Author page: Christine Krokauer

Wind unter die Flügel bekommen!

 

„Einen tanzenden Stern gebären“ braucht Chaos in einem selbst, befand Nietzsche. Ich glaube, wir sind allesamt prädestiniert, tanzende Sterne zu gebären! Natürlich sind die Zeiten krass. Ich schätze, nachdem die ersten Wahlen durch sind, dürfen wir abermals mit Verschärfungen rechnen, jetzt ist es „ja eh schon egal“. Viele Menschen sind müde von allem. Kinder, die gehofft hatten, wieder zur Schule gehen zu dürfen – Fehlanzeige. Offene Geschäfte – Fehlanzeige. Sich endlich wieder mal auf einen Kaffee treffen und schwätzen – Fehlanzeige. Fehlanzeigen, wohin das Auge schaut.

Genau das ist eine große Gefahr. Vielleicht kommt nun nach und nach bei allen an, dass wir uns zusammensetzen und darüber sprechen müssen, wie die Zukunft gestaltet werden kann. Jammern hat noch keinem je geholfen, wir brauchen das Gefühl, dass wir selbst etwas tun können. Die Menschen benötigen Anleitung, was zu tun ist, damit sie gesund bleiben, damit ihre Arbeitsplätze und damit ihr Einkommen verlässlich sind. Genau das ist nicht mehr gegeben.

Es muss alles neu gedacht werden – die Zukunft der Arbeitswelt ist schneller da als gedacht. Viele Arbeitsplätze wären in den nächsten Jahren weggefallen durch Digitalisierung und vieles mehr, das hat sich jetzt einfach gewaltig beschleunigt. Es braucht Information darüber, wie Arbeit in Zukunft aussehen kann. Ob ein Grundeinkommen ein guter Plan ist und die Menschen so mehr Zeit haben, sich um ihre Kinder, Senioren und pflegebedürftige Familienmitglieder zu kümmern, also der Sozial- und Pflegebereich entlastet wird und die Menschen wieder verstehen, dass Outsourcen von Tod und Krankheit dauerhaft kein Weg sein kann.

Wir brauchen neues Lernen. Neues Wirtschaften. Information, Kommunikation, Wertschätzung und sachliche Klarheit. Es braucht keine Angst, keinen Druck, es braucht Ermutigung und kleinste Minischritte, die jeder gehen kann, damit wieder das Gefühl wächst, dass wir selbstwirksam sind, die Welt verstehbarer wird und viele erneut den Sinn in ihrem Leben bemerken.

Chaos ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, auch wenn sich das nicht danach anfühlt. Chaos bedeutet, dass das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch fern ist. Jetzt ist die Phase, in der wir ALLE Möglichkeiten durchspielen sollten, um gute Entscheidungen treffen zu können, welcher Weg aus der Krise genommen werden kann. Es wird Zeit, dass wir an Lösungen arbeiten. Es geht darum, dass wir Alternativen zu Dauerlockdowns und Angst entwickeln.

Die Zukunft möchte freundlich eingeladen werden, sie steht vor der Tür, bereit, uns einzulassen. Es braucht Mut, um tabula rasa zu machen und alles in Frage zu stellen, damit Neues erwachsen kann. Es braucht Geduld. Von heute auf morgen retten wir die Welt nicht. Aber nach einem guten Jahr Pandemie sollten wir langsam dahin kommen, dass wir anfangen. Man kann auch diesen Moment verschlafen und die Konsequenzen für den Planeten wären gigantisch.

Wo kannst du anfangen? Genau. Bei dir. Hey, Genie! Wo bist du? Was hast du in deiner Potentialwundertüte? Willst du nicht mal anfangen, rauszuholen, was in dir steckt und in den großen Topf unserer großartigen Begabungen zu werfen? Es gibt so viele kreative Menschen, Menschen, die aus Exeltabellen Taten rauslesen und anleiern können. Macher. Bastler. Tüftler. Herzen! Wenn wir es schaffen, uns für unsere eigene Zukunft zu begeistern und checken, dass wir in der Geschichte der Erde an einem unglaublichen Wendepunkt stehen und alle aufgefordert sind, JETZT alles zu geben, wird es gut. Schluss mit dem Zweifel, der Angst und der Sorge. Planen, bedenken, kommunizieren wir und dann legen wir los. Da draußen ist eine Welt am Sterben und wenn wir so weitermachen, können wir uns mit dazulegen. Da gilt dann der alte Ina Deter-Song aus meiner Jugend: „Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich!“

Ohne mich auf jeden Fall, denn ich habe Lust aufs Gestalten einer guten Zukunft. Dafür stehe ich jeden einzelnen Tag auf der Matte in der Praxis und unserer Schule, um Menschen dafür stark zu machen, denn das ist mein Beitrag zur Rettung der Erde. Menschen stärken. Ihnen Mut und damit Kraft zurückgeben. Ihr Potential ausgraben. Und mit ihnen lachen und weinen. Denn genau darum geht es – erinnern wir uns daran, dass wir Menschen sind! Fühlende Wesen mit tiefer Weisheit, für die Chaos ein Kreativitätsschub ist! Aufgeben gilt nur für Briefe.

Allen einen tatkräftigen Marstag.

 

Mächtige Wolken zeugen davon, dass auch am Himmel Wallung ist. Ursula hats bemerkt, Danke für dein Foto. Möge es uns Wind unter die lahmen Schlappen blasen.

Einen tanzenden Stern gebären

Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.

Friedrich Nietzsche, in: „Vorwort zu Also sprach Zarathustra“

Der Stern tanzt zwar nicht, aber wer weiß, was er vorhat. Silke hat ihn an einem Baum entdeckt. Danke für dein Foto!

Weisheit, Würde und andere Themen

Die Jahresringe im Baum sagen uns etwas über das Alter. Dem Forscher sagen sie viel über die klimatischen Verhältnis, Fraßfeinde und vieles mehr. Ich bewundere die Standhaftigkeit der uralten Baumriesen, die trotz Feuersbrünsten, Stürmen, Trockenheit und vielem mehr den Jahrhunderten trotzten und vermutlich unglaublich viel erlebt und gesehen haben. Und so, wie die alten Bäume knorrig werden, werden wir auch knorriger, runzliger und vielleicht manchmal müder. Damit haben viele Menschen ein dezentes Problem, wie die Kosmetikindustrie und die Schönheitschirurgie durchaus wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Forever young ist die Devise, nur nicht altern. Schade. Alte Gesichter erzählen Geschichten von Niederlagen, Sorgen, Freude, Lachen und allem, was das Leben ausmacht. Hören wir auf, Leben nicht mehr stattfinden zu lassen in, auf und mit unseren Körpern. Was tun wir uns da an?

Am Wochenende hatten wir zwischen unseren Filmsequenzen und diversen anderen Dingen einen guten Austausch über Weisheit, Würde des Alters und den Begriff der Schönheit. Durch die Familiensituation sehen wir jeden Tag, wie schwer es sein kann, mit den Herausforderungen des Alltags klarzukommen. Wenn man nicht mehr autofahren kann, kann man nicht mal eben einkaufen gehen. Der Einkauf verzögerte sich, weil die Pflegekraft zum Stützstrümpfe anziehen durch einen anderen Patienten aufgehalten wurde. Spannend zu sehen, wie sehr das irritieren kann, wenn sich jemand verspätet. „Jetzt ist es so voll in den Läden, das will ich nicht!“ – als ob es jetzt schlimm wäre, wenn etwas ein paar Minuten länger dauert als vielleicht gedacht. Flexibilität ist dann schwer möglich.

Am Freitag hatten wir in einer Ausbildung Erik Eriksons Begriff der Generativität. Er bedeutet, dass wir ab einem bestimmten Alter eingeladen sind, unser Wissen, unsere Erkenntnisse an die nächste Generation weiter zu geben, damit sie darauf aufbauend ihren eigenen Weg gut finden kann. Ein schönes Bild. Heute erweitert durch die Erkenntnis: alle lernen von allen. Da war der Flow summit hilfreich, der Highlights bot, darunter Seom, der von Kindern und ihrer unglaublich umwerfenden Philosophie erzählte. Ich dachte daran, wie arm wir in unserer Gesellschaft leben, wenn wir Alt und Jung, krank und gesund, behindert und nichtbehindert trennen. Es geht nicht um Inklusion um jeden Preis, das sollte der Einzelne selbst entscheiden dürfen. Es braucht künftig ein anderes Miteinander. Es muss nicht die Großfamilie sein, vielleicht eine selbstgewählte Gemeinschaft, in der alte und junge Menschen gemeinsam leben und sich unterstützen. Es gibt viele solcher Modelle, keine Frage. Die Zukunft wird noch viel mehr solche Modelle brauchen, das hat die Pandemie gezeigt – Alleinerziehende im Homeoffice und –schooling benötigen Hilfe von erfahrenen Großeltern. Denen ist geholfen, wenn einer einen Wasserkasten mitbringt oder sie zum Zahnarzt fährt. Wir werden viel mehr aufwachen dürfen in eine Welt hinein, in der wir den anderen Menschen wahrnehmen in seinen Bedürfnissen, seinem Wunsch nach Gemeinschaft, aber auch nach Rückzug und Ruhe. Es hat sich ausge ego-t. Was wirst du heute tun, um ein Wir zu unterstützen? Wie möchtest du altern?

Allen einen freundlichen Wochenstart!

Himmelwärts gerichtet

Wenn du das Fliegen einmal erlebt hast, wirst du für immer auf Erden wandeln, mit deinen Augen himmelwärts gerichtet. Denn dort bist du gewesen und dort wird es dich immer wieder hinziehen.

Leonardo da Vinci, 1452–1519

Fliegen – so haben wir alle mal angefangen.

Die Ewigkeit berühren

In tiefer Nacht erreicht mich die Mailanfrage einer jungen Frau, die Mama geworden ist und ihre Berufsausbildung bald fortsetzen wird. Sie fragt nach Würde und stellt die wirklich wichtigen Fragen, die wir uns alle immer wieder vorlegen dürfen: Wer bin ich? Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Was ist meine Aufgabe auf diesem Planeten?

Das finde ich so berührend. Es passt zu dieser Woche. Was waren das für verschiedene Menschen hier, das ist so ein Kaleidoskop menschlichen Erlebens. Menschen in Trennung. Menschen mit schweren körperlichen Krankheiten, die mit heftigen Diagnosen fertig werden müssen. Menschen, die keinen Sinn in ihrem Leben mehr sehen, solche, die langjährige zerfressende Konflikte klären möchten. Schüler in den Ausbildungen, die stark gemacht werden möchten, um genau das alles stemmen zu können. Anfragen per Mail. Der Wunsch nach einem bestimmten Vortragsthema. Die Frage, wann ich mal ein Buch schreibe (echt jetzt?) Hilferufe UND Dankeschöns.

Jeder Tag besteht aus Millionen von Augenblicken, in denen wir die Ewigkeit berühren. In einem Moment der Schönheit eines Sonnenaufgangs. Im Purzelbaum, den ein Hund auf der Wiese neben dem Haus vollführte – einfach aus Lebensfreude heraus. Im Sturm, der heute Nacht ums Haus brauste und nach Dingen suchte, die er mitnehmen und woanders als Geschenk ablegen kann. Im sternklaren Himmel, im Wolkenflug. In diesen Momenten, in denen wir plötzlich im Gespräch still werden. Still vor Berührung. Vor Achtung, Respekt und Wertschätzung, was da gerade geschieht. In denen ein Mensch seinen Weg wieder entdeckt. Tief in sich. Da, wo er immer schon war.

Ich sitze hier, umgeben von einem Armvoll Hyazinthen, die mir ein unbekannter Spender diese Woche geschickt hat – wer immer das war: Von Herzen Danke für einen Farbtraum und eine Duftorgie der Spitzenklasse. Die zauberhaften Blüten öffnen sich Stück für Stück.

Genau das ist mein täglicher Antrieb: Menschen ihre Schönheit, ihre Würde, ihre Echtheit, ihr Wunder Stück für Stück erfahrbar zu machen. Damit sie in ihrem Leben gut einwurzeln. Wachsen, blühen und fruchten. Ich liebe es, im SeelenGarten Gärtner zu sein. Ich liebe es, im LebensRaum Menschen Halt, Schutz, Sicherheit auf der einen Seite zu geben, auf der anderen, um in diesem Raum ihren inneren Herzensquell zu entdecken, sich selbst und das, was sie geistig trägt.

Wenn ich diese Woche für etwas besonders dankbar bin, dann für die Tatsache, dass es so viele solcher Momente gab, in denen es still wird, weil das Universum im Herzen tönt.

Allen ein wunderbares Wochenende! Habt euch bitte lieb da draußen. Wir brauchen nichts mehr als einander in Freundlichkeit, Liebe und Wertschätzung. Alle! Jeder wird gebraucht. Vor allem DU.

 

Da viele von euch ja immer gern mehr Meer haben – hier ist ein Strand, den Theresa fotografiert hat. DANKE.

Freiheit und Würde

Nichts ist quälender als die Kränkung menschlicher Würde, nichts erniedrigender als die Knechtschaft. Die menschliche Würde und Freiheit sind uns natürlich. Also wahren wir sie, oder sterben wir mit Würde.

 

Marcus Tullius Cicero, 106–43 v. Chr.

 

Sandra hat dieses zauberhafte Foto sehr würdevoller Gänseblümchen geschickt. Ich danke dir!

Staunen wir mal wieder!

Wenn ein Mensch ein wahrhaft krasses Schicksal hat und es immer wieder schafft, sich aus tiefsten Abgründen ans Licht herauszuarbeiten, stehe ich da und staune über diesen Mut und diese Kraft, die da sichtbar werden. In meiner Praxis höre ich viele Lebensgeschichten. Ich schaue hinter so manche Kulisse. Mir werden Dinge anvertraut, die vielleicht sonst kaum jemand weiß. So unterschiedlich wie die Geschichten sind auch die Wünsche der Menschen an mich– der eine möchte therapeutisch begleitet werden. Andere haben eher eine Frage, die Richtung Coaching geht. Die nächsten möchten ihr Potential entfalten und immer wieder kommt jemand, der einfach nur einen Raum braucht, in dem er das Recht zu trauern hat, weil unsere moderne Gesellschaft am Freitag bestattet und am Montag hat der Alltag hoffentlich zügig weiterzugehen.

Am Ende einer Woche, wenn ich die Menschen Revue passieren lasse, die ich in dieser Zeit erlebt habe, merke ich, wie berührend vieles ist. Wie oft ich es erleben darf, dass das Leben sich durch dickste Betonschichten bohrt und eines Tages ausbricht, wächst, blüht und fruchtet. Wie verschlungen Lebenswege sein können und welches zauberhafte Muster sich zeigt, wenn man es aus einer Metaperspektive anschaut.

Wir verzweifeln oft an unseren Mitmenschen und ihren Macken. Erblickten wir, wie oft es unsere Macken in einem Spiegel sind, wären wir überrascht und dankbar, dass unsere Mitmenschen die schwere Aufgabe auf sich nehmen, uns bei unseren Lernschritten behilflich zu sein und wir wären wesentlich netter zu ihnen.

Wir alle sind Lernende in der Schule des Lebens. Wir sind Lehrende, denn wir müssen oft genug ein Kontrapunkt sein, auch wenn wir das vielleicht nicht wollen. Wir alle sind Übende, denn keiner weiß in jedem Fall und immer, wie man „richtig“ lebt. Wir sind Meisterinnen und Meister und zugleich Lehrlinge im Leben. Uns gelingt Unfassbares und im Alltag können wir bei kleinsten Dingen krass versagen. Wir sind Wundertüten, Kaleidoskope, die uns die Schönheit und das Chaos des Universums widerspiegeln.

Staunen wir doch einfach an diesem Tag der Liebe. Über uns. Über alle anderen. Über die Buntheit, die wir sind. Über die Kraft von Glaube, Hoffnung und Liebe, die die schwersten Hindernisse überwinden kann. Und darüber, dass wir zu den Wesen gehören, die nachts aufs Klo gehen und sich dann im Dunkeln am Bett den Zeh brechen. Mal ehrlich – sind wir nicht unfassbar wunderbar und wundersam?

Euch einen feinen Freitag, der alles mitbringt, was euch zum Wachstum dienen möge. Vor allem jede Menge Power und ausreichend Grund zum Lachen.

 

Ursula hat die geballte Kraft des Rhabarbers im Bild festgehalten. Ich danke dir und freue mich schon auf den ersten Rhabarbercrumble 2021.

Keimendes

Man sieht die Blumen welken und die Blätter fallen, aber man sieht auch Früchte reifen und neue Knospen keimen.

Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Ursula hat genau hingeschaut bei dieser herrlichen Bienenweide!

Den Fokus neu einstellen

Unter jedem Dach ein Ach – das kann ich gut sehen in meiner Praxis. Das Ach hat viele Formen. Es kommt in Gestalt von Krankheit und Tod, Angst und Sorgen vielfältiger Art, Arbeitsplatzprobleme, drohende Geschäftsaufgaben durch die Pandemie, vereinsamte Menschen, Sorge vor einer Erkrankung, Kinder ohne Freunde und Jugendliche mit Orientierungsproblemen. Dazu Überarbeitung von jenen, die seit vielen Monaten versuchen, so manches am Laufen zu halten. Zukunftsängste, Existenzängste.

Es geht nicht darum, etwas schön zu reden. Wenn Dinge schlimm sind, soll man sie so benennen. Es geht nicht darum, sich die Welt rosarot anzumalen, wenn sie grau ist. Machen wir uns dennoch bewusst, dass wir diese Welt eben nie so sehen, wie sie vielleicht ist, weil wir alles durch unsere ureigene Brille sehen. Wenn wir gut aufgestellt sind, übersehen wir negative Sachen eher, sind wir schlecht drauf, fallen gute Dinge durch die Maschen der selektiven Wahrnehmung. Unser energiesparfreudiges Gehirn vereinfacht gern, benutzt ausgelatschte Wege und gehört zur Fraktion „des hammer immer scho so gmacht“.

Wenn wir unsere Sichtweise von total schwarz und negativ auf wenigstens annähernd neutral bringen wollen, dürfen wir den Scheinwerfer unseres Wahrnehmungsfokus‘ neu justieren. Das Problem: dieser Scheinwerfer ist schwer und sperrig. Es braucht Aufwand, ihn neu einzustellen. Das ist, als wenn ich in einem Urwald stehe, ein kleines Messer habe und mich 20 Kilometer durch eine feuchtheiße, total zugewucherte Hölle schneiden soll, um auf andere Menschen/Rettung/was immer zu stoßen. Da ist schon ein Meter lebensgefährlich und anstrengend.

Dennoch ist es das, was wir zu tun haben – bewusst in die Wahrnehmung dessen gehen, was gut, wahr, schön ist. Der aufkeimende Frühling hilft uns mit seinem Zauber, das leichter zu vollbringen. Die Schneeglöckchen blühen, die Krokusse, die Tulpen treiben ebenso wie die Traubenhyazinthen, die Knospen schwellen, die Bäume ziehen Wasser, alles draußen richtet sich auf Neuanfang ein. Wie wäre es, wenn wir an diesem Jupitertag unser Gehirn einladen, sich auch neu auszurichten und den Fokus gerechterweise auf die guten Dinge zu lenken? Die unglaublich tollen Wunder, die uns jeden Tag begegnen? Wie wäre es, wenn wir es für möglich halten, dass uns in diesen Frühlingstagen die Kraft, der Zauber, die Magie des Anfangs erfassen, stärken und ermutigen?

Es gibt keinen Grund zur Verzweiflung, egal, wie die Lage ist. Nur immer und immer wieder die Bitte der Natur auch an uns als Bestandteil des großen Kreislaufs, auf die Macht der Erneuerung, des Neuanfangs zu vertrauen und aus den Samen des Vertrauens, der Begeisterung, der Selbstfürsorge und Wertschätzung neu zu keimen und erste Blätter ans Licht der Welt zu heben. Ja, das kostet Kraft. Ja, das ist mühsam, schwerer als klagen und jammern. Aber wir alle sind selbstwirksam. MeisterInnen der Wunder. Königinnen und Könige des Vertrauens, würdevolle Majestäten auf ihrem Lebensweg. Mit und ohne wackelige Kronen.

Nehmen wir unsere verletzliche Schönheit achtsam wahr. Feiern wir leise und laut das Neue, das kommen wird. Gestalten wir mutig jeden Tag. Es ist ein Tag unserer begrenzten, hochkostbaren Lebenszeit. Lassen wir nicht zu, dass Angst in uns nistet, Sorge uns auffrisst. Alles hat seine Zeit und seinen Raum. Und alles wird sich stetig wandeln, auch Negatives verändert sich. Vertrauen wir an diesem Jupitertag und laden die Kraft des Frühlings ein, auch unser Herz zu stärken.

Allen einen freundlichen und frohen Donnerstag. Blütenzauber – noch nicht von diesem Jahr.

Vom Zauber

Der Zauber steckt immer im Detail.

Theodor Fontane, 1819–1898

Barbara hat den Zauber der Küchenschelle eingefangen. Vielen lieben Dank für das Foto!

Höflichkeit ist eine Herzensqualität

Höflichkeit ist ein elegantes Schmiermittel, das unser gesellschaftliches Leben einfacher macht. Es ist eine Form des Respekts, der Achtung und Wertschätzung, die wir anderen gegenüberbringen. Ich schätze höfliche Menschen sehr. Sie halten einem die Türe auf, helfen in den Mantel (und das darf auch mal bei einem älteren Herrn sein), sie stehen in der Straßenbahn oder im Bus auf für andere und haben ihren Blick nicht nur auf ihrem Taschenkobold, sondern nehmen durchaus wahr, wenn jemand im Umfeld Hilfe braucht.

Höflichkeit spiegelt sich im gesamten Alltag. Höfliche Menschen schreiben Mails mit Anrede und Gruß. Sie fassen sich kurz. Sie bemühen sich um Ruhe und einen freundlichen Tonfall. Sie sind sich ihrer Würde bewusst, gestehen sie auch allen anderen im Außen zu und handeln entsprechend. Sie sind aufmerksam. Ihre Sprache ist freundlich und wenn sie Kritik anbringen, ist der Tonfall angemessen und der Inhalt sachlich.

Höflichkeit beginnt bei mir selbst – bin ich mir selbst gegenüber höflich und freundlich oder pflege ich den üblichen inneren Kasernenhofton mit Tötungsabsicht? Das machen wir gern mit uns, dass wir uns kritisieren, benörgeln und niedermachen. Ein höflicher Mensch ist nicht nur im Außen höflich, was aufgesetzt und damit generell unhöflich wäre, sondern pflegt sich an die allgemein eher unbeliebte Regel des Hermes Trismegistos zu halten: außen wie innen (oben wie unten, Mikrokosmos und Makrokosmos).

Vielleicht verbinden wir heute die Begriffe Authentizität und Höflichkeit miteinander, denn ein höflicher Mensch lügt nicht, wenn ihm etwas nicht passt, sondern sagt es angemessen. Er spielt niemandem etwas vor, weil er freundlich sagen kann, wenn er Rückzug und Ruhe braucht. Er hat einen Standpunkt, was bedeutet, dass er sich erstmal einen machen musste – ein Luxus, auf den viele gern verzichten, weil Standpunkt haben bedeutet, sich eine eigene Meinung zu bilden, bewahre! a) zu anstrengend und b) eventuell gegen den Mainstream. Höfliche Menschen haben eine Meinung, fühlen sich aber nicht bemüßigt, sie permanent vor sich herzutragen als Gesinnung. Sie hören hin statt zu. Sie bewerten achtsam und bleiben eher bei sich, als wie eine Muräne aus dem Felsloch zu schießen und niederzubeißen, was sich bewegt (man muss der Muräne zugute halten, dass sie das nicht aus Freude tut).

Höfliche Menschen sehen viel und übersehen vieles. Sie hören eine Menge und tragen es nicht weiter. Sie helfen, peinliche Momente zu überstehen, indem sie im richtigen Augenblick schweigen können. Sie machen die Welt angenehm, aber nicht auf eine schleimige, anbiedernde Art, sondern elegant und leicht.

Wo begegnet dir Höflichkeit im Alltag? Was war deine schönste Höflichkeitssituation? Bist du selbst im Höflichkeitstraining des Lebens?

Allen einen bewegenden und beweglichen Merkurtag.

 

Annemarie bringt uns mit ihrem Bild ein wenig in den Frühling hinein. Danke!

 

Höflich und menschlich

Höflichkeit ist die Blüte der Menschlichkeit. Wer nicht höflich genug ist, ist auch nicht genug menschlich.

Joseph Joubert, 1754–1824

Annemarie hat die zauberhaften Kirschblüten im Hofgarten fotografiert. Vielen Dank!

Wunder des Tages

Wunder! Als Kinder WISSEN wir, dass jeden Tag Wunder geschehen und möglich sind. Erwachsene glauben kaum mehr an Wunder, neigen jedoch sehr zum sich wundern eher im negativen Sinne. Was passiert mit uns auf dem Weg zum Erwachsenwerden, dass wir den Wunderglauben verlieren?

Vermutlich etwas, was Thomas von Aquin beschreibt, den Unterschied zwischen Wunder und Veränderung. von Aquin hatte erkannt, dass Veränderung etwas ist, was Initiative von uns benötigt. In diesem Zitat ist ein Wunder etwas, um das man beten, also bitten kann und dass die Gewährung eines Wunders von jemandem oder etwas anderem abhängt. Was wir jedoch als Menschen selbst in der Hand haben, ist die Macht zur Veränderung.

Mascha Kalekó wird die Aussage zugeschreiben, wer nicht an Wunder glaube, sei kein Realist. Ich glaube, dass Wunder möglich sind, wenn wir uns bewusst werden, dass wir selbst die ersten Schritte zur Veränderung gehen dürfen und daraus mehr Vertrauen ins Wunderbare entwickeln können.

Was sagt der Alltag? Ich höre viele Klienten lang und breit klagen, dass sie nicht wissen, was sie wollen. Sie können wahre Listen aufmachen, was sie alles nicht wollen und wie sehr sie sich als Opfer ihrer Umstände fühlen. Sie sind nicht das Opfer von Umständen oder der bösen Welt, nicht Opfer ihrer grauenvollen Vergangenheit oder von Angst vor der Zukunft gelähmt. Sie sind Gefangene ihrer Denkkonstrukte über die Welt, die nicht so ist, wie sie ist, sondern so, wie sie sie sehen wollen und können. Letztlich sind wir also auf unseren eigenen „Mindfuck“ hereingefallen, weil wir dazu neigen, zu glauben, was wir uns den ganzen Tag im Kopf erzählen über unsere Unschuld an allem und die schlimme Welt und die fiesen anderen.

Verantwortung übernehmen ist der erste Schlüsselentscheid im Spiel auf dem Weg zum Wunder. Übernimm Verantwortung für dein Denken, dein Fühlen und dein Wollen. Finde heraus, was du willst und bete nicht zum tausendsten Mal die Liste dessen herunter, was du nicht willst. Wofür schlägt dein Herz? Was ist dein Ziel, dein Ikigai, dein Grund morgens aufzustehen? Was bist du bereit, heute für dein Ziel zu tun? Welche Schritte wirst du jetzt unternehmen, um in einem halben, einem ganzen Jahr an einer anderen, vielleicht wunderbaren Stelle deines Lebens zu stehen?

Einstein hat gesagt, dass wir Probleme nicht auf der Ebene lösen, auf der sie entstanden sind. Denkfehler werden selten durch bessere Denkfehler ausgemerzt, sondern durch kluge Handlungen und spielerisches Ausprobieren (oh ja!!! Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt, Schiller). Etwas in uns weiß immer hundertprozentig, was wir wollen und wo es hingeht, nur unser innerer Schweinehund, bestens genährt von Selbstzweifeln, mangelndem Selbstwert und anderen nervigen Querschlägern bleibt bei Vollgas auf der Bremse stehen.

„I want to break free“ sang Freddy Mercury voll Inbrunst. Wo willst du die Eierschale sprengen, um Veränderung anzustoßen und dich bereit für die Wunder zu machen? Wo ist die Freude in deinem Leben? Folge ihr. Und dann geh los. Es geht nicht ohne Arbeit, das wusste von Aquin schon im 13. Jahrhundert. Nehmen wir noch Khalil Gibran dazu, der im „Propheten“ schreibt: „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“. Also, du Wundertüte, du Schöpfergeist, was willst du denn sichtbar machen, wo willst du hervortreten, was ist dein Beitrag, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen für alle? Zeig dich, damit die anderen auch Mut fassen, sich zu zeigen. Raus mit den Teelichtern auf den Scheffel! Es IST Zeit für Wunder!

Allen einen sehr kraftvollen Marstag.

 

Steffi schenkt uns Freude unter die oft schweren Alltagsflügel mit diesem Traumfoto vom Frühlingswald. Bald ist es so weit – dieses Wunder geschieht. Welches ist DEIN WUNDER DES TAGES?