Mehr Klarheit bitte

Das sich der Freude öffnende Menschenherz beschreibt Hildegard von Bingen. Wie oft erleben wir, dass Wärme, Nähe, Verbundenheit entstehen, wenn wir aus der Mitte des Herzens heraus denken und sprechen.

Wie oft verschließen wir das Herz, fällen harte Urteile, ohne genaue Hintergründe zu kennen. Bewerten etwas, ohne Bescheid zu wissen oder in die Vorgeschichte involviert zu sein. Und manchmal ist unser Herz zu weich, weichen wir wichtigen Entscheidungen lange aus, um jemanden nicht zu verletzen und am Ende sind viele verletzt, wenn nicht zum richtigen Moment Grenzen gezeigt werden. Im Griechischen bezeichnet Kairos den richtigen Augenblick. Den Moment, in dem ein Entschluss gefasst werden sollte.

Warum eiern wir oft herum? Weil wir wissen, wie sich Klarheit anfühlen kann. Hart. Schwer. Ein heftiger Stoß. Wie eine Ablehnung. Wir wissen aber auch, dass daraus Erkenntniskraft erwachsen kann, Veränderung angestoßen wird, wenn sich der Mensch darauf einlassen kann.

Wir brauchen oft viel mehr Klarheit. Viel Leid wäre erspart, würden wir rechtzeitig Grenzen ziehen, Dinge ansprechen, in Schranken verweisen, Übergriffigkeiten laut herausschreien, um Hilfe zu bekommen.

Was hält uns ab? Unsere Angst vor Fehlern. Grundproblem unserer „Kultur“, weil wir nicht zum Scheitern erzogen werden, sondern zum Vertuschen und Verleugnen. Für uns ist ein Fehler negativ, er wird nicht als Lernaufforderung verstanden und solange das so ist, werden wir mit Klarheit = Wahrheit unser Thema haben.

In Aufstellungen wird oft erst durch den Einbezug von Klarheit/Wahrheit das System wach, kommt in Bewegung, ergeben sich die Wege, die dann die Türen zur Lösung eröffnen. Wenn wir das viel vertrauensvoller annehmen könnten, wären wir oft klarer, damit authentischer, ehrlicher. Wir würden uns einladen, Fehler nicht negativ zu sehen, sondern als Lernwege.

Wenn wir ehrlich sind – unsere tiefen Fails, die richtigen Böcke, die wir schießen, sind oft Gamechanger, weil sie uns zwingen, in den Spiegel der Ehrlichkeit zu blicken. Insofern hart, aber hilfreich. Den Mut aufbringen, Wahrheit in Würde, in Liebe, in Aufrichtigkeit zu sagen, um Veränderungen anzustoßen, ist eine große Leistung. Respekt vor allen Menschen, die diesen Mut immer wieder aufbringen, sich solchen Situationen stellen, im Feuer stehen bleiben, weil es der richtige Weg ist.

Allen einen klaren, mutigen und dennoch würdeachtenden, respektvollen Venustag, der der Göttin der Liebe gewidmet ist.

 

Sigrids Strandfoto sieht aus wie ein bunter Scherenschnitt. Schön, so eine Abendstimmung am Meer. Danke für dein Bild!

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