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Der beste Beruf der Welt

Es gibt so Tage, da brauche ich abends lange, um runterzufahren. Das liegt daran, dass ich dann so krasse Lebensgeschichten gehört habe oder es außergewöhnlich intensive Arbeiten waren, die lebensverändernd wirken können. Am Dienstag gab es gleich beides. Ein intensives Gespräch mit einer 78 Jahre alten Dame über ihr Leben – unglaublich, was alles in 78 Jahren geschehen kann und mit welchem Mut sich Menschen aufmachen, offene Baustellen zu befrieden. Geschenke.

Das zweite Gespräch war mit einer jungen Frau nach einer Trennung mit den tiefen Fragen der Menschen zwischen 30 und 40: War es das schon? Wer bin ich denn jetzt? Wo will ich hin? Wie verändert sich meine Lebensvision jetzt? Und plötzlich taucht sie auf, die Vision, die Idee, der Moment, der alles verändert, weil eine Erkenntnis heranreift und gleich mit der Frage ins Leben kommt: Was heißt das jetzt genau für mich? Was sind die nächsten Schritte, die ich dafür tun kann? Mit einem Schlag war vieles klar – ich bin gar nicht falsch. Ich habe nur Ziele verfolgt, die nicht mal ansatzweise mir entsprochen haben. Ich darf meinen Weg unter die Füße nehmen. Und schon war er da, der Katalog der Maßnahmen, die nun direkt angegangen werden können. Zack, neuer Weg.

Da sitze ich dann da, trinke einen Tee und bin von Herzen dankbar für den besten Beruf der Welt.

Hab einen feinen Jupitertag in dieser Woche und einen tollen Start in den Dezember.

 

Maikes Foto ist auch so ein Geschenk – herrlich! Augenferien für alle.

Einfach nur leben

Der Sinn des Lebens ist es, einfach nur zu leben. Es ist so klar und deutlich und so einfach. Und doch rennen alle in großer Panik herum, als ob es notwendig wäre, etwas Außergewöhnliches zu erreichen.

Zen-Weisheit

Sigrid hat im Garten des Benediktushofes Holzkirchen dieses Foto gemacht. Herzlichen Dank dafür!

Theorie und Praxis

Zwischen Theorie und Praxis klafft ab und an eine Lücke. Oft höre ich: „Ach ja, das hab ich schon gelesen, das kenne ich schon, nee, langweilig.“ Aha! Seltsam, weshalb dann das Leben nach wie vor durch alte Glaubenssätze wenig Fahrt aufnimmt. „Ja, das weiß ich, das hatte ich mal in einem Seminar.“ Schön. Schade nur, dass aus dem Hören und Lesen kein Tun wird, denn das ist der entscheidende Faktor.

Einer meiner Lehrer sagte treffend: „Fernab von allen Herausforderungen des Lebens kann jeder meditieren. Entscheidend ist, ob du es auch in der Rushhour des Lebens schaffst“. Und eine Frage begleitet mich auch seit Jahrzehnten: „Du hast es gelesen/gehört. Hast du es auch gemeistert?“

Der Spagat zwischen theoretischem Wissen und praktischem Können ist gewaltig, man überbrückt diese Gap durch Üben. Nicht ab und an, täglich. Wenn uns etwas „in Fleisch und Blut“ übergegangen ist, wir nicht mehr darüber nachdenken müssen, weil wir es uns im wahrsten Sinn des Wortes „einverleibt“ haben, kostet uns etwas keine Energie mehr und wir fangen an, darin gut zu werden. Mit der Zeit. Es braucht Geduld, Ausdauer, Disziplin und das Wissen, dass wir selten über Nacht komplexe Themen beherrschen, sondern alles eine organische Entwicklung hinein in gute Gewohnheiten braucht, um dann die nächsten Schritte zu gehen.

Deshalb prüfe, was du gehört und gelesen hast und was davon bereits fester und sicherer Bestandteil deines Lebens ist. Ansonsten gilt das, was für alle gilt: Übung macht den Meister.

Gutes Gelingen bei allem Tun an diesem letzten Wochenteilungstag im November 2022.

Mein absolutes Lieblingsfoto von Stephanies Wanderung im Herbst durch die Schweiz. Die Farben – (m)ein Traum.

Wege und Umwege

Ob rechts oder links – letztlich bringt dich jeder Weg zum Ziel. Wer weiß, ob der Umweg nicht  genau der richtige Weg für dich ist.

Stephanie hat das Foto gemacht. Herzlichen Dank!

Fernreisen – Innenreisen

Manchmal muss man erst in die Ferne reisen, um die Reise nach innen antreten zu können. Wir suchen Antworten auf Lebensfragen oft im Außen, bis wir lernen, dass sich Antworten erschließen, wenn wir nach innen lauschen.

Was ich erlebe: Menschen, die erschöpft sind, vieles hinterfragen, sich Gedanken über ihre Zukunft und die des Planeten machen. In der Praxis sind Menschen besorgt über das, was kommt, die an Einsamkeit leiden, Freundschaften, die nicht mehr funktionieren. Menschen, die Remote bleiben wollen/sollen, denen der Tratsch an der Kaffeemaschine oder auf dem Flur fehlt. Einsamkeit ohne Ende. Verlassenheitsgefühle. Vieles funktioniert nicht mehr so wie vor Jahren, Wirtschaft trudelt.

Andere begeben sich in die deutsche Endnovemberchallenge: Haus schmücken, Kekse backen, Geschenke einkaufen, verpacken, Weihnachtskarten schreiben. Das lenkt ab. Weihnachtsmärkte sind offen, ein Glück, Abende gerettet.

Das größte Geschenk, das man sich selbst machen kann, ist zu wissen, wer man ist und wie man sich innerlich immer wieder neu einmitten kann, denn weniger Chaos ist nicht zu erwarten. Das bedeutet, einzugestehen, dass man oft nicht mehr kann – was ist schlimm daran, sich Hilfe zu holen?

Einen tatkräftigen Dienstag allen.

 

Mein Lieblingsfoto von Teresa ist aus Ushuaia. Danke für dieses Foto!

Schlehenfreude

Schlehen. Für mich eines der kostbarsten Geschenke der Natur. Im zeitigsten Frühjahr blüht die Schlehe, aus den Blüten wird ein hauchzartes hüllendes Körperöl angesetzt. Sie ist mit die letzte Frucht, die wir ernten im Jahr – zehn Monate lang von der Blüte bis zur Ernte, so lange wie kein anderes Obst im Garten. Die Ernte ist wahrhaftig keine Freude. Schlehdornen sind spitz und geerntet wird nach dem Frost. Wir haben gestern mit klammsten Fingern die Sträucher abgeerntet. Es wurde exakt einmal der Dampfentsafter hochvoll. Sonst haben wir es auf die alte Weise gemacht – über mehrere Tage mit kochendem Wasser/Schlehensaft aufgegossen und ziehen lassen. Das geht mit dem Dampfentsafter großartig, wenn ich gewusst hätte, wie viel Saft dabei herauskommt, hätte ich das früher auch schon so gemacht. Nun freuen wir uns über vier Flaschen Schlehensaft – reine Medizin bei Erschöpfung und für Rekonvaleszenten.

Startet gut in die neue Woche – die erste Adventwoche!

Geschenke

Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.

Cicero, 106-43 v. Chr.

Stellt euch das vor – Ende November eine herrliche Spinaternte aus dem Garten und die letzten Radieschen.

Vorfreuen!

Habt ihr so einen genialen Adventskalender schon mal gesehen? Ha! Ich hab ihn bekommen. Einfach so. Geschenkt. Beate hat sich hingesetzt und 24 Überraschungen verpackt und vorbeigefahren. Um mir eine Freude zu machen. Leute! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Letzte Woche diese wunderschönen Abschlussbriefe der Cardea-Therapeut:innen und die wunderschöne Korkenzieherhasel (eingepflanzt) und tolle Fotos von Maike aus den Bergen und nun kommt Beate und bringt so eine krasse Überraschung vorbei.

Ich kann nur von ganzem Herzen Danke für eure tollen Überraschungen sagen. Früher habe ich in den Vorträgen immer wieder gesagt: Wem kannst du heute ein Freuerle geben (eine Sache, die einen Menschen richtig freut, unerwartet und vielleicht genau im richtigen Moment)? Und jetzt hab ich 24 Freuerle und werde einen fulminanten Advent haben.

Danke für eure wunderbaren Zeichen der Wertschätzung. Ihr seid Heldinnen und Helden in rauen Zeiten. Danke für euren Support.

Lebens-Wege

Das Jahr eilt dem Ende entgegen, der Advent beginnt. Gefühlt war gestern erst Sommer, weil es so lange noch so warm im Jahr war. Der Switch fällt schwer in diesem Jahr, vielleicht nur mir.

Beim Auswählen von Stephanies Foto dachte ich an die vielen Wege, die wir jeden Tag gehen – da kommt eine Strecke zusammen. Mancher Weg fühlt sich nach Umweg an und ist rückblickend vielleicht das Beste gewesen, was passieren konnte, weil uns auf dieser Schleife Menschen begegnet sind, die alles verändert haben. Mancher Weg ist leicht und freudig, andere Wege sind schwer, traurig und belastend. Es gibt steile Wege, breite, sonnenbeschienene und verregnete. Das Leben ist das Leben, es bietet alles und manchmal am gleichen Tag.

Gehen wir den Weg bewusst durch das Labyrinth des Lebens? Halten wir inne, um die Landschaft zu genießen oder hetzen wir nur durch, ohne zu wissen, wie wir von A nach B gekommen sind? Wie gehen wir mit den von außen aufgedrückten Umleitungen um? Gibt es Pfade, die durch unser ständiges Begehen ausgetreten werden und Prachtalleen?

Hab heute einen guten Weg durch diesen letzten Freitag im November 2022.

 

Danke an Stephanie für das krasse Foto aus der Schweiz.

1. Advent

Lied im Advent

 

Immer ein Lichtlein mehr

im Kranz, den wir gewunden,

dass er leuchte uns sehr

durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!

Rund um den Kranz welch ein Schimmer,

und so leuchten auch wir,

und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt

langsam der Weihnacht entgegen.

Und der in Händen sie hält,

weiß um den Segen!

Matthias Claudius, 1740–1815

Allen ein schönes erstes Adventswochenende

Psychologische Sicherheit und Werte

Was sind Werte und weshalb bereichern sie unser Leben? Dieser Frage gingen wir am Dienstagabend in der Alten Synagoge Kitzingen nach und tauschten uns über stärkende und schwächende Werte aus. Werte leiten und führen uns, sie verändern sich im Lauf des Lebens. Oft können wir Kernwerte ausmachen wie Mitgefühl, Humor, Authentizität, Disziplin, Verlässlichkeit und vieles mehr. Wer Werten folgt, hat Maßstäbe, anhand derer er die eigene Entwicklung überprüfen kann. Werte in Teams helfen neben der Erlaubnis, frei sprechen zu können ohne Angst vor Konsequenzen, Fehler machen zu dürfen, ein Veto einlegen zu können und der Erlaubnis zum Ausprobieren dabei, die sogenannte psychologische Sicherheit zu erzeugen, die aus Teams Gewinnerteams macht.

Das wäre ein feines Konzept für viele Lebensbereiche. Wer sich trauen kann, Dinge zu probieren, auch mal einen Flop raushauen und sicher sein kann, dass er jetzt nicht zur Persona non grata mutiert, sondern die Kollegen mitfühlend sagen: „Oh, schade! Kommst du klar oder kann ich dich irgendwie unterstützen?“ Das wäre auch ein gutes Konzept in Familien, damit wir wagemutiger werden, mehr probieren, nicht warten, bis einer sagt: „Der Kaiser ist ja nackig“, weil alle Monate schweigend beim Absturz zugesehen haben. Freundlichkeit, Offenheit, Gradlinigkeit, Mut – all das sind Werte, an denen es in unserer Welt an vielen Stellen mangelt. Fangen wir einfach damit an, unsere Werte neu zu definieren und nach ihnen zu leben. Ein gutes Leben beginnt bei mir selbst, nicht mit „die müssten mal freundlicher sein, die Vollpfosten, voll unmöglich!“

Allen einen frohsinnigen, freundlichen und ermutigenden Jupitertag.

 

In Schwarzach ist es am Abend auch sehr schön, hat Maike festgestellt und dieses Beweisfoto mitgeschickt. Danke dir!

Licht-es

Licht – ein kostbares Geschenk. Genauso kostbar wie die Qualität des Hörens, des Gehens, des Riechens und vieles mehr, was für uns oft selbstverständlich scheint, es jedoch nicht ist. Viele haben erfahren, dass das nicht riechen können stark den Geschmack beeinträchtigt. Der Verlust des Riechsinns kann Depressionen fördern.

Mit Licht verbinden wir Hoffnung. Pflanzen brauchen Licht zum Wachsen, ohne Licht bilden wir kein Vitamin D und leiden psychisch massiv, weshalb einigen Menschen im Winter eine Tageslichtlampe helfen kann, den Winterblues zu bewältigen.

Licht ist verbunden mit Erkenntnisqualitäten. Uns geht „ein Licht auf“, wir haben „eine Erleuchtung“. Kerzen entzünden wir als Symbol und um Menschen im Dunkeln zu helfen, sich zu orientieren. Mit Opferkerzen bitten wir um Begleitung, Schutz und vieles mehr. Jetzt ist die Zeit der Kerzen wieder da – viele schmücken diese Woche ihre Fenster, hängen Leuchtsterne auf und bringen Licht ins Dunkel der Zeit. Verbinden wir Licht mit Wärme, haben wir ein wunderbares Sinnbild für Herzkohärenz: Die Verbindung unseres Denkens und Fühlens im Kopf- und Herzbereich. Paracelsus beschrieb den Sulphurprozess (das hitzige Element) und den Salprozess (die Klarheit und Struktur) mit dem Merkurialischen als Vermittler (das rhythmische System). Spannend.

Hast du dich heute schon darüber gefreut, dass du vielleicht sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen kannst? Ist dir bewusst, was das für ein Geschenk ist?

 

Einen feinen Wochenteilungstag für dich.

 

Danke an Steffen für das lichterfüllte Foto aus China.

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