Montags-Nachdenk-Input

 

Einen Lieblingsplatz hat Sigrid mit der Kamera entdeckt, DANKE. Wir mögen Lieblingsplätze. Was ist DEIN Lieblingsplatz daheim? Von manchen Menschen weiß ich, dass es ihr heißgeliebter Kachelofen im Winter ist, an dem sie einen Platz haben, mit Wärme im Rücken, der schnurrenden Katze neben sich. Andere bevorzugen ihr lauschiges Plätzchen im Garten unter einer Pergola, die mit duftendem Geißblatt umrankt ist und sie zu Gedichten inspiriert. Wieder andere haben Lieblingsplätze draußen in der Natur, an denen sie mit dem Hund vorbeikommen, oder wie Martina und Stefan Orte, an denen sie ihre Kristallklanginstrumente herausholen und die Naturreiche grüßen.

Mein Lieblingsplatz ist nicht im Außen zu finden. Es ist ein uralter großer Ohrensessel, den es schon in meiner Phantasie gibt, seit ich ein Kind bin. Ich verschwinde in diesem riesigen plüschigen Ohrensessel. Die „Ohren“ sind so weit um mich herumgebogen, dass ich fast versteckt dahinter bin, eingehüllt und muckelig ist es da. Ich habe ein Ablagefach, in dem steht meine Teekanne auf dem Stövchen, die Tasse mit den Kluntjes daneben und ein Teller mit Keksen. Auf der anderen Seite öffnet sich das Ohr zu meiner Bibliothek hin. In der Phantasie meiner Kindheit waren es Regale bis zur Decke, gefüllt mit den herrlichsten Buchrücken, die die wunderbarsten Aufregungen bargen und es wäre meine Lebensaufgabe, all diese Bücher zu lesen, denn sie sterben, wenn man sie nicht liest und achtet. Bücher brauchen Menschenaugen, die sie öffnen, sich hineinstürzen ins Abenteuer des Lesens, die Buchdeckel schließen sich, solange man in der Buchwelt lebt und schützen den Leser vor der nervigen Außenwelt, die dauernd etwas von einem möchte.

Eines der ersten Bücher, die ich für meine Kinder zum Privatgebrauch schrieb, als sie krank daheim waren und Geschichten hören wollten, war die Geschichte einer Leseratte (was denn sonst), die natürlich in einer Bücherei lebte und nachts, wenn alles still war, mit der Rohrpost umherfuhr und in die Bücher steigen und die Abenteuer darin miterleben konnte. Logisch musste sie sich dann auch in der wahren Welt bewähren! Helden im Buch müssen auch mal auf Alltagstauglichkeit getestet werden.

DAS ist der Lieblingsplatz meines Lebens – eine Bücherwelt mit genug Tee und der Gewissheit, dass ich begeistert aus dem Leseland komme, weil es ein Autor geschafft hat, eine Welt auferstehen zu lassen, in der ich als Leser für eine gute Weile, vielleicht sogar für immer, beheimatet sein darf.

Was ist DEIN Lieblingsplatz?

Einen mond-freundlichen Wochenstart von Herzen!

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