
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Erich Kästner
Und danach Erholung. Am Benediktushof im Japangarten kann man das gut.

Mystisch erscheint uns oft der Wald, vor allem an Stellen, an denen er unberührt scheint. Da waltet und entfaltet sich die Natur auf ihre Weise, ordnet sich. An solchen Orten finden wir oft innerlich zur Ruhe, weil uns die Bäume nicht mahnen, Unerledigtes hurtig wegzuschaffen, die Büsche fordern uns nicht auf, dies oder jenes zu tun, der weiche Boden fühlt sich anders an als die Straßen der Städte, durch die wir oft ohne Blick für die Welt von A nach B eilen.
Muße im Wald ist die Therapie, die ich Menschen am meisten ans Herz lege. Im achtsamen Gehen durch die Natur erleben wir die Jahreszeiten, das Werden und Vergehen, atmen vielleicht das erste Mal seit langem wieder tief frische Luft, da beruhigen sich überreizte Augen, Ohren und das Gemüt wird sanft daran erinnert, was Leben bedeutet.
Je lauter und unsicherer die Welt ist, desto mehr bedürfen wir der Erinnerung, was wirklich wichtig ist: dass wir, unsere Kinder und viele Generationen Kindeskinder unberührte, gesunde, lebendige Natur erfahren dürfen. Dass wir in Frieden mit allem leben wollen, in Verbindung, gesehen, gewertschätzt, gehalten. Das ist es, was wir alle im Herzen brauchen. Das Ausatmen und Loslassen dürfen, wenn alles zu laut und schnell ist, das Gefühl der Geborgenheit und das Wissen, dass alles Lebendige immer seinen ureigenen Weg finden wird.
Wie froh bin ich über Stephanies Außenaugen, die so wundervolle Fotos mitbringt von ihren Wanderungen durch die Natur. Dankeschön!

Abendlich schon rauscht der Wald
Aus den tiefsten Gründen,
Droben wird der Herr nun bald
An die Sternlein zünden.
Wie so stille in den Schlünden,
Abendlich nur rauscht der Wald.
Alles geht zu seiner Ruh.
Wald und Welt versausen,
Schauernd hört der Wandrer zu,
Sehnt sich recht nach Hause.
Hier in Waldes stiller Klause,
Herz, geh endlich auch zur Ruh.
Joseph von Eichendorff, 1788-1857
Stephanie hat diesen geheimnisvollen Eingang im Wald entdeckt – wer hier wohl in Waldes stiller Klause zur Ruhe geht? Danke für dein Foto!

Was bewegt Menschen? Spannend, wie unterschiedlich die Antworten sind. Die Lage im Außen – für die einen enorm belastend im Hinblick auf drastische Zukunftsszenarien, wie eine Mama von Söhnen sagt. Andere finden ihren Lebenssinn nicht und haben keine Ahnung, wofür sie jeden Morgen aufstehen sollen. Einsamkeit in allen Altersstufen, weil wir es nicht mehr gewohnt sind, mit realen Menschen direkt zu kommunizieren und auszuhalten, dass wir alle Ecken und Kanten haben. Gestern sagt mir jemand, wie schrecklich es wäre, nicht mehr zweimal im Jahr Urlaub zu haben oder kein Geld als Rentner.
Mich bewegt im Außen das Überschreiten zahlloser Kipppunkte beim Klima, wenn wir das Klima nicht auf dem Schirm haben, ist der Rest der Fragen langfristig irrelevant. Mich beschäftigt weltweit die politische und wirtschaftliche (Rück)Entwicklung mit Drohgebärden, Provokationen und Aktionen, die Frage, weshalb so viele darauf verzichten, sich mit ihrer Nahrung zu befassen, denn sie ist Grundlage des Lebens und mich erschreckt das wenige Interesse an Pflanzen generell in Bezug auf heilkundliche Anwendungen. Was tust du, wenn du schwer erkrankst, es aber keine Medikamente mehr zu kaufen gibt? Wie hilfst du dir selbst?
Bei vielen Außenthemen fühlen wir uns machtlos und dürfen uns bewusst werden, dass jede Wahl im Alltag für oder gegen etwas Macht ist. Die Ebene, auf die wir am meisten Einfluss haben, ist das direkte Umfeld. Da können wir uns Wissen aneignen über Wildkräuter, Anbau von Nahrungsmitteln, Verwertung von Obst und vielem mehr. Wenn wir das Gefühl haben, etwas selbst tun, uns selbst helfen zu können, ist das hilfreich gegen Ängste und davon haben wir mehr als genug.
Mich bewegt derzeit unter anderem auch die Verarbeitung der Quitten zu Saft.

Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke

Immer wieder geht es in diesen Wochen um das Thema Rhythmus und Struktur im Tagesablauf. Gerade bei Menschen, denen es nicht gut geht, ist Rhythmus eine echte Hilfe. Das gilt für Aufstehen und Schlafengehen, Mahl-Zeiten und das Rausgehen an die frische Luft, egal, wie das Wetter ist. Ist man sehr erschöpft, fällt es schwer, sich gut und gesund zu ernähren. Eine warme Gemüsesuppe jedoch kann manchmal Wunder wirken und ein warmer Getreidebrei am Abend mit Apfelkompott je nach Typ für ein gutes Bauchgefühl sorgen, um die Mühen des Tages loszulassen. Ernährung, Schlaf und Bewegung sind das Winnerteam. Es erschreckt mich immer wieder, wie wenig Wert Menschen auf genau diese Basics legen und denken, das sei unwichtig. Mal schludern kann passieren, auf keinen Fall, wenn auf Dauer hier das Augenmerk verlorengeht. Wir brauchen Rhythmus und Struktur, um zu gesunden, eine gute Schlafarchitektur aufzubauen, um Stress durch Bewegung zu lösen und das Essen, das wir uns einverleiben, sollte im besten Fall der hippokratischen Forderung „Eure Nahrungsmittel seien eure Heilmittel sein“ entsprechen. Hast du gute gesunderhaltende Routinen in Bezug auf Bewegung, Schlaf und Ernährung? Ich wünsche es dir sehr. Einen kraftvollen Marstag!
Sigrids Foto zeigt eine Basis guten Lebens: Entspannung. Danke!

Manche Kurstage sind einfach rundum schön. Da passt die Gruppe hervorragend, das Wetter spielt mit, dass man sogar draußen essen kann, das Interesse ist echt, die Fragen wundervoll. Das sind Tage der Dankbarkeit. So war es am Feiertag mit dem Präsenzkurs über „Wickel und Auflagen“. Das sind alte überlieferte Techniken zur Linderung von Alltagsbeschwerden und zur Unterstützung von Prozessen, die wir oft vergessen haben. Die Wirkung eines Kohl-, eines Waden- oder Halswickels haben wir hoffentlich alle schon erfahren dürfen. Ein Leberwickel mit Schafgarbe kann unglaublich unterstützend sein als Begleitung in der Behandlung einer depressiven Episode und anderem. Anwendungen mit Heilerde sind altbewährt und viele Kräuter oder Öle können zum Einsatz kommen.
Anwendung ist Zuwendung. Uns ging es um die praktische Erfahrung und die Theorie dazu, um das im Hausgebrauch gut einzusetzen. Wie wirksam eine Bienenwachsauflage ist, konnte eine Teilnehmerin am eigenen Leib erfahren. In Theorie und Praxis haben wir im wahrsten Sinn des Wortes „Entwickelungshilfe“ geübt.
Der Seminartag zu Salutogenese am Samstag mit dem Finden der Übegruppen am Nachmittag für die Neugestarteten im Nautilusprojekt war spannend und berührend, am Sonntag sind die angehenden Coaches mit ihrem Kurstag über Systeme an die Startlinie gegangen – ein Wochenende, das auf vielen Ebenen unglaublich schön und begegnungsreich war. Ich danke allen, die mit ihrer Teilnahme diese drei Tage so schön und berührend gemacht haben.
Allen eine wundervolle Woche!
Kursimpressionen vom Wochenende

In meines Wesens Tiefen dringen
Erregt ein ahnungsvolles Sehnen
Dass ich mich selbstbetrachtend finde
Als Sommersonnengabe die als Keim
In Herbstesstimmung wärmend lebt
Als meiner Seele Kräftetrieb.
Wochenspruch aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner.
Wundervolles Schweizfoto von Stephanie. Dankeschön!

Am Dienstagabend war es gemütlich in der Alten Synagoge Kitzingen beim Thema „Potential entfalten“ und wir hatten eine wunderbare Diskussionsrunde – wie finde ich mich selbst? Wie entdecke ich mich mit meinen Fähigkeiten und Talenten? Muss ich im Außen suchen oder ist die Reise nach Innen gut? Was, wenn ich mit mir und meinem Leben rundum zufrieden bin? Es ist toll, wenn ein Vortrag zum gemeinsamen Überlegen und Fragen anregt. Das wird vielleicht auch am 29. 11. sein, da geht es um alte Bräuche und die Reise nach Innen, nachdem es am Dienstag um den Blick von und nach Außen ging.
Heute ist Vorbereiten für das Kurswochenende dran – am morgigen Feiertag geht es um Wickel und Auflagen, am Samstag um Salutogenese und am Sonntag um die Einführung in Systemtheorie. Ich freue mich. Allen einen schönen Feiertag.
Beate hat den Fluss fotografiert. Das Bild des Flusses hat auch Aaron Antonovsky verwendet, um Salutogenese zu beschreiben.

Andrea hat das Foto gemacht, Danke! Die Karte stammt aus dem wunderschönen Mut-Kartenset, das mit Texten von mir bei der Zeitschrift Holunderelfe erschienen ist. Es gibt auch ein Selbstfürsorge-Set – feine Geschenke zur Stärkung für liebe Menschen. Hier bekommst du das: https://holunderelfe.com/product/mut-kartenbox/

Pflege bietet immer Überraschungen. Am Wochenende gab es krasses Auf und Ab im Gesundheitszustand des Bruders. Immer wieder versagt die Niere ohne erkennbaren Grund. Es liegt nichts Bakterielles vor. Klar, er hat nur eine Niere und bei 55 Lebensjahren bedeutet das, dass sie genau so lange die Arbeit von zwei Nieren leistet. Jetzt ist er wieder heiter aufgestellt, mir hängen solche Erlebnisse sehr in den Knochen, weil sie mich hilflos daneben stehen lassen ohne zu wissen, was zu tun ist. Mehr zu trinken geben, weniger? Medikamente ansetzen oder abwarten? Da er sich nicht äußern kann und ich auch Schmerzen durch sein Verhalten wahrnehmen muss, ist das durchaus nicht so einfach. Ich möchte nicht, dass er Schmerzen hat, weiß jedoch nicht, ob und wo ihm etwas weh tut. Wir müssen uns auch immer wieder daran erinnern, dass er durchaus auch andere Erkrankungen haben kann und wir nicht immer alles auf die Niere projizieren. Also beobachten wir den jungen Mann mit Argusaugen, jetzt läuft alles wieder fast normal im wahrsten Sinne des Wortes. Bis zur nächsten Runde im Fragezeichenkarussell. Darauf bereitet einen keiner vor. Jedenfalls fahre ich am Abend beruhigter zum Vortrag halten, weil es ihm besser geht. Vor einiger Zeit meinte ich zum Hausarzt „Ich hätte echt Medizin studieren müssen, dann wüsste ich besser, was zu tun ist.“ Seine Reaktion war erstaunlich. Er meinte nur: „Sie kennen ihn besser als jeder andere und wissen viel schneller und zuverlässiger, was zu tun ist.“ Na dann, miteinander werden wir den Laden weiterrocken.

Das ist eine gut gepackte Woche. Ein Tag Uniklinik steht an, die Abschlussuntersuchungen nach über einem Jahr mit dem Ohrenimplantat. Das bedeutet lange Hörtests, Untersuchungen und Warten. Zudem Termin beim Hörgeräteakustiker, Kontrolle für das andere Hörgerät alle Vierteljahre. Ich muss gut hören können in meinem Alltag. Heute Abend um 19 Uhr geht es beim VHS-Seminar in Foyer der Alten Synagoge Kitzingen um „Die Reise zu mir selbst“. Hier ist keine Anmeldung notwendig, ein kleiner Unkostenbeitrag wird an der Abendkasse erhoben. Am Freitag ist ein Präsenzkurs im Haus zum Thema „Wickel und Auflagen“, alle Plätze sind vergeben. Am Samstag startet die neue Nautilusgruppe mit ihrem ersten Seminartag zum Thema „Salutogenese“, am Sonntag die angehenden Coaches mit ihrem Seminartag über Systeme. Alle Abende sind mit Vortrag, Übgruppe oder Klienten belegt und ich freue mich auf alle Begegnungen. Wie dankbar bin ich für die Vielfalt in meinem Leben. So spannende Themen und Menschen. Hab einen kraftvollen Marstag!

Ein Männlein steht im Walde
Ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur
Ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald’ allein
Mit dem purpurrothen Mäntelein?
Das Männlein steht im Walde
Auf einem Bein
Und hat auf seinem Haupte
Schwarz Käpplein klein.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald’ allein
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein?
Das Männlein dort auf einem Bein,
Mit seinem rothen Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein,
Kann nur die Hagebutte sein!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1843
Diese tollen Hagebutten haben wir im Garten von Primavera in Oy-Mittelberg entdeckt