Author page: Christine Krokauer

Kokoro

Für meinen Minirückzug in die Stille hatte ich mir ein Wort mitgenommen, das ich überdenken, erfahren, erleben und vielleicht erkennen wollte: kokoro. Das ist der japanische Begriff für, ja, für was? Genau das war die Frage. Eine schlichte Übersetzung lautet achtsames Herz, doch es ist viel, viel mehr. Ich fand viele Entsprechungen mit den Nebenübungen von Rudolf Steiner und seinen Leitsätzen, Einladungen zum Denken, aber vor allem auch Erleben. Herz, Verstand, Stille, Dankbarkeit, Präsenz, die Erkenntnis, dass menschliches Leben im Alltag gestaltet sein will mit Bedacht und Tatkraft, mit dem Wissen um die Vergänglichkeit allen Seins, ein Weg, der sich uns oft erst im Rückblick erschließt. In kokoro treffen sich Ost und West auf eine gute Weise, denn auch wir kennen das christliche Herzensgebet, Achtsamkeitsübungen und Stille, „ora et labora“, vom Heiligen Benedikt als Ein- und Ausatemprozesse des Tages spürbar und vieles mehr. Jeder erlebt Schönes und Schweres, Leichtes und Lastendes. Entscheidend ist, wie wir mit diesen Erfahrensschichten umgehen, ob sie uns Fundament für Standfestigkeit verleihen durch Integration oder einen Kampfplatz darstellen, weil wir damit ringen. Das Herz wählt stets weise.

Einen kraftvollen Marstag!

Sommererbe, Herbstesruhe, Winterhoffnung

Sich selbst des Denkens Leuchten

Im Innern kraftvoll zu entfachen

Erlebtes sinnvoll deutend

Aus Weltengeistes Kräftequell

Ist mir nun Sommererbe

Ist Herbstesruhe und auch Winterhoffnung.

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Stephanie hat das Bild aus der Schweiz mitgebracht. Danke dir!

Freestyle

Drei Tage intensive Beschäftigung mit Pflanzen im Ikebana-Kurs am Benediktushof. Sich voll und ganz auf die Pflanze einlassen – ihren Wuchs und wie sie auf dem Kenzan, dem Steckigel, sorgsam arrangiert werden. Dafür sorgen, dass Überflüssiges entfernt wird. Bei manchen Übungen kam es darauf an, den Sonnenstand zu berücksichtigen, auf den alle Pflanzen eines Arrangements „schauen“, bei anderen, den Leerraum auf besondere Weise als den Raum des Entstehens der Wirkung zu beachten. Eingebettet war das Seminar in Sitzen in der Stille, Gehmeditation und vor allem Schweigen.

Das Gehen, wenn es morgens noch richtig dunkel und kalt ist oder abends, wenn die Sterne in der frostigen Luft besonders funkeln. Sitzen und erkennen, wie die Gedanken sich jagen. Die Freude, nicht auf ein Handy, Mails oder Information von außen zu reagieren, sondern sich beim Suchen nach passenden Pflanzen in Wald und Flur nur auf das Wahrnehmen der Landschaft, beim Essen auf den Geschmack der Mahlzeiten zu konzentrieren. Stille ist eine enorme Kraft und die drei Tage waren gefühlt ein Tropfen auf einen heißen Stein. In der Praxis jedenfalls steht für diese Woche ein feines Gesteck aus den Fundstücken der letzten Tage als Gruß für die Menschen, mit denen ich arbeiten werde.

Allen einen gelingenden Wochenstart.

 

Mein erster Versuch in der Rubrik „Freestyle“.

Ruhe im Karton

Bis inklusive Sonntag ist Ruhe im Karton. Wenn mit dem Bruder morgen alles gut ist, bin ich im Schweigeretreat. Dem kürzesten, das ich je gemacht habe, doch lieber kurz als gar nicht. Knapp vier Tage, in denen gesprochene Sprache fern meiner Ohren bleiben darf, mein Gehirn sich resettet. Vor dem Aufheben des Schweigens werde ich flüchten, denn beim letzten Mal war die erste Frage meines Tischnachbarn „Hattest du hier auch kein Wlan?“ Hier gibt es kein Wlan auf dem Gelände. Kein Gebabbel. Kein „wer bist du, was machst du so“. Hier haben alle unauffällige Kleidung an und verbeugen sich. Ich werde keine Mails lesen, keine Posts schreiben, keine Antworten geben, mich nicht zu Klienten beugen, keinen Inhalt vermitteln. Einfach still sein und atmen. Das gigantische Rauschen im Kopf staunend wahrnehmen und sacht beobachten, wie es hoffentlich abebbt.

Allen eine frohe Zeit im Lärm der Welt, bis Montag!

 

Marmorwunder

Gabi backt gern Marmorkuchen. Manchmal mit aussagekräftiger Botschaft! Vor Jahren tauchten Alpha und Omega auf, vor wenigen Wochen war es eine Welle. Erstaunlich, wenn man den Kuchen an der offenbar genau richtigen Stelle aufschneidet. Was haben wir alles nicht gesehen, bemerkt und gestaunt, weil wir an anderen Stellen irgendetwas aufgeschnitten, geöffnet und getan haben. Ist es nicht erstaunlich, wie viele Zufälle zusammenkommen, dass wir solche Entdeckungen machen? Was, wenn dieser Tag heute viele „Zu-Fälle“ für dich bereithält, die du staunend wahrnimmst und dich fragst – wie kann das nur geschehen? Mögen es wunderbare Momente heute sein an diesem sonnigen Wochenteilungstag.

Danke an Gabi für die Fotos.

PS Wie es aussieht, werden die Kuchenformen kleiner. Also bei Gabi.

Hebbels Herbstbild

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

Die Luft ist still, als atmete man kaum,

Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,

Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält,

Denn heute löst sich von den Zweigen nur,

Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel, 1813 – 1863

Stephanie ist wieder einmal im Engadin beim Wandern unterwegs und hat dieses unglaubliche Foto geschickt. Danke dir!

Herbstarbeiten

Jede kleine Pause wird genutzt zur Verarbeitung von Quitten und anderem Obst. Manchmal muss man schnell sein, damit nichts verdirbt. Der gute alte Entsafter hat wieder Hochbetrieb, ebenso der Dörrautomat, denn Apfelwürfelchen sind bei uns die beliebteste Frühstückszutat.

Spannende Themen werden die Klienten diese Woche mitbringen, diese Woche ist fast komplett eine Berufsthemenwoche, daneben einige Aufstellungen.

Im Garten versuchen wir gerade aus den Blättern und abgeschnittenen Zweigen die Hochbeete des Gewächshauses von unten her gut aufzubauen, dann kann sich alles über den Winter setzen und im Frühjahr startet der Anbau. Einige Kübelpflanzen werden das erste Mal im Gewächshaus überwintern, mal schauen, wie das klappt. So ist noch rund ums Haus jede Menge zu tun, im Gewächshaus erst recht, da wird dann über den Winter in Ruhe die Beschattung angebracht, das haben wir noch nicht geschafft. Dafür sind die Wasserbehälter installiert, damit wir möglichst viel Regenwasser auffangen können.

Allen einen tatkräftigen Dienstag!

 

Bei harten Quitten verstehe ich die Erfindung von Küchenbeilen. Bei mir muss es sicherheitshalber das gute alte Omamesser sein.

Ein gutes Wochenende

Vom „neubelebt fühlen im Innern“, wie es Rudolf Steiners Wochenspruch aus dem Seelenkalender für diese Woche nahelegt, spüre ich noch nicht viel,  die Woche startet ja auch erst. Ein gut gefülltes Seminarwochenende, das grandiose Filmmusikkonzert des NDR im Hannoveraner Kuppelsaal am Samstagabend im Livestream, der Resilienzkongress und jede Menge Unvorhergesehenes waren durchaus herausfordernd. Diese Woche ist richtig voll und ab Donnerstagmittag drei Tage Schweigen, wenn mit dem Bruder alles soweit gut ist. Manchmal muss man sich herausnehmen und einfach nur atmen. Dann findet sich wieder Kraft für das, was dann mit Sicherheit wieder munter auf einen einstürmt.

Allen einen schönen Start in die Mittoktoberwoche.

 

Das Badehäuschen von Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen im Herbstgewand.

Erfüllung manchem Wunsche leihen

Ich kann im Innern neu belebt

Erfühlen eignen Wesens Welten

Und krafterfüllt Gedankenstrahlen

Aus Seelensonnenmacht

Den Lebensrätseln lösend spenden

Erfüllung manchem Wunsche leihen

Dem Hoffnung schon die Schwingen lähmte.

 

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

 

Stephanie hat das Foto gemacht. Lieben Dank!

Hab ein schönes Wochenende!

Manchmal denke ich nur „What?“ Wocheneinkauf, Hausputz, Krankenkommunion für den Bruder, Klienten, Wäscheberge, Kochen, Wickeln, auf den Ohren den Resilienzkongress (ganze zwei Minuten! Katheterisieren geht nur mit voller Konzentration). Meine Augen kleben an der Einleitung zu einem Meditationsbuch, das mich schon auf den ersten drei Seiten aus den Schuhen wirft – jemand schreibt so großartig über Raum, dass ich innerlich zusammenbreche. Seit Jahren wälze ich das Thema in meinem Kopf hin und her. Dreiviertel meines Buches darüber sind fertig, jetzt denke ich „Mülltonne, hier ist alles gesagt, was braucht es da meinen Text.“ Am Abend sitzen wir mit Kopfhörern vor den Rechnern und diskutieren, welche Songs vor den Seminaren neu gespielt werden. Klassik? Wumms? Fröhlich oder dramatisch? Gefühlte 100 Songs weiter steht die neue Playlist fest. Sie wird ja auch erst heute Morgen gebraucht. Im Grunde dient sie auch mir, um mich aus dem Alltag vollkommen auf die Kursinhalte zu fokussieren. 15 Minuten Musik auf Anschlag, weil Kaffee in der Hitze eines Filmstudios sinnlos ist. Alles, was mich gestern herumgeschleudert hat, ist weit hinten, denke ich: „Hier gehe ich nie mehr raus.“ Kommentar meines Mannes: „Früher hast du dann Ina Deter auf Endlosschleife gehört: ‚Und was draußen passiert, interessiert mich nicht. Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich.‘ „Irgendwie habe ich gerade einen roten Faden wieder gefunden, ich bin einfach ein unverbesserlicher Optimist.

Ein wunderschönes Wochenende dir mit herrlichen Kraftquellen.

 

„Cur moriatur homo cui salvia crescit in horto?“ (Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?)

Friedenstanz

Es keimen der Seele Wünsche,

Es wachsen des Willens Taten,

Es reifen des Lebens Früchte.

Ich fühle mein Schicksal,

Mein Schicksal findet mich.

Ich fühle meinen Stern,

Mein Stern findet mich.

Ich fühle meine Ziele,

Meine Ziele finden mich.

Meine Seele und die Welt sind Eines nur.

Das Leben, es wird heller um mich.

Das Leben, es wird schwerer für mich.

Das Leben, es wird reicher in mir.

Strebe nach Frieden,

Lebe in Frieden,

Liebe den Frieden.

Friedenstanz, Rudolf Steiner. Wie ein Tanz wirken auch die Formen im Goetheanum.

Ich hätte mal eben zwei Fragen

„Alles ist schlecht.“

Das höre ich so oft. Es ist unfassbar undankbar all dem Schönen und Wunderbaren gegenüber, das wir in der Welt jeden Tag erleben dürfen.

Klar sind wir als Menschheit (zu) langsam im Angehen der drängenden Probleme auf allen Ebenen. Dass alles schlecht ist, sehe ich hingegen nicht. Ich sehe sehr viel Bequemlichkeit und Anspruchdenken. Vieles halten wir für selbstverständlich, sind jedoch selbst oft nicht bereit, von uns aus etwas zum Gelingen von etwas beizutragen. Wir sind Weltmeister des Klagens, ohne dass der Leidensdruck immer der Lautstärke des Klagens entspräche. Es geht nicht um berechtigte Klagen. Nicht um Not, die sofortige Hilfe braucht, nicht um Leid, das gelindert werden muss.

Es geht um das Alltagsgejammer, das unangemessen ist. Wenn etwas nicht passt, dann kann man viel tun, um es zu verändern. Nicht „die da oben“, „die anderen müssen mal vorlegen“ und „warum ich“.

Die beiden Antworten, die auf viele Fragen zutreffen, könnten sein: „Wer, wenn nicht du?“ und „Wann, wenn nicht jetzt?“

Das ist ein wundervoller Planet. Ich gebe nach wie vor die Hoffnung nicht auf, dass wir Menschen großartig, kreativ, menschlich, humorvoll und hilfsbereit sind. Wir können so viel bewegen, wenn wir aufhören, nur unseren Mund zu bewegen, sondern mit Kopf, Herz und unseren Händen einfach mal tun, was getan werden muss. Einfach, weil wir das können.

Einen wundervollen Venustag voller offener Augen für die Wunder dieser Welt für dich.

 

Fundstück in Arlesheim beim Vorübergehen.