Author page: Christine Krokauer

Prachtvolle Tage

Es bleibt eine Menge liegen, wenn man ein paar Tage unterwegs ist, vor allem merkt man das im Sommer, wenn man einen Garten hat. Die grüne Hölle ist zum grünen Höllenurwald geworden und etwas anderes ist in dieser Woche geschehen: Alle Rosen haben sich zur Blüte entschlossen. Unser Garten ist ein Meer an Rosenblüten, da wir Fans alter englischer gefüllter Rosen sind. Die Duftrosenhecke ist ein Traum und unser englischer Rosenvorgarten eine Wucht. Das lenkt das Auge massiv vom „Untergrund“ ab, zumindest für die nächsten Tage.

Hinten war das Rasenmähen (okay, ein Rasen ist das nicht, das Wort ist echt übertrieben für unsere paar Unkrauthalme zwischen den Obstbäumen) fast nicht mehr möglich, so hoch war es in den paar Tagen gewachsen. Die Heilkräuter teilen sich dieses Jahr das Beet mit den Beikräutern. Es ist nicht immer alles wunschgemäß machbar und ich finde, dass die Mischung genau das ist, was wir brauchen – keine perfekten Beete ohne jedes Hälmchen. Wir haben keinen Millimeter nackten Boden, denn entweder haben wir unter höhere Pflanzen andere kleine gesetzt, die weniger Licht brauchen oder die Natur hat das Klettenwurzellaubkraut reichlichst ebenso wie Klee in allen Sorten und vieles mehr verteilt. Alles blüht und hat seinen Platz. Im Grunde mag ich diese Form der Natur wesentlich lieber, aber ab und an muss ich doch darauf achten, dass die neu gesetzten Pflanzen vom Frühjahr eine realistische Chance haben, denn sie sind klein und brauchen Fürsorge.

Erstaunlich: die Woche im Allgäu waren wir im Kurs fast den ganzen Tag draußen (ich sage nur: Bewegung als Kursthema, Kneippanwendungen zum Üben perfekt im Sommergarten, Heilkräuterkunde), das ging problemlos im Schatten. Kaum daheim, greifen die Grasmilben an – nach drei Minuten schon. Da merkt man deutlich die viel höhere Feuchtigkeit im Allgäu, da gibt es weniger Probleme mit dem Getier, das mir hier echt zu schaffen macht. Ich habe es sehr genossen, im Allgäu jeden Tag in den traumhaften Gärten unterwegs zu sein und das lag nicht nur am Abwaschen mit Obstessig, das mache ich hier auch. So erlebe ich einfach die klimatischen Unterschiede sehr deutlich, was spannend ist.

Es ist, wie es ist. Wenn es heiß ist, wird das Trinken hochgekurbelt und der Wasserschlauch liegt bereit, um immer wieder zwischendurch einen herrlichen Knieguss oder einen Armguss zu machen. Wenn man sich jetzt dabei nasser macht als gedacht – kein Problem, es trocknet schnell. Jetzt ist die perfekte Jahreszeit, sich hier gute Routinen anzugewöhnen, denn der nächste Herbst und Winter kommen bestimmt und ein gutes Immunsystem könnte da die halbe Miete sein. Also – ran an die Wassereimer zum Wassertreten, ran an den sachten Gartenguss fürs Gesicht (optimal wäre ein Kneippgießrohr für die Dusche oder einen schlichten Kneippaufstecker für den Gartenschlauch, damit man schön gießen kann, kostet nicht viel und ist einfach perfekt).

Rein mit Obst und Gemüse als Rohkost! Jetzt gibt es die herrlichsten bunten Teller und bei Hitze ist auch eine kalte Suppe mit Tomaten und Gurke wunderbar.

In den nächsten Tagen werde ich euch ein bisschen was aus der Kneipptrickkiste mitteilen, damit ihr gut durch die Hitze kommt.

Für die Sommerfans – genießt es, habt Freude. Noch sieben Tage bis Johanni. Dann starten wir in die schöne zweite Jahreshälfte. Wir brauchen Hitze, wir brauchen Kälte, wir sind beschenkt mit Übergangszeiten, was viele andere Länder nicht haben. Wie reich sind wir allein dadurch!

Was ist dein bester Tipp gegen Hitze? Vielleicht profitieren andere Menschen sehr von deinen guten Ideen. Ich freue mich, wenn du mir einen tollen Tipp dalässt, denn die heimlichen Tricks sind oft die besten! Vielen Dank und alle anderen, die vielleicht zu wenig trinken oder wissen, was sie tun können, haben großen Nutzen. Schauen wir vor allem darauf, dass unsere älteren Mitmenschen genug zu trinken haben und vor allem auch die Tiere im Schatten sind. Dann wird es ein guter Sommer.

Allen einen liebevollen Venustag.

 

Gegenwart und Ewigkeit

Halte immer an der Gegenwart fest. Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.

Johann Wolfgang von Goethe

Einen besonderen Lichtaugenblick hat Steffi fotografiert. Danke dafür!

Sonnenhafte Augen

Der Künstler Thomas Mogendorf hat den Wörishofener Kurpark aus Anlass des 200. Geburtstags von Sebastian Kneipp mit vielen Regenschirmen und Licht in ein besonderes Kunstwerk verwandelt. Blaues Licht wirkt wahrhaft krass mitten zwischen Bäumen und auf dem See bei weißen Schirmen. Mir fiel sofort Goethes Farbenlehre ein, denn Goethe hat sich 1810 in seinem Buch intensiv mit Farbe und Licht befasst. „Wär nicht das Auge sonnenhaft“ beginnt einer seiner Texte. Für uns Menschen ist in unserer Zeit der Sehsinn sehr ausgeprägt und dominant. Kein Sinn lässt sich jedoch leichter täuschen, das sieht man, wenn man „optische Täuschungen“ im Netz sucht.

Anders ist es mit dem Hören. Wir können optisch faken, aber nicht mit unserer eigenen Stimme. Jeder erkennt sofort am Telefon bei vertrauten Menschen, ob es diesem Menschen heute gut oder schlecht geht. Jacques Lusseyran, der als Junge sein Augenlicht verlor, arbeitete im französischen Widerstand und überlebte das KZ Buchenwald. In seinem Buch „Das wiedergefundene Licht“ (seine sehr lesenswerte Autobiographie) schildert er sehr anschaulich ein Erlebnis, als er noch sehen konnte und auf einer sonnigen Straße lief und erkannte – „Ich bin Jacques“. Wenige Menschen erleben den Moment, in dem sie sich als „Ich“ erkennen, so bewusst wie Jacques Lusseyran.

Am Wochenende waren wir abends im Kurpark und schauten uns die Lichter an. Die meiste Freude hatten wir an den zahlreichen Kindern, die barfuß auf allen Wegen (dort gibt es einen herrlichen Barfußpfad!) unterwegs waren, im Schlammloch Spaß hatten und dann mit schlammigen Füßen im Labyrinth die Füße mit Sand und Steinchen „panierten“, ehe sie zum Füße abspritzen gingen. Unermüdlich rannten die Kinder zwischen den Schirmen hin und her, rein ins Wasser, raus aus dem Wasser – da konnte man sehen, wie sich Menschen eigentlich verhalten, nicht nur als Kinder. Sich unbeschwert bewegen, Spaß am und im Wasser haben und sich am Licht erfreuen gehören zu den Qualitäten des Menschseins dazu. Nicht jeder kann gehen oder gar springen, nicht jeder kann sehen, aber Freude kann jeder Mensch empfinden. Es ist eine Wahl, die du treffen kannst.

Worüber hast du dich heute gefreut oder worauf freust du dich an diesem Tag – trotz allem, was du vielleicht gerade heute tragen und ertragen musst?

Allen einen freudigen Jupitertag, denn der Donnerstag gehört dem Bringer des Frohsinns!

Das Licht überliefert das Sichtbare dem Auge; das Auge überliefert es dem ganzen Menschen. Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub; aber das Auge vernimmt und spricht. In ihm spiegelt sich von außen die Welt, von innen der Mensch. Die Totalität des Innern und Äußern wird durchs Auge vollendet.

Johann Wolfgang von Goethe, Farbenlehre, 1810

Das Spiel mit Licht und Farben fasziniert den Menschen seit jeher. Ein glücklicher Moment am Samstagabend im Kurpark von Bad Wörishofen, eine großartige Installation für ein Foto menschenleer zu haben.

Von der Kunst des richtigen Gießens und mehr

Was für einen Schatz haben wir in den letzten Tagen bekommen – der erste Teil unserer Kneipp-Gesundheitsausbildung konnte endlich in Bad Wörishofen direkt stattfinden und das im Kneipp-Jubiläumsjahr! Fünf Tage tiefes Eintauchen in die Lebensgeschichte des berühmten Wasserdoktors und seine fünf Säulen: Ernährung, Heilkräuter, Bewegung, Wasser und die Grundlage von allem, die Lebensordnung. Tolle Referenten und jede Menge Üben standen auf dem Programm und Bewegung, Bewegung, Bewegung. Ich bin gespannt, wann der Muskelkater nachlässt.

Mit einer tollen Gruppe Menschen haben wir uns aufgemacht, um sehr gründlich und unter sorgsamer Anleitung zu lernen und zu üben. Da es ja perfekt von der Jahreszeit her war, konnten wir im Heilkräutergarten jede Menge direkt sehen und kennen lernen (was für uns jetzt nichts wirklich Neues war, die Kräuter stehen alle bei uns auch im Garten).

Besonders spannend fand ich die Gusstechnik, denn die Kunst des Gießens stand bei Kneipp hoch im Ansehen und was so einfach vom Bademeister ausschaut und ihm leicht und locker von der Hand geht, ist alles andere als einfach. Gerade auch Waschungen mit Essigwasser – wie war nochmal die Strichführung? Rechts oder links herum? Im oder gegen den Uhrzeigersinn? Wegen mir hätte ich mich den ganzen Tag begießen lassen können, aber nein, hier gilt es wie immer das rechte Maß zu finden.

Was ist Wirbelsäulengymnastik mit dem Besenstiel, wie geht Wassertreten bei Kniearthrose, was würde Kneipp an Ernährung heute anraten und welche Werte sind Menschen wichtig – es war ein ordentlicher Rundumschlag mit tollen Referenten und Abwechslung.

Da wir am Sonntag am Nachmittag schon Kursende hatten, haben wir es mit Dauerlauf noch ins Kneippmuseum geschafft und dort die herrlichen Puppen entdeckt, mit denen die Kneipp-Schüler früherer Jahre gelernt haben, wie man die Wickel richtig anwendet. Na dann! Wir haben erst im zweiten Teil Wickel, Auflagen und jede Menge weitere Güsse und Anwendungen vor uns. Bis dahin heißt es – üben, üben, üben und jede Menge lernen, denn die fünf Säulen sind sehr umfangreich.

Wir hatten Glück, dass es warm war (relativ aus meiner Sicht) – so konnten wir unbedenklich „pritscheln“ (mit Wasser arbeiten) und die Wasseranwendungen ausprobieren, ohne dass wir gleich zu einer Kneippschen Rosskur greifen mussten, denn Hochwürden heilte sich von seiner Lungentuberkulose durch kurze Tauchbäder in der eisigkalten Donau ab November. Er hätte uns vermutlich was erzählt von wegen „warm duschen“.

Wir müssen alles erstmal in Ruhe sacken lassen und uns dann ans tüchtige Lernen machen. Was für eine großartige Ergänzung zu unserem Programm und unserer Arbeit oder besser gesagt – nachdem wir schon mit unseren Kindern liebend gern in der Kneippanlage im Steinbachtal waren, als sie klein waren, ist das nun ein sich schließender Kreis hin zu den Wurzeln.

Allen einen erfrischenden Schenkelguss zum Mittwoch! Kalt natürlich!

Das Gleichgewicht herstellen

Kaum irgendein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage: ein fieberhaftes Hasten und Drängen aller im Kampfe um Erwerb und sichere Existenz. Es muss das Gleichgewicht hergestellt werden zwischen der Lebensweise und dem Verbrauch an Nervenkraft. Haben viele nicht Gelegenheit zur Erhaltung und Vermehrung ihrer Kräfte, so ist es notwendig, dass wenigstens zeitweilig alle Teile des Körpers geübt und in Bewegung gesetzt werden.

Sebastian Kneipp, 1821 – 1897

Bei anderen ist das Gras immer grüner

Gestern fragte mich jemand, was ich denn so eigentlich den ganzen Tag mache. So ein paar Klienten und so, das ist ja echt entspannt. Sie überlege, ob sie das nicht auch machen soll. So ein Leben fände sie total cool, weil sie acht Stunden am Tag im Homeoffice einen doofen Job habe. Ich staune, wie man das 20 Jahre machen kann.

Als Kind habe ich oft den Satz gehört: „Man schaut an die Menschen hin, aber nicht hinein“ und ich glaube, das trifft es gut. Wir wissen nichts von anderen Menschen, auch wenn wir meinen, sie zu kennen. Wir sind nicht 24 Stunden am Tag in ihren Schuhen. Vielleicht kennen wir ihre Lebensgeschichte gut, sind befreundet, die Kinder haben miteinander zu tun. Wissen wir dennoch, wer unsere Mitmenschen sind? Ich denke nicht. Wissen wir um ihre Ängste, Träume, Freumomente? Ihre Höhen und Abstürze?

Oft genug sind es Projektionen des Eigenen, was in der Begegnung mit anderen Menschen auffällt. Sie projizieren Dinge auf uns, die sie selbst haben möchten oder an sich selbst sehr ablehnen. Meistens sagen Menschen damit mehr über sich als über mich aus.

Sehr beliebt in meinem Ranking sind Aussagen wie: „Du hast es doch schön! Du hast so einen tollen Garten!“ – ja, haben WIR. Wenn du bereit bist, jeden Tag als Megaallergiker im Morgengrauen (was derzeit vier Uhr morgens ist) aufzustehen über den Sommer, damit du im Garten arbeiten kannst, weil du sonst totgestochen wirst, dann ist es schön mit Garten.

„Du musst ja nur für zwei Leute kochen!“ Oh ja. Täglich. Und ob ich für vier, 14 oder zwei Menschen koche, ist nur ein Zeitfaktor fürs Schnippeln, erleichtert aber nicht die Tatsache von drei Mahlzeiten am Tag. Und wenn wir Gruppen im Haus haben, koche ich nicht für zwei, sondern für viele.

„Du hast ja volle Unterstützung von deinem Mann!“  Richtig. Wir haben beide im gleichen Haus unseren Arbeitsplatz. Da ich einen enorm gewissenhaften Partner habe, kann es gut sein, dass der Postbote mehrmals klingelt und er dennoch nicht fünf Meter zur Tür geht, weil er gerade eine Schulung hält, mit Kunden spricht oder die geniale Fähigkeit besitzt, wenn er sich einem Problem widmet, alles andere komplett (und er meint damit wirklich 100 Prozent) ausschaltet. Körperliche Anwesenheit bedeutet für ihn ganz sicher nicht, von mir jederzeit zugetextet werden zu wollen. Kann ich gern versuchen, bringt aber nie was. Wenn er arbeitet, arbeitet er. Wenn er nicht für die Firma arbeitet, macht er seine anderen Sachen. Er hat jede Menge zu tun und tut das auch. Und wenn wir gemeinsame Zeit haben, haben wir die. Dann ist der Rest außen vor. Klare Abgrenzung, klare Wahl. Quality time hat einen anderen Stellenwert als „24 Stunden am Tag zusammen in einem Haus leben“.

So ist es mit den Projektionen. Bei anderen ist das Gras immer grüner, die Partner immer liebevoller und hilfsbereiter, die Kinder weniger aggro, drogensüchtig oder zappelig, die Eltern pflegeleichter und was immer in dieser Art kommen mag. Frage: stimmt das wirklich?

Fakt ist: Unter jedem Dach ein Ach. Jeder Mensch hat gute und schlechte Tage. Freundliche und unfreundliche Begegnungen. Leichtigkeit und Schwere, Frohsinn und tiefe Trauer. Es gibt keinen Grund zu Neid und Vergleichen ist die Wurzel von zu viel Leid auf dem Planeten.

Sei dein eigener Maßstab. Mach dir bewusst, dass du im Leben an exakt dem Platz stehst, an dem du stehen willst, sonst wärst du ja weg, oder? Mach dir auch bewusst, dass du selbst die Wahl triffst in jeder Sekunde, wie du etwas bewertest und ob du überhaupt noch etwas bewerten willst, weil es ohnehin nur zu Leid führt.

Es gibt kein besser oder schlechter, meistens gibt es nur ein „so ist es“ und dann kann man damit was machen, oder?

In diesem Sinne einen freundlichen wahlfreudigen Tag. Es ist der Jupitertag der Woche! Ist das nicht großartig? Freude ist angesagt.

Manuela hat diesen Mohn bei seiner Geburt auf der Welt begrüßt. DANKE.

Berge und Hügel

Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel.

Konfuzius, 551–479 vor Christus

Stephanie nimmt uns mit auf einen wunderschönen Bergweg. Herzlichen Dank!

Andere Länder, andere Sitten

Schon zu Fontanes Zeiten war den Menschen das Reisen wichtig. Reisen ist ein wichtiger Bildungsfaktor, wenn man so reist, dass man auch etwas von Land und Leuten kennen lernen kann. Eine Reise in einen Hotelbunker, abgeschottet vom Land, hinter Zäunen verborgen, die die Blicke der Touristen von Slums fernhalten sollen, ist aus meiner Sicht kein Reisen, sondern kollektiver Missbrauch und Verachtung für das Land und seine Menschen, Ressourcen werden vergeudet und die Menschen haben nichts vom Land, seiner Kultur und anderem verstanden.

Wenn man zu Gast in einem Land ist, sollte man sich durchaus vor Reiseantritt mit der Geschichte des Landes vertraut machen. Viel lernt man über ein Land, wenn man die Märchen liest, die dort den Kindern vorgelesen werden, die Musik hört und sich die Tänze anschaut. Wer waren Schriftsteller aus diesem Land? Wer Künstler? Wie ist die Landschaft? Wie ist Flora und Fauna, damit ich auch bewusst schauen kann? Wenn ich nichts weiß, sehe ich auch nichts wirklich.

Reisen bildet, hieß es früher und: Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen. Schön ist es, wenn Reisen wirklich den Horizont erweitern kann und Menschen von tiefen Begegnungen, Ehrfurcht vor großartigen Landschaften und spannenden Abenteuern berichten. Für mein Gefühl lernt man ein Land am besten kennen, wenn man dort eine längere Zeit verbringt, vielleicht sogar die Sprache sprechen kann und auf jeden Fall nicht in Hotelbunkern residiert oder quer durchs Land unterwegs ist mit den dortigen Verkehrsmitteln. Vielleicht täte es manchem von uns gut zu erleben, wie gastfreundlich Menschen sind, wie sie leben und was ihr Glück ausmacht. Oft genug bedient Reisen unser Ego, das eine Sekunde nach Bedürfnisbefriedigung den nächsten „will ich“-Knopf drückt und das Karussell erneut antreibt.

Reisen auf Schusters Rappen im eigenen Land würde uns gut tun, denn Kinder kennen häufig irgendwelche Hotspots des Planeten, aber ihre eigene Heimat eher wenig. Wer schon alles gesehen hat, welche Ziele sollte er noch im Leben haben?

Reisen wir bewusst. Suchen wir uns, soweit es wieder möglich ist, etwas aus, was uns nährt, stärkt, inspiriert und weder die Natur noch die Ressourcen schädigt. Es gibt genug nachhaltige Reiseangebote, Kinder können hoffentlich wieder bald durch Schüleraustausch intensiver in anderer Länder Sitten und Gebräuche eintauchen.

Allen, die nun bald verreisen, gute Tage und eine bewusste Wertschätzung der Orte und Landschaften, deren Gast sie sind.

 

Steffi hat die Distel fotografiert. Sie freut sich schon sehr auf die Blüte! Dankeschön!

Alle Welt reist

Alle Welt reist. So gewiss in alten Tagen eine Wetterunterhaltung war, so gewiss ist jetzt eine Reiseunterhaltung. „Wo waren Sie in diesem Sommer“, heißt es von Oktober bis Weihnachten; „Wohin werden Sie sich im nächsten Sommer wenden?“, heißt es von Weihnachten bis Ostern.

Theodor Fontane, 1819 – 1898

Eine blühende Sommerwiese hat Manuela fotografiert. Danke dir!

Sollbruchstellen des Lebens

Vielen Menschen sieht man ihre Seelennot nicht an. Sie sind bedrückt, in Sorge, trauen sich nicht, damit nach außen zu treten, fressen es in sich hinein. Oder sie machen die Erfahrung, dass sie darüber sprechen und die Umgebung schaut sie verständnislos an, gibt „goldene Tipps“ wie den: „Reiß dich zusammen, allen geht es mal mies“. Das gilt für „normale miese“ Tage, aber nicht für ausgewachsene Krankheitsbilder wie Depressionen. Da helfen solche Ratschläge in keiner Weise.

So, wie ich bei einer schweren körperlichen Erkrankung schaue, dass ich zum entsprechenden Fachmann komme, so sollte das jeder auch bei einer psychischen Erkrankung tun. Und nicht zu lange damit warten! Wenn rechtzeitig Hilfe in Anspruch genommen wird, kann man manches noch abwenden oder leichter behandeln, als wenn sich schon negative Dinge eingeschliffen haben.

Wo wir unsere Sollbruchstelle haben, im Körper oder in der Seele, hängt von unserer Gesamtheit als Mensch ab. Der eine hat einen Bandscheibenvorfall, der andere eine Depression. Das eine sieht man, das andere nicht, was oft dazu führt, dass jemand mit körperlichen Problemen leichter als Patient anerkannt wird al jemand mit psychischem Leid.

Wir sollten als Gesellschaft ein anderes Bewusstsein entwickeln für Leid. Wenn man offen über solche Themen sprechen kann, nimmt das Druck vom Betroffenen, hilft das gegen Stigmatisierung. Das holt hinein in das Leben anstatt dass es hinausstößt in die Einsamkeit.

Wir brauchen zudem einen neuen Umgang mit Krisen. Sie gehören zum Leben, zur Entwicklung dazu. Hier wäre ein Training in Resilienz, ein Training in Selbstführung und vor allem ein Training im Erkennen negativer Glaubenssätze im Grunde ab dem Kindergartenalter eine ausgezeichnete Prophylaxe. Erziehung muss Ermutigung beinhalten, dergestalt, dass wir Kinder stark machen, vieles auszuprobieren. Zu scheitern und es erneut zu versuchen. Fehler zu machen und sie als krasse Lernchance zu nehmen anstatt als Mahnmal des Versagens. Förderung hat mit fordern zu tun; wer Menschen stärken möchte, darf ihnen auch was zuMUTen, wenn es in einem liebe- und respektvollen Umfeld geschieht. Krisenmanagement ist für alle wichtig, ebenso die Erkenntnis, dass Krisen großartige Lernchancen sind, Wachstumsfaktoren, die unsere Selbstwirksamkeit gewaltig stärken können.

So, wie wir aus überwundenen körperlichen Krankheiten gestärkt hervorgehen können und vielleicht unsere Lebensweise anpassen, so geht das auch mit psychischen Krankheiten. Nehmen wir die Stigmatisierung weg und fördern wir unsere großartigen Fähigkeiten im Bereich Anpassung und Bewältigung. Wir sind allesamt wesentlich stärker als wir meinen. Allerdings braucht Stärke Training und das Vertrauen, dass wir es schaffen.

Was schaffst du im Moment, was dich enorm herausfordert? Bist du stolz auf dich, dass du das alles gerade bewältigst? Ich feiere dich, du Heldin, du Held der Stunde, Meister und Meisterinnen der Lebenskunst!

Allen einen tatkräftigen Dienstag.

Die Feder hat Sigrid fotografiert. Danke!

Von Herzen

Und wenn ich Fürst und König wäre,

Was hülfe mir dies alles nun?

Ein redlich Herz ist vielmehr Ehre,

Ein Herz, das Lust hat, wohl zu tun.

Matthias Claudius, 1740–1815

Ein Kartoffelherz ist mir heute in die Hand gefallen.

Ein pralles Wochenende

Aufstellungen sind eine wunderbare Arbeit. Es ist berührend zu sehen, wie sich die Systeme bestens selbst sortieren und wie tiefe Erkenntnisse möglich werden. Solche Wochenenden gehen mit sehr großer Dankbarkeit zu Ende. Dankbarkeit darüber, dass Menschen wieder auf ihren ureigenen Weg zurückkehren, dass sie Geschehnisse vielleicht besser verstehen und dass sie erkennen, wie ihre eigenen Ressourcen sind. So können auch schwere und schmerzhafte Ereignisse ins System integriert und Kraft daraus gezogen werden. Je nach Lage stellen wir am 4. Juli und am 1. August vor den Sommerferien nochmals auf, wer Interesse hat, darf sich gern melden. Obligatorisch sind ein Vor- und ein Nachgespräch.

Dankbarkeit empfinde ich für die Freude, dass jemand für die Gruppe einen Kuchen gebacken hat – mein erster Rhabarberkuchen in diesem Jahr mit einem ganz tollen Rezept und sogar Sahne kam gekühlt hier an, das ist schön.

Glück hatten wir auch mit dem Wetter, damit die Gruppe gut verteilt im Garten essen kann. Manchmal passt es einfach.

So starten wir in eine Woche, die allerhand Bewegung mit sich bringen wird. Ich gehe in diese Woche mit dem tiefen Wissen, dass wir an diesem Wochenende vieles auf den Weg gebracht haben mit Menschen. Dass wir endlich wieder diese heilsame Arbeit tun durften und auch wenn es anders ist, unter Pandemiebedingungen zu arbeiten, es im Grunde um die Sache an sich geht – Systemen ihre eigene Geschichte abzulauschen und die Qualitäten darin zu erkennen. Wie gut, dass das möglich war.

Ebenfalls ein Grund zur Freude ist die Tatsache, dass die angehenden Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie (so lautet der Titel wirklich) ihre Ausbildung abgeschlossen haben und nun ins Lernen für die Überprüfung an ihren Gesundheitsämtern gehen. Der 40. Kurs war das für mich. Und ja – ich liebe es! Lernt fleißig weiter, dann wird es prima mit der Prüfung. Danke für euer Vertrauen in uns als Ausbildungsstätte. Wer die Ausbildung machen will: wir starten wieder am 10. September, die Anmeldeliste ist offen. Willkommen bei uns!

Podcastfans: ich hab den nächsten Podcast aufgenommen und bald kommt er.

Allen einen guten Start in eine freundliche Woche.

 

Ursula hat die Borretschblüte mit dem fleißigen Besucher fotografiert. Danke dir!

Hitzetipps für euch

Schwülwarm. Na dann. Sommer in Deutschland. Es sei allen gegönnt, die es gern warm mögen. Ich sage es mal so: ab 24. Juni geht es wieder in die andere Richtung. Es gilt ab da dann der feine Satz aus Game of Thrones: Der Winter naht (endlich).

Ich kann gut nachvollziehen, wenn Menschen wetterfühlig sind. Manchmal sind Verletzungen die Ursache, Knochenbrüche, auch wenn sie lange her sind, oft Krankheiten, die die Menschen sensibler für solche Einflüsse machen. Viele belächeln das. Nur weil wir manches noch nicht wissenschaftlich nachweisen können, bedeutet das nicht, dass es inexistent ist. Manches erfährt man erst mit zunehmendem Alter am eigenen Leib.

Das sind so die Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten, bei denen ich alle im Norden beneide. Christophs Arbeitskollegen in Hamburg merken gelegentlich an, dass es bei ihnen doch in Vergleich eher kühl ist – beneidenswert. Am Morgen sagte Christoph: Wir wären vielleicht im Norden auch gut aufgehoben. Mein erster Gedanke: Wann ziehen wir um? Wir mussten uns kurz bremsen, weil wir ja die Meister der schnellen Entschlüsse in solchen Fragen sind und praktische Erwägungen wie unsere drei kranken Familienangehörigen dem krass entgegenstehen.

Gut, dass wir unser Pfefferminzhydrolat haben, das kann man am Abend gut aufsprühen und es kühlt ein wenig runter. Ein feiner Tipp sind die Pflanzenwässer, die nicht nur gut für die Seele sind (hier vor allem das Orangenblütenhydrolat oder Lavendel und Rose), sondern auch perfekt für kleine Beulen und blaue Flecken für Wanderer (das ist das Immortellenhydrolat, das „Superarnika“ der Pflanzenwässer). Ich bevorzuge die Hydrolate von Primavera, probiert aus, was euch gefällt. Wer gleich aus Hydrolaten einen tollen Bodysplash machen will (dazu wird das Hydrolat mit Aloe Vera Gel und Weingeist versetzt, was dann auch bei sonnengestresster Haut super kühlt und heilt), darf sich auf die neue Holunderelfe vorfreuen, denn da gibt es tolle Rezepte dazu. Bald kommt die tolle Sommerausgabe! Für Hängematte und Freumomente.

Bewährt seit langem sind Kneippanwendungen. Wechselduschen helfen, auch der Kneippespresso: in ein tiefes Handwaschbecken Wasser einlassen, einfach stehen lassen und immer wieder mit den Armen rein, abstreifen, fertig. Ich packe gern ein bisschen Rosmarin- oder Zitronenbademilch dazu, das hilft auch noch durch den Duft, ein bisschen Energie zu spenden. Ich wäre sehr begeistert von einer Wassertreten-Anlage im Garten und einem tiefen Armbecken draußen. Das sind so einfache und absolut geniale Hitzehelfer.

Ansonsten gilt für alle: viel trinken! Damit das besser funktioniert, kann man sein Wasser perfekt pimpen: mit Zitronen- oder Orangenscheiben, mit Kräutern frisch aus dem Garten wie Minze, Zitronenmelisse und anderem. Supergut: Gurke und Basilikum. Oder ein bisschen tiefgekühltes buntes Obst in den Krug, Wasser drauf und genießen. Geht auch mit Mangostückchen. Probiert es aus.

Allen ein schönes Wochenende mit wenig Wetterchaos und viel Durchatemmöglichkeiten.

 

Ursula hat die beiden beim Entspannen auf einer Wanderung entdeckt. Danke für dein Foto!