
Sich immer am Leben korrigieren.
Christian Morgenstern, 1871–1914
Oder Wegweiser nutzen. Hat Theresa auf dem Jakobsweg auch gemacht. Für alle, die heute ein wenig Orientierung brauchen können. Danke für dein Foto!

Manchmal vergessen wir auch ein wenig Zeit und Raum vor lauter Diskussion und Austausch. Das Thema, wie so oft, Zukunft. Stapelweise Bücher, die wir zu diesem Thema gerade parallel lesen und besprechen. Wer denkt wie wohin, was macht Sinn, wo spüren wir inneren Widerstand und warum? Welche Modelle gibt es, was sind unvorhersehbare Faktoren? Das Resultat: Nix ist fix. Was bleibt unter dem Strich aus allem an Erkenntnis? Wir werden eine beschleunigte technische Entwicklung haben mit massivstem Einfluss auf das Arbeitsleben. Eine Seite. Wir werden nicht mehr unterscheiden können zwischen Fakt und Fake. Andere Seite. Es wird wieder sehr, sehr viel auf menschlichen intensiven Kontakt, Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Vertrauen oder schlichtweg Menschlichkeit ankommen. Worauf also den Fokus richten? Auf den Bereich, den wir am besten können: Menschen helfen, ihr Menschsein zu erkennen und auszubauen. Und alle anderen Seiten achtsam beobachten, um damit angemessen umzugehen. Fazit: Lang lebe der blinde Fleck, wir können uns nicht auf alles vorbereiten, aber den Moment des lebendigen Lebens, den Atemzug, den wir gerade wirklich tun, bewusst er-leben.
Einen guten Start in eine spannende Woche für dich!
Quo vadis, Menschheit? Wir wissen es nicht. Wo diese Stufen hinführen hingegen schon. Zum Goetheanum in Dornach.

Die Welt sie drohet zu betäuben
Der Seele eingeborne Kraft;
Nun trete du Erinnerung
Aus Geistestiefen leuchtend auf
Und stärke mir das Schauen
Das nur durch Willenskräfte
Sich selbst erhalten kann.
Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.
Flowforms. Wasser in lebendiger Form. Wundervoll.

Das Leben ist so vielfältig, die Themen, die in der Praxis besprochen werden, ebenso. Ob es die Bewältigung einer schweren körperlichen Erkrankung ist, ein Coaching in Bezug auf Umgang mit schwierigen Kollegen, die verschiedenen Rollen, die Frauen im Alltag ausfüllen, das Hineinwachsen in eine Führungsposition, Umgang mit Stress in der Klausurenphase am Semesterende, Bewältigung von traumatischem Erleben, Nachbesprechung einer Aufstellung, die Frage nach der Gestaltung des Übergangs in einem Unternehmen von einer Generation auf die nächste, die Aufstellung eines inneren Kraftteams oder das Verarbeiten einer Schocksituation – ich bin so froh über meine Arbeit. Jede Woche hat andere Themen, bringt andere Fragen, Antworten, Suchbewegungen. Was gleich bleibt – das Halten des geschützten Raums, in dem Menschen sie selbst sein können. Behütet sind für die Zeit bei mir. Sich ihre Themen anschauen und bearbeiten können auf eine herantastende, probierende spielerische Art und Weise. Wir weinen und lachen. Wir staunen. Rätseln und erleben miteinander, wie unfassbar weise unser menschliches System ist.
Manchmal denke ich: Nichts bereitet uns auf vieles im Leben vor. Wir bewältigen ungeheuer viel, sind kreativ, wenn es darauf ankommt, finden Wege, Antworten und ungewöhnliche Lösungen. Es gibt gute Gründe, sich selbst ins Vertrauen einzuladen.
Allen ein Wochenende mit Muße, Ruhe und Freude bei allem, was ihr vorhabt.
Bald knospt es draußen wieder. Ursula schenkt uns dieses Vorfreubild, ich danke dir!

Die Seele ist wie der Wind, der über die Kräuter weht, wie der Tau, der über die Wiesen sich legt, wie die Regenluft, die wachsen macht. Desgleichen ströme der Mensch ein Wohlwollen aus auf alle, die da Sehnsucht tragen. Ein Wind sei er, der den Elenden hilft, ein Tau, der die Verlassenen tröstet. Er sei wie die Regenluft, die die Ermatteten aufrichtet und sie mit Liebe erfüllt wie Hungernde.
Hildegard von Bingen, 1098-1179
Ursula hat das wundervolle leuchtende Foto gemacht. Danke!

Freitag ist Haitag, es gibt Fisch. Was für die einen ein Freutag ist, ist für andere in der Familie ein „Echt, schon wieder Freitag?“ So ist das in Familien, immer wieder gibt es was, das einer nicht so gerne mag, die anderen durchaus. Wo mehrere Menschen gemeinsam leben, braucht es durchaus Gelassenheit. Genau das fehlt heute, so ein Miteinander, was Reibung bedeutet, Auseinandersetzung, Abrücken von eigenen Überzeugungen, sich auf andere einlassen, hinhören, Meinungsverschiedenheiten austragen und erleben, dass es nie um Rechthaben geht, weil jeder in seinem Kopf immer Recht hat. Vielen ist das zu unbequem, zu stressig, sie möchten so sein und bleiben, wie sie sind, sich nicht verändern und schon gar nicht an andere anpassen müssen. Die Egozentrik, die wir uns angeeignet haben, das Kreisen um unsere eigene Sonne als Zentrum des Universums – das macht uns schwerer kompatibel mit anderen Menschen, in allen Bereichen. Ghosting, Shaming und viele weitere Schattenseiten des Netzes funktionieren, weil wir uns nicht mehr direkt auseinandersetzen, uns real in die Augen schauen.
Wir sind eingeladen, uns an die Überlebensmechanismen der Menschheit zu erinnern: Gemeinschaft. Alleinsein ist nicht Einsamkeit, sondern gewählte notwendige Stille für einen selbst. Wir beklagen Einsamkeit, sind aber nicht bereit, von unseren Überzeugungen abzurücken, uns einzulassen, auch mal nach- und zugeben. So fehlt das Abschleifen von Ego, wir werden wie Kugeln, die Nähe suchen und sich dennoch nicht wirklich nah kommen können. Nachdem ich 24/7 mit Menschen zusammen bin (und wahrlich nicht dafür gut geeignet), erkenne ich dennoch: Gemeinsam macht stärker, hilft in schwierigen Zeiten und es ist (durchaus unfreiwillig) oft sehr lustig bei uns. Vorteil: Wir haben gelernt, sehr klar zu kommunizieren. Wir können uns gegenseitig gut auch in Ruhe lassen, ohne dass das Gefühl von „da kümmert sich keiner um mich“ entsteht. Der Umgang ist viel achtsamer, eben weil wir nicht machen können, was wir wollen und was uns einfällt. Erstaunlicherweise fühlt sich das sehr oft nicht unfrei an, weil wir die Freiheit des anderen sehr schätzen aufgrund der Nähe.
Allen einen freundlichen Freu/itag mit so viel Nähe, wie es sich für dich gut anfühlt.
Weite – Danke an Stephanie für das Foto!

Nächste Woche stehen gleich drei Teamcoachings an. Ein Kindergartenteam wird sich mit Stärken befassen. Wie erkennen wir sie, wie setzen wir „Stärken stärken, Schwächen kennen“ angemessen um? Arbeit mit Stärken ist Ressourcenbildung und Frischzellenkur für das Team. Wir erkennen eher an anderen Qualitäten als bei uns, schön, wenn wir Wertschätzung direkt erleben. Wir werden im Plenum und Kleingruppen Stärken sichtbar machen und für den Pausenraum ein visuelles Memo der Qualitäten gestalten.
Sondierung in einem großen Team im Umbruch. Die Richtung ist klar, wie sehen die Führungskräfte Vor- und Nachteile des neuen Weges? Was braucht es, um sich mutig an Veränderungen zu wagen, die sich noch ungewohnt anfühlen? Welche Teamkultur darf Einzug halten? Wir starten bald mit den ersten Trainings – Achtsamkeit, Stille, Entdeckung von Potentialen, Ausarbeitung gangbarer Schritte. Wenn wir mit allen Sinnen die gemeinsame Vision erleben, können wir leichter aus der Zukunft her notwendige Veränderungen gestalten und jene mitnehmen, die Angst vor Neuem haben oder noch auf der Bremse stehen. Prozesse, gemeinsames Tasten und Wagen. Schön.
Allen einen wundervollen Jupitertag mit Freude beim Tun!
Nicht nur in Beeten ist eine gute Mischung stärkend und förderlich.

Kommentar gestern beim Öffnen der Läden: „Fenster geputzt, es regnet also.“ So ist das im Haushalt. Kaum gemacht, schon sieht man nichts mehr davon.
Die alte Diskussion, was „wirkliche Arbeit“ ist. Für mich ist es unerheblich, ob es irgendwas im Haushalt ist wie waschen, bügeln, flicken, kochen, saubermachen, Gartenarbeit, meine Arbeit in der Praxis, unserer Schule oder den Bruder pflegen. Andere definieren Arbeit als alles, was man für Entgelt macht.
Ich bin der Auffassung, dass Menschen, die Haushalte führen, Kinder erziehen, Menschen pflegen, im Garten für die Erhaltung der Natur etwas tun einen wesentlichen Beitrag zum Wohlergehen aller leisten. Allein der Kindererziehung sollte in einer zukunftsinteressierten Gesellschaft der allererste Platz eingeräumt werden. Wir sind meilenweit entfernt von einer angemessenen Einschätzung der Zeit, die wir in Familie, Kinder, Erziehung, Pflege, Ehrenamt investieren, betrachten das als „niedere“ Arbeit, selbstverständlich und „das läuft doch nebenher“. Allein unter diesem Aspekt bin ich für ein Grundeinkommen. Kein Haushalt, keine Kindererziehung oder Versorgung kranker und pflegebedürftiger Angehöriger ist ein Nebenherjob, alles sind mit die komplexesten Arbeiten, die man tun kann.
Allen, die jeden Tag viel Zeit in ihren Haushalt, den Garten, die Erziehung der Kinder und die mit ihnen verbrachte Zeit, in Pflege mit allem Drumrum von Angehörigen mit Liebe investieren – Châpeau. Nichts ginge ohne diese „Arbeiten im Hintergrund“. Sie sind kein Hintergrund, sie sind die Basis der Gesellschaft.
An den Treppenhäusern im Goetheanum kann man sich nicht sattsehen in Farbe und Form.

Nicht zu meinen Lieblingsaufgaben gehört das Beantworten von Amtspost. Wenn man pflegt, steht ständig etwas an, ob Sozialamt, Gericht, Krankenkasse. Jetzt plane ich mit dem Bruder den Besuch einer Einrichtung, die auf Erwachsene mit Behinderungen spezialisiert ist und diverse Ärzte unter einem Dach vereinigt. Endlich können seine Augen kontrolliert werden! Jeder Arztbesuch ist mit Krankenwagen verbunden, was Panik auslöst und mit wochenlanger Krankheitsphase beantwortet wird, weshalb wir letztes Jahr den Zahnarztbesuch sausen lassen mussten, da wir keinen weiteren Infekt riskieren wollten. Das wären mehrere Fliegen mit einer Klappe, wenn schon Stress, dann nur einmal für uns beide. Das Ausfüllen der Fragebögen und Besorgen aller Unterlagen war ein gewaltiger Akt, gehört dazu, wenn man einen Menschen voll und ganz versorgt. Das kostet so viel Zeit, dass ich manchmal denke – wann kann ich mich überhaupt mit ihm vernünftig beschäftigen?! Arbeitszeiten werden zudem beschnitten durch Hausbesuche aller Art. So toll es ist mit Hausarzt, Ergotherapie, Krankenkommunion – ich muss immer mit dabei sein. Das wäre alles planbar, doch sind die angekündigten Termine gern „flexibel“, dass aus 14 17 Uhr wird oder statt 10.30 13.30 Uhr. Ja, also den ganzen Tag die Praxis schließen? Vieles ist nicht immer einfach hinter den Kulissen, auch nach zwei Jahren nicht. Wobei mein Lieblingssatz von außen der ist: „Sei mal froh, dass du selbstständig bist, da kannst du alles flexibel drumrum planen.“ Es gibt Momente, da falle auch ich kurz aus der Mitte 🙂
Manchmal schau ich mir das Foto aus Holzkirchen an und merke, wie mein System zur Ruhe kommt.

Manchmal sind die Wochenenden voll mit Kruschelkram – endlich Fenster geputzt. Die Insektenschutzgitter erzeugen bei Regen mächtig Tropfenverteilung, Durchschauen kaum mehr möglich. Aufräumen, sortieren, kochen, wofür sonst keine Zeit ist wie frische Pilzpfanne. Christoph hat die Obstbäume beschnitten, der erste Teil war schon im Januar. Wir machen das seit Jahrzehnten nach dem Kalender von Maria Thun. Jetzt sind die Obstbäume fertig, hoffen wir, dass die Bäume im Frühling gut austreiben. Pflanzenbestellungen sind getätigt, Samentüten vorsortiert für die Freilandaussaat. All das will so erledigt werden wie mein wöchentlicher Flickhaufen. Wenn man einen Menschen pflegt, der sich nicht gut bewegen kann, geht mehr kaputt. An Wochenenden ohne Kurs wird im Büro Liegengebliebene abgearbeitet, schön, das in Ruhe machen zu können. Der Kopf braucht Pause, damit sich das unter der Woche Erlebte sortieren kann. Derzeit steht viel Lernen für eine Fortbildung an, das braucht ebenfalls Raum. Die neue Woche wartet mit spannenden Terminen, ich freue mich, denn wenn im Background alles schick ist, gehe ich leichter in die Tage.
Einen freundlichen Wochenstart dir!
Diese zauberschöne Morgendämmerung möge dich in eine gute Woche begleiten. Danke an Stephanie für das Bild.

Es festigt sich Gedankenmacht
Im Bunde mit der Geistgeburt
Sie hellt der Sinne dumpfe Reize
Zur vollen Klarheit auf
Wenn Seelenfülle
Sich mit dem Weltenwerden einen will
Muss Sinnesoffenbarung
Des Denkens Licht empfangen.
Rudolf Steiners Wochenspruch für diese Woche aus dem anthroposophischen Seelenkalender.
Frost malt Eisblumen ans Dachfenster. So schön!