Ich staune über die Emotionen, die da hochploppen. Haben wir unsere Kollegen denn nicht wirklich gekannt vorher oder ihre Art billigend in Kauf genommen, weil es so ist und jetzt nicht mehr?

Menschen haben sich verändert in diesen Monaten, in denen das oftmals hilfreiche Korrektiv durch andere gefehlt hat. So mancher ist da in eine ganz eigene Welt hineingefallen, die mit den Realitäten wenig zu tun hat, andere haben sich eine Angstwelt aufgebaut, wieder andere sind aufgewacht wie aus einem langen Schlaf und voller Tatendrang – eine große Spannbreite erleben wir.

Ich bin gespannt, wie sich das in den nächsten Monaten entwickeln mag, sich unser Welt- und Menschenbild anpasst an die Situation, durch den stärkeren Austausch wieder mehr Lebendigkeit in alles kommen mag. Ich würde es uns sehr wünschen, dass wir nach all den Stimmungsschwankungen neu aufeinander zugehen, uns wieder wahrnehmen als Menschen, die sehr vergleichbare Bedürfnisse haben. Und mögen wir aufwachen aus unseren jeweiligen Minibubbles, in die sich der eine oder andere zurückgezogen und sich seine Welt gebaut hat. Das Leben ist nichts Virtuelles, es findet immer noch hier und jetzt und draußen in der Realität statt. Willkommen auf dem Marktplatz des Lebens.

 

Was ich für ein Frühlingsfoto hielt, hat Stephanie am Wochenende im Wald aufgenommen. Das ist nochmal ein grünes Leuchten vor dem Blätterfall, das strahlt aus sich heraus. Danke, Steffi!

Krafthimmel

Wer sieht nicht Geister auf den Wolken beim Untergang der Sonne?

Philipp Otto Runge, 1777 – 1810

Mit der Kamera malt Stephanie und hat diese erstaunliche kraftvolle Wolkenformation entdeckt. Herzlichen Dank dafür!