Freitags-Nachdenk-Input

Der Mensch ist, so empfand es Ludwig Feuerbach, nicht nur zum Handeln, sondern auch zum Beschauen bestimmt, woran ihn der Himmel erinnert.

Die Pandemie hat manche Menschen dazu eingeladen, oft in den Himmel zu schauen. Es waren erstaunlich „leere“ Himmel, die Menschen kratzten für eine gute Weile wenig Zuvielisation in das Firmament. Erstaunlich fand ich die Information, dass die Wettervorhersage deshalb so ungenau sei in diesen Wochen, weil die Flieger sonst Wetterdaten sammeln und ohne Flieger … kein Wetter? Als ich klein war, stellte mein Vater morgens fest: Heute sind null Grad draußen. Dass null eine Art nichts ist, hatte ich verstanden. Ich rannte zum Fenster, gespannt. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir kein Wetter hätten? Ich stellte mir vor, der Himmel sei weg und war total gespannt, was stattdessen zu sehen wäre. Nun, es sah aus wie immer. Und dass null Grad nicht bedeutet, es sei weder heiß noch kalt sondern angenehm mittig hat sich auch erledigt.

Ich musste erwachsen werden, um zu begreifen, dass die Kehrseite von Nichts Alles, Fülle ist. Das ist wie beim Yin und Yang-Zeichen, das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Das finde ich beruhigend, es geht nichts verloren.

Verbinde ich diese Gedankengänge mit Feuerbachs Aussage und meinen Erfahrungen der letzten Wochen, weiß ich: Es gibt eine Zeit, in der muss der Mensch handeln, aktiv sein, tätig sein, etwas in die Welt hineinstellen. Und es gibt eine Zeit, in der ist Atmen dran, Begutachten des Geschaffenen, Staunen über die Welt und Dankbarkeit. Fehlt diese Pendelbewegung zwischen otium und negotium, wie es in der Antike hieß, betreten wir die Scheinwelt der Hamsterräder, deren Antreiber wir selbst sind.

Freitag steht unter dem Schutzschild von Venus. Ein Tag, der uns zur Freundlichkeit uns selbst gegenüber einlädt, ein Tor bildet zum Wochenende. Schauen wir in den Himmel. Schauen wir auf das Tagwerk der Woche zurück und danken wir für das, was uns möglich war. Es ist nicht wichtig, wie viel das war. Wichtig ist, dass wir es mit innerer Freude und Anteilnahme geschaffen haben. Genießen wir den Tanz der Wolken und träumen uns beim Blick über die Felder ans Meer.

Allen einen gelungenen Freitag.

Danke an Manuela für das Wolkenfoto, das einen ganz anderen Himmelsaspekt aufzeigt.

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