Uncategorized

Was uns gesund erhält

Draußen Sturm und drinnen Kurs. Am Samstag ging es darum,wie Philosophie helfen kann in der Arbeit mit Menschen. Wir haben uns angeschaut, was Philosophie ist, welche einzelnen Gebiete innerhalb der Philosophie existieren und sind von der Antike bis zur Moderne im Schnelldurchlauf durch verschiedene Richtungen gegangen. Für viele war es vollkommen neu, dass unser Denken auf der Antike basiert und was Menschen vor Jahrhunderten schon gedacht und gesagt haben, womit sie beschäftigt waren und warum vieles zeitlos ist. Dass die Beschäftigung mit Philosophie das Denken kraftvoll schult, dürfte allen aufgefallen sein. Wer seinen Geist mit Herausforderungen füttert, konzentriert, fokussiert sich und kann nicht nebenher noch irgendwelche anderen Dinge denken, dazu sind die Textel zu komplex. Manchem fällt bei so einer Gelegenheit auf, wie wenig er geistige Arbeit gewohnt ist und wie tief die Inhalte uns berühren können.

Anderes Programm am Abend mit der Frage, was Meisterschaft bedeutet und was das mit dem Satz „Der Weg ist das Ziel“ zu tun haben könnte. Auch ein philosophisches Thema, in dem Fall aber sehr praktisch darauf bezogen, dass Lernen nicht bedeutet, etwas zu lesen und mal zu probieren, sondern ein und dieselbe Sache viele Hunderte Male zu tun, bis sie wirklich in Fleisch und Blut übergegangen ist. So, wie Tai Chi oder Chi Gong im Osten bis ins höchste Alter praktiziert wird (und die Menschen zudem meist noch ein Ikigai haben, einen Grund, morgens aufzustehen).

Am Sonntag in der Rogersfortbildung die Frage nach gelingender Kommunikation, das Ohren-Münder-Modell von Schulz von Thun und intensives Üben in Zweiergruppen, ehe es am Abend in einer Fortbildung um die Frage ging, wie man für Onlineveranstaltungen am besten vor der Kamera agiert. Es ist hilfreich, wenn man dazu eine Lehrerin hat, die jahrzehntelang Erfahrung mit Moderation, Stimme und Körpersprache hat. Das ist letztlich nichts anderes in Bezug auf Stimme und Sprechtempo gewesen als das, was ich bereits mit 20 bei den Kollegen vom Rundfunk in der Journalistenausbildung über die Nutzung der Stimme gelernt habe.

Morgen geht es in der alten Synagoge in Kitzingen ab 19.30 Uhr im VHS-Vortrag um das Thema „Salutogenese – Verständnis, Sinn und Machbarkeit“. Was erhält uns gesund? Was sind die Faktoren, die wir selbst beeinflussen können und warum ist Salutogenese für uns heute so bedeutsam? Ich freue mich sehr auf euch, denn das Thema ist so spannend und wichtig, gerade in diesen Zeiten!

Allen einen guten Start in eine hoffentlich etwas sturmfreiere Woche. Wir haben wieder in vielem Glück gehabt, das war nicht überall so.

Danke an Theresa für den hoffnungsvollen Regenbogen zwischen den windgebeutelten Bäumen.

Sturm und Ungewitter

Was er kann, zeigt der Steuermann nicht bei schönem Wetter, sondern in Sturm und Ungewitter.

Petrus Chrysologus, ca. 380–451

Zwischen den Sturmspitzen war Steffi draußen unterwegs. Danke für dein farbstarkes Foto!

Pralles Leben

Seit einer Stunde  beginnt der Wind erneut. Man spürt es – viele sind „durch den Wind“.

Am Wochenende werden wir spannende Tage haben. Am Samstag geht es um Philosophie im Coaching. Wir beschäftigen uns mit dem Sokratischen Dialog und Mark Aurel, mit tiefen Lebensfragen und dem Lebensmotto, das uns leitet. Am Sonntag geht es um empathische Kommunikation und Seelenhygiene für alle, die sich und andere Menschen gut führen möchten. Ich freue mich sehr auf die beiden Kurstage.

Jetzt ist die „Prüfungskatze“ aus dem Sack, wir habe diese Woche erfahren, wie unsere praktischen Coaching-Abschlussprüfungen aussehen werden. Wir werden diverse Coachings durchführen und uns dann eines aussuchen, von dem wir denken, dass es richtig, richtig gut war. Es wird einen intensiven Bericht darüber geben, Fragebögen für den Klienten und Nachfrage. Dazu kommen unsere 12 Klausuren, die bestanden sein müssen.

Ich habe mich entschieden, meine drei Lieblingsthemen anzugehen und dann zu schauen, was besonders gut läuft. So wird es ein intensives Lasercoaching geben, das ist eine Stunde zu einem Thema des Klienten. Dann werde ich einen lieben Menschen begleiten bei mehreren Sessions zum Thema „Balance im Leben“, wo wir uns die einzelnen Lebensbereiche anschauen und überprüfen, ob es rund läuft oder wo Unterstützung in welcher Form nötig ist und ich begleite einen weiteren lieben Menschen in mehreren Sessions zum Thema „Burnout-Prophylaxe“. Das sind sowieso meine absoluten Lieblingsthemen (naja, es gibt noch viele andere, die ich auch total gern mag) und im März werde ich die Stunden durchführen, wenn der Prüfungsstartschuss fällt (vorausgesetzt, ich schaffe die letzte Klausur). Dann geht das krasseste Lernjahr meines Lebens quasi zu Ende. Das beste Geschenk, das ich mir je selbst machen konnte, war die LTC-Ausbildung bei #Veit Lindau. Mit den Lerninhalten werde ich vermutlich lebenslang selbst weiterlernen, was ohnehin in der Natur der Sache liegt.

Am Samstagabend steht das Thema „Biohacking“ in einer Fortbildung an, nachdem ich mir kürzlich das für den Bereich der Psyche hochwichtige Thema Darmgesundheit intensiv angeschaut habe. Gerade die Forschungen zur Herzratenvariabilität und zum Schlaf sind für meine Arbeit hilfreich. Guter Schlaf ist essenziell. Viele Menschen heute schlafen nicht mehr gut ohne zu wissen, wie sie das verändern können.

Allen ein feines Wochenende und passt gut auf euch auf bei Sturm und allem. Möge alles gut vorübergehen.

 

Nachtkerzenöl ist eines der besten Öle für gestresste Haut. Ist das nicht eine zauberhafte Pflanze?

Was tust du?

Wenn du wissen willst, wer du warst, dann schau, wer du bist.

Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust.

Buddha

Für alle, die sich nach Fülle sehnen – die Rosen erwachen schon langsam und in wenigen Monaten werden wir uns an der Blüte freuen. Vorfreude ist eine feine Freude.

What?!

Es gibt jeden Tag viele Gründe zum Staunen, positive wie negative. Fassungslos war ich gestern am späten Abend. Nachdem ich den ersten Abend ohne späten Abendtermin hatte, konnte ich mal meinen Halbjahreseinkauf beim Großhandel machen, der bis 22 Uhr geöffnet hat. Auf der Heimfahrt mehrere Kranken- und Notarztwagen, die mit Blaulicht und Sirene Richtung Uniklinik rasen. Die Ampel für die kreuzende Straße wird grün. Trotz mehrerer Fahrzeuge mit viel Lärm und Blinklicht haben es gleich mehrere Autofahrer fertiggebracht, in die Kreuzung einzufahren und wegen Linksabbiegen die Spur nicht freimachen zu können, weil auch in der Gegenrichtung Fahrzeuge losfuhren. Die Schlange der Einsatzwagen war weder zu übersehen noch zu überhören. Alle mussten stark bremsen und die Autoschlage durchlassen. Ich glaube, wenn jemandem etwas Schlimmes zustößt, ein Unfall, Infarkt, Schlaganfall, sonstiges – da ist man für jede Sekunde froh, in der man schnell ins Krankenhaus kommen kann. Ausbremsen von Rettungsfahrzeugen ist absolut unfassbar. Was würden diese Menschen in dem Fall, dass sie selbst Hilfe brauchen, sagen, wenn die Rettungsfahrzeuge spät kommen und die Erklärung lautet: Um 21 Uhr am Abend hatte es eine Reihe Autofahrer eilig, von A nach B zu kommen und blockierte mit ihren Fahrzeugen die Kreuzung. Oder wenn ein Rettungswagen mit einer Schwangeren bei stockender Geburt und folgendem Sauerstoffmangel für das Baby als Notfall unterwegs ist und wegen solcher Verzögerungen lebenslang an einer  geistigen Behinderung leiden muss, weil man im Rettungswagen nicht mal schnell einen Notkaiserschnitt machen kann – was bedeutet das für alle Beteiligten?

Staunen können wir heute über die Urkraft der Elemente. Mögen alle sicher und beschützt von A nach B kommen, in ihren Häusern sicher sein und niemand durch Ziegel, umfallende Bäume und Gerüstteile zu Schaden kommen. In der Natur ist viel Bewegung im Moment.

 

Danke an Stephanie für dieses friedliche Bild der Felder im Nebel!

Staunen

Die Menschen reisen in fremde Länder und staunen über die Höhe der Berge, die Gewalt der Meereswellen, die Länge der Flüsse, die Weite des Ozeans, das Wandern der Sterne; aber sie gehen ohne Staunen aneinander vorüber.

Augustinus von Hippo, 354-430

Die Meereswellen hat Stephanie vor Rügen im Bild festgehalten. Dankeschön!

Macht den Kindern Mut!

Schale sein, die sich füllt und erst dann ausgießt – das war gestern Abend ein schöner Moment im Stille-Seminar in Kitzingen in der Alten Synagoge, als eine Kursteilnehmerin diesen Text von Bernard von Clairveaux vorlas. Vorher hatten wir die Meditation der Liebenden Güte gemacht, die genau das thematisiert: Erst sich selbst versorgen, den Krug füllen, damit man ausgießen kann ohne Not.

Am nächsten Dienstag, 22. 2. 2022 (großartiges Datum!) ist in der alten Synagoge der Vortrag über „Salutogenese“. Gern einfach kommen, an der Abendkasse wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben. Wir befassen uns mit der Frage, was uns gesund erhält und überlegen, was das mit Lebenssinn, Machbarkeit und Verständnis zu tun haben könnte.

Zweimal ging es gestern um Kinder in Terminen. Einmal um ein kleines wildes Kind, das sehr lebhaft ist, nachts oft aufwacht und etwas essen möchte, weil es großen Hunger hat, nicht gern mit anderen Kindern zusammen spielt und einen starken Willen hat. Das zweite Mal um einen Jungen, der gerade mit dem Ankommen im Gymnasium ringt. Die Leichtigkeit, mit der Grundschule gemeistert wurde, ist vorbei. Jetzt kommt es darauf an, sich gute Lerntechniken anzueignen und gut geführt zu werden, weil der dritte Verweis wegen Aggressivität im Raum steht.

Über Jahre habe ich einen Elterntreff geleitet, bei dem Eltern in Erziehungsfragen unterstützt wurden. Damals kamen stets die Eltern, die ohnehin sehr engagiert und achtsam waren. Ein Kind ist nichts, was ich „nebenher“ großziehen kann. Es verlangt tägliche Wachheit von den Eltern, Achtsamkeit und klare Regeln. Je kleiner das Kind, desto enger die Leitplanken, damit es Schutz und Sicherheit hat. Mit Dreijährigen muss ich nicht zwei Stunden diskutieren, welche Hose sie tragen. Elfjährige mit Wochenendbeschäftigung Spielkonsole und asozialen Medien wissen nicht, was sie da ihrem Gehirn antun.

Die letzten Jahre mit ihren Herausforderungen haben nichts Gutes beigetragen, damit Eltern und Kinder bestens aufgestellt sind. Ich sehe mutlose Kinder, die sich fragen, warum sie überhaupt in die Schule gehen. Junge Mädchen mit massiven Essstörungen, Schnittverletzungen. Verweigerung an allen Ecken und Enden.

Aufgefordert ist hier die Gesamtgesellschaft. Kinder sind Nachahmungswesen in den ersten sieben Jahren. Jugendliche brauchen Ermutigung, sich zu entwickeln. Junge Erwachsene benötigen Herausforderungen, um zu wachsen, Perspektiven und Möglichkeiten, sich zu probieren.

Kinder sind das Wichtigste, was eine Gesellschaft besitzt, denn sie werden die Zukunft gestalten. Das tun sie, stehend auf dem Fundament, dass die Erwachsenengeneration ihnen ermöglicht. Wenn wir die letzten 24 Monate nicht schleunigst verwandeln in Mut, wenn wir nicht aus der Angst herauskommen und, weiter Panik statt Machbarkeit füttern, töten wir das Potential von Genies. Dazu haben wir Erwachsenen kein Recht.

Es ist unsere Aufgabe, Kinder zu ermutigen. Ihnen die Schönheit des Planeten zu zeigen, damit sie ihn aus tiefer Liebe schützen. Sie mit Liebe zu hegen und zu pflegen, ein freundliches Auge auf sie haben mit der inneren Haltung eines Gärtners, der sehr wohl die Schere einzusetzen weiß, wenn es nötig ist, auch mal einen Stützstab anbringt oder etwas radikal beschneiden muss. Unsere Aufgabe ist es, ihr Potential zu heiligen, auf dass sie es quer gegen Paradigmen denkend und experimentierend nutzen, um unkonventionelle Lösungen zu finden. Out of the box-Denken lernt sich nicht in einem Umfeld der Einengung. Dazu braucht es Erwachsene, die wissen, dass jedes Problem Lösungen ermöglicht, die uns wachsen lassen. Die daran glauben, dass wir alle gemeinsam den Planeten retten werden. Die fördern und fordern, die leiten und erklären, wo es nötig ist. Die auf das lauschen, was aus dem Kind kommt und dem folgen, anstatt es in eine Form zu pressen, die nicht passt. Eltern sein ist eine Herausforderung. Helfen wir Eltern, ihren Auftrag bestmöglich zu erfüllen. DAS ist das beste Investment in die Zukunft der Welt.

 

Danke an Katja für die Sommervorfreude.

Schale sein

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, nicht als Kanal,
der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,
während jene wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt,
ohne eigenen Schaden weiter, denn sie weiß,
dass der verflucht ist, der seinen Teil verringert …

Wir haben heutzutage viele Kanäle, aber sehr wenige Schalen.
Diejenigen, durch die uns die himmlischen Ströme zufließen,
haben eine so große Liebe, dass sie lieber ausgießen, als ihnen eingegossen wird,
dass sie lieber sprechen als hören,
dass sie bereit sind zu lehren; was sie nicht gelernt haben und sich als Vorsteher über andere aufspielen, während sie sich nicht regieren können.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigebiger als Gott zu sein.

Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.
Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle …
Du tue das Gleiche!

Zuerst anfüllen, dann ausgießen.
Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen…
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich schlecht mit dir umgehst, wem bist du gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus der Fülle, wenn nicht, schone dich.

 

Aus einem Brief von Bernhard von Clairvaux, 1090 – 1153

 

Danke an Sina für das Foto!

Wo gibst du dich ganz hin?

Hingabe – ein wunderschönes Wort. Wo gibst du dich ganz und gar hin, ohne Wenn und Aber?

Damit ist nicht gemeint, am Valentinstag Blumen zu schenken, sondern den Mut zu besitzen, sich einer Sache ganz zu verschreiben, mit Kopf, Bauch, Herz für etwas oder jemanden einzustehen.

Eltern mit behinderten Kindern pflegen oft hingebungsvoll ihre Kinder, ich begleite einige Familien in der Praxis und sehe das oft genug. Bis heute wird mein schwerstbehinderter Bruder in unserer Familie gepflegt. Nach inzwischen 53 Jahren weiß ich wirklich, was das bedeutet. Um einen Menschen zu pflegen, der eine schwerste geistige Behinderung hat, Kanner-Autist ist, durch unzählige Klinikaufenthalte und OPs mit dem damals geltenden Besuchsverbot für Eltern (nur durch die Scheibe durften wir ihn sehen) hospitalisiert wurde, querschnittsgelähmt ist und aufgrund zahlloser anderer Erkrankungen dreimal am Tag katheterisiert und sechsmal gewickelt werden muss, wissen wir in unserer Familie wahrhaftig gut, was Hingabe bedeutet.

Umgedreht ist es ebenfalls Hingabe – mein Bruder entscheidet nicht, wann und was er isst. Wie warm es im Zimmer ist. Ob er beim Waschen friert oder ob er es mag, wenn er die Musik hören muss, die mein Vater hört, der mit ihm lebt, oder dass er gar sagen könnte, ob ihm etwas wehtut. Wir haben gelernt, all das bei ihm wahrzunehmen und kommunizieren auf vielfältige Weise mit ihm, nur nicht über Sprache. Mein Bruder gibt sich in die Hände der Menschen, die für ihn die Verantwortung tragen. Er muss aushalten, was mit ihm geschieht. Welche Behandlung gegen sein seit vier Jahren offenes Knie angeordnet wird. Was er trinkt, isst und wann er schlafen soll.

Alte Menschen sind oft hingebungsvoll, wenn sie einander pflegen und versorgen, damit sie nicht in ein Heim gehen müssen. Eltern sind hingebungsvoll, wenn sie ihr schreiendes Baby stundenlang tragen und beruhigen, selbst hoffnungslos übermüdet. Partner sind hingebungsvoll, wenn sie einander in allem helfen, sich beim Wachsen und Entwickeln fördern und fordern. Chefs können ebenso wie Mitarbeiter hingebungsvoll sein, wenn sie lieben, was sie tun. Jeder hat die viele Möglichkeiten der Hingabe in jedem Lebensbereich.

Khalil Gibran schreibt in „Der Prophet“: Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe. Ich glaube, das ist für mich mit die schönste Umschreibung für Hingabe.

Wenn du dich ganz gibst, verlierst du dich nicht. Du findest dich. Auf einer anderen Ebene. An dem Ort, von dem Rumi sagt: Jenseits von Gut und Böse gibt es einen Garten. Dort treffe ich dich.

Dir einen hingebungsvollen Tag.

 

Manuela schenkt uns dieses Himmelsfoto heute. Dankeschön!

Hingabe

Gemeinschaft ist nicht die Summe von Interessen, sondern die Summe an Hingabe.

Antoine de Saint-Exupéry, 1900-1944

Manche glauben, der Zug für Gemeinschaft sei abgefahren – niemals. Du entscheidest, ob du einsteigen magst oder nicht. Danke an Sina für das symbolträchtige Foto.

Ist das so?

Ein umfangreiches Wochenende liegt hinter uns. In der eigenen Fortbildung an den Abenden das wichtige Thema Burnout, der Cardea-Kurs mit dem wunderbaren Thema Virginia Satir, Aufstellungen und einer ausführlichen Frage- und Antwortrunde. Aufstellungen sind so bewegend. Die Themen waren intensiv und ich denke, da kann nun bei den Aufstellenden Einiges in Bewegung kommen, neu gesehen und angenommen werden. Wer gern aufstellen möchte, kann das wieder am 6. März tun, da haben wir drei Aufstellungstermine. Vor- und Nachgespräch sind verbindlich. Wer Interesse hat, darf sich gern bei mir melden!

Im Nachklang der letzten Woche habe ich nochmal darüber nachgedacht, was ich oft höre. „Ich will dieses und jenes.“ „Das steht mir zu.“ „Ich erwarte von xy etwas.“ „Du musst mich nehmen, wie ich bin.“ Ist das so?

Unsere Willenskraft ist überschätzt, davon haben wir nur eine begrenzte Menge. Was wir endlos haben, ist unser Willi-Ich, das dauernd quäkt: „Ich will dies! Dann das!“ Das ist Egowilli, er will immer was und kaum hat er das, nölt er nach dem nächsten, weil er niemals satt wird. Es ist ein Unterschied zwischen dem Egowilli und Willen. Wille ist gebündelte Energie, die fokussiert wird, um ein Ziel zu erreichen. Das kostet das System viel Energie, so dass unser Wille recht schnell verbraucht ist. Deshalb macht es Sinn,  Willen bewusst einzusetzen. Aber nicht, um andere Menschen dazu zu bringen, etwas für mich zu tun, das ist Manipulation.

Was steht mi zu? Im Grunde nichts. Alles, was an Gutem in mein Leben tritt, habe ich mir entweder erarbeitet oder ich habe es bekommen als Geschenk und darf mich freuen.

Ich erwarte – da kann ich lange warten. Ich habe nichts von anderen Menschen zu erwarten. Wenn ich jemandem etwas Gutes zukommen lasse, in welcher Form auch immer, ist das nicht in der Erwartung einer Erwiderung. Ich gebe, weil es Freude macht. Kommt etwas von außen zu mir, kann ich mich freuen. Aber es besteht darauf kein Anspruch. Das ist ein Denkfehler, der viel Leid bewirkt. „Ich erwarte Dankbarkeit“ ist eine krasse Aussage. Wenn ich aus Liebe etwas gebe, kann es nie mit Erwartungen verbunden sein.

Ich muss auch keinen nehmen, wie er ist. Ich kann ihn einfach stehen lassen, wenn ich nicht klarkomme mit der Art, wie er ist. Er darf sein, wie er ist, aber ich bin nicht verpflichtet, das zu akzeptieren. Verstößt jemand radikal gegen meine Werte, erlaube ich mir den Rückzug. Dann kann ich prüfen, ob meine Werte vielleicht seltsam sind. Wenn sie es nicht sind, muss ich niemanden „nehmen wie er ist“. Wenn er sein fixes Denken feiern mag, darf er das gern tun, ich muss nichts. Außer darauf schauen, dass ich in meiner Entwicklung vorangehe und da kann so ein Moment des Stutzens hilfreich sein, um anzuschauen, ob das, was ich denke, angemessen ist. Auch schlechtes Benehmen, Übergriffigkeiten, sprachliche Entgleisungen muss ich nicht akzeptieren. Da kann ich ein ruhiges Feedback geben und gehen. Mehr Energie ist die Sache vielleicht nicht wert.

Sprache ist Macht. „Des pack mer scho!“ „Des krieg mer hin!“ „Mein Gegenüber sagt …“ – fällt uns auf, wie aggressiv das ist? Freundlichkeit zu mir selbst und zu anderen kann helfen, sich besser in die Welt zu stellen.

Allen einen guten Wochenstart mit Frühlingsvorfreude und dem Genießen des Vollmonds diese Woche. Und Freundlichkeit im eigenen Kopf und nach draußen. Es wirkt wahre Wunder.

 

Mehr Meer. Danke, Theresa, für dein Foto!

Frühlings-Hoffnung

Hoffnung.

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muss doch Frühling werden.

Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht,
mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht
Kommt doch der Lenz gegangen.

Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf
Und möchte vor Lust vergehen.

Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und lässt die Brünnlein rieseln klar,
als wären es Freudenzähren.

Drum still! Und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden;
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.

Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll` auf Erden,
Nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muss doch Frühling werden.

Emanuel Geibel, 1815-1884

Annemarie hat Bärlauch im Wald fotografiert. Keine Sorge – nicht von 2022. Dazu ist es noch ein bisschen zu früh. Aber schon mal zum Vorfreuen!

Alter ist echt nix für Weicheier

Hoffen wir, dass viele heute Abend bei einer kleinen Tagesrückschau lauter kleine Goldmomente erinnern können, die den Tag über geschenkt worden sind. Wenn wir anfangen, in jedem Tag die kleinen Augenblicke zu erkennen, die wunderbar, schön, berührend und freudig sind, verschiebt sich unser Fokus vom Negativen auf das Positive.

Ein spannendes Kurs-Wochenende steht bevor mit den Themen Virginia Satir und Aufstellungen. Aufstellungen sind sehr bewegend und geben viel Aufschluss darüber, was in einem System lebt, es belastet und was die Fragen sind. So kann viel aufgelöst werden, zurückgegeben. Wir sind die erste Generation, die das kann. Eine wichtige Arbeit, eine Friedensarbeit für die Familien, denn der Krieg spielt bis heute in die Leben der Menschen hinein, ob bewusst oder unbewusst. An nicht wenigen Orten auf der Welt ist im Moment Krieg und wird neues Leid angelegt. Wenn wir aufstellen, stellen wir im Geist für die mit auf, die an ähnlichen Themen leiden, um sie zu stärken. Friedensarbeit beginnt immer im eigenen Herzen.

Der Pflegevormittag war eine gute Herausforderung heute. Alte Menschen können manchmal massiv verwirrt und dann auch sehr ärgerlich sein. Es war keine gute Woche, man sieht es an benutztem Geschirr im Schrank, an Wäschebergen, Chaos und Müll, Suchaktionen und Schimpfen, damit man nicht merken soll, dass es jemandem nicht gut geht. Jeder Vorschlag zur Verbesserung der Lage, zur Entlastung und Hilfe wird negiert. Das soll lieber ich übernehmen. So gehört es sich. Das sind die Erwartungen der Generation, die jetzt zwischen 85 und 90 Jahre alt ist. Damals war Pflege innerhalb der Familie üblich, da haben meist auch alle zusammen gewohnt und das ganze Programm ging zu Lasten der „Hausfrau“ (Hut ab vor allen Frauen, die das ausgehalten haben!). Wenn allein die Anfahrt fast eine Stunde dauert, ist das alles nicht so einfach. Da bin ich nicht mal schnell vor Ort.

Wenigstens haben wir jetzt mal den Hausnotruf auf den Weg gebracht. Wobei – das dachten wir auch bei der Patientenverfügung, der Vorsorgevollmacht und vielem anderem, bis wir die Unterlagen zum dritten Mal im Papiermüll fanden, sie wieder neu druckten und hörten: „Der Doktor sagt, dass ich das nicht brauche“. Hat der gute Doktor freilich niemals gesagt, aber der Vater will es einfach nicht ausfüllen. Dann kommen Diskussionen auf Marke „Kann er das überhaupt noch überreißen oder muss man ihn unter Betreuung stellen?“

Ich finde solche Fragen so heikel, dass ich sie für mich vorbeugend geklärt und die Menschen, die das vielleicht übernehmen könnten, bereits gefragt habe, ob sie mich betreuen würden und auch den Freibrief erteilt habe, das zum entsprechenden Zeitpunkt abzulehnen, man weiß ja nie, in welcher Lebensphase die Menschen dann sind. Ich sehe selbst, wie krass umfangreich das alles werden kann.

Beim Putzen finde ich ungebügelte Kleider an spannenden Stellen, werfe sicherheitshalber aus dem Gefrierschrank was weg, das kein Datum trägt, öffne Behälter und prüfe, ob das alles noch genießbar ist. Ich koche vor und höre dann, dass es nicht schmeckt und drei Tage später wird das gleiche Gericht gelobt und ich denke mir: What? Ein leeres Plastikgefäß, von uns platzsparende zusammengefaltet in den gelben Sack gesteckt, ist die Oberkatastrophe, angeblich ein Pfandgefäß, was es ganz sicher nicht ist. Wir lernen viel über das Alter und die Kostbarkeit des Lebens davor.

 

Allen ein sonniges, freundliches und lebensfrohes Wochenende!

 

Mehr Meer wäre es jetzt irgendwie. Nun, ein Foto hilft auch schon mal, vor allem, wenn es ein feines von Stephanie ist. DANKE dir.

Wärmende Erinnerungen

Mögest du Ruhe finden, wenn der Tag sich neigt und deine Gedanken noch einmal die Orte aufsuchen, an denen du heute Gutes erfahren hast. Auf dass die Erinnerung dich wärmt und gute Träume deinen Schlaf begleiten.

Segenswunsch aus Irland

Frühjahrsvorfreude schenkt Stephanies Foto. Dankeschön!

Der Zündfunke der Veränderung

Ist das nicht ein tolles Gesteck? Von der Seite ist es auch zauberhaft, es hat einen rosaroten Mantel mit einer rosa Schleife an und ist wie eine Torte eingepackt. Das habe ich gestern geschenkt bekommen als Dankeschön für unsere gemeinsame Arbeit. Freude!

Wenn Menschen durch tiefe Täler gehen und den Mut haben, sich Unterstützung zu holen, um nachzuschauen, ob hinter der Situatiom nicht ein grundsätzliches Thema steckt, das aufgelöst werden mag, und sie sind wieder aufgestellt und genießen die Früchte ihrer Arbeit, ist das bewegend. Zur Zeit räumen zu meiner Freude viele mutig ihre Seele auf. Muster wollen erkannt und bearbeitet werden. Die Frage wird gestellt: Hilft es mir oder bremst es mich? Manche unserer Muster und Glaubenssätze waren für eine Zeit im Leben hilfreich und nun nicht mehr. Dann darf man danken für ihre Unterstützung und sich für Neues entscheiden.

Ich finde die Frage hilfreich, was wir aus unserer Vergangenheit an Ressourcen mitgenommen haben, damit wir das abschließen können. Eine schwierige Kindheit kann uns sensibel für Vieles gemacht haben, dankbar, wertschätzend und verständnisvoll – das sind Qualitäten, die ich mit Sicherheit lebenslang brauchen kann. Eine zunächst katastrophale Situation kann mir zeigen, welche Stärke ich besitze – das kann mir in Krisen helfen zu wissen: Ich schaffe das, ich habe schon ganz andere Dinge bewältigt. Eine innere freundliche Einladung der Zukunft ist auch nicht schlecht.

Hältst du es für möglich, dass unerwartete Dinge, Lösungen, Sätze, Menschen, Leuchttürme in dein Leben treten und es eine vollkommen andere Richtung nimmt, was dann rückblickend das Beste war, das dir passieren konnte? Wir übersehen nie die Gesamtsituation, wir stecken drin und erkennen erst hinterher, welche Möglichkeiten und Lebensgeschenke manche Situationen bieten.

Wir befinden uns gerade alle in einer mächtigen Wandelsituation und sind vom Leben eingeladen, es zu feiern, uns neu auszurichten auf eine tatkräftig gestaltete Zukunft. Alle Lebensbereiche rufen uns, die Erde ebenso – lasst uns gut hinschauen. Was war gut, was geht mit in die neue Zeit, was möchten wir mit Dank verabschieden, weil es nicht mehr gut ist? Wo wollen wir neue Weichen stellen, wen einladen, uns auf unserem Weg zu begleiten?

Jetzt ist die Zeit, in der wir für junge Menschen Vorbilder sein dürfen, damit sie wieder Mut fassen, Orientierung, Leitplanken bekommen, anstatt zu verzagen. Seien wir ehrlich und erkennen wir an, dass das Alte nicht mehr trägt und Neues entwickelt werden mag. Wir müssen nicht wissen, was wann wo wie sein muss, damit es gut ist. Es reicht zu sagen: Es ist, wie es ist. Wo möchten wir hin? Was ist der erste kleine Schritt? Annehmen, was ist, ist der Zündfunke der Veränderung in allem.

Es wäre schön, wenn auch in Zukunft Menschen einander so wunderschöne Blumen schenken können, miteinander arbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Nie war das wichtiger als jetzt.

Hab einen schönen Tag! Vielleicht magst DU heute jemanden überraschen?