Author page: Christine Krokauer

Schön oder nützlich?

Man ist jung, so lange man sich für das Schöne begeistern kann und nicht zulässt, dass es vom Nützlichen erdrückt wird.

Jean Paul

Das Schöne in der Natur – heute mit einem wunderbaren Foto von Maike! Dankeschön und willkommen im Kreis der großartigen Fotografen hier auf der Seite.

Irgendwas ist immer

Gaius Plinius Secundus Maior ist vermutlich 23 oder 24 nach Christus in Como geboren und starb im Golf von Neapel im August 79, als er versuchte, während des Ausbruchs des Vesuvs Menschen zu retten. Er war ein Gelehrter, Offizier und Beamter und schuf ein umfangreiches Werk mit Beobachtungen zur Natur. Erstaunlich finde ich seine Haltung in dieser Zeit. Mit der römischen Besiedlung wurden viele Wälder gerodet, um Ackerbau und Viehzucht betreiben zu können, aus der einstigen Waldlandschaft Europas wurde die Kulturlandschaft. Viele Jahrhunderte gestalten am Antlitz der Erde mit und doch kaum je so intensiv wie in diesen Tagen.

Die Woche startet mit neuen Entwicklungen in Amerika. Da wir nicht dort leben, können wir uns sehr schwer ein Bild machen von den Verhältnissen dort und was das an Veränderungen mit sich bringt. Wir werden sehen.

Was viel wichtiger ist: Es bewegt sich immer etwas. Auch wenn uns die Pandemiesituation verfahren vorkommt und festgefressen in vielen Punkten, bewegt sich viel. Was lernen wir aus diesem Jahr? Dass Dinge komplex und vielschichtig sind. Dass die Welt von einem Tag auf den anderen eine vollkommen andere sein kann. Dass es nur zwei Sicherheiten gibt: Die Tatsache, dass alles, was lebt, stirbt und dass nichts bleibt, sondern sich alles permanent wandelt. In guten Tagen ist das unschön, in schlechten Tagen hoffungsvoll. Wir sehen, wenn wir denn hinschauen, dass wir uns mit Nebenkriegsschauplätzen jede Energie verpulvern, anstatt zu begreifen, dass Kommunikation der Zukunft bedeutet, die höchst unterschiedlichen Standpunkte diverser Menschen einfach stehen zu lassen, weil wir uns niemals mit manchen Dingen einverstanden erklären können, es aber für die Aufgaben des Planeten und der Menschheit an sich darauf ankommt, ÜBER diese Themen hinweg cokreativ Zukunft zu gestalten.

Wenn das die Lektion ist, die wir 2020 gelernt haben und nun auch den Wandel leben können, besteht in allem Hoffnung. Es braucht offene Herzen, wache Geister und liebevolle Hände!!

Allen einen wunderbaren Wochenstart!

 

Danke an Theresa für das entspannte Koalafoto!!

 

Was für ein Ende

Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all den künftigen Jahrhunderten noch finden? Bis wohin soll unsere Habgier noch vordringen?

Plinius der Ältere, 23–79

Ein wunderbares Stück Natur wurde der Obhut der Aboriginees zurückgegeben – Ayers Rock in Australien. Theresa hatte das Glück, dort noch wandern zu dürfen. Danke für dein Foto.

Gemeinsame Lösungen

Bewegung ist derzeit mehr als genug. Man könnte auch sagen: Wallung allenthalben. Schnell sind die Menschen derzeit auf 180 oder reagieren sehr empfindlich. Wie oft höre ich: Meine Nerven liegen blank. Es wird also höchste Eisenbahn, die Nerven wieder schön zu ummanteln, damit sie nicht dauernd Notfall funken müssen.

Die Welt ist so komplex, dass wir mit unserer bisherigen Einteilung in „gut“ und „schlecht“, „richtig“ und „falsch“, also schwarz oder weiß, nicht mehr durchkommen. Alles hat so viele Ebenen, dass manches eingeschätzt werden kann, anderes nicht. Im Klartext bedeutet das, dass wir mehr Informationen brauchen und mehr verschiedene Ansichten, damit wir uns eine eigene Ansicht bilden können im Wissen, dass wir sie vielleicht auch wieder verändern und anpassen müssen, wenn neue Erkenntnisse dazukommen. Am nächsten Tag ist man immer schon ein Stück schlauer.

Die Art der Informationsbeschaffung ist schwer, weil Wahrheit ein so kostbares Gut scheint, dass keiner mehr damit aufschlagen will. Schade. Fakten schenken Klarheit und wo Klarheit herrscht, kann das Schwarmwissen an Lösungen arbeiten. Unklarheit, Verwirrung und Schattenspielchen hingegen schüren Unmut, Rebellion, Widerstand. Oft entwickelt sich da Ungutes aus einer Angst heraus. Ein Tier, das man in eine Ecke drängt, beißt schneller zu. Viele von uns verhalten sich zur Zeit ein bisschen bissig oder im Tonfall unangemessen. Wir schlagen uns gern auf eine Seite und haben einen Standpunkt, ohne zu bedenken, dass das heute fast nicht mehr geht, wir brauchen eher eine Art Standfläche, die flexibel angepasst werden darf und muss. Damit wir mit so einer neuen Haltung klarkommen, brauchen wir Vertrauen. Vertrauen entsteht, weil wir etwas einschätzen können. Weil wir wissen, dass unser Gesprächspartner versucht, seine Meinung nach bestem Wissen und Gewissen darzutun. Weil unser Mitmensch empathisch und vor allem authentisch ist – dann vertraue ich. Dazu brauchen wir Werte und Tugenden. Ehrlichkeit, die Grundlage der Authentizität, ist so hochkostbar und so hilfreich. Je verwirrender die Zeiten, desto offener und ehrlicher, gradliniger und einladender sollte die Kommunikation sein, damit wir alle mit unserem verknüpften Wissen und unseren 80 Millionen Blickwinkeln in diesem Land gemeinsam Lösungen erarbeiten können, anstatt Schafherden von einer Ecke des eingezäunten Geländes zum anderen zu jagen.

Alle Menschen sollten daran interessiert sein, in Ruhe, Frieden, Freundlichkeit und Selbstverantwortung ein gutes Leben zu leben und dazu beizutragen, dass es der Gemeinschaft und dem Planeten gut geht. Das Problem liegt eher bei denen, die das nicht möchten, weil sie aus Angst sehr viel Profit machen können.

Deshalb ist jeder Einzelne in diesen Tagen aufgefordert, darüber nachzudenken: Wo bin ich authentisch? Wo raste ich aus und hau Meinungen raus, die vielleicht noch nicht final durchdacht sind? Wo brauche ich mehr Infos und wer kann sie mir geben? Verhalte ich mich selbst so, wie ich mir das von anderen wünsche? Was kann ich tun, damit ich mich so verhalte? Es beginnt immer bei MIR selbst. Meiner Art zu denken, zu sprechen, zu reden oder mich aufzubrezeln mit Agitation oder unwahren Thesen (die vielleicht nicht einmal absichtlich unwahr sind, sondern auf mangelnder Einsicht, Erkenntnis und Möglichkeiten des Faktenchecks beruhen).

Was ist zu tun? Werfen wir unser Wissen zusammen. Machen wir uns klar, dass alle Menschen sehr belastet sind aus ganz unterschiedlichen Gründen. Machen wir uns auch klar, dass wir Probleme nicht lösen, indem wir Angst füttern, sondern Vertrauen aufbauen. Alle helfen mit, wenn sie den Sinn von Maßnahmen und Handlungsempfehlungen nachvollziehen können. Wer einen anderen um Hilfe bittet, bekommt eher etwas, als wenn man ihm befiehlt. Gegnerschaften wird es immer geben. Auch unlautere, unehrliche und gemeine Menschen. Aber eine Menge aufgeschlossener Menschen mit dem Wunsch, gute Lösungen gemeinsam zu erarbeiten und umzusetzen, sind eine gewaltige Kraft. Und liebevolle Menschen heben die Welt aus den Angeln und überwinden gemeinsam jede Krise. Es geht nur miteinander. Alles andere ist Krieg und da hat noch niemals jemand wahrhaft gewonnen, sondern alle verloren. Holen wir uns die Menschenwürde, den Respekt und das Hinlauschen auf das, was andere sagen, wieder in unser Leben. Jetzt. Sofort. Gehe nicht über Los und ziehe nicht 4000 Euro ein, sondern fang bei dir an. Jeder zählt, denn jedes Menschenleben ist bedeutsam. Danke.

Allen ein schönes Wochenende!

Die Spirale ist das Zeichen des Lebens – der Entwicklung, wenn sie nach außen dreht und des Zurückkehrens zum Ursprung allen Seins, wenn sie nach innen dreht. In Verbindung steht sie für das gesamte Leben, das sich entfaltet, wächst und wieder eingeht in den großen Kreislauf. Danke an Gabi für das Foto.

In Balance

Das Leben ist wie Fahrrad fahren, um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.

Albert Einstein, 1879–1955

Die Steine in Balance hat Gabriele auf La Palma fotografiert (vor Jahren). Danke dir!

Was brauchst du gerade?

Lebe dem inneren Gesetz gemäß, nicht dem, was im Außen manche tun – Mark Aurel hat viele seiner Gedanken niedergeschrieben, obwohl er vermutlich nicht weniger zu tun hatte als Menschen heute. Er achtete jedoch auf einen Ausgleich zwischen otium und negotium, der Pflicht und dem Nichtstun, das er gern mit Nachdenken verbrachte.

Dem inneren Gesetz folgen – das ist nicht einfach. Am Morgen war ein Gespräch mit einer wunderbaren jungen Frau, die schon viel in die Welt gestellt hat, ein Sonnenscheinmensch, der nun studiert und Prüfungssorgen hat. Immer früher am Morgen steht sie auf, um fleißig zu lernen und sie hat sich alles versagt, was Freude macht. Der Tag beginnt am Schreibtisch und endet auch dort. Das, so haben wir heute festgestellt, entspricht nicht ihrem inneren Gesetz. Wer ein Nachtmensch ist und bestens lernen kann, wenn alles außen ruhig ist, sollte das tun, wenn es möglich ist. Wer frühs schon hellwach ist, sollte seine Hauptarbeit in diese Zeit legen. Pausen sind Nahrung fürs Gehirn, wenn wir nur reinstopfen, verwurstelt sich am Ende alles. Ein gutes Essen ist notwendig, denn wenn wir intensiv lernen und denken, brauchen wir sehr viel Energie. Wir werden krank, wenn wir lange gegen unseren inneren Rhythmus, ein Teil unseres inneren Gesetzes, agieren.

Gleiches gilt, wenn wir handeln müssen, obwohl wir nicht denken, dass das richtig ist in dem Moment. Wir tun dann Dinge, obwohl wir überzeugt sind, dass das nicht gut ist. Oft genug serviert uns das Leben postwendend die Quittung für unser Zuwiderhandeln.

Es ist oft klug, sich zuerst zu besinnen und zu spüren: was ist es, was jetzt gerade notwendig ist? Braucht es eine Pause? Braucht es Bewegung? Ein Mittagessen? Oder braucht es auch mal ein „jetzt ist genug geschludert, ich fange an!“

Nehmen wir unsere innere Stimme wieder wahr, bevor sie einmal sehr laut wird und uns mächtig Probleme bereiten kann. Achten wir auf Ausgleich von An- und Entspannung, von Über- und Unterforderung. Umgeben wir uns mit Menschen, die uns innerlich auch in diesen Fragen wachsen lassen und uns die Verantwortung an die Hand geben, unseren Rhythmus zu finden. Wer gegen die Rhythmen seiner Natur agiert, muss früher oder später die Rechnung dafür begleichen.

Allen einen freudvollen Venustag mit Herausforderungen, die anregen und Pausen, die runterfahren.

 

Das Kneippbecken ist toll, es ist in Oy-Mittelberg zu finden. Jeder sollte sowas Wunderbares in seiner Nähe haben. Das sind Pausen mit enormem Mehrwert für die Gesundheit.

Der Schlüssel zur Pforte

Für die von Proust beschriebene Situation gibt es den Begriff des Wu-Wei, oft übersetzt mit „Handeln durch Nichtstun“. Gemeint ist allerdings nicht, nichts zu tun. Gemeint ist, dass ich alles beigetragen habe, was mir zur Lösung eines Problems machbar und sinnig erschienen ist. Ich habe Fachleute zur Beratung hinzugezogen, das Schwarmwissen gebeten und mir den Kopf zerbrochen, vieles unternommen und ich bin an den Punkt: Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, keinen Plan und sehe keinerlei Weg aus dieser Situation. Dann lasse ich los. Übergebe es einer höheren Weisheit, weil meine nicht ausreicht. Das ist der Moment des vollkommenen Loslassens. Der absoluten Desillusionierung, der Enttäuschung im Sinne von „Ende der Täuschung, dass ich es lösen kann“. Ich lasse los. Ich merke, wie ich durchatme. Ich spüre, dass sich etwas verwandelt. Nicht ich atme, sondern es atmet mich. Ich schlafe eine Nacht darüber.

Das ist oft der Punkt, an dem sich das Blatt wenden kann. An dem Veränderung initiiert wird und Neues entstehen darf. Erst dann. Es hat die Erfahrung gebraucht, dass ich alles gegeben habe und es hat nicht gereicht. Dann MUSS ich ins Vertrauen gehen, kann ich losgehen und hoffen, dass irgendetwas meine Schritte lenkt. Da bemerke ich das Tor, von dem Proust spricht. Erst jetzt kann ich es sehen, erkennen, das Tor öffnen und durchgehen.

Wir erkennen in diesen Wochen: es gibt keine Daseinssicherung. Keine Lösung, die für alle gut ist. Kein Wunder. Also geben wir unser Bestes, was uns jeden Tag möglich ist, machen, was in unserer Macht steht, und alles andere lassen wir los. Jenseits der Wertungen, jenseits der Hoffnungen und ihrer Enttäuschungen, jenseits dessen, was wir gern gut oder schlecht nennen, ohne zu bemerken, dass die meisten Dinge und Themen viel komplexer sind als wir erkennen, ist ein Garten, wie Rumi schreibt. Dort treffen wir uns. DAS ist das Feld der Möglichkeiten, das wir erst dann betreten können, wenn wir uns unserer Begrenzungen bewusst geworden sind UND sie angenommen, akzeptiert, zugelassen haben. DAS erst ist der Schlüssel zu dieser Pforte.

Wir haben es in diesen Tagen sehr nötig, unser Bestes zu geben UND ins Vertrauen zu kommen, dass nicht nur wir Lösungen finden müssen, sondern das Feld sich dann zeigt, wenn wir aufhören zu erwarten, zu werten, zu wollen und uns gegenseitig zu zerstören. Erst dann sehen wir die Pforte, durch die dann hindurchzugehen sein wird.

Allen einen Tag voller Vertrauen. Voller Momente, in denen wir die vielen kleinen wunderbaren Momente des Alltags erkennen und als Seelennahrung mitnehmen dürfen. Wo kannst du heute deinem Mitmenschen ein Zeichen der Freude, der Wertschätzung schenken in diesen Zeiten? Jedes Lächeln erhellt die Welt und wärmt das Herz. Das eigene und das der anderen.

 

Wasser – faszinierend, wie es über Felsgestein perlt mitten im Wald. Sina hat das für uns im Bild festgehalten. Danke!

Wenn alles verloren scheint

In dem Augenblick aber, wo uns alles verloren scheint, erreicht uns zuweilen die Stimme, die uns retten kann; man hat an alle Pforten geklopft, die auf gar nichts führen, vor der einzigen aber, durch die man eintreten kann, und die man vergeblich hundert Jahre lang hätte suchen können, steht man, ohne es zu wissen, und sie tut sich auf.

Marcel Proust

Sina hat dieses spannende Felsentor im Schwarzwald beim Wandern entdeckt. Danke fürs Teilen!

Wider Angst und Panikmacherei

Während die Welt die bisherigen Gleise verlässt, geht in manchem das ganz normale Leben einfach weiter, sprich: das Obst reift und möchte eingemacht werden. Die Quitten sind oft so mit das Letzte im Jahr, was wir einmachen und wir freuen uns, dass unser Quittenbaum seit zwei Jahren endlich trägt. Es ist ein Birnenquittenbaum, unsere Apfelquitte ist noch ein Baby. Es braucht viele Jahre, bis man wahrhaft gute Ernten hat und so war es in diesem Jahr mit dem Apfelbaum, der über und über herrlichste beste Äpfel hatte. Nun haben wir heute den letzten frisch vom Baum zum Frühstück ins Müsli geschnippelt, die Ernte ist verarbeitet. Viele, viele Gläser getrocknete Apfelringe füllen den Vorrat. Wer weiß, was kommt und wozu man alles brauchen wird.

Es herrscht eine seltsame Stimmung seit den Anschlägen in Wien. Während Corona den Lockdown erzwingt, wird klar, dass das auch ausgenutzt werden kann, um irgendwelche anderen Interessen zu verfolgen. Wir haben es nicht mit einer singulären Bedrohung zu tun. Gleich die ersten Klienten heute sagten mir, wie sehr sie das belastet und dass das ihren Angstfaktor massiv hochtreibt. Und sie formulierten ihre Sorge, dass wir vielleicht genug Notfallbetten haben, aber eben nicht mehr genug ausgebildete Ärzte und Schwestern, die die gesamten Notfalleinheiten auch bedienen können, weil sie selbst erkrankt sind. Das ist ein ernsthafter Faktor.

Für die meisten Menschen war der Frühjahrslockdown machbar, wie oft habe ich gehört, wie gut der Stillstand war (für uns sah das sehr anders aus). Jetzt kommt Corona immer näher, hat das Thema Quarantäne oder Infektion die einzelnen Familien erreicht, wird die Sorge greifbarer. Noch ist das Wetter mild, ich bin gespannt, wie die Stimmung wird, wenn es umschlägt und der November zum üblichen November wird.

Es gibt keinen Grund zur Panik. Es macht Sinn, sein Immunsystem gut aufzustellen. Sich an der frischen Luft so oft es geht zu bewegen. Sich immer wieder Dinge vor Augen zu halten, die Freude bereiten. Mehr Abstinenz zu Medien. Weniger Hetzparolen anhören und mehr Musik von Johann Sebastian Bach. Bunte Blätter sammeln ist jetzt hilfreicher und Kastanien zum Basteln als das Sammeln von Betroffenheitsberichten in Klatschblättern. Menschen mit empfindsamen Seelen sollten jetzt Farbe, Sonne, Licht und Freude tanken, genug Teevorräte anlegen und sich eine weiche Wolldecke aus Rhönschafwolle zulegen, damit Geborgenheit spürbar wird.

Wichtig ist, den Raum zwischen den Ohren angstfrei zu halten. Bleiben wir aufmerksam auf das, was geschieht, aber nicht im Sinne einer Schockstarre und Dauerabruferei von schlechten Nachrichten. Achtsamkeit hilft, richten wir stets den Fokus auf das, was gut ist. Genug trinken, jede Menge Obst und Gemüse auf dem Teller haben und tanzen, tanzen, singen und tief atmen. Ausreichend schlafen. DAS ist das Survivalkit dieser Tage. Und vor allem Kopf frei von Panikmachern und Chaoten.

Allen einen beweglichen Merkurtag voller Momente des Staunens und Freuens.

Lob der Quitte

In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit.

Marie von Ebner-Eschenbach, 1830–1916

Dankbar bin ich heute für meine herrlichen Quitten, die gemütlich im Entsafter zu herrlichster Köstlichkeit einkochen. Freude habe ich am Quittenbaum von der Blüte bis zur Ernte. So schön!

Von Rechten und Pflichten

Der Sturm pfeift mächtig ums Haus und lässt die Balken knarzen. Der November fegt mit Schwung herein nach dem Blue moon am Wochendende. Einige Menschen klagten am Wochenende über Müdigkeit, Erschöpfung und Kopfschmerzen. Es ist vieles in Bewegung, wir sind ganz schön „durch den Wind“.

Beecher, dessen Schwester Harriet das berühmte Buch „Onkel Toms Hütte schrieb“, trat sein Leben lang gegen Sklaverei und die Unterdrückung von Frauen ein. Eine seiner berühmtesten Aussagen lautet: „Wahrheiten sind erst Wolken, dann Regen, dann Ernte und dann Nahrung“. Sein Spruch „Eine Seele ohne Phantasie ist wie eine Sternwarte ohne Teleskop“ fiel mir ein, als ich Christophs Photo des Hamburger Planetariums sah. Schade, dass man sie derzeit nicht besuchen kann, die Planetarien. Wie aufregend ist es, im Sessel zu sitzen und zu glauben, man sei mitten im Weltall. Was für ein Abenteuer ist das. Das gibt einem zumindest homöopathisch eine Vorstellung davon, wie sich Weltraumfahrer fühlen, wenn sie die Erde aus dem All sehen und den Mond. Unsere blaue Murmel in der unfassbaren Weite, in der Dinge existieren, die wir uns nicht mal ansatzweise vorstellen können.

Der Weltraum ist so geheimnisvoll wie die Tiefsee und der Regenwald. Es wäre klüger gewesen, die Geheimnisse des Regenwalds erst zu erforschen, bevor er abgeholzt wird. Ich fürchte, wir haben damit die Apotheke der Zukunft mit zerstört. Wie nach dem Brand der Bibliothek von Alexandria ist damit unfassbar viel Wissen verloren gegangen. Dort gibt es Pflanzen und Tiere, die eventuell Heilmittel gegen Leiden der Zukunft gewesen wären. Nun, wir heutigen Menschen glauben, das Recht zu haben, uns zu nehmen, was wir wollen. Dass wir keine derartigen Rechte haben, sehen wir derzeit wohl immer stärker ein. Jetzt ist wohl eher die Zeit der Pflichten gekommen.

– Der Pflicht, achtsam und aufmerksam zu sein, nicht im Sinne von „überwache deinen Nachbarn“, sondern: achte auf das, was du selbst tust.

– Der Pflicht, einander wahrzunehmen und zu erkennen, wann jemand Hilfe braucht.

– Der Pflicht, sorgsam mit allem umzugehen, was wir haben.

– Der Pflicht, nicht gierig egozentrisch zu horten, sondern darauf zu vertrauen, dass wir ausreichend Dinge haben, die zum Leben nötig sind. Erstaunlich wenig Dinge sind wirklich nötig übrigens.

– Der Pflicht, wach zu sein und hinzuschauen, was wo wie welche Wege geht. Wir sind keine Schafherde, sondern Menschen. Versuchen wir uns zu informieren und Rat einzuholen, wenn das nötig ist.

– Der Pflicht der Regierungen, ihre Bürger umfassend darüber in Kenntnis zu setzen, was Sache ist. Wer offen kommuniziert, kann aufl mehr Zusammenhalt hoffen. Ich denke, wenn wir verstehen, wie die Faktenlage ist und was das auf allen Ebenen bedeutet, werden Menschen auf andere Weise daran mitarbeiten, dass alle gesund bleiben. Widerstand wächst bei Unklarheit und fehlender Information. Dann stirbt das Vertrauen und das wäre das Wichtigste, ohne Vertrauen keine Compliance, was die Befolgung von Maßnahmen betrifft.

– Der Pflicht aller Verantwortungsträger (= aller!), das Angstschüren zu beenden und einander zu erlauben, vertrauenswürdig zu sein. Vorbilder sind wichtig.

– Der Pflicht, sich selbst gut aufzustellen, für Freude und Freundlichkeit im eigenen und dem Leben der anderen mit zu sorgen.

– Halten wir die Herzen und Hände offen und stellen uns hinter die Angstlinie. Beyond fear. Da finden wir den inneren Frieden, den Mittelpunkt, den wir brauchen, den Anker, um nicht wegzudriften in Gewässer, die uns nicht gut tun.

Allen die aktive Kraft des Marstages!

 

Morgenversammlung der Krähen, festgehalten von Manuela. Danke!

Magic Zone

„Im traurigen Monat November wars“, so beginnt Heinrich Heines Werk „Deutschland, ein Wintermärchen“. Darin schildert er eine Reise in das Heimatland und die Konfrontation mit dem, was ihn an seinem Land nicht gefällt.

Der November wird bei Heine traurig genannt, oft höre ich „grau in grau“ und anderes. Vielen fällt der November schwer und ich fürchte, durch die Situation in diesem Jahr wird das noch mehr erschwert. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns nicht beirren lassen auf unserem Lebensweg.

Wir erleben in diesem Jahr etwas, das wichtig ist: Wir sind gezwungen, aus der Komfortzone herauszutreten, wir können nicht drin bleiben und alles ignorieren. Ob wir wollen oder nicht müssen wir jetzt Flexibilität zeigen, üben, uns an neue Gegebenheiten anzupassen. In jedes einzelne Leben hinein ergreift uns der Wandlungsprozess. In der Komfortzone gibt es keine Entwicklung und wie saturiert wir in vielen Dingen sind, erleben wir nun gut gespiegelt.

Die magic zone, das Abenteuerland, beginnt weit (weit!) hinter der Komfortzone. Die Zeiten bringen uns zum Nachdenken, zum Verändern, zum Andersdenken. Es ist die Zeit der nüchternen Bilanzen: Was trägt, was bleibt, was muss gehen, was ist nicht zukunftsorientiert, würdevoll, menschenliebend und verantwortungsbewusst? Es ist die Zeit, in der wir unsere A-B-C-Schemata verlassen. Aus A folgt nicht mehr B und C. Die Probleme unserer Zeit sind nicht einfach lösbar. Da gibt es kein richtig oder falsch, denn ein gefühltes Richtig kann falsch sein, weil x andere Gesichtspunkte nicht auf dem Schirm waren. Deshalb kann ein einzelner Mensch heute die Komplexität von Prozessen oft nicht mehr wahrhaft abschätzen und entscheiden, es braucht Teamarbeit, Austausch, Miteinander, Kommunikation. Es geht nicht mehr um „wenn …. xy erfüllt ist, dann reden wir miteinander …“, sondern um die Überwindung der zahllosen Gegensätze zwischen Menschen zugunsten der größeren Sache.

Zukunft braucht gestellte Weichen. Wir sind die derzeit lebenden Menschen auf dem Planeten. Also ist es unsere Aufgabe, alles dafür zu geben, dass die blaue Murmel im Orbit weiterhin ein Ort des Staunens, der Wunder, der Liebe und der Gemeinschaft sind und werden.

Heine endet übrigens versöhnlich: „Das alte Geschlecht der Heuchelei wird verschwinden, denn schon knospet die Jugend, welche versteht / Des Dichters Stolz und Güte, / Und sich an seinem Herzen wärmt, / An seinem Sonnengemüte.“

 

Bleib gesund und komm gut in die neue Woche. Was wird diese Woche DEIN Schritt aus der Komfortzone sein und dein Beitrag für eine gelingende Zukunft? Danke dafür. Danke für dein Sein. Jeder Einzelne zählt. DU bist wichtig.

Alles ist miteinander verbunden. Sehr gut kann man das am Räderwerk der großen Uhr im Hamburger Michel erkennen. Machen wir uns bewusst, dass wir als Menschen ebenfalls mit allem, was lebt, verbunden sind. Wenn auch nur ein Sandkorn klemmt, geht nichts mehr.

Deutschland, ein Wintermärchen

Im traurigen Monat November wars,

Die Tage wurden trüber,

Der Wind riss von den Bäumen das Laub,

Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,

Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen

In meiner Brust, ich glaube sogar

Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,

Da ward mir seltsam zu Mute;

Ich meinte nicht anders, als ob das Herz

Recht angenehm verblute.

Heinrich Heine: Deutschland, ein Wintermärchen

Christoph ist beruflich nach Hamburg gereist und hat den Michel fotografiert.