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Glaube versetzt Berge

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach

Annemarie hat an sich geglaubt und ist in den Ferien auf manchen Berg gestiegen und hat tolle Fotos mitgebracht. Vielen lieben Dank!

Dienstags-Nachdenk-Input

Der Schiffbruch der Welt, um den man sich nicht kümmert, weil man auf einer seligen Insel weilt – Was Hölderlin hier Hyperion in den Mund legt, ist manchmal ein Plan für uns. In den 80ern rief Ina Deter ins Mikrofon „Und was draußen passiert, interessiert mich nicht, geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich“. Manchmal braucht es eine Auszeit von der Welt draußen. Zu viele Infos, zu viel Überflüssiges, Negatives, Belastendes kann auf die Menschen einstürmen. Das haben wir in diesem Jahr in Wellen immer wieder erlebt. Früher galt Medienfasten als schick, heute müssen wir den Menschen regelrecht Medienfasten ans Herz legen, damit sie aus ihren Angstschleifen kommen.

Was aber, wenn man gar keine selige Insel hat? Die schaffen sich in diesem Jahr viele durch Wegbeamen. Der Altglascontainer vor meiner Tür ist dauervoll. So viel getrunken wurde selten. Diese Form der Insel ist es nicht, die uns weiterhilft. Auch nicht exzessives Nutzen von Plattformen aller Art, Dauerfilmschauen, in Parallelwelten leben.

Es gibt ein Alternativprogramm, das Menschen schon immer geholfen hat und das auch immer tun wird – die Natur. Ein Spaziergang im Wald erdet, boostert das Immunsystem, lenkt ab vom Hamsterrad im Kopf und macht Freude. Einen See umrunden kann herrlich sein, in ihm zu schwimmen auch, so man die Regeln des Badens in der freien Natur berücksichtigt. Auf einen Berg steigen bringt Erfolgserlebnisse und Freiheitsgefühl. Sich aus der Natur heraus ernähren gelingt jetzt gut mit Brombeeren, Äpfeln, Nektarinen, Pfirsichen und den späten Erdbeeren gut, viele Kräuter geben nochmal alles, manches Gemüse ist nun erntereif.

Eine weitere empfehlenswerte Insel befindet sich zwischen zwei Buchdeckeln, heute eher auf dem E-Reader. Wenn es ein Autor schafft, dass der Leser so eintaucht, dass er die Welt draußen vergisst, hat er alles richtig gemacht. Das schaffen auch gute Sachbuchautoren. Literatur kann wie Medizin für den Menschen wirken, gleiches gilt für die Musik. Auch eine Leinwand kann den Menschen den Alltag vergessen lassen, ein Stück Holz zum Bearbeiten, ein Bündel Peddigrohr zum Flechten, was immer. Ich habe es heute genossen, die Fenster sauber zu machen. Jetzt waschen sich die Vorhänge in der Maschine, dann ist es wieder schön.

Wir brauchen keine künstlich erzeugten Inseln aus Drogen aller Art. Aber immer wieder einen Ort des Rückzugs, an dem wir Kraft tanken. Das ist so individuell wie die Menschen sind. Nicht jeder mag Gartenarbeit, sticken oder Brot backen. Jedem das Seine. Solange es ihm hilft, auf gute Weise zu einer Auszeit vom Informations-Overload zu verhelfen, ist es gut.

Allen einen tatkräftigen Dienstag, um anzugehen, was not-wendig ist. Und vielleicht auch, um eine gute Entscheidung darüber zu treffen, was kein Bestandteil des Lebens mehr sein soll.

Danke an Sandra für das großartige Wasserfallfoto!

Selige Inseln

Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.

Friedrich Hölderlin, Hyperion II

Eine selige Insel hat Steffen fotografiert, vielen Dank!

Montags-Nachdenk-Input

Den Moment genießen – kannst du das? Eine hohe Kunst. Vor lauter Hatz und Gerenne fehlen uns manchmal diese Augenblicke, in denen man nur einen Tee trinkt. Gut, wenn wir solche kleinen Oasen im Alltag eingebaut haben. Sie geben Kraft und helfen uns, uns immer wieder neu aufzustellen und innerlich aufzurichten.

Diese Woche beginnt die normale Praxisarbeit wieder, am Wochenende startet der erste Kurs. Ich kann nur hoffen, dass wir keinen zweiten Lockdown bekommen, sondern mit den nun geltenden Abstandsregeln und Vorschriften gefühlt eine Art von normalem Unterricht machen können und im Oktober die Prüfungen, die im März abgesagt wurden, für die Heilpraktiker stattfinden.

Am 31. 12. werden wir ein Jahr beenden, das anders war. Voller Herausforderungen, voller Wachstum, voller Erschöpfung und gigantischen Veränderungen, aber auch mit krass guten Momenten, mit Staunen und der Erkenntnis, dass so manches, was vorher als „geht auf keinen Fall“ beschrieben wurde, nun doch geht. Dass sich die Welt kollektiv verändern kann, weil es notwendig ist. Wenn wir das doch jetzt einmal gesehen haben, dass es geht – warum setzen wir uns nicht endlich an die weltweite Artustafel und gestalten die Zukunft anders, jetzt, wo wir verstanden haben, dass das auch online geht und dass Menschen Veränderungen nun anders gegenüber stehen?

Offene Kommunikation schafft Vertrauen. Wenn wir um Entscheidungen im gemeinsamen Austausch ringen, werden Lösungen möglich. Wenn wir den Menschen die Möglichkeit geben, werden viele sich ihres gesunden Menschenverstandes erinnern und ihn auch einsetzen. Wir werden immer Menschen haben, die gegen alles sind, aber auch Menschen, die erkannt haben, dass die Welt nach 2020 eine vollkommen andere werden muss als die, mit der wir ins 2020 gestartet sind.

Welche Chancen kannst du in diesen letzten vier Monaten dieses erstaunlichen Jahres wahrnehmen und ergreifen? Wo verlässt du die gewohnte Bahn, um Neuland zu betreten und zu erkennen, dass das auch eine Bereicherung sein kann, nicht nur ein „es kommt nix Besseres nach“? Das Jahr 2020 hat sich unfassbar ins Zeug gelegt, um uns Wachstum zu ermöglichen im Geistigen. Wo bist du dabei?

Allen einen gelungenen Start in eine hoffentlich weniger schwüle, aber dafür tatkräftige Woche. Allen, die wieder loslegen mit der Arbeit so wie wir hier, viel Freude dabei!

Annes Foto nimmt uns mit in die Bergwelt des Königssees. Danke!

Das Leben genießen

Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen.

Samuel Butler, 1835–1902

Theresa hat ihren Schokokuchen mit flüssiger Füllung sicherlich genossen. Danke für das Foto!

Wochenend-Nachdenk-Input

Im Film „Der Pfad des friedvollen Kriegers“, das einen Teil der Lebensgeschichte von Dan Millman nachzeichnet, gibt es den Satz „irgendwas ist immer“. Das fällt mir in diesen Tagen auf. Es herrscht vielfach Verwirrung bei den Menschen, eine gewisse Grundnervosität liegt über allem, was wir sonst in Bayern im August nicht so haben. Da ist normalerweise jegliches Leben erstorben, alle liegen im Schwimmbad oder im Gartenpool und warten auf einen verregneten Schulstart im September. 2020 sieht vieles anders aus. In manchen Bundesländern darf man gar keinen Gartenpool mehr haben wegen der Dürre.

Bei all dieser Hektik, Angst und dieser seltsamen Stimmung, als warteten alle auf irgendwas, das auf jeden Fall unangenehm ist, wäre es doch sehr angeraten, jetzt mal durchzuschnaufen. Angst hat noch niemals irgendwem viel genutzt, wenn sie „vor etwas Unbekanntem“ war. Konkrete Realängste machen Sinn, aber das im Moment ist nur so ein latentes Gefühl des „wer weiß, was noch kommt“. Gestern hat jemand geniest, alle haben die arme Person total angestarrt. Jemand im Lesekreis hatte Schnupfen von einer Klimaanlage. Oh weia! Jetzt niesen oder husten ist nicht gut. Was, wenn es wie immer wird und exakt 10 Tage nach Schulanfang alle niesen und husten, weil sie mit ihren zig Viren von wer weiß wo aufeinander treffen? Gestern sagte jemand nach einen Nieser: „Die Masken, die wir tragen, werden auch unsere Gripperisiken beeinflussen“. Na dann, da gehen wir ja goldenen Zeiten entgegen.

Keiner weiß, was kommt. Keiner weiß sowieso irgendwie was Genaueres. Wir hören den ganzen Tag Gerüchte, Vermutungen und Szenarien, die irgendwer sich überlegt hat. Ich sehe wenig Fakten. Und ich kann die wenigen Fakten nicht korrekt interpretieren. Mehr ist nicht. Also finde ich, wäre es wesentlich bedeutsamer, sich um seine eigene innere Mitte, seine Ruhe und Stabilität zu kümmern. Wie wäre es mit unserem Mitte-Kurs, der am 13. September startet und einfache alltagstaugliche Übungen bringt, die unser Konzentrationsvermögen verbessern, unsere Wahrnehmungsfähigkeiten voranbringen, gegen Vergesslichkeit, innere Unruhe und Panik helfen? Wirklich schlichte Alltagsübungen, deren Name Programm ist, verbunden mit ebenfalls sehr schlichten und überschaubaren Übungen für den Körper, denn Körper, Seele und Geist sind eine Einheit. Infos findet ihr hier: https://www.seelengarten-krokauer.de/mittefinden/

Wir haben uns dieses Jahr aus der inneren Mitte bringen lassen. Es wird Zeit, zu klarem Kopf, ruhigem Gemüt und starkem Mut zurückzukehren. Angst macht nicht gesund, sondern ver-rückt im Sinne von aus der Mitte gerückt. Wer in sich ruht, kann nicht so schnell aus der Bahn geworfen werden.

Genießen wir dieses sommerlich warme Wochenende zur Ferienmitte bei uns und erinnern wir uns an das, was uns wirklich Kraft gibt: Freundlichkeit, Zusammenhalt, Vertrauen, Gelassenheit und das Wissen, dass wir selbst unglaublich viel tun können mit recht einfachen Mitteln, um gesund, stabil, froh und gut aufgestellt zu sein. Keine Panik. Durchschnaufen. Alle miteinander durchschnaufen.

Theresa hat den feurigen Drachen über dem Meer in Dänemark entdeckt. Danke!

Zu Gast sein

Einkehr

Bei einem Wirte, wundermild;
da war ich jüngst zu Gaste;
ein goldner Apfel war sein Schild
an einem langen Aste.

Es war der gute Apfelbaum,
bei dem ich eingekehret;
mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste;
sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das beste.

Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
auf weichen, grünen Matten;
der Wirt, er deckte selbst mich zu
mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt‘ ich nach der Schuldigkeit,
da schüttelt‘ er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel!

Ludwig Uhland

Uns nährt der Apfelbaum momentan täglich mit einer Schale voller Früchte. Herrlich!

Freitags-Nachdenk-Input

In den Sommerferien ist Mittwochabend ein Lesekreis, den wir seit Jahren besuchen. Wir arbeiten uns durch Vorträge von Rudolf Steiner. Es wird ein Stück gelesen, dann tauschen wir uns aus. Am Mittwoch erinnerten wir uns daran, dass wir im Tal zwischen Johanni und Michaeli sind, einer Wendezeit, in der die Macht des Hochsommers ihre Kraft verliert, auch wenn sie nach wie vor spürbar ist, und der Herbst sacht Einzug hält. Wir erleben das derzeit sehr intensiv durch die Gartenarbeit. Morgen wird der letzte Rest Holunder geerntet und verarbeitet, viele Brombeeren warten aufs Entsaften. Stück für Stück arbeiten wir uns durch die Beete, schneiden Verwelktes ab, verblühten Lavendel zurück, die Kräuter runter und vieles mehr. Arbeiten, die dafür sorgen, dass 2021 alles wieder mit neuer Kraft wachsen und gedeihen kann.

Mir wurde bewusst, dass das Leben in Wellenbewegungen verläuft. Vom Hochsommer zum Frühherbst ist eine Welle, vom Frühling zum Sommer. Die keltischen Jahresfeste, von denen vier der Sonne und vier dem Mond gewidmet sind, takten das Jahr und zeigen die Endpunkte der Wellenbewegungen. Alle sechs Wochen beginnt ein neuer Zyklus. Zwischen Lughnasad, dem Schnitterfest/Erntestart Anfang August, und Samhain am 1. November werden wir mächtige Schritte in der Jahresentwicklung gehen. Die hellen Tage und langen Abende weichen den ersten Nebeln und der Wetterverschiebung. Nach Imbolc am 1. Februar, christianisiert Maria Lichtmess und Beltaine am 1. Mai, sind Lughnasad und Samhain Momente, in denen wir uns besinnen dürfen.

Das Schnitterfest wird oft mit der Ehrung der ersten Ähre, die geschnitten wird, gefeiert. Uns ist heute oft nicht mehr bewusst, wie wesentlich die Ernte des Getreides für das Überleben der Menschheit ist. Mit Samhain beginnt die dunkle Jahreszeit, wenn sich die Schleier zwischen den Welten der Lebenden und der Verstorbenen heben. Dazwischen liegt Michaeli, das Fest des Mutes. Den Mut brauchen wir, um die dunkle Zeit unbeschadet zu überstehen.

2020 ist ein Jahr, in dem vieles anders ist und doch spüren wir den tiefen Herzschlag der Erde, die unverdrossen weitergeht, sich dreht und wir bemerken sehr wohl, dass viele Kräfte am Werk sind, um den Sommer zu beenden und den Herbst einzuladen. Besonders sensible Menschen bemerken in diesen Tagen, dass Veränderungen anstehen, sie spüren die Kraft, die in diesen Tagen jetzt kommen wird bis Anfang September. Es sind Tage, in denen wir leichter Zugang zur Bewusstheit haben, Tage, in denen wir eingeladen sind, intensiv über unser Leben und seine Ausrichtung nachzudenken.

Im Lesekreis diskutierten wir über die Frage, was Arbeit ist. Ich erinnerte an Khalil Gibrans Satz „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“ und dass Arbeit für mich überwiegend mit Sinn verbunden ist. Dem steht der materialistisch orientierte Ansatz gegenüber, den unsere Welt forciert. Ich arbeite, was ich am meisten liebe und verdiene damit das Geld, das ich brauche. Meine Arbeit, die sich in Praxis und Unterricht in unserer Schule teilt, ist kein Job, kein Beruf, es ist für mich eine Berufung und mein Herzblut. So macht es für mich persönlich Sinn. Das hat sich nicht von heute auf morgen ergeben, sondern ist aus einer sehr langen Entwicklung heraus gewachsen. Und das Spannende ist: wir sind niemals fertig. Wir sind wachsend, werdend, uns verändernd.

Lassen wir uns überraschen, was die nächsten Tage an Erkenntnissen bringen mögen. Ich freue mich in diesem Jahr über die Erkenntnis, dass uns allen gar nichts übrig geblieben ist, als uns zu verändern, ob wir das wollten oder nicht und wir oft die Erfahrung machen konnten: das muss nicht nur negativ sein. Ich freue mich auf Nächte, in denen es wieder kalt ist. Die Sterne anders funkeln als im Sommer und Schlaf mal wieder erholsam wird. Vielleicht.

Allen einen feinen Venustag heute! Mögen alle Sommerfreude dieser Tage genießen.

Theresa hat uns diesen Leuchtturm geschickt. Wo leuchtest du im Leben?

Donnerstags-Nachdenk-Input

Eigentlich wollte ich mich heute darüber aufhauen, dass die Menschen ihr Altglas neuerdings – genauer: seit die Stadt den Mülleimer daneben abgebaut hat, weil immer Berge anderer Müll drin landeten – MIT Deckel in den Container werfen. Schon überlegt, welcher Irrsinn das ist, das Metall da einzeln wieder rauszupfriemeln?

Dann kam mir der Eichendorff unter und ich dachte mir – wenn wir alle so ein Gefühl dieser Mondnacht im Herzen tragen, kämen wir gar nicht auf die Idee, die Umwelt in irgendeiner Form zu verschandeln.

Dieser Text ist so wunderbar, so zart, so sacht. Er zeigt etwas, worüber Novalis schrieb: „Wohin gehen wir? Immer nach Hause“. Unsere Seele kann überall sein, sich unglaublich weiten und dann doch wieder zu dem Punkt zurückkehren, den sie ihr Zuhause nennt, unseren Körper. Darin ist die Seele für die Zeit unseres Erdendaseins eingebunden.

Morgens um 6 Uhr bin ich in diesen Tagen im Garten. Ab halb acht stechen die Kriebelmücken gnadenlos und nichts geht mehr. Da hier Ferienzeit ist, ist es noch recht still und die Luft frisch. Ich sehe die Pflanzen, die jetzt verblüht sind und vor einigen Wochen für einen atemberaubenden Blütenflor gesorgt haben. Die Kräuter sind müde. Ab und an ploppt ein fallender Apfel aufs verbrannte Gras. Die Zwetschgen färben sich gemächlich, die zweite Erntephase Holunder naht. Jetzt kommen die Astern nach oben, die im Herbst den Garten in diese unglaubliche Violettvielfalt tauchen. Die Schlehen sind voll, der Feuerdorn biegt sich unter den Beeren, bald werden sie leuchtend orange den Herbst einläuten. Die Lampionblumen erobern den Garten.

Na klar sehe ich den Berg Arbeit, der da noch vor mir liegt und den, den ich schon geschafft habe. Das ist nicht der entscheidende Moment. Sondern der, wenn ich abends gieße und die Sonne geht unter. Der Himmel glüht auf. Eine Stunde vorher ist die Heidingsfelder Krähenkolonie nach Hause geflogen und hat sich überm Haus über die Tageserlebnisse ausgetauscht. Es ist früher dunkel jetzt, morgens brauche ich Licht beim Aufstehen. Ich genieße den herrlichen Himmel. Die Wolken, die gestern bleigrau am Himmel hingen und irgendwo über glücklicheren Landen abgeregnet sind.

Das Gebuddel und die Stacheln, das sich heftig wehrende Unkraut und das Zurückschneiden, der Geruch des Bodens und die Erkenntnis, dass im Garten der Herbst massiv Einzug gehalten hat, lange, bevor uns das bewusst wird. Bei einer kurzen Fahrt gestern bemerkte ich die Verfärbung der Bäume in den Wäldern, die müde sind von Hitze und Trockenheit. Ein lieber Freund schreibt, dass er 13 Kilo Kornelkirschen eingemacht hat und es bei ihm in Berlin herbstelt im Garten. Noch sind die Tage heiß, doch ist die Luft nun eine andere. Tagsüber nicht, aber in der Nacht merken wir, dass es draußen anders webt und spinnt. Nicht mehr lange, und wir erwachen und finden überall taufeuchte Spinnennetze. Einige der Herrschaften haben sich schon ins Küchenwaschbecken verlaufen und mussten gerettet werden (nicht von mir als bekennender Arachnophobiker).

Während mir diese Veränderungen in der Natur bewusst werden, vollziehen sich in anderen Teilen unseres Lebens massive Veränderungen, die im Herbst tragen werden. Alles ist in stetigem Wandel. Wenn wir uns dem bewusst aussetzen, müssen wir nicht so viele Ängste haben. Nichts bleibt, wie es ist. Niemand bleibt, wer er ist. Das ist eine Chance und manchmal etwas, das verabschiedet und losgelassen werden möchte.

Allen einen Tag voller Wahrnehmungsfreude an den Veränderungen im Außen und dem Bewusstwerden, dass auch wir im Inneren sterben und auferstehen mit jedem Tag. An Neumondtagen kann man gut mit Neuem beginnen. Womit möchtest du starten?

Steffi nimmt uns auf dem Foto mit in den Wald. DANKE.

Kuss

Es war, als hätt‘ der Himmel

die Erde still geküsst;

dass sie im Blütenschimmer

von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,

die Ähren wogten sacht.

Es rauschten leis‘ die Wälder –

so sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte

weit ihre Flügel aus.

Flog durch die stillen Lande,

als flöge sie nach Haus‘.

Mondnacht, Joseph von Eichendorff, 1834

Danke an Steffi für das Foto!

Mittwochs-Nachdenk-Input

Veränderungen! Manchmal genügt ein kleiner Anstoß und eine ganze Veränderungskaskade kommt in Gang. Wir haben viel Angst vor Veränderungen, weil wir wissen, dass sich Dinge nicht immer nur zum Guten verändern. Nur – manchmal halten wir untragbare Situationen aus Angst davor aus, dass wir mit Veränderungen nicht klarkommen, jemanden verletzen, kränken oder aus vielen anderen Gründen. Ganz oft sind wir einfach zu feige oder der Leidensdruck ist nicht groß genug. Wenn dann ein Schubs kommt, werden ungeahnte Kräfte frei, kann viel Raum für Neues entstehen.

Gelegentlich wird einem dann rückblickend bewusst, dass man doch im Vorfeld vieles unternommen hat, um die Veränderung zu forcieren und letztlich herbeizuführen. Was lange vielleicht unmachbar erschien, wird mit einem Schlag möglich.

2020 ist ein Veränderungsjahr in besonderem Ausmaß. So eine Pandemie verändert weltweit etwas. Alle Menschen waren in irgendeiner Form betroffen und so werden jetzt auch weltweit Veränderungen im Denken möglich. Unsere enge Verbundenheit und das aufeinander Angewiesensein auf dem Planeten wird uns bewusster dadurch. Wir erkennen, dass es nicht wurscht ist, wenn in China ein Sack Reis umfällt. Wir sehen wie durch ein Vergrößerungsglas die diversen Interessen der einzelnen Gruppierungen, bemerken die Gräben dazwischen klarer und erkennen die Herausforderungen, die in diesen Zeiten aufploppen.

Klar ist – die Wackeldackelnummer zieht nicht mehr. Abnicken und das Hirn an der Tür abgeben reicht nicht. Wer allerdings den Raum zwischen den Ohren benutzen will, erkennt oft genug, dass das Ding jede Menge automatischer Schleifen dreht. Es wird ein wenig entrostet werden müssen, das Gehirn. Und dann merken wir – es läuft und wir können es anders nutzen als bisher. Wer in einer sich ungeheuer rasch und vor allem extrem tiefgreifend sich verändernden Welt mitgestalten möchte, braucht die Fähigkeit des Weglassens von Überflüssigem, des Austauschs, des gegenseitigen Lehrens und Lernens und des Humors.

Ohne den Humor ist die Welt verloren. Humor ist eine Herzensqualität! Wenn wir deutlich mehr miteinander lachen und singen würden, wäre die Welt weniger unfreundlich und mehr Menschen ermutigt, Veränderungen zu wagen, weil sie keine Angst mehr vor dem Scheitern haben müssten. Wer von klein auf am Heftrand „falsch“ in rot stehen hat, vermeidet Fehler. Veränderung beginnt stets an der Wurzel, also an unserem Bildungssystem und an dem, was Eltern in der Erziehung für Werte pflegen. Erlauben wir Fehler, damit wir sie als Lernchancen begreifen! Und ermutigen wir uns gegenseitig, aus diesen Fehlern zu lernen und Dinge auf eine neue und bessere Weise zu probieren. Bis wieder Veränderungen anstehen und wir neue Fehler lernend angehen dürfen.

Allen einen sehr beweglichen Tag mit der lebendigen Kraft des Merkur!

 

Das feine Foto durchs Weinlaub hat Manuela gemacht. Dankeschön!

Veränderung

Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten.

Thomas von Aquin

Aus Knospen werden Blüten und am Ende Hagebutten. Rosen sind Verwandlungskünstler.

Dienstags-Nachdenk-Input

Ohne Träume, findet Novalis, werden wir gewiss früher alt. Für Sigmund Freud waren Träume die Via regia zum Unbewussten. Im Traum zeigen sich viele unbearbeitete Dinge, die in der Therapie oft eine Rolle spielen. Manche Menschen sagen, sie träumen nie, was daran liegt, dass sie oft zu wenig oder zu wenig tief schlafen oder beim Aufwachen alles vergessen, was sie eventuell doch geträumt haben. Manche haben ein Traumjournal, in das sie am Morgen ihre Träume der Nacht hineinschreiben.

Wir neigen heute dazu, Bestandteile eines Traums zu googlen und nachzuschauen, was sie bedeuten. Das kann fatale Folgen haben. Von einem Krokodil zu träumen kann viele Aspekte haben. Wer einen Film mit Krokodilen geschaut hat, verarbeitet vielleicht seine Angst vor dem Gefressenwerden, wer gerade auf der Suche nach einem neuen Stück im Taschenhimmel ist, könnte auch von einer schicken Handtasche träumen. So einfach ist das mit den Träumen nicht.

Unser Wochenende in die Urlaubstage hinein war spannend. Am Samstag waren wir im Kino in „Sein“, ein super Auftakt, am Sonntag stand ein langjährig aufgeschobener Besuch bei lieben Freunden an. Mitten in der Stadt eine kleine Gartenoase mit Teich, Bachlauf und traumschönen Pflanzen, quasi von Häusern umzingelt. Da saßen wir, erzählten und teilten uns redlich mit den Wespen herrlichen Kuchen.

Heute haben wir all das gemacht, was seit Monaten aufgeschoben wurde wie eine neue Brille ausgesucht und alles dafür ausgemessen, was eine sehr langwierige Prozedur war, in der Stadt erledigt, was wir seit Monaten dort machen wollten (und wegen der Schwüle abgebrochen, weil uns das dann doch zu viel war).

Meine Hoffnungen auf Kühle, damit ich im Garten klar Schiff machen kann, erfüllen sich offenbar nicht. Allerdings entschwinden, um wieder bei den Träumen zu landen, damit auch meine tiefen Hoffnungen auf erholsamen Schlaf, denn wenn es so ein Wetter ist wie zur Zeit, habe ich schon als kleines Kind das Schlafen eingestellt, um mich hin und her zu werfen und auf den Morgen zu warten. Ich bewundere Menschen, die bei jedem Wetter schlafen können, ich gehöre nicht dazu. Deshalb habe ich heute in der Stadt spontan entschieden, mit den neuen Megawälzer von Professor Leitzmann auf den Bücherstapel zu hieven (640 Seiten) und hoffe, das neue Buch von Förster & Kreuz ebenfalls nächtens durchzusehen.

Auch wenn in den „Ferien“ Einmachen, Aufräumen und vor allem für die Oktoberprüfung zum Aromaexperten zu lernen ansteht, muss Lesezeit sein und da am liebsten dann die Titel, auf die ich mich seit Wochen freue. Das umfasst neben Werken von Frankl einige Titel über diverse Therapieformen, ein tolles Buch über Waldmedizin und mehrere Werke über Ernährung, weil ich jeden Tag in der Praxis den krassen Zusammenhang zwischen Ernährung und Wohlbefinden erlebe. Es wird Zeit, dass wir diese engen Zusammenhänge gut erkennen und daraus Handlungsoptionen ableiten. Wir freuen uns wie die Schneekönige, denn im neuen Jahr steht nochmal eine richtig umfassende Fortbildung für uns an, für die wir uns entschieden haben und die wird sowas von toll. Sie führt uns zum ganz Schlichten, Einfachen und deshalb auch so wirksamen. Bald verraten wir euch, was das sein wird. Auf alle Fälle eine grandiose Erweiterung unseres Wissens, aber auch dessen, was wir dann für die Klienten mit an Bord haben. Back to the roots.

Wenn ich schon mal in der Stadt bin, gehört ein Gang über den Markt dazu, so ist ein kleiner Berg Pilze und vor allem jede Menge Obst mit auf den Hügel gewandert. Der obligatorische Abstecher zu den Kerzen in der Marienkapelle gehört auch mit dazu. Dann genieße ich jeden Meter, den ich zwischen die Stadt und mich legen kann – wie herrlich haben wir es hier in Rottenbauer fernab vom Trubel. Einen Nachteil hat es allerdings: die Regenwolken erreichen uns hier gefühlt selten.

Allen einen tatkräftigen Marstag mit dem Schwung, den nur Dienstage bringen können. Sigrid hat für uns die Würzburger Marienkapelle fotografiert! Dankeschön.