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Advents-Deko-Wahn

Schon ist der November fast am Ende angelangt, alle schmücken ihre Fenster für den Advent und stellen ihre blinkende Deko nach draußen. „Damit es schön leuchtet, wenns schneit“, höre ich. Je älter ich werde, desto weniger ist mir nach Deko. Nie käme ich auf die Idee, jedes Jahr nach dem neuesten Weihnachtstrend zu fragen.

Das andere Extrem gerade in der Herkunftsfamilie – da wird alles „wie immer“ aufgestellt, inklusive leuchtendes Reh im Garten (noch ohne Schnee, was dann auch immer seltsam anmutet). Raus mit den Zimtstangenpotpourris etc. und allen Weihnachtsdecken, damit man sie schon mal zur Hand hat. Zum Glück haben wir noch genug rote Kerzen gefunden. Drama pur wäre sonst angesagt. Das erste Mal macht es der Vater alleine und es ist ihm total wichtig, dass alles richtig gemacht wird.

Jetzt bin ich ja durchaus sehr begeistert von der Wintersonnwende und allem, was damit zusammenhängt (weniger von Weihnachten), aber Dekowahnsinn ist meines so gar nicht. Ich klatsche ein paar zauberhafte Fenstersterne hin (von denen ich jetzt ganz viele entsorgt habe, weil sie ausgebleicht sind nach 20 Jahren) und wehre mich tapfer, vor dem 1. Advent mit Weihnachtssternen ausgestattet zu sein. Doch der Versuch des Vaters heute, alles so aufzustellen, wie es meiner Mutter gefallen hätte und sich auf das erste Weihnachten seit 62 Jahren ohne sie einzustellen, hat mir schon ein wenig den Rest gegeben. Rituale geben Halt, ich sehe das wohl (was sich für mich eher wie ein viel zu enges Korsett anfühlt).

Mein Vater bügelt, kocht und versorgt meinen Bruder meisterlich. Tag und Nacht macht er sich Sorgen, dass er stürzen könnte und dann alles den Bach runter geht. Vor dem angekündigten Schnee hat er Panik, weil er mit fast 87 Jahren und seinen abgearbeiteten Händen keine Schaufel mehr halten kann. Jeder Versuch, ihn mitsamt meinem behinderten Bruder aus seinem Haus hierher zu holen, ist sinnlos. Daheim ist alles gewohnt, vertraut und sicher. Er hat Freude am Facebookvideo seiner Enkelin, die mit dem Jungen Vokalensemble Hannover Händels Messias aufgeführt und ein Video davon ins Netz gestellt hat. Er wuselt herum und überlegt, ob die Weihnachtsdecken reichen.

„Wir singen doch an Weihnachten wieder alle Lieder, oder?“, fragt er und hofft, dass die ehemaligen Nachbarn auch in diesem Jahr einen Mistelzweig vorbeibringen und was meine Mutter dem Postboten zum Fest gibt. All das schreibt er sich auf, damit er es nicht vergisst und besorgt beim Freitagseinkauf, den wir miteinander machen, nach und nach alle Sachen. Und freut sich sehr, wenn er sich am Freitag an den gedeckten Tisch setzen und einfach nur essen kann.

Ich glaube, die beiden Herren, die da nun miteinander versuchen klarzukommen und alles gut und richtig zu machen, jeder auf seine Weise, genießen diese Freitagsmittagessen. Ich fluche innerlich, wenn ich versuche, das alles am Donnerstag noch in meinen Tag zu quetschen, damit ich am Freitag putzen, einkaufen und helfen kann, doch spätestens, wenn sie da so sitzen und zuschlagen und ich weiß, dass sie ab Sonntag, wenn auch das vorgekochte im Gefrierfach weggefuttert ist, sich auf Freitag freuen, auch wenn sie jeden Tag gemeinsam kochen, ist es auch wieder gut.

Mal sehen, wie sich der Advent entwickelt. Die Deko wartet auf mich. Ich hadere noch und lasse die halbe Adventskiste unangerührt stehen. Mal schauen, was bis Sonntag noch irgendwo hingestellt wird in Vorfreude auf den 6. Januar, wenn alles wieder eingepackt wird und es sich so anfühlt, als atme man wieder durch, allein aufgrund der Tatsache, dass das neue Jahr als unbeschriebenes Heft vor einem liegt.

Für alle Weihnachtsfans – euch einen tollen Advent, genießt eure Deko, eure Duftpotpourris, Punschorgien und Stollenschlachten, die Zeit geht fix vorbei, also mummelt euch ein in eure Rentierpullover. Für alle anderen: Rituale sind wichtig. Genießt eure und lasst den Weihnachtsfans den Spaß. Und ganz ehrlich – wir gehen doch alle mal nachts durchs Dorf und staunen über die Dekoration, wenn alles blitzt und blinkt und nur ab und an ein klassischer Herrenhuter Stern seine Stacheln mächtig in die Nacht streckt. Und auch der härteste Klotz freut sich an einem Weihnachtsfenster in der Straße, das zum Adventskalender des Ortes gehört. Jedem das Seine.

Allen einen wunderbaren ersten Advent.

 

Die klare Frische der letzten Herbsttage spürt man in Steffis Foto. Nochmal durchatmen, bevor der Zimt-Orange-Nelkengeruch alles dominiert.

Ins Herz Gottes klettern

Was heißt beten? Wie ein bedächtiger Bergsteiger hinaufklettern in die Höhe, in das Herz Gottes.

Josef Kentenich

In der winzigen Dorfkapelle in Stephansried findet sich diese wunderschöne Madonna.

Post aus Spanien! Hola!

Gerade drückt mir der Postbote eine Postkarte in die Hand. Vor sechs Jahren steckte eine junge Frau in einer Lebenskrise, beruflich, privat, nichts ging voran. Dreimal haben wir uns damals getroffen, um das Lebensschiff wieder flott zu machen. Und nun kommt eine fröhliche Postkarte aus Spanien mit einer Bedankung, dass damals so viele Weichen neu gestellt worden sind und ein Dankeschön. Ist das nicht großartig?

Zum einen ist es super, wenn Arbeit gute Früchte trägt, zum anderen ist es total berührend, wenn man dann ein Feedback bekommt. Manchmal waren Klienten nur einen einzigen Termin da und ich habe nichts mehr von ihnen gehört. Und dann, über drei Ecken, erfahre ich, wie entscheidend das Gespräch gewesen ist, sie schicken mir nach Jahren Freunde, die gerade nicht mehr so recht wissen, wie sie in ihrem Leben vorankommen, mit Dank und Gruß. Erstaunlich, was ein einziges Gespräch bewirken kann, wenn der Same dieses Gesprächs auf einen fruchtbaren Boden trifft, bereit zur Veränderung und gewillt, sich auf neue Wege zu begeben.

Auch mir helfen Gespräche in Lebenskrisen weiter, denn wir alle haben für uns selbst einen dicken blinden Fleck und sehen nicht, was man von außen gut sehen kann. Es gibt verschiedene Menschen, deren Meinung, Rat oder Feedback ich in diversen Lebensbereichen sehr, sehr schätze. Sie sind ehrlich, klar, offen und direkt. Ich vertraue ihrer Einschätzung, weil sie in der Lage sind, aus dem Herzen heraus einen Raum zu öffnen und mich so zu sehen, wie ich bin und mich darauf aufmerksam zu machen, wo ich gerade massiven Selbsttäuschungen oder Fehleinschätzungen unterliege. Mich bringen solche Termine ausgezeichnet weiter, auch wenn ich ab und an dann schon so meine Verdauungszeit brauche, je nachdem, wie weit ich abgedriftet bin.

Immer noch glauben Menschen, es wäre Schwäche, sich bei bestimmten Themen helfen zu lassen. Ich halte es für eine Stärke, sich einzugestehen, dass man gerade mit Fragen überfordert ist und bereit ist, sich auf einen guten Weg zu begeben. Das ist mutig und verantwortungsbewusst, weil es nicht immer die richtige Lösung ist, „den Karren laufen zu lassen“.

Jetzt, wo wir uns langsam Richtung Winter bewegen, also mehr und mehr innere Themen angehen, weil das Draußen nicht mehr so sehr ablenkt, ist die passende Zeit, zu prüfen, welche Lebensbereiche gut laufen und welche nicht, was zu tun ist, um die guten Bereiche zu unterstützen und die anderen zu verändern. Ein neutraler Blick von außen kann hilfreich sein, ob man das umsetzt und wann, ist jedem selbst überlassen und manchmal braucht das seine Zeit. Inzwischen ist es so, dass ich Menschen für eine gewisse Zeit intensiver begleite, sie also immer wieder Aufgaben bekommen, die zu erledigen sind, ich nachhake, ob die Hausaufgaben gemacht sind und vieles mehr. Prozessbegleitung ist das Stichwort, das ist derzeit für manchen eine wahre Unterstützung, wenn alles wegbricht. Es ist toll, dass Menschen mir das Vertrauen schenken, sie zu begleiten auf dem Weg in ihr verändertes Leben.

Was tust du, um dein Lebensrad immer wieder neu auszuwuchten und in Schwung zu halten?

Um euch in diesen doch sehr bewegten Zeiten hilfreich zu sein, haben Gabi und ich heute eine neue Podcastfolge aufgenommen, ich gebe Bescheid, wenn sie online ist. Freut euch gern schon vor!

Allen einen liebevollen Venustag!

Auch dieses Foto stammt von Steffi, die irgendwann angefangen hat, auf ihren Runden tolle Bilder zu machen –  Bewegung kombiniert mit großartigen Geschenken an euch als Leser und Bildfans. Danke, Stephanie, für dein tolles Engagement!

Erich, Franz und Hans

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht,
so warm wie Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

 

 

Christian Morgenstern

Be water, my friend, mal wieder

Am Dienstagabend fand der zweite Teil unserer feinen VHS-Reihe zum Thema Veränderungen statt. Nach vielen Überlegungen, wie man sein Gehirn überlistet, sich neue Routinen und Glaubenssätze anzueignen, sind wir für eine Zeit in die Tiefe und Stille gegangen. Veränderung geschieht sehr oft in dem Moment, in dem wir uns erlauben, unserer inneren Essenz zu begegnen, unserem Wesen nachzuspüren und in der Ruhe die Antworten zu finden, die wir oft im Alltagslärm nicht hören können. Auf der Heimfahrt grüßte ein sternenklarer Nachthimmel. Verbindung von oben und unten, außen und innen, zauberschön.

Herausfordernd sind die Tage. Spannend. Ich staune, mit wie viel Energie wir uns anfeinden, versuchen, anders Denkende in unser Lager zu ziehen. Warum tun wir das? Ich „unterstelle“ jedem Menschen, dass er seine Ansichten und Meinungen prüft, überdenkt und mit gutem Grund vertritt. Jeder Mensch hat in seinem Kopf Recht. Und ich muss nicht mit Menschen einer Meinung sein, um gut mit ihnen auszukommen. Ich irre selbst oft und muss dann meine Gedanken und Aussagen sortieren, neu greifen und zu neuen Erkenntnissen kommen, das gestehe ich allen anderen auch zu. Wenn jemand eine andere Meinung vertritt, lerne ich neue Standpunkte kennen, denn ich blicke stets einseitig und überschaue niemals das gesamte Geschehen.

Alle haben Recht, alle irren. Deshalb erscheint es mir nur sehr logisch, dass es offenkundig nie ums Rechthaben geht, sondern um das Bewundern, wie schwer es ist, Wahrheit zu finden und zu erforschen und dass wir oft den Blick über das eigentliche Problem erheben müssen, um in weiteren Räumen mit Menschen zu kommunizieren und das Gesamtgeschehen nicht aus dem Auge zu verlieren. In vielen Punkten sind wir uns nicht einig, das ist in Ordnung und kein Grund, ausfallend und negativ zu werden. Es ändert nichts an der Tatsache, dass wir aufgerufen sind, diesen Planeten zu retten und die not-wendigen Veränderungen in der Weltengemeinschaft zu besprechen.

Die Einen wünschen sich, dass alles wird wie vor der Pandemie, das hoffe ich nicht. Die Anderen erwarten, dass auf gute Weise Veränderungen angestoßen werden – da bin ich dabei. Die Betonung liegt auf der guten Weise. Wir brauchen eine Revolution der Herzen, nicht des Kampfes. Wir haben genug sinnfreien Kampf jeden Tag vor Augen. Es geht nicht um Kämpfen, Überzeugen und Lager bilden, das ergibt nur Spaltung. Es geht um das Erkennen, dass vielleicht auch in der Betrachtung einer Pandemie viele Wege nach Rom führen und dass die Pandemie nur eines von vielen unserer Themen ist, wenngleich eines, das alle betrifft.

Wahrlich alle betreffen die Fragen zu Bildung, Gesundheitssystemen, Klimawandel und Umgang der Völker untereinander. Wenn wir es nicht einmal bewerkstelligen, in unserem eigenen kleinen überschaubaren Land eine gute Gesprächs-, Konflikt- und Streitkultur zu pflegen, wie glauben wir dann, dass wir international mit Vertretern anderer Völker, Religionen und Denkweisen aller Art klarkommen? Wäre es nicht an der Zeit, sich innerlich endlich zu entspannen, Vielfalt nicht als Bedrohung zu betrachten, sondern zusammenzuwerfen, was wir alles an guten Ideen zur Lösung aller Probleme entwickeln können? Menschen sind Meister der Kreativität, wenn man sie lässt.

Legen wir die Waffen nieder, die rhetorischen und alle anderen auch. „Be water, my friend“, hat Bruce Lee mal gesagt und das trifft es genau. Wasser umfließt Hindernisse. Es findet stets den Weg ins Meer. Es wandelt sich von flüssig zu Eis zu Dampf und ist doch stets Wasser. Es nimmt vielfältigste Informationen auf und kann sie weitergeben. Es ist unser wichtigster Lebensstoff neben dem Sauerstoff. Warum lernen wir nicht direkt vom Leben selbst, wie es geht?

Be water, my friend. Be water.

Danke an Theresa für das Foto von Bornholm.

Des Winters Hauch

Des Winters Hauch

 

Des Winters Hauch
entblättert den Strauch,
und wütende Sturmwinde heulen;
an des Hügels Hang,
wo die Lerche sonst sang,
erkrächzen nun Raben und Eulen.

Die Rose liegt
vom Frost geknickt,
und jubelnd hüllet der Winter
in raschem Flug
sein Leichentuch
um Floras blühende Kinder.

Die Schwalbe ruft
aus rauher Luft
ihr Lebewohl hernieder,
blickt noch einmal herab
auf das weite Grab
und flieht dann auf schnellem Gefieder,
und alles ist stumm
und tot ringsum,
kein Laut ertönt aus den Höhen,
nur am sumpfigen Teich,
im matten Gesträuch,
tanzt ein Chor von krächzenden Krähen.

Franz Grillparzer, 1791-1872

Rebekka hat das Foto gemacht, Danke!

Du hast noch 90 Tage Lebenszeit. Und jetzt?

Immer wieder höre ich Sätze, die mit „wenn“ beginnen und dazwischen ein „dann“. Das sind echte Killersätze, denn sie suggerieren, dass ich nur dann glücklich, zufrieden, mit mir im Reinen etc. pp. bin, wenn vorher irgendjemand anderes (in aller Regel ist es jemand anderes oder das miese Karma) seine Hausaufgaben erledigt hat. Meine Stimmung ist dann also stets davon abhängig, dass ein anderer Mensch etwas macht, was ICH will. Finde den Fehler.

Auch schön: „Wenn die Probleme dann mal alle gelöst sind, bin ich frei und froh.“ Nee, sorry. Wir werden niemals den Zustand erreichen, dass unsere Probleme gelöst sind und wir nur dann und nur aufgrund dieser Voraussetzung frei und froh sein können. Frei und froh zu sein entscheide ich zu jeder Sekunde und es ist NICHT, null, niente, nada abhängig davon, was im Außen ist. Okay, zugegeben, es fällt schon schwer, einen leichten, beschwingten und heiteren Tag zu genießen, wenn die Welt im „Pissed“modus unterwegs ist und jeder nur mault, sich hinter Thesen verschanzt und Ängste pflegt. Aber es geht. Wir haben ja jetzt genug Übung im „und dennoch“-Denken, oder?

Mal angenommen, wir bekommen vom Arzt die Ansage: „Sie haben eine sehr schwere, weit fortgeschrittene Erkrankung, bitte ordnen Sie Ihre Angelegenheiten, Sie haben noch etwa drei Monate.“ – das geschieht immer wieder. Davon abgesehen, dass Lieschen Müller hört, dass sie dann noch drei normale Monate hat (der Arzt meint: du hast zwei Wochen, dann geht der Tanz des Lebens auf die Zielgerade, sprich wenn alles für dich super geht auf Palliativ) und dass sie das auch glaubt (kein Arzt der Welt kann in einer Liste nachschauen, wann die Lebensuhr des Patienten stehen bleiben wird) – was passiert wohl?

Nach dem Schock kommt der Aktivismus. Die nächtliche Recherche, ob es nicht doch schon – vermutlich in den USA oder so – ein Wundermittel gibt, das hier bei uns noch nicht zugelassen ist und das super wirkt. Die Suche nach der passenden Therapie beginnt und den Alternativen. Und nachts, wenn man nicht schlafen kann, kommt die große fette Keule der Endlichkeit auf Lieschen Müller nieder. Was hätte sie nicht alles noch tun wollen! Verreisen! Gelnägel! Einmal ein schnelles Motorrad kaufen! Mit Kumpels ein ganzes Schwein übers Feuer hängen und drei Tage reden. Verrückte Dinge tun! Einen Frisörladen aufmachen! Endlich den oberöden Partner verlassen und einmal Nordlichter sehen! Und jetzt? Puuh. Hilft nur die Fototapete mit Aurora borealis für die Nordmenschen und Aurora australis für die Bewohner der Südhalbkugel. Immerhin. Nordlicht ist Nordlicht.

Was lernen wir daraus? Wir leben, als hätten wir drei Leben in Reserve. Wir vergeuden unfassbar Zeit. Womit? Mit Schwachsinn. Mit Handydaddeln. Mit falschen Menschen. Mit Energievampiren. Bescheuerten Jobs, die unserer Berufung eher schaden als nutzen. In Wohnungen, die üble Kompromisse sind. Fahren gruslige Autos, gehen bescheuerte Kompromisse ein und belügen uns ab drei Minuten nach dem Wachwerden selbst.

Mal Hand aufs Herz – wenn du wüsstest, dass deine Zeit jetzt sehr begrenzt ist: Welche Entscheidungen würdest du heute treffen? Welche Menschen würdest du anrufen und mit welchen keinen Kontakt mehr haben wollen?

Ich sag dir was – deine Zeit IST begrenzt. Keiner kennt die Spanne, die jedem von uns noch zur Verfügung steht. Deshalb gilt: Leben findet JETZT, in diesem Moment, in dieser Sekunde, in der du das liest, statt. Nur JETZT. Und dann wieder nur JETZT. Du WEISST ganz genau, was du dann tun würdest, wenn dir das mal bewusst wäre. Frage an dich: Warum lebst du dann in deinem schlechten Film, in dem du als Protagonist permanent von einem anderen, dem sogenannten guten Leben TRÄUMST?

Ich frag ja nur. Vergeude deine Zeit nicht. Carpe diem und notfalls carpe noctem. Weil es dein Leben, deine Zeit und dein Bereuen ist, wenn dich der große Meister der Gerechtigkeit besucht. Erzähl mir also nie mehr was von „wenn und dann“. Erzähl mir deinen Traum. Und überlege dir, wie du ihn trotz aller widrigen Umstände leben kannst. Fange JETZT an. Beginne bei DIR. Was ist wirklich, wirklich, wirklich wesentlich, wichtig und notwendig für dich, dass du es heute tust?

Go for it.

Allen einen wendigen Merkurtag.

 

Hindernisse sind Stufen

Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.

Friedrich Nietzsche, 1844–1900

Annemarie war im Theilheimer Steingarten im letzten Winter unterwegs und hat uns dieses tolle Foto mitgebracht. Aus Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, kann man vieles bauen. Danke dir!

Zeiten-Tango Flexibilität

Das Wochenende war erstaunlich. Unsere zwei großen Therapeutenkurse sind gestartet – die zweijährige Cardeaausbildung und die Fortbildung Gesprächstherapie nach Carl Rogers. Das sind immer besondere Tage, wenn sich eine Gruppe, die doch eine gute Zeit lang gemeinsam miteinander Wege geht und dabei intensiv an eigenen Themen und Fragestellungen arbeitet, neu findet. Für mich ist das Spannende daran die Tatsache, dass während der Ausbildung so viel mit den Menschen passiert – im Innen wie im Außen. Die Sicht auf die Welt verändert sich, die Haltung sich selbst und den Mitmenschen gegenüber ebenfalls. Das ist wirklich schön.

Innerlich beschäftigt mich neben dem morgigen Seminar an der VHS Kitzingen zum Thema Veränderungen das LebensKUNSTseminar. Das wird für mich so ein ganz besonderer Kurs aus dem Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Wer werden uns fünf Wochenenden lang intensiv mit uns selbst auseinandersetzen und uns die kleinsten Bausteine unserer Existenz anschauen bis hin zu unserer beeindruckendsten Vision eines guten Lebens. Wir werden über Disziplin ebenso sprechen wie über den Tod, der die Kraft der Veränderung auf eine sehr spezielle Weise unterstützt. Wir schauen uns Körper, Seele und Geist an und lernen die Stille neu kennen, aus der heraus Kreativität und Tun erst erwachsen können. Wer diese Reise (die online stattfindet, also auch von Menschen besucht werden kann, die sonst lange Anreisen hätten) mitmachen mag, ist von Herzen willkommen, hier alle Infos und Termine: https://www.seelengarten-krokauer.de/lebenskunst/

Die Woche wird spannend in der Begegnung mit Menschen in unterschiedlichsten Lebensbereichen und großen Herausforderungen. Sie wollen sich neu einmitten, ausrichten und verfolgen die Frage, wie sie wieder mit frischem Schwung und sehr viel Mut ihr Leben teilweise ganz neu gestalten können. Es sind junge Menschen und Menschen in höherem Lebensalter, denen ich gegenüber sitzen darf. Vertrauensgeschenke.

Im Hintergrund versuchen wir, Projekte neu zu ordnen, Termine zu finden für viele Dinge, die wichtig sind und die durch den permanenten Pandemietango dauernd verlegt, verschoben werden müssen. Menschen wollen nur online, andere nur Präsenzkurs – wir wissen leider nicht, was in vier Wochen sein wird und denken, dass die Übung der Flexibilität keinem schadet und es nicht mehr ungewöhnlich ist, sich auch auf anderen Wegen tief begegnen zu können als gemeinsam in einem Raum zu sitzen. Wir sitzen in einem gemeinsamen geistigen Feld und das kann sehr gut sein, wenn man sich darauf einlässt. Die Welt verändert sich und wir sind eingeladen, uns mit zu verändern. Manches wird gut sein, anderes nicht. Die Zeit wird die Spreu vom Weizen trennen, wie das immer so ist. Was bleibt? Wir als Menschen. Mit Herz, Hirn und Hand. Mit unseren Qualitäten und unserem Lachen, unserer Trauer und unserer Wut, unserer Liebe und den Millionen Fragezeichen in den Augen, die wir immer wieder haben – Einstiegsluken in spannende Abenteuer.

Allen einen tatkräftigen Marstag heute!

Diejenigen, die Sehnsucht nach Sommer, Sonne und Meer haben, werden heute von Sinas Foto beschenkt. Schöne Augenferien!

 

JETZT gehts los!!!!!!!!!!!

Entscheidungen sind getroffen. Neuausrichtungen sind fällig. Die Zeiten werden im Außen wieder rauer, der Tonfall massiver, die Kluften vertiefen sich.

Wir haben uns deshalb entschieden, unsere Aus- und Fortbildungen wieder auf online umzustellen. So kann jeder teilnehmen und wir können miteinander, gemeinsam an unseren Potentialen, Ressourcen und Zielen für eine wunderbare Zukunft der Erde und unserer persönlichen Lebensgestaltung arbeiten. Wenn im Außen alles immer verwirrter wird, ist es enorm wichtig, sich innerlich in seine stabile Mitte zu begeben, sich nicht mitreißen und instrumentalisieren zu lassen, sondern gut für sich zu sorgen und dafür, dass man anderen ebenfalls eine Stütze sein kann, wenn es hart auf hart kommt.

Klar sagen manche Menschen, sie schauen eh den ganzen Tag auf den Bildschirm. Das täten sie, wenn sie ehrlich sind, auch nach Feierabend, denn ein Handy ist nichts anderes oder Serien gucken ebenfalls nicht. Da macht eine Fortbildung, die beruflich bessere Qualifikationen bringt oder unser inneres Licht neu fokussiert, deutlich mehr Sinn, als sich mit Filmchen beduseln und wegbeamen zu lassen, denke ich.

Wilde Zeiten sind es und es sind Verabschiedungszeremonien der alten Welt. Die Pandemie ist – und das sagen wir nun seit vielen Monaten – eine Art Brandbeschleuniger, um Dinge ins Bewusstsein zu heben, die vorher auch schon mehr recht als schlecht funktioniert haben. Dinge wie Pflegenotstand, Unterbringung von alten, kranken und behinderten Menschen, Umgestaltung von Kliniken in Privathand und damit Veränderungen in der medizinischen Versorgung, die sich nun auch rächen können. Vernachlässigung der Ausstattung von Bildungseinrichtungen mit moderner Technik, gute Lösungen für Schulen, Hochschulen und Ausbildungsstätten aller Art, die zwischenzeitlich mal wieder die Overheadprojektoren aus dem Keller geschleppt haben. Die Pandemie zeigt unsere Abhängigkeiten von Lieferketten und unsere Verstrickungen, die es verunmöglichen, dass wir autark sind. Sie zeigt, wie sehr wir uns darauf verlassen haben, dass sich irgendwer schon darum kümmert, dass der nach dem Krieg kraftvoll aufgebaute Made in Germany-Laden läuft. Er lief, jedoch dass das oftmals aufgrund von Provisorien Marke „wird schon nicht auffallen“ war, bemerken wir eben jetzt.

Jetzt haben wir die Chance, die Welt neu zu gestalten! In Bezug auf Klima, Verkehr, Bildung, Umgang mit alten, kranken und behinderten Menschen, mit den Kleinsten der Gesellschaft, die bitter leiden müssen und allen, die in der Einsamkeit starke Schmerzen haben – jetzt können wir zusammenrücken. Uns super ausbilden. Alles neu gestalten.

Was braucht es? Den Mut, die Wahrheit zu sagen. „Der Kaiser ist nackig“ wäre in unserer Sprache: Wir haben keinen Plan, wie wir konkret mit allem umgehen sollen. Das ist total okay, die Welt überfordert uns ALLE. Aber wir haben fast 9 Milliarden kluge Köpfe auf dem Planeten. Leute – wie wollen wir es denn machen? Wer hat welche gute Idee? Ihr werdet sehen – das geht. Es braucht den Mut, sich einzugestehen, dass keiner alles wissen kann und wir alle irren und verwirrt sind. Miteinander gelingt Großes. Wunderbares. Ist das nicht einfach nur toll?

Also, wir leisten unseren Minibeitrag, indem wir euch bestmöglich ausbilden. Seid ihr mit dabei? Alle Kurse werden online und das geht super. Wir haben es längst in den letzten fast zwei Jahren getestet. Schaut mal, ob da nicht das Eine oder Andere für euch mit dabei ist: www.seelengarten-krokauer.de

Herzlich willkommen in deiner Zukunft, Lieblingsmensch.

Allen einen guten Start in eine vermutlich im Außen sehr verrückte Woche.

 

Steffen hat diesen Tempel fotografiert. Tausende von Butterlämpchen erhellen das Gebäude. Danke, dass du uns auf deine Reise mitnimmst! Und verstehen wir: jeder von uns ist so ein Licht. Gemeinsam sind wir eine Illumination des Universums. Krass.

Neues erschaffen

Fokussiere all deine Energie nicht auf das Bekämpfen des Alten, sondern auf das Erschaffen des Neuen.

 

Sokrates, 469 v. Chr.- 399 v. Chr.

 

Brücken sind Übergänge und faszinierend. Aurelia hat diese Brücke fotografiert. Lieben Dank!

Im Turbomixer des Lebens

„Keep calm and carry on“ – es war ein unbekanntes Poster, das 1939 von der britischen Regierung zur Stärkung der Menschen gedacht gewesen ist. Heute findet man „Keep calm“ in x Varianten und ich finde, wir können das gerade gut brauchen.

Jetzt haben wir endlich wieder volle Kurse und schon gilt es wieder, auf Online umzustellen. Und ich glaube, dass jetzt auch der Letzte verstanden hat, dass das ein Teil unserer Zukunft sein wird. Erfahrung mit Online Learning haben wir inzwischen genug. Schön, dass das dann immer Freitagnachmittag alles angekündigt wird, wenn die Menschen schon auf der Autobahn sind, um ihre Hotels zu erreichen, damit sie am nächsten Tag fit beim Kurs sitzen können. Nun gut, schauen wir, wie sich alles entwickelt.

Die letzten sechs Wochen hatten es in sich so gefühlt, nicht nur bei uns, aber eben auch. Vor exakt vier Wochen habe ich eine Woche lang meine Mutter begleitet, die in der Nacht auf Freitag verstorben ist. So etwas geschieht immer unerwartet, auch wenn Menschen lange krank sind. Eine Woche davor war ich beim Primaverakongress, um dort meinen Vortrag zu halten, in Gedanken permanent bei meiner Mutter, der es nicht gut ging, so sind wir auch nach dem Vortrag am nächsten Tag rasch heimgereist. Es ist viel zu organisieren und zu regeln bei einem Todesfall, dazwischen war die Abschlussprüfung bei Kneipp, wo ich lange überlegt und mit der Familie besprochen habe, ob wir hinfahren oder verschieben. Bestattung im Friedwald, Kurse, die Praxis ist mit Notfällen voll. Pendeln zwischen Vater und behindertem Bruder, der Arbeit hier und dem, was alles so im Außen ist.

Heute stundenlange Diskussionen, wie wir jetzt mit den startenden Kursen umgehen sollen. Klar war, dass einige Kursteilnehmer bereits im Auto saßen, als die Info kam, dass nun wieder neue verschärfte Konditionen gelten. Nachdem ich seit Stunden am Telefon, am Internet und sonstwo hänge, stelle ich fest, dass jetzt wieder Entscheidungen anstehen, die seit vielen Monaten vor sich hindümpeln zwischen „wie wird es“, „Präsenz ja oder nein“. Daneben testen wir gerade den endlich gelieferten Raumluftreiniger getreu dem Motto: „egal, was kommt, das Leben geht ja weiter“. Nicht immer tut es das, wie in den letzten Wochen sehr deutlich wurde. Dennoch haben wir heute doch neue Himbeerbüsche gepflanzt und noch eine einsame Quitte im Baum gefunden. Wäsche gewaschen, gekocht, gebügelt, geputzt, Gemüse geschnippelt, Salate gemacht und jetzt schreibe ich mein Seminar, das nächste Woche hoffentlich in Kitzingen an der VHS stattfinden kann.

Denn egal, was kommt – es wird eine Zukunft geben. Und ich bin sehr gewillt, sie mitzugestalten und Menschen zu begleiten, die Power dafür zu entwickeln. Das Leben ist nun mal ein Chaos und die Zeiten zeigen, dass wir uns wahrhaftig warm anziehen müssen, wenn wir seelisch irgendwie in der Mitte bleiben wollen. Das kann man trainieren. Übrigens – am besten im echten Leben. Und mal geht es gut und mal ist es halt ein Griff ins Klo, weil Leben nix für Weicheier ist. Mal ist es traurig, mal schön, mal sind wir kraftvoll und manchmal liegen wir da und hoffen, dass das vorüber geht, was uns so drückt und verzweifeln lässt. Es gibt immer einen Grund, um Bäume, Büsche und anderes zu pflanzen. Weil sich das Leben letztlich immer weiterentwickelt, durchsetzt und uns jeden Tag neue Chancen gibt. Bis zum letzten Tag und da haben wir dann auch Chancen – wer weiß, wie die aussehen.

Also – wer ist mit dabei bei den Onlinekursen?? Wir stellen wieder um, so dass nun mehr Menschen mitgehen können in den Ausbildungen. Zeigen wir der Zukunft, dass wir bereit für sie sind (mehr oder minder jedenfalls). Keep calm and carry on. Besser kann man es derzeit nicht ausdrücken.

Allen ein gutes Wochenende. Bleibt gesund und in eurer Mitte und – froh zu sein bedarf es wenig.

Ich fasse es nicht, dass das Foto gerade vier Wochen alt ist – beim Primavera Fachkongress gemacht. Es kommt mir vor, als lägen Monate dazwischen.

Unklare Situationen

Zu staunen gibt es derzeit genug. Vielleicht nicht so ganz im von Aquin’schen Sinne, auch wenn der tiefere Aspekt durchaus auf Wissen zielt. Wenn ich mir anschaue, welche Range an Themen, Sorgen und Nöten derzeit an einem einzigen Tag vor mir ausgebreitet wird, könnte ich schon kurzatmig werden, oder, wie es eine Kollegin gestern so schön formulierte: Die Einschläge kommen schneller, heftiger und gefährlicher. Einschläge von Leid waren damit gemeint und sie wollte sagen, dass derzeit in so gut wie allen Familien richtig viel Chaos herrscht. Ich denke, dass das eine Reaktion darauf ist, was uns im Außen gespiegelt wird.

Sehr viele Menschen trauern gerade um Angehörige, viele Senioren sterben derzeit an vielerlei Erkrankungen. Die Gesamtsituation macht es oft schwierig, dass Angehörige auf gute Weise Abschied nehmen können. Das hinterlässt tiefe Verletzungen in den Menschen, die Angehörige nicht sehen und in jenen, die in den Kliniken oder Heimen arbeiten und wenig Handlungsspielraum haben.

Nächste Woche wird es auch eine „Kinder“woche werden – erstaunlich viele Kinder kommen derzeit, die nicht mehr klarkommen in der Schule. Sie sitzen entweder abwesend im Unterricht oder reagieren mit Wutanfällen, Weinkrämpfen oder anderen Verhaltensweisen. Am Mittag ist kaum ein Kind auf der Straße zu sehen, das Rad fährt oder draußen etwas macht, alle sind im Haus –l das ist weder gut noch gesund, langfristig schon gar nicht. Ich kann nur hoffen, dass es gelingen kann, die Kinder wieder gut aufzustellen und die Eltern zu ermutigen. Erziehung in diesen Zeiten ist schwierig. Allen Respekt für Eltern. Wer merkt, dass innerhalb der Umgebung Familien zu sehr struggeln – Hilfe anbieten und wenn es nur das Übernehmen von Kochen oder Einkaufen ist.

Auch wenn viele Nerven blank liegen: atmen. Tief ein- und lange ausatmen, damit wir innerlich runterfahren. Panik ändert nichts. Kollektive Angst ist eine gewaltige Macht und schwächt jedes Immunsystem. Atmen. Ruhig bleiben. Immer wieder versuchen, in die innere Mitte zu kommen und genug zu schlafen, sich an der frischen Luft zu bewegen und gut zu essen. Keine Eskalationen, wenn es etwas zu klären gibt, sollten wir das in einem ruhigen Tonfall tun. Wenn die Nerven angegriffen sind, ist jeder empfindlicher als sonst, bedenken wir das. Freundlichkeit im innen und außen ist jetzt wichtig. Allen deshalb einen freundlichen Venustag.

Danke an Steffi für das Nebelfoto!

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