Zauberwort-e

Das Zitat von Steiner: „In jedem Einzelnen, das man seelisch-geistig an dem Kinde und mit dem Kinde vollbringt, greift man gesundend oder schädlich in sein Leibesleben ein“ war das Schlusswort in einem Kindergartencoaching am Mittwoch. Ein spannender Tag, nicht nur wegen der großen Hitze (ich bin ja bekennender Nebel- und Regenfan). Ein Team hat um Unterstützung gebeten und das finde ich toll – das machen in der Regel nur Teams, die sich grundsätzlich viele Gedanken über ihre Arbeit, ihr Miteinander und ihren pädagogischen Ansatz machen. Ich bin viel in Kindergärten unterwegs, ganz unterschiedlichen Einrichtungen und unter verschiedenen Trägerschaften. In Kindergärten kommt seit der Pandemie viel zusammen und das war auch ein wichtiges Thema der gemeinsamen Arbeit.

Kommunikation ist das Zauberwort und immer wieder ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir oft die Appellohren offen haben – wir betrachten eine Ansage als Befehl, etwas zu erledigen. Schnell fühlen wir uns angegriffen, wenn jemand „komisch guckt“ oder es fehlt an Wertschätzung untereinander. Wir reden zu viel über Unwesentliches und lassen außer Acht, was wahrhaft wichtig ist. Aus Angst, nicht mehr gemocht zu werden, fressen wir was in uns hinein und es platzt an der falschen Stelle hoch.

Bei dem Coaching ging es nicht nur um das Team an sich, sondern auch um die Frage, wie Erzieher:innen mit Eltern umgehen. Kinder werden krank gebracht, sie haben Fieber (und ein Medikament dagegen bekommen, das an sich ist schon hinterfragbar), sich nachts erbrochen – das geht nicht von alleine weg und schon gar nicht im Kindergarten, wo dann viele angesteckt werden können. Auf der anderen Seite haben wir alleinerziehende Eltern, die nicht „schon wieder“ daheim bleiben können, weil Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit gefühlt 200 Tage im Jahr krank sind. Ein Immunsystem muss auch erst trainieren.

Erziehungsarbeit wird auf die Institutionen übertragen – das kann kein Kindergarten leisten, auch Schulen sind keine Reparaturanstalten für zuhause nicht erfolgte Erziehung.

Auf der anderen Seite haben wir überforderte Eltern im Spagat zwischen Arbeit, Familie und dem Leben insgesamt. Sie haben sich das Elternsein oft anders vorgestellt, mehr mit ruhigen netten Babys statt Schreikindern, Schlaf statt durchwachter Nächte und dass sich das Kind in ihren Rhythmus fügt – das tut es aber so gut wie nie. Der Chef macht Druck, Großeltern leben 500 km weit weg, sie sind oft auch alleinerziehend.

Drei Seiten kommen zusammen: Eltern am Limit, Erzieher am Limit und Kinder, die in den ersten sieben Lebensjahren „Das Schöne, das Wahre und das Gute“ erleben sollen.

Eltern dürfen Hilfe annehmen, wenn sie nötig ist. Sie brauchen Ermutigung und Unterstützung. Erziehende in Institutionen ebenso, denn sie leisten in diesen Jahren Meisterliches. Und die Kinder brauchen allen Schutz der Welt, denn sie sind in eine komplexe Zeit hineingeboren.

Ich bin so dankbar, wenn ich in Kindergärten coachen kann – es ist eine Ermutigungsarbeit. Wir gehen mit dem Blick weit über die zwischenmenschlichen Konflikte und richten den Fokus wieder auf das, was wirklich wichtig ist: das Kind. Diese Wundertüte, aus der es sein ganzes Leben Dinge auspackt, wenn es in diesen wichtigen Kleinkindjahren lernen durfte, dass es eine Wundertüte ist und kein Paket, das von A nach B verschoben wird, damit es aufbewahrt ist.

Wer immer sieht, dass Eltern in der Umgebung gestresst sind – fragt, ob Unterstützung gebraucht wird. Wenn eine berufstätige Mama mal alleine in Ruhe den Wocheneinkauf machen kann und weiß, dass die Nachbarn mit dem Kind Apfelküchle backen, ihm zeigen, wie man einen Fahrradschlauch flickt oder einfach nur auf ein Baby achtgeben, hilft das. Dem Kind, der Mama/dem Papa und der Person, die hilft. Dann entsteht Kontakt, Gemeinschaft, Verantwortung mit- und füreinander.

In Afrika heißt es: Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf. – Was, wenn wir auch in den Städten aus Herzensliebe „Kinderdörfer“ entwickeln, um gemeinsam diese wichtigste Aufgabe einer Gesellschaft zu stemmen: sich um die Entwicklung einer guten Zukunft zu bemühen?

Allen einen liebevollen Venustag.

 

Sigrid hat diesen Flieger am Meer fotografiert. Für alle, die in diesen Tagen manchmal auch gern am Meer säßen und einfach nur Vögel angucken wollen. Danke für das Foto!

 

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