Monthly Archives: Mai 2020

Nicht bloßes Poltern

Mich deucht, die Musik müsse vornehmlich das Herz rühren, und dahin bringt es ein Clavierspieler nie durch bloßes Poltern, Trommeln und Harpeggiren, wenigstens bey mir nicht.

Carl Philipp Emanuel Bach, 1714–1788

Dagegen hat es das Bächlein einfach. Es fließt einfach. Danke an Sigrid für das Foto.

Montags-Nachdenk-Input

In meiner Vase am Arbeitsplatz steht stets ein Strauß, in den ich immer, wenn es möglich ist, aus Wegrand und Garten etwas dazuschneide. Wir gehen den Füllezeiten entgegen, in denen ich in den Garten gehe und wahre Schätze mit ins Haus tragen darf. Immer gibt es einen großen Strauß und einen Miniabkömmling. Dieser steht direkt am Küchenfenster und ist mein Freumoment beim Spülen und Gemüseschnippeln. Ich habe einige Kleeblüten diese Woche in den Vasen und mir ist zum ersten Mal aufgefallen, wie unendlich kunstvoll weiß-pink die Blüten des Klees gestreift sind. Zauberhaft sieht das aus. Der Wiesensalbei erfreut mich durch sein tiefes Violett und seine wunderschön geformten Blüten. Ich bin reich beschenkt mit Augenfreude beim Spülen.

Wo kannst du dir in deinen Alltag immer wieder Momente des Staunens, des Bewunderns, der kleinen Freude einbauen? Und wo kannst du sie anderen weitergeben? Es muss nichts Großes sein, es kommt auf die kleinen Freuer an wie einen Smiley, eine Karte, die man schreibt, etwas, was wir in diesen Tagen jemandem vor die Türe legen als Gruß der Verbundenheit. Unser Herz ernährt sich von solchen freudigen Dingen.

Die Zeiten momentan sind verworren, schwierig, aggressiv, kämpferisch, lagerbildend, trennend, verleugnend, wegschauend, anschwärzend, beäugend und voller Misstrauen geworden, die einstige Stimmung „wir halten alle zusammen gegen Corona“ ist gewichen. Die Schafherde stiebt verängstigt in viele Richtungen. Stoppt das sofort! Verabschiedet all diese negativen Energien, die krank machen. Atmet durch, findet eure Mitte, fühlt euer Herz und füllt es erst einmal wieder mit Vertrauen, mit Freude und mit Licht. Dann haben die Schatten der Angstmacherei, die kalten Winde der Vereinsamung keine Chance.

Das, was den Menschen am meisten auszeichnet, ist seine unglaubliche Kreativität und seine Menschlichkeit. Also, werden wir endlich wieder menschliche Menschen.

Allen die Kraft eines guten, frohen Wochenanfangs. Feiern wir die Momente des Staunens, der Freude und erleben wir, was daraus erwächst – Mut. Dankbarkeit. Klarheit und seeeeehr viel Ruhe. Das braucht es derzeit am meisten.

Abschiede

Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber, und auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied.

Rainer Maria Rilke

Die Iris stand Ende Mai 2018 so da und ich hoffe, dass sie das auch wieder tut, die ersten Blüten öffnen sich gerade.

Wochenend-Nachdenk-Input

Die wenigen Regentropfen werden vom Wind ausgetrocknet. Der Wind jagt die Türen und Fenster zu und hat schon wieder die Besen, just diese Woche mal wieder zurechtgestellt, mitgenommen. Also ist wieder einsammeln drangewesen am Feiertag und sicher verstauen, Mülltonnen wegschieben. Es ist das Jahr des Windes.

Ich frage mich daher: Wenn sich die Luft, eines der vier Elemente, so präsent permanent seit Wochen zeigt – kann es sein, dass sie eine Botschaft für uns hat? Worauf möchte uns der heulende Wind aufmerksam machen? Wo sind wir durch den Wind? Was braucht es?

Es sind tiefe Fragen, die uns die Natur seit Jahresbeginn anbietet. Meine Idee wäre: Erwachen. Aufwachen. Hinschauen. Wahrnehmen. Die vielen Masken, die wir tragen (nicht nur die, die wir derzeit tragen müssen), ablegen, um uns verletzlich, dafür authentisch zu zeigen. Wir können viele Masken tragen, der Wind wird sie uns alle wegnehmen und so lange heftig wehen, bis wir erwachen, hinschauen und ergreifen, was nun getan werden soll. Von Christian Morgenstern gibt es einen wunderbaren Text, der genau das aufzeigt und mit dem ich euch ein gutes Wochenende wünschen möchte.

Was wärst du, Wind,

wenn du nicht Bäume hättest

zu durchbrausen;

was wärst du, Geist,

wenn du nicht Leiber hättest,

drin zu hausen!

 

All Leben will Widerstand.

All Licht will Trübe.

All Wehen will Stamm und Wand,

dass es sich dran übe.

 

Die Katzenminze am  „Gartenzaun“ (Höhe: 15 cm :-))

Freier Geist

Du kerkerst den Geist in ein tönend Wort,

doch der freie wandelt im Sturme fort.

Friedrich Schiller

Im heftigen Wind heute flattern die Gebetsfähnchen im Garten