Author page: Christine Krokauer

Frohlockt!

Erfüllt den Ostertag alle mit Jubel:

Den Weg des Lebens

hat Christus uns aufgetan.

Meer, Länder, Sterne, frohlockt!

Himmlische Chöre, stimmt ein!

Aller Geschöpfe Lobgesang

schwinge empor sich zu Gott.

Notker III. Labeo, Klosterschule Sankt Gallen, 950–1022

Frohlocken kann man durchaus bei dieser unglaublichen Blütenpracht im Würzburger Hofgarten. Danke an Annemarie für das tolle Foto.

Was wirst du zu Grabe tragen?

Ein stiller Tag im Jahr, Karfreitag. Als ich Kind war, hieß es, „die Glocken sind nach Rom geflogen, deshalb läuten sie nicht“. Hier in Rottenbauer gab es in Vorpandemiezeiten die Ratschenkinder, die durch die Straßen gingen und die Zeit damit verkündet haben.

Ich würde mir wünschen, dass wir in diesen durchaus bedeutsamen Tagen im Jahr auch etwas zu Grabe tragen: Unter anderem unsere gesellschaftliche Spaltung, die wir bemerken können und müssen. Unsere mangelhafte Kommunikation. Unser Vertrauensproblem, das wir derzeit an vielen Stellen entdecken können, denn wie kann Vertrauen entstehen, wenn keine Offenheit da ist? Unsere Angst dürfen wir zu Grabe tragen, unser Abgesang an eine gute Zukunft und unsere Projektionen, die in letzter Zeit gravierend überhandnehmen.

Der Schlüssel ist die Wiederauferstehung von Hoffnung und Freude. Von Wahrhaftigkeit. Menschen tragen vieles gemeinsam und zwar hoch erfolgreich und stärkend, wie wir aus vielen Beispielen von Katastrophen sehr wohl wissen –  wenn sie informiert sind. Es ist nicht schlimm, wenn wir zugeben müssen, etwas wirklich noch nicht zu wissen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Es ist nicht schlimm, die Wahrheit zu sagen, aber katastrophal, sie nicht zu sagen.

Gehen wir durchaus in den nächsten Tagen in uns und überlegen uns, was jetzt nicht mit hinübergenommen werden soll in den weiteren Jahreslauf. Glaube, Hoffnung und Liebe sind wesentlich. Angst, Panikmacherei und Spaltung sind krankmachend auf Dauer und wir haben eine gut lange Zeit hinter uns mit diesen Themen. Beenden wir das.

Bitten wir um Ehrlichkeit, um Wahrhaftigkeit und um einen Neuanfang an Ernsthaftigkeit, Bemühen und Aufruf an alle, miteinander gute Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten. Wir sehen seit einem Jahr „stets bemüht“ und Trennung. Der Zwist geht selbst durch Familien, trennt Freunde – das darf nicht geschehen. Nehmen wir das zurück und bewegen wir uns wieder aufeinander zu. Die Schwarmintelligenz ist in der Lage, im gemeinsamen Überlegen und Handeln gute Wege zu generieren. Was wir gerade machen, ist das Gegenteil davon. Lassen wir die Ostertage zu einer Erneuerung in vielem werden.

Allen einen stillen und deshalb vielleicht erkenntnisreichen Freitag.

Vom Leben und Sterben

Die Woche vor Feiertagen kann es sehr in sich haben. Es war Helfertag, was bedeutet – Betten abziehen, Bad putzen, Essen machen, Arzttermine, Einkäufe, alles erledigen, was Senioren ohne Auto nicht mehr machen können und sollen. Das alles ist nicht mal schnell nebenbei gemacht. Da ich mir nach wie vor Hermine Grangers Zeitumkehrer dringend wünsche, fehlt fix viel Zeit, was am Monatsende, wenn Newsletter geschrieben sein wollen, Rechnungen raus müssen und die Klienten vor den Feiertagen versorgt sein mögen nicht einfach ist. Bügeln großer Teile ist für Senioren mit kaputten Armen, Schultern und Karpaltunnensydromen nicht mehr machbar und so stapelt sich hier einiges. Mal sehen, ob es heute noch für den Newsletter reicht, sonst wird er morgen kommen. Bitte um Geduld, denn dafür brauche ich Muße.

Auf der anderen Seite stelle ich es mir enorm schwer vor. Menschen, die selbstständig waren, Geschäfte geleitet haben, erfolgreich waren, stolze, starke und unabhängige Persönlichkeiten, die jetzt Fahrdienste brauchen, einen Übersetzer beim Arzt nötig haben und erleben müssen, dass ihre Freiheiten Stück für Stück massiv beschnitten werden. Auch bemerken zu müssen, wie Partner sich im Alter nochmal sehr stark verändern können, ist schwierig. Die Prozesse sind schleichend, oft bemerken die Menschen, die miteinander leben, das nicht wirklich, aber wenn ich quasi von außen dazukomme, fallen mir Veränderungen auf. Dazwischen mein behinderter Bruder, der heute Freude an gebratenen Semmelknödeln hatte (wenn schon, denn schon, das machen sich Senioren nicht mehr selbst) und am Quark mit Obst zwischen Pflegedienst, Verweigerungen (geistig behinderte Menschen sind nicht immer leicht im Handling, vor allem bei begleitendem Autismus, aber wer mag auch schon gern dreimal am Tag einen Katheter bekommen) und einem lieben Ostergeschenk (was selbstverständlich aus lauter Süßkram bestand, was bei einem Diabetiker …). Ich brauche viel Gelassenheit und es ist vermutlich ein sehr intensiver wechselseitiger Lernprozess.

Wenn am Gründonnerstag Fußwaschung ist, haben das meine Eltern mit meinem Bruder täglich. Aufgrund seines offenen Beines kann er nicht mehr geduscht werden und so muss er jeden Tag sauber gewaschen werden. Das ist ein krasser Aufwand, wenn man selbst 85 Jahre alt ist und weder die Hände bewegen noch die Arme heben kann. Insofern verstehe ich diesbezügliche Klagen einerseits und andererseits denke ich: jo! Ruhe! Es ändert ja nix! Ich frage mich jedes Mal – wie geht würdevolles Altern? Gibt es das überhaupt? Es nahen schwere Tage, denn an einem Karfreitag vor 59 Jahren ist mein ältester Bruder als sehr junges Baby verstorben. Auch solche Dinge schwingen in der Karwoche bei uns immer mit. Wie heißt es in einem Lied so schön: „Darum ist mir der Winter einfach lieber.“ Dieses Jahr sehe ich das sehr bewusst unter dem Aspekt des Pflegens und Helfens und der Frage – was muss immer wieder im Leben sterben und was auferstehen?

Allen einen guten Jupitertag, der nun doch kein Ruhetag geworden ist.

 

Annemarie hat im Residenzgarten vor einigen Jahren fotografiert, lieben Dank für dein Bild!

Sonnenstrahlen

Ein Strahl Sonne kann mehr wecken als tausend Nächte zu ersticken vermögen.

Carl Ludwig Schleich, 1859–1922

Danke an Annemarie für das Tulpenfoto aus dem Residenzgarten.

Bist du am oder im Leben?

Als ich Steffis Wolkenfoto sah mit der Scherenschnitt-Baumreihe im Vordergrund, erinnerte ich mich an viele Scherenschnitte, dich ich als Kind in einer Rothenburger Galerie bestaunte. Feinste Details waren dort zu sehen und ich fragte mich, wie man das bewerkstelligen kann. Scherenschnitte begeistern mich noch immer wegen ihrer oft so filigranen Technik und Zartheit. Eine Reihe Balletttänzer als Scherenschnitte stehen mir noch vor Augen ebenso wie zahlreiche Blumenbilder – allesamt Meisterwerke und ein wunderbarer Versuch, die Natur nachzubilden. Scherenschnitte sind spannend, weil sie häufig aus schwarzem Papier waren und daher stets einen starken Kontrast darstellten.

Das fiel mir alles wieder ein, als mir gestern ein Klient in der Praxis sagte, er fühle sich wie aus- und abgeschnitten vor einer Folie, die sein Leben sei und er habe nicht das Gefühl, er wäre IN seinem Leben, sondern gefühlt wie ein Schauspieler auf einer Bühne, im Hintergrund der Film seines Lebens und im Vordergrund er als eine Art Pappfigur, die das Schicksal hin und her schiebt, ohne dass er selbst noch großen Einfluss auf die Aktionen habe.

Das ist spannend, denn das höre ich in diesen Tagen – mit jeweils typischen Bildern – in vergleichbarer Weise. Die Welt erblüht, die Sonne scheint, die Menschen backen Hasen, schieben ihre Mülltonne vor die Tür, putzen Fenster und bringen ihre Gärten auf Hochglanz UND schildern, dass das irgendwie automatisch sei, nicht mehr „echt“.

Angesprochen hier sind wesentliche Begriffe, die wir aus der Salutogenese kennen – Machbarkeit, Sinn, Kohärenz und Verstehbarkeit, wie es Aron Antonovsky benannte. Wir haben im Augenblick oft zu wenig Zugriff auf Verständnis, was an mangelhafter Kommunikation auf allen Ebenen liegt. Wer Geschehnisse nicht verstehen und damit auch nicht einordnen kann, fühlt sich hilflos, das Gegenteil von Machbarkeit, was besagt, dass wir handlungsfähig sind und Ideen zur Lösung entwickeln können. Am Sinn zweifeln derzeit viele, dabei liegt er vor unseren Augen: nach wie vor ist da ein Planet zu retten und gilt es, sich selbst gut ins Leben zu stellen und es zu gestalten, das ist ausreichend Sinn, den wir auch darin finden können, unser Leben in den Dienst anderer/der Welt zu stellen und somit sinnstiftend wirken können. Kohärenz entsteht, wenn wir so etwas wie einen roten Faden in unserem Dasein entwickeln können. Wesentlich empfinde ich zudem den Aspekt der Authentizität, dann wird für mich die Sache rund.

Nehmen wir diese Gedanken einfach mit in diesen Wochenteilungstag und stellen diese Fragen:

  • Welchen Sinn finde ich in meinem Dasein?
  • Wie kann ich die Welt verstehen lernen?
  • Was ist der für mich machbare nächste Schritt auf meinem Lebensweg?
  • Finde ich meinen roten Faden, mein Ikigai, den Grund, morgens aufzustehen, immer wieder neu in meinem Leben?
  • Bin ich, wer ich bin oder stelle ich einen Scherenschnitt vor das Panorama der Welt? Weshalb? Traue ich mir künftig zu, im Leben statt am Leben zu sein und mich ins Leben mit allem hineinzuwerfen?

Allen einen bewegten und beweglichen Merkurtag.

 

Danke an Steffi für das Foto!

Worauf wartest du?

Das Wochenende stand im Zeichen der angehenden Cardeatherapeuten. Nachdem wir am Freitag bei den Heilpraktikeranwärtern den Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie abgeschlossen hatten, wollten wir bei Cardea unser Wochenende für intensives Üben nutzen. Theorie können wir notfalls online machen, praktisches Üben ist eine andere Herausforderung. Es gab eine wunderbare Arbeit, ein sehr tiefgreifendes Thema. Wir haben entschieden, dass jeder drankommt als angehender Therapeut und schauen kann, wie er die Arbeit aufbauen würde. Jeder ist es auf seine eigene Art und Weise angegangen. Super hilfreich war das Feedback der Mitübenden und der Klientin, die so jede Menge Perspektiven bekommen hat.

Solche Tage zeigen auf, dass es viele Wege und Möglichkeiten gibt, an etwas heranzugehen. Das Entscheidende ist nicht die angewandte Technik. Das Entscheidende ist, ob es gelingt, absolut wach, präsent und wahrhaftig dem Klienten gegenüber zu sitzen und für ihn einen geschützten Raum zu öffnen und zu halten. Wenn wir arbeiten, ist es irrelevant, was wir denken, meinen oder welche Ideen wir haben, es geht um unseren Gesprächspartner, der in einer für ihn schwierigen Situation feststeckt, und um seine Möglichkeiten, das Thema anders zu betrachten und daraus neue Erkenntnisse über sein Vorgehen zu gewinnen.

In aller Regel geht es um Respekt, Wertschätzung, um Verletzungen, die oft auf Missverständnissen basieren, auf Unklarheiten, weil wir uns selten darüber austauschen, was wir unter bestimmten Dingen verstehen. Begriffe wie „Liebe“, „Treue“, „Ehrlichkeit“ und vieles anderes mehr können sehr verschieden ausgelegt werden. Und wenn es zum Konflikt kommt, zeigt sich, dass es kaum einen Austausch über die Definition gab.

In unserem Fall war es eine fehlende Perspektive. Wenn ein Paar Eltern wird, bleibt nichts mehr, wie es war. War jahrelang vielleicht ein Ziel, endlich ein Kind zu bekommen und das Kind ist geboren und es zeigt sich, dass das alles ein wenig anders ist als gewünscht, braucht das Paar nicht nur eine Anerkennung, dass es wesentlich herausfordernder und anstrengender sein kann als gedacht und sie es auf ihre Weise gut machen, sondern langfristig auch wieder eine neue gemeinsame Vision und in diesem Fall auch kleine, machbare Freiräume für sich selbst, um sich zu erholen, denn neue Stelle, Umzug, ein 13 Monate altes aufgewecktes und sehr wenig Schlaf brauchendes Kind können durchaus ein bisschen viel auf einmal sein.

Wir warten oft sehr lange, bis wir uns eingestehen, dass nichts mehr geht. Gerade diese Zeit ist so, dass viele Menschen am Limit sind, Angst haben, Zukunft nicht wirklich ergreifen können oder sich eher ausgeliefert fühlen denn als agierende gestaltende Menschen, die einen tiefen Sinn im Dasein entdeckt haben.

Wie wäre es, die Zeit zu nutzen, sich gut aufzustellen? Einen Termin in der Praxis zu vereinbaren, um aus dem Hamsterrad herauszutreten und die Optionen zu erkennen, die das Leben bietet? Wie lange soll es weitergehen mit „ich schau nicht hin, dann wird es sicher wieder“? Worauf wartest du?

Nutzen wir die Energie des Marstags, um unser Leben wieder auf einen guten Weg zu bringen. Herzlich willkommen im SeelenGarten & LebensRaum. Und wer nicht gleich in die 1:1-Ebene mag – es gibt bei uns Seminare, die dazu beitragen, Impulse ins Leben zu holen, schau einfach mal auf der Homepage.

Allen einen tatkräftigen Marstag!

 

Auch dieses unglaublich schöne Foto hat Sigrid gemacht, was mich riesig freut. Danke dir!

Die Freiheit des Menschen

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Jean Jacques Rousseau, 1712–1778

Sigrid hat dieses zauberhafte Foto gemacht, Danke dafür!

Wozu wirst du diese Woche nutzen?

Karwoche – für viele Schulkinder und ihre Eltern mal wieder Ferien. Eine echte Herausforderung.

Die Zeitumstellung empfinde ich symbolhaft. Auf welche Zeit wollen wir uns umstellen? Geht es um eine Stunde vor oder geht es jetzt nach einem Jahr Pandemie nicht längst um etwas anderes, nämlich die Erkenntnis, dass wir in vielen Punkten ein Jahr Chancen versäumt haben? Ein Jahr, in dem viele in die Angst abgetaucht sind. In Sorge um die Zukunft. In berechtigte Sorgen, weil es inzwischen bei vielen Betrieben mehr nicht mehr nur noch um die Existenz als Geschäftsfrau oder Geschäftsmann geht, sondern um riesige Insolvenzen ohne Perspektive, denn wer sich jahrelang z.B. als Yogalehrer ausbildet hat, sein Studio aufgebaut und jetzt nicht durch Onlinekurse überleben kann, findet nicht eben über Nacht einen Job, der die Familie finanziert. Diese Themen werden eher noch zunehmen und bedeuten eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Es geht um das gesamte Erdsystem. Ausbeutung, Klimawandel, Krieg um Wasser, wirkliche Kriege, Konflikte – wir sind ein Pulverfass. Durch die Vernetzung befindet sich die gesamte Welt im Zustand des Wertens. Wir wissen sicher, was richtig und was falsch ist, wir sind schließlich den ganzen Tag über fair recherchierte und objektive Nachrichten voll im BILD. Deshalb ergehen wir uns in Meinungen und Populismus, weil aus unserem A) logischerweise ein klares B) erfolgen muss. Ich bin gespannt, wann wir nach der Lichtgestalt rufen, die uns rettet. (Natürlich nur die Auserwählten.)

Es wird Zeit, die Bremse solchen Dingen gegenüber zu betätigen und sich bewusst zu werden, was die Fragen dieser Zeit sind. Wir brauchen Vorschläge, kein Jammern. Wir brauchen Lösungen, keine weiteren Monate der Problemhypnose. Wir brauchen kreative, kluge Menschen, die gestalten wollen. Was sehen wir? Müde, mutlose, ausgelaugte Geschöpfe, netflixorientiert, homeofficegenervt, beziehungsgestört, weil nichts mehr funktioniert in der Welt des Aufeinanderhockens und Erkennens, dass man sich seit Jahren nix zu sagen hat, das aber nicht bemerkt hat, Ablenkungen waren ja stets geboten. Die Pandemie ist der Brandbeschleuniger der Erkenntnis, was alles seit Jahren nur noch deshalb funktioniert, weil wir uns abgelenkt und nie genau hingeschaut haben. In so gut wie allen Bereichen übrigens.

WOZU wirst du diese Zeitumstellung nutzen, für dich selbst und die Welt? Wo kannst du gute Vorschläge bieten, lösungsorientierte Fragen stellen und dein Bestes geben? Oder bleibt es bei einem weiteren Jahr des Jammerns, Klagens und Bewertens und Vergleichens? You decide.

Starten wir gut in die Karwoche, die uns in vielerlei Hinsicht Grund zum Nachdenken schenkt. Welche Bedeutung wirst du dieser Woche geben?

Allen einen freundlichen Mondentag.

Theresa hat dieses Foto in Hannover gemacht – ist das nicht ein Traum? „Frühling lässt sein blaues Band“ ist hier wirklich „übersetzt“ worden.

Weit entfernte Horizontlinien

In der Wildnis finde ich etwas Wertvolleres und Verwandteres als auf den Straßen und in den Dörfern. In der ruhigen Landschaft, und besonders in der weit entfernten Linie am Horizont, erblickt der Mensch etwas, das so schön ist wie seine eigene Natur.

Ralph Waldo Emerson, 1803–1882

Danke an Theresa für das Wochenanfangsbild! Zwar keine reine Natur, aber gestaltete Natur hat auch ihren Reiz.

Freundlichkeit hilft

Ein schönes Zitat von Charles Dickens, finde ich. Einen anderen die Bürde leichter machen ist etwas, was jeder kann. Wir haben alle Menschen im Umfeld, die gerade schwere Lasten tragen, unterschiedlichster Art. Die einen sind krank, die anderen brauchen Kinderbetreuung, die nächsten können nicht einkaufen, jemand muss dringend mal mit einem Menschen sprechen – nehmen wir das wahr und schauen wir, wo wir andere unterstützen können. So mancher steckt schon in mehr als einer reinen Krise drin in diesen Tagen und jemand von außen kann dann schneller sehen, ob das noch „alleine bewältigbar“ ist oder professioneller Hilfe bedarf. Es fällt vielen ja sehr schwer, Hilfe anzunehmen – das muss es nicht. JEDER von uns bedarf immer wieder der Hilfe eines anderen.

Wie wäre es, dieses Wochenende unter dem Aspekt der Freundlichkeit zu leben? Freundlichkeit im Außen und Freundlichkeit sich selbst gegenüber. Letzteres ist sehr unterschätzt und Mitauslöser für viele Störungen bis hin zur Depression. Wir meckern und nölen uns den ganzen Tag lang an, kritisieren unsere Handlungen oder werten uns bösartigst selbst ab. Warum? Es sind uralte Muster, Gewohnheiten und wir GLAUBEN, dass das richtig sei. Niemals stimmt das. Dagegen gibt es nur Folgendes: sich bewusst machen, wann man wieder mal die Peitsche gegen sich selbst herausholt und mächtig zuschlägt, um das zu unterbinden. Zuhören, was man da eigentlich sagt und sich fragen: Ach, stimmt das wirklich, in jedem Fall und absolut? Falls nein, ist es Mist im Kopf und darf entsorgt werden. Der Rest ist Gewohnheit. Wer 365 Tage im Jahr meckert, jammert und klagt, sich beschimpft und hasst, ist ja Meister seines Fachs bei diesem Training. Das abzutrainieren ist schwer, aber machbar. Man braucht dazu weniger Energie als fürs Jammern übrigens und fühlt sich dauerhaft mit der Zeit wesentlich bessern.

Sei eingeladen zu einer Freundlichkeitsoffensive. Wir brauchen sie dringend im Außen, wo gerade echt miese Stimmung herrscht, aber noch mehr uns selbst gegenüber.

Allen ein freundliches Wochenende voller Erkenntnisse und liebevollen Selbst-/Gesprächen.

Danke an Annemarie für das Foto der Würzburger Residenz!

Wer bin ich? Was ist der Sinn?

Alles ist mit allem verbunden. Heute glauben wir, dass wäre die Kraft des Internets, doch sie ist nur eine Vernetzung, keine Verbundenheit. Um verbunden zu sein, braucht es Herzensqualitäten. Das kann man auch über eine Internetleitung herstellen, das erfordert eine bewusste Entscheidung, zu geben und zu empfangen. Das Internet ist nicht das Netz von König Indra, das die Menschen durch Perlen in den Kreuzungspunkten symbolisierte und sich eine in der anderen wunderbar spiegelte. Vielleicht gelingt es uns in Zukunft, über dieses Medium eine neue Form der Kultur und Verbundenheit herzustellen.

Mark Aurel hat in seinen Selbstbetrachtungen tief nachgedacht über die Welt, Für ihn stand außer Frage, dass alles verbunden ist durch eine Qualität, eine Kraft, die er Gott nennt. In unseren Tagen, in denen wir uns von dem entfernt haben, was Religionen über Jahrhunderte an Bedeutung besaßen, um zu einer neuen Spiritualität vorzudringen, braucht es ein neues Verhältnis zu Gott. Ich erlebe das täglich in der Praxis, diese Sehnsucht nach Aufgehobensein in etwas Größerem. Viktor Frankl hat einmal gesagt, dass alle Fragen, die Menschen sich in die Tiefe stellen, metaphysischer Natur sind. Das bedeutet, sie folgen dem Fragenkatalog: „Wer bin ich? Wozu diene ich, was ist der tiefe Sinn meines Daseins auf diesem Planeten? Wohin gehe ich?“

DAS sind die Fragen, um die es täglich gehen sollte. Gehen wir diesen Fragen nach, landen wir vielleicht bei Gott als Alpha und Omega, wie immer wir das definieren. Und stellen fest, dass uns nichts davon jemals getrennt hat. So empfand es auch Novalis: Wohin gehen wir? Immer nach Hause.

Allen einen Freitag, der die Venus als Begleitung hat und die mit Liebe dazu beitragen kann, sich diese Fragen erneut und immer wieder vorzulegen, damit wir die Spur, der wir in diesem Leben folgen sollen, nicht aus dem Auge und vor allem nicht aus dem Herzen verlieren.

Allen einen tiefgehenden, berührenden und erkenntnisreichen Freitag.

 

Ursula hat sehr genau hingeschaut – ist das nicht zauberhaft? Danke für dieses Foto!

Ein heiliges Band

Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten! Nahezu nichts ist fremd. Eines schließt sich ja dem anderen an und schmückt, mit ihm vereinigt, dieselbe Welt. Aus allem zusammen ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, eine Vernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, sofern es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.

Mark Aurel, 121–180

Steffi schenkt uns dieses wunderbare Foto. Vielen Dank!