Freitags-Nachdenk-Input

Verschlungen sind die Pfade, die wir im Leben gehen. Wir treten an und denken linear. Wir haben einen Startpunkt. Wir haben ein Ziel. Wir setzen den Fokus und laufen los. Von A nach B brauchen wir nach unseren Berechnungen so und so lange. Los! Und peng! Kommt das Leben und sagt – nö. Der Weg verschwindet im Dickicht. Die Brücke, die wir erwartet hatten, gibt es nicht mehr. Aus der Furt wurde ein reißender Fluss, wir können das Wasser nicht queren und laufen Wochen auf der Suche nach einer anderen Furt. Wir werden in Geschehnisse verwickelt, haben ein Versorgungsproblem, stürzen, verunfallen oder werden krank. Wir erleiden massive Gedächtnisverluste, es entfällt uns gar das Ziel. Was war das nochmal? Was wollten wir wirklich, was war unser Lebensauftrag? Verschwunden im Off, verloren und oft genug haben wir das Entschwinden der Klarheit nicht mal ansatzweise wahrgenommen. Anderes wird wichtig. Job. Geld. Familie. Urlaub. Pflege von Eltern. Hobbys. Was fürn Ziel und warum überhaupt, ist doch nett so. Und doch bohrt und nervt da etwas Ungelebtes, merkst du das?

Vergessen wir das lineare Gehen. Tanzen wir spiralig. Wir kommen immer wieder an schmerzhafte Punkte und Muster im Leben – wenn wir uns weiterentwickeln, sehen wir sie von einer immer höheren Metaebene aus und kommen besser klar damit. Wir dürfen uns bewusst machen, dass das Leben ein Tanz ist – zwei Schritte vor und einer zurück wie einst im Labyrinth, einem wunderbaren Symbol für das Leben. Wenn wir meinen, am Ziel zu sein, führt uns ein Weg noch einmal ganz außen herum.

Wir haben zwei Aufgabe: In unserem Herzen wieder den Ursprungsauftrag unserer Existenz zu finden. Was soll ich in diesem Leben tun? Was ist mein Beitrag für die Welt? Und zum anderen, zu akzeptieren, dass Wege in der Natur niemals linear sind, sondern geschwungen, mit harten Höhenmetern und tiefen Schluchten. Wir wissen auch aus der Forschung, dass eine Kugel in der Kugelbahn schneller ist, wenn sie Wellentäler durchrollt als wenn die Strecke gerade ist. Die Täler scheinen Schwung zu geben! Nehmen wir also Schluchten notfalls zum berechtigten Schluchzen. Dann mit frischem Mut bergan. Wenn wir dem Herzen, dem Flow, der Freude folgen, sind wir auf dem Pfad der Bestimmung unseres Lebens. Da treffen wir nicht allzu viele andere, doch wir erkennen – so mancher geht neben uns her. Gemeinsam erkennen wir uns, reichen uns die Hand und machen die Welt zu einem guten Ort. Jeder auf seine Weise, mit seinen Talenten, Gaben und Geschenken. Und mit seinen Schwächen, Schattenseiten und Problemen. Entscheidend ist unser Umgang mit dem Schatten, dem Problem. Annehmen und ganz werden ist der Plan.

Vielleicht erreichen wir als besonderes Geschenk des Lebens den Punkt ganz am Ende, wenn wir rückblickend erkennen: unser Lebensweg hat ein wunderbares Muster ergeben. Wir sind ja gar nicht vom Pfad abgekommen, jede Abzweigung hat uns direkt wieder zurückgeführt. Was uns oft hat verzweifeln lassen, war in Wirklichkeit nur Aufsammeln von Erkenntnis, Lernen und Vertrauen üben.

Allen einen wunderbaren Venustag mit der Kraft des Glaubens an den eigenen Weg, den keiner für uns gehen kann. Nur wir. Also steh auf und geh ihn. Er entsteht, wenn du die ersten Schritte machst, keine Sorge, er ist da und wartet auf dich.

Den Waldpfad hat Steffi entdeckt. Ich danke allen Menschen so sehr, die mir ihre wunderbaren Fotos senden. Jeder einzelne Nachdenk-Input entsteht beim Betrachten eines Fotos. Die Bilder und manchmal auch das Zitat geben mir den Impuls fürs Schreiben. Je nachdem, was zuerst da war.

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