
Ich kann in mir die Kraft finden, einen höheren Menschen aus mir erstehen zu lassen.
Rudolf Steiner, 1861–1925
Heizhaus und Glashaus am Goetheanum, beide 1914 fertiggestellt, im Abendsonnenlicht.

Alles im Leben ist Wandel, bewegt sich zwischen Ein- und Ausatmen. Das erleben wir rund 25920 Mal am Tag am eigenen Körper, dann ist ein Erdentag vorbei. Die Sonne braucht rund 25920 Jahre, um den Tierkreis zu durchwandern – das platonische Weltenjahr. Was die Sonne im Kosmos tut, macht unsere Lunge im Kleinen jeden Tag in uns. Die Geste ist unterschiedlich groß und dennoch vergleichbar, Mikro- und Makrokosmos entsprechen sich an vielen Stellen.
Wir merken nicht mehr, wie sehr wir als Menschen in die kosmischen Rhythmen, in Rhythmen überhaupt eingebettet sind. Wir agieren häufig unwissentlich gegen unseren eigenen Rhythmus und zwingen ihm einen langfristig tödlichen Takt auf. Wir schwingen in 90-Minuten-Rhythmen mit Pausen dazwischen durch den Tag. Wer gegen seine innere Natur arbeitet und statt der notwendigen Durchatemmomente mit Kaffee und anderem gegen ein Tief agiert, handelt gegen das, was in uns das Leben ausmacht, er schwächt sich körperlich, seelisch und geistig.
Alles ist Rhythmus, Rhythmus trägt Leben. Das ist kein stets gleicher Zeitraum, sondern lebendig, so, wie wir draußen Rhythmen erleben und doch nicht am 1. März alle Knospen aufbrechen und am 1. September die Blätter kollektiv bunt werden. Alles schwingt im eigenen Atem, hat seine Zeit und kann nicht beschleunigt werden, ohne dass es etwas kostet. Uns langfristig übrigens das Leben und die Freude daran.
Ein Wochenende ist ein schöner Zeitraum, in dem man den eigenen Rhythmen nachspüren kann. Schlafe ich genug? Wache ich frisch und munter auf? Kann ich mich 90 Minuten auf eine wichtige Sache fokussieren oder schweife ich permanent ab, wie wir es uns mit unserer Taschenkobold-vernetzt-mit-der-Dummheit-Welt angewöhnt haben? Pausen sind wichtig. Ausschalten aller Geräte macht Sinn. Die Grafik draußen ist besser.
Gönne dir zwei Tage, in denen du deinem inneren Rhythmus folgst. Atmest. Loslässt. Atmest. Bist. Atmest. Lächelst. Dinge in deinem Tempo tust. Lässt, was nicht unbedingt getan sein muss. Pausen sind Auflademomente für Körper, Seele und Geist. Frische Luft, Bewegung und viel Ruhe sind Geschenke, die du dir vielleicht machen kannst. Oder wo du schauen kannst, wenn du viel um die Ohren hast – wer kann für eine halbe Stunde übernehmen und du ruhst auf einer Bank aus und schaust in die Wolken?
Jeder Moment, in dem du bewusst atmest und immer wieder bei dir ankommst, in deinem Herzen und in unserem unruhigen Affengeist Stille einkehren kann, ist Leben.
Ein schönes Wochenende!
Steffi ist dem speziellen Morgenlicht in dieser Jahreszeit für uns begegnet. Vielen Dank!
Nicht wundern – erst am Donnerstag gibt es wieder Input an dieser Stelle. Bis dahin möchte wir über viele Dinge nachdenken, denn so viele Ideen kreisen im Kopf und brauchen nun Raum. Dazu braucht es Ruhe und Stille, dann kann sich vieles klären und finden.

Aus dem West-Östlichen Diwan
Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen
Sich ihrer entladen.
Jenes bedrängt, dieses erfrischt.
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich presst,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entlässt.
Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832
Atem holen kann man hervorragend am Meer. Steffi hat zudem noch ein Foto mitgebracht. Danke!

Herzenshärte – ist das nicht ein wunderbar zutreffendes Wort? Manchmal begegnen uns Menschen, deren Herz hart geworden ist. Oft gibt es Gründe dafür, manchmal erfahren wir es nie. Die Menschen im Umfeld des harten Herzens tun sich schwer mit ihrem Mitmenschen, denn er kann lieblos, abwertend und verletzend sein. Letztlich schiebt er sich immer mehr selbst an den Rand und wird zu dem, was er immer befürchtet hat. Darum „achte auf deine Gedanken …“.
Es macht Sinn, immer wieder am Tag einen Moment inne zu halten und Seelenhygiene zu betreiben: Wo bin ich gerade im Herzen hart? Sehr häufig sind wir das uns selbst gegenüber, weil wir ja gern unser härtester Kritiker sind und uns tagein, tagaus gnadenlos bewerten und verurteilen. Ich gebe zu bedenken: Wenn du 24 Stunden am Tag mit dir in deinem Kopf zusammen bist, also verbunden ohne die Chance auf Ruhe: Weshalb verhältst du dich, wie es dein schlimmster Feind nicht tut? Aus welchem Grund hasst du dich so, dass du dich dauernd beschimpfst? Lass es sein, es gehört zu den Gewohnheiten, die aus Menschen hartherzige und gnadenlose Wesen machen. Wir schaden damit am meisten uns selbst.
Wie können wir zu einer guten Seelenhygiene kommen? Die Klöster zeigen es seit Jahrhunderten mit „ora et labora“ – es gibt Zeiten der Tätigkeit und Zeiten des Gebets. Wir würden das heute vielleicht Achtsamkeit/Meditation nennen oder mit dem alten Wort Seelenhygiene verbinden können. In diesen Augenblicken prüfen wir unsere Gedanken. Sind sie wahr? Sind sie gut? Sind sie von Bedeutung oder bewegen wir Gedankenpupse übelster Art, deren wir uns rasch entledigen sollten? Wir pflegen gern unsere „geistigen Negativblähungen“ und belästigen damit uns und andere. Weg damit.
Fangen wir an, wahrzunehmen, was wir denken. Prüfen wir: Bringen uns diese Gedanken weiter, machen sie uns fröhlich, ruhig, tüchtig oder verankern wir uns im Negativen, in der Angst, der Zerstörung letzten Endes? Wo wirst du deinen Gedankenanker werfen – am Ufer der Hoffnung, Zuversicht und des Vertrauens oder im Meckern, Ablehnen und dem Hass? Dem Anker ist es gleich. Die Konsequenzen trägst du.
Nimm den Besen und kehr die „Ja abers“ aus dem Kopf, die „eigentlichs“ und negativen Schleifen. Schaffe Raum für Ruhe, Stille und Dankbarkeit. Wer noch nicht geübt ist, kann schlichtweg statt der normalen Negativschleifen das Zauberwort „Danke“ wiederholen. Schau, was geschieht.
Allen einen liebevollen ersten Freitag im September 2021.
Sigrid hat den gelandeten Anker entdeckt. Vielen Dank!

Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann.
Hildegard von Bingen, 1098-1179
Echinacea – Sonnenhut. Eine mächtige Medizin im Hausgarten. Sigrid hat genau hingeschaut mit der Kamera. Herzlichen Dank!

In diesen Tagen stellt sich bei uns Menschen innerlich etwas um. Wir spüren die Vorboten der nächsten Jahreszeit. Die meisten Bundesländer schicken ihre Schulkinder morgens wieder los, bald ist es auch hier soweit. Alltag kehrt vielerorts ein. Dennoch ist 2021 anders, anders auch als 2020.
Die Menschen sind nervlich schlechter aufgestellt. Sie sind müder, zermürbter, immer weniger können die Fassaden des „Tschakka“ und „alles fit im Schritt“ dem genauen und aufmerksamen Blick eines liebevollen Gesprächspartners standhalten. „Ich habe keine Ahnung“, „ich weiß es nicht“ – solche Sätze hätten wir uns vor zwei Jahren kaum getraut. Jetzt können wir uns eingestehen, dass wir eben wirklich jede Menge nicht wissen. Manchmal ist es viel schwerer, eine schwankende Showfassade aufrecht zu halten als zu sagen: Ich bin gerade ratlos.
Den meisten Menschen macht es Angst, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Doch wenn wir ehrlich sind, wissen wir das zu keinem Moment im Leben. Wir glauben immer nur zu wissen, dass wir alle noch sooo viel Zeit haben, wenn erstmal der Urlaub, die Rente, bliblablubb am Start sind, dann starten wir sowas von durch und machen endlich das, was wir wollen. Am Ende liegen wir auf der Abschussrampe ins Jenseits und klammern uns ängstlich an den Lebensrest, weil wir bemerken, dass wir nichts von dem gemacht haben, was uns wirklich wichtig ist. Als die Kinder klein waren, waren wir mit Karriere beschäftigt, als die Enkel kamen, haben wir den dritten Beruf ergriffen und versucht, die Rente aufzustocken, im Sommer war es zu heiß für Garten, im Winter zu nass für frische Luft, Hamsterrad als Sicherheit, Augen zu und durch.
Zeiten wir diese enttarnen unsere potemkinschen Dörfer. Wir hören langsam auf, die Fototapete unserer Fantasiewelt für die Wahrheit zu halten. Die Sehnsucht nach dem Wahren, Schönen und Guten steigt. Second-hand-Leben ade, die Serienhelden sind keine Identifikationsfiguren mehr, die ein Leben leben, zu dem wir keinen Mut haben.
Ich finde, dass das eine wunderbare Chance ist. Machen wir uns ehrlich klar, wer wir sind. Was unsere Schwächen, Stärken sind. Unsere Werte. Wer uns wahrhaft am Herzen liegt. Mit welchen Menschen wir leben möchten und welche uns nur Nerven, Kraft und Lebensfreude rauben und wo vielleicht Abstand richtig wäre. Wenn wir im tiefsten Herzen ehrlich sind, entdecken wir die Stimme, die immer da war und uns gesagt hat – Mehr Schlaf. Mehr Bewegung. Trink nicht so viel, lass das Rauchen und die Süßigkeiten. Warum machst du diese Arbeit, wenn sie für dich nur ein Job ist? Reicht das für 48 Arbeitswochen im Jahr oder ist da mehr drin? DAS sind gute Fragen. Fragen sollten die gesamte Gesellschaft durchdringen – wie gehen wir mit dem maroden Schulsystem um, mit unserer Wirtschaft, dem Sozialleben? Was können weltweit neue Werte werden im Umgang mit anderen Menschen, Völkern, der Natur und dem Warenaustausch?
Entweder sind wir bereit zum großen Kassensturz und Neuanfang, der alles betrifft, oder das Schiff schwankt weiter über die Wellen des Weltmeeres und die müde desillusionierte Mannschaft schöpft mit Kaffeelöffeln das eindringende Wasser weiter aus. Es beginnt bei jedem Einzelnen, sich jetzt die richtigen zielführenden Fragen zu stellen. Richtige Fragen sind Entwicklungshelfer. Sie sind nicht bequem, sie zeigen, worum es wirklich geht. Was sind deine Fragen? Was in dir antwortet darauf?
Allen einen erkenntnisreichen frohen Jupitertag.
Bald leuchten die Herbstfarben so klar wie auf Steffis Bild. Klarheit tut vielleicht erstmal weh, ist langfristig jedoch hilfreich. Danke für dein Foto, Steffi!

Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
Seit Wochen freue ich mich auf diesen Post. Er muss einfach einmal im Jahr sein. Steffis Foto stimmt uns fein auf den Herbst ein. Dankeschön!

Gandalfs Aussage, dass es die kleinen Dinge, alltägliche Taten gewöhnlicher Leute sind, die die Dunkelheit auf Abstand halten, ist großartig. Sie ermutigt jeden einzelnen Menschen dazu, sich bewusst zu machen, dass es das Alltagshandeln von uns ist, das die Welt zusammenhält. Natürlich inspirieren uns die großen Taten, die geschichtsträchtigen Momente, in denen ein Held, eine Heldin über sich hinauswächst und Großartiges vollbringt. Dafür werden bis heute Lieder geschrieben. Aber das gesamte Rädersystem der Welt, das alle und alles miteinander verbindet, wird dadurch am Laufen gehalten, dass jeder an seinem Platz Seines dazu gibt. Das sollte uns durchaus ermutigen.
In unserer Arbeit haben wir es jeden Tag mit Menschen zu tun, die zweifeln, den Weg verloren haben, nicht mehr eingenordet sind. So ihre Ansicht. In Wirklichkeit sind sie mit tiefsten Menschheitsfragen befasst, ringen um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, um Authentizität und angemessenen Umgang mit Krisen, sie struggeln und scheitern, halten sich für Versager, wenn sie das tun und bemerken oft nicht, dass sie Meisterinnen und Meister sind, die üben, die Wellen des Lebens zu surfen, egal, ob sie groß oder klein sind. Wir alle werfen uns täglich mit Heldenmut ins Getümmel. Keiner weiß, was an Aufgaben auf ihn zukommt an diesem Tag. Keiner weiß, ob wir uns am Abend ins Bett legen und schlafen können oder ob das Leben anderes mit uns vorhat. Wir können die Dinge immer nur so nehmen, wie sie sind und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und das ist es, was zählt. Wach sein, neugierig sein, bereit sein, das Brett neu aus Wasser zu setzen oder auch mal volle Kanne zu scheitern. Scheitern macht stark, klug und uns besser.
Natürlich ist es gut, wenn wir Visionen. Ziele, Pläne haben. Entscheidend unterm Strich jedoch wird sein, was wir wirklich GETAN haben, nicht geträumt, erzählt oder geplant, sondern was wirklich gemacht wurde. An den Tagen erkennen wir den Menschen.
Selbst jemand, der sich für klein, unscheinbar und unwichtig hält, kann genau dieser eine Zauberfunke sein, der den Kosmos im Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten halten kann. Ist dir bewusst, dass es haargenau auf DICH ankommt? Das ist so ermutigend, wunderbar und großartig, wie du selbst es bist.
Theresa hat sich an der nordspanischen Küste für uns in Schräglage begeben. Das Leben ist nicht immer geradeaus oder aufwärts. Manchmal ist es total verworren, verwirrend und – schräg. Danke!

Der Wind bläst den Sommer derzeit auf die Seite. Der Regen tropft. Die ersten Frühnebel sind da. Ich mag die Morgen, an denen Würzburg im Tal total verschwunden ist in der Nebelsuppe und bei uns auf der Höhe scheint schon die Sonne. Das ist wirklich schön anzuschauen. Ich hoffe, meine lang ersehnten Brombeeren werden nicht wässrig, sondern bekommen bald noch ein bisschen Sonne, um süßer zu werden.
Demut – ein Wort, das mir persönlich viel bedeutet. Mut hat viele Kombinationen: Heldenmut, Löwenmut, Übermut, Unmut, Wagemut und auch Demut. Demut ist der Respekt vor der Herausforderung, vor der Größe einer Sache oder eines Menschen. Es bedeutet nicht Kriechen und Schwanz einziehen, sondern so etwas wie Ehrfurcht im Herzen, Achtung vor der Herausforderung und dem Wissen, dass man Mut entwickeln muss, wenn man der Aufgabe gerecht werden möchte. Dieser Mut entsteht, weil wir Ängste überwinden, wissen, dass etwas nicht leicht werden wird, wir aber diejenigen sind, die sich diesem Thema zu stellen haben.
Demut geht manchmal mit Bescheidenheit einher, auch das gehört zu den Tugenden, die nicht sehr beliebt sind in unserer „alles meins“-Gesellschaft. Bescheidenheit wird oft mit Dummheit gleichgesetzt. Ein bescheidener Mensch, der nicht mit Forderungen auftritt, wird gern übersehen, nicht für voll genommen, übergangen und überfahren. Manchmal sind es die Stillen, Bescheidenen, die im Hintergrund die alles entscheidenden Weichen stellen. Die Problemlösungen anbieten, auf die die Lauten nicht gekommen sind, weil sie mit Platzbehalten befasst sind.
Sich in Demut verneigen ist in unserer Kultur nicht gebräuchlich. Der letzte Rest war das Ritual des Dieners, den man Jungen meiner Generation noch beigebracht hat, so wie uns Mädchen der Knicks. Die Verneigung ist eine tiefe Respektbekundung und sie täte uns oft ein wenig Not. Sich vor dem anderen verneigen meint, die Göttlichkeit im Menschen anzuerkennen. Ihn als Lehrer zu betrachten, der uns etwas lehren kann über uns und das Leben. Lernen kann ich von jedem Menschen, egal, wie alt, wie groß, wie erfahren er ist. Vom Baby kann ich Vertrauen und Staunen lernen, vom Kind die Wissbegier und den unerschütterlichen Glauben, dass alles gut wird, vom Erwachsenen die Art, mit Herausforderungen umzugehen und an Krisen zu wachsen, vom Senior Gelassenheit, Weisheit und Würde der Erfahrung. Jede Lebensgeschichte ist eine heldenhafte Abenteuerreise. Sie hören zu dürfen, Anteil zu haben, ist eines der Geschenke meiner Arbeit mit Menschen.
Wie hat deine Geschichte dich geprägt? Welche Lernerfahrungen hast du in guten und schlechten Tagen gemacht und wie kannst du heute im Vergleich zu früher mit Krisen und Herausforderungen umgehen? Was macht dich demütig und was bewirkt, dass du aus der Angst heraus Mut entwickelst? Mut ist nicht Handeln ohne Angst, sondern Handeln trotz der Angst, weil es not-wendig ist, etwas zu tun. Wir können alle Ermutigung, Demut, Mut gebrauchen. Was ist deine Geschichte dazu?
Allen einen sehr kraftvollen Marstag zum Augustende 2021.
Maike war in den Bergen wandern und erfreut uns mit diesem Foto. Vielen lieben Dank!

Einiges hat sich geändert in der ersten Hilfe. Das Thema Eigenschutz spielt eine sehr große Rolle. Was waren wir einst unbedarft – wenn irgendwie ein Notfall war, da haben wir halt hingefasst und versorgt, so schnell es möglich war. Da haben auch die meisten an Unfallorten angehalten. Heute muss ich erst über Einmalhandschuhe nachdenken und ob ich im Wald an einem Unfallort alleine aus dem Auto steige oder nicht doch erst einen Notruf absetze und dann am Unfallfahrzeug vorsichtig vorbeifahre, ob das eine Falle ist. Gut gefallen mir die Defibrillatoren, die lebensrettend sein können im Fall der Fälle. Prima, das alles wieder mal aufzufrischen und vor allem mal wieder zackig aus einem Dreieckstuch einen Kopf-, Fußverband und eine Armschlinge zu basteln. Wichtig auch die Erinnerung, bei einem Menschen im Auto nicht zwischen den Fahrer und das Lenkrad zu kommen, um nicht vom Airbag verletzt zu werden, da hätte ich im Leben nicht dran gedacht. Auch habe ich nicht gewusst, dass man mit einem Autoschlüssel eine hintere Scheibe in einem Fahrzeug einschlagen kann. Sehr nützlich zu wissen. Wir sind jetzt wieder echt fit im Leben retten, zumindest geübter.
Unsere alte Kinderbadewanne voll Holunderernte gab es. Die galt es abzustreifen und wir haben uns entschieden, nachdem es mich ja jetzt schon mit Infekt erwischt hatte, reinen Holundersaft einzukochen. Sonst wandern bei kleiner Ernte die Beeren mit den Brom-, Stachel- und Johannisbeeren in den Entsafter. Dieses Jahr waren die Beeren aber superschön. Das dauert seine Zeit, bis man sie von den Dolden gestreift hat mit dem Kuchengäbelchen. Und die Hände sind jetzt absolut farbenfreudig. Im Winter sind wir sehr froh über die Kostbarkeiten aus dem eigenen Garten. Jetzt folgen noch die restlichen Brombeeren, Äpfel und Quitten, dann ist die Ernte für 2021 an Obst beendet. Noch wachsen die Zucchini nach, die letzten Gurken und die Rosen werden vom Regen nach und nach zerlegt.
In der Praxis habe ich meine Herbstdeko ausgepackt – mein Eichhörnchen, meine beiden Füchse, die Lampionblumen und Kürbisse. Jetzt kommt meine absolute Lieblingsjahreszeit, der Herbst mit seinen Nebeln, seinen unfassbar großartigen Farben und das Leuchtfeuer der Astern. Jedes Jahr habe ich ein großes inneres Aufatmen, wenn ich die vielen Boxen mit Kürbissen am Straßenrand sehe – noch gibt es viele warme Tage, aber es ist nachts wieder fein kalt. Alles in mir ist dann Freude pur. Die Kastanien kommen, die Blätter färben sich bald, es wird abends früher dunkel, es wird gemütlich und jeder versteht, warum ich große Teetassen liebe.
Das ist gerade eine besondere Zeit, viele Menschen sind in Sommerferien und schicken Poolfotos, tolle Bilder von Eisbechern, Stränden, toller Landschaft und ich schau aus dem Fenster, der Regen macht spaghettilange Fäden, der Feuerdorn überlegt sich, ob er schon Farbe ansetzt, die Äpfel leuchten durch die Blätter, die Mispeln legen an Früchten großartig zu und die Straße ist total leergefegt– großartig.
Die Woche wird aufregend. Viele Termine mit wunderbaren Menschen und aus meiner Zottelfrisur wird meine Friseurin diese Woche wieder etwas hoffentlich Annehmbares schnippeln. Dann bin ich bereit für Spätsommer, Frühherbst und Apfelernte.
Allen einen guten Start in eine gesunde und freundliche neue Woche.

Am Samstag wird es um Herzdruckmassage, Wiederbelebung, Staying alive und andere feine Notfälle gehen bei der Fortbildung in Erster Hilfe (die Generalprobe hatten wir diese Woche ja dafür). Auffrischung von Wissen ist sinnvoll und bei einem Notfall möchte ich nicht überlegen müssen, wie man das nochmal macht und aus Angst vor Fehlern hoffen, dass das jemand anderes in die Hand nimmt.
Klar ist jede Form der Hilfe bei einem Unfall superwichtig und wer nicht fit in Wiederbelebung ist, kann den Verkehr regeln, die Rettungsgasse mitorganisieren oder sonst wie helfen. Jede Form von Hilfe ist wichtig, auch bei Menschen bleiben, sie mit einer Decke einhüllen und beruhigen ist nützlich. Wir wissen nie, wann wir zu einem Notfall kommen oder selbst einer werden. Da sind wir froh, wenn Helfer einfach ruhig tun, was nötig ist. Ich bin gespannt, was es in der Notfallmedizin inzwischen an Neuigkeiten gibt und hoffe, dass wir einen Defi erklärt bekommen, der in vielen Parkhäusern hängt. Was man schon mal geübt hat, macht das einem kein Kopfzerbrechen mehr.
Klar wäre es irgendwie richtig sinnvoll, die Obstberge einzukochen, die aufgelaufen sind und für Fruchtfliegenalarm sorgen. Alles gleichzeitig geht nicht. Erst der Kurs und dann das Obst.
Uuuund: Ich hab mir Berge Hafermilchschaum gemacht, weil das meine neue Kaffeemaschine so fein macht. Einfach aus Jux und Tollerei, weils Spaß macht. Und weil ich gerade jetzt keinen Kaffee trinken darf, war es halt der Getreidekaffee und der mag auch Milchschaummützen. So schön können Tage sein. Den Film „Mr Holland’s Opus“ will ich gern sehen, nachdem ich mir neulich die halbe Nacht um die Ohren geschlagen habe für die Doku „I am not your Guru“. In dem Alter ist das nicht mehr gut, nach Mitternacht ins Bett zu gehen. So what, der Film war es allemal wert.
Allen ein tolles Wochenende.
Steffi hat diesen Senior auf Rügen entdeckt. Ist er nicht großartig?

Ich weiß nicht, wie ich der Welt erscheine
Aber mir selbst komme ich nur wie ein Knabe vor;
der am Meeresstrand spielte und sich damit vergnügte,
hin und wieder einen glatten Kiesel
oder eine hübschere Muschel als gewöhnlich zu finden.
– Während der ganze große Ozean der Wahrheit unentdeckt vor mir lag.
Isaak Newton, 1643-1727
Muscheln auf Rügen – eingefangen von Steffi mit der Kamera. Danke!