Author page: Christine Krokauer

Vorbeugen hilft

Herbstanfang. Der Tag beginnt recht frisch, was hilft, wenn das Programm ein wenig voller ist. Die Kaffeemaschine erinnert mich daran, dass ich noch 12 Tassen vom Entkalken entfernt bin. Schade, dass es kein Memo gibt, wie lang mein Geist noch funktioniert. Endlichkeit macht Dinge sehr kostbar. Ist dir das bewusst?

Wenn ich mir anschaue, was ich an Lebensgeschichten und Schicksalen jeden Tag in der Praxis und auch sonst höre, wird mir immer wieder vor Augen geführt, was für ein unglaubliches Geschenk funktionierende Beziehungen sind, Gesundheit, wie immer man sie auch definieren mag und Lebensfreude. Unsere Zeit ist anders gestrickt. Menschen haben zahllose Ängste, mit denen sie konfrontiert sind wie Zukunftsangst, Angst um den Arbeitsplatz, Sorge, ob sie einen Partner finden, mit dem sie glücklich sein können (dazu dürften sie erst lernen, selbst fürs Glück zu sorgen), Gesundheit.

Die letzten Monate haben uns erschöpft auf vielen Ebenen. Bedenken wir, dass der Körper lange Zeit braucht, bis er sich nach einer schweren Erkrankung erholt hat – der Körper schwingt im Jahresrhythmus, das braucht alles seine Zeit. Wir erwarten da gern zu viel, gut Ding will gerade auf dieser Ebene Weile haben. Gesundheit ist ein extrem kostbares Gut, setzen wir es nicht aufs Spiel. Sorgen wir jetzt zum Herbstanfang spätestens dafür, dass unser Immunsystem ein gutes Level erreicht.

Viel frische Luft ist wichtig (wer einen Wald oder Park in der Nähe hat – hingehen!), eine gewisse Abhärtung des Körpers hilft (da wäre ein absolut kostenfreies Mittel das Tautreten – raus aus dem Bett und wer hat drauf auf den Rasen (macht Sinn, nach unten zu schauen, wo man hintritt) für ein paar Minuten und dann rein ins Warme und für gute Erwärmung durch Bewegung (!!!) sorgen (alternativ mit leitungskaltem Wasser duschen). Ihr werdet schnell sehen, wie gut das ist. Viel trinken ist wichtig für unsere Schleimhäute, achtet auf das, was gegessen wird. Ballaststoffreich, frisch und alle Farben mal auf dem Teller über den Tag verteilt ist hilfreich. Bewegung, Bewegung, Bewegung. Fernhalten von zu viel Medienkonsum. Wegbleiben von Menschen, die negativ sind.

Was macht dir Freude? Woran kann sich dein Geist immer wieder aufrichten? Hast du einen Glauben, der dich stärkt? Was zaubert dir ein Lächeln aufs Gesicht? Mehr von dem, was dich stärkt. Weniger von dem, was dich schwach macht.

Herbstanfang ist ein guter Moment. Tag- und Nachtgleiche folgen bald. Nicht umsonst ist am 29. 9. Michaeli, der Erzengel steht für den Kampf gegen das Negative und für Mut, sich allem zu stellen, was kommen kann und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Wer also bisher noch nichts getan hat, um für den Winter fit zu werden: Ab heute gilt es! Abhärtung, Wechselduschen mal testen (für Anfänger), Tautreten, Bewegungsprogramm massiv rauffahren, frische Luft ohne Ende, ausreichend trinken, Vitamine und Spurenelemente über die abwechslungsreiche frische Nahrung einladen sowie für mentale Kraft sorgen durch Meditation, Beschäftigung mit Dingen, die Freude machen, singen und die letzten Früchte aus dem Garten verarbeiten (oder auf dem Markt besorgen und sich mal Marmeladen, Gelees oder Säfte selbst kochen). Jeder kann etwas tun. Und wenn wir etwas für unsere Gesundheit tun, gibt uns das ein gutes Gefühl, das sorgt für bessere Laune. So entstehen stärkende Kreisläufe. Wir erleben Machbarkeit und Sinn, wesentliche Resilienzfaktoren.

Allen einen freundlichen Jupitertag.

 

Hohes Eisenkraut besticht durch seine Farbe und seine Zartheit bei aller Robustheit des Stängels.

Von der Wirkung des kalten Wassers

Wow. Sechs Tage geballten Input zu den Wasseranwendungen mit Sebastian Kneipp. Inhalt der zweiten Ausbildungswoche in Wörishofen im Rahmen der Ausbildung zum Kneipp-Gesundheitsberater. Sechs Tage, in denen wir viel draußen im Garten der Akademie standen und uns gegenseitig im Gießen geübt haben. Wider Erwarten war das für alle in der Gruppe gut machbar, auch für die, die bislang kühleres Wasser noch nicht für sich so ganz entdeckt hatten. Der Witz an den Anwendungen ist nämlich, dass man danach sehr, sehr schnell sehr warm wird, wenn man sich gut bewegt und die Güsse auch nur dann vorgenommen werden, wenn der Körper sich durch ausreichend Bewegung gut aufgewärmt hatte.

Das bedeutete für uns: Gymnastik, Bewegung, Sport aller Art und dann die Güsse. Erst die Theorie mit allen Indikationen, Kontraindikationen und vor allem die Wasserführung. Man kippt das Wasser ja nicht irgendwie über die Menschen, sondern die Güsse erfolgen blitzschnell nach einer hocheleganten und ausgetüftelten Choreographie, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Nachdem jeder vom Eisbaden schwärmt, kann ich nur sagen – Kneipp kann das auf eine mildere Art und Weise ebenso wunderbar (wobei das Halbbad mit 16 Grad auch ordentlich war).

Wir haben geübt, gegossen und versucht, möglichst wenige Fehler zu machen, damit die Kurskollegen nicht frieren müssen. Das übt enorm und wir haben die Woche mit meisterlichen Güssen beendet. Was wir genossen haben, waren Bürstenmassagen, Bäder gegen müde Bildschirmaugen, Gesichtsguss für die Schönheit und herrliche Waschungen, bevorzugt für Menschen mit Schlafstörungen und super gegen Wechseljahrshitzewallungen. Eine Migräne, die eine Teilnehmerin schwer schlauchte, konnte nur durch die Wasseranwendungen zu einem schnellen Ende gebracht werden, was alle freute.

Wir lernen fleißig und werden jetzt üben, üben, üben. Dazu kommen das Schreiben einer Abschlussarbeit mit Präsentation und die Erstellung eines Kneippanwendungsprogramms, das wir selbst über mehrere Wochen dokumentieren werden. Dann folgen noch Klausur und praktische Prüfung, ehe wir nach weiteren Kurseinheiten unseren Abschluss machen dürfen. Vor dieser Woche waren wir alle aufgeregt – wie würden die Güsse sein, vor allem bei dem Wetter draußen? Jede Sorge war unbegründet. Sie waren großartig und haben alle in der Gruppe auf beste Weise vorangebracht. Unsere Bedenken, wir würden die vielen verschiedenen Gießmöglichkeiten niemals lernen, waren ebenso unbegründet – die Übung macht wie bei allem den Meister. Wir hoffen, dass wir jetzt mit einem gut aufgestellten Immunsystem in den Herbst starten, die Grundlagen sind bestens gelegt. Wie sagt Kneipp so schön: „Vom Gebrauch des Wassers ist kein Alter ausgeschlossen.“ Es gibt so milde Anwendungen, die auch für Hochbetagte und die Allerkleinsten wunderbar sind.

Allen einen feinen Mittwoch.

 

Kneipps Herbarium und ein paar Utensilien zur Herstellung von pflanzlicher Unterstützung im Krankheitsfall aus dem Kneippmuseum in Wörishofen.

Unübertrefflich!

Wer immer die Wirkungen des Wassers versteht und in seiner überaus mannigfaltigen Art anzuwenden weiß, besitzt ein Heilmittel, welches von keinem anderen wie immer  genannten Mittel übertroffen werden kann.

Sebastian Kneipp, 1821–1897

Die berühmte Gießkanne, mit der Sebastian Kneipp Patienten seine Güsse verabreichte.

Zukunft der Arbeit

Vieles rundet sich in diesen Tagen. Als ich am Morgen meinen Rechner hochgefahren habe, ist mir ein hochinteressanter Text über New Work in die Hand gekommen, ein Thema, mit dem wir hier seit Jahren in Bezug auf Veränderungen in der Arbeitswelt, Führungs-Kraft und Sinnhaftigkeit der Arbeit beschäftigt sind. Es verbindet sich mit der Frage nach einer guten Wirtschaft und basiert auf einer sehr anders gedachten und umgesetzten Vorarbeit im Pädagogischen.

Mit Menschen, die unser Regelschulsystem durchlaufen haben, ist New Work schwierig. Die Kinder lernen nicht wirklich, verantwortlich zu agieren, ihr Gehirn zum Denken zu benutzen. Es kommt darauf an, Stoff zu futtern und an Klausuren punktuell abzugeben. Bildung ist etwas anderes. Erst brauche ich eine menschliche, tief im Herzen verankerte Kompetenz und Sozialkompetenz. Dann folgen erst Medienkompetenz und Denkschulung. Wenn Lernen aufhört, Freude zu machen, stirbt das Interesse an der Erforschung der Phänomene der Welt. So lernen Kinder von klein auf, dass das Leben aus Problemen besteht, alle paar Meter kommen Blockaden. Das miese Schicksal tut sein Übriges. Und zack! – resigniert der junge Mensch, traut sich nichts zu und hat Angst vor der Zukunft.

Es braucht Respekt vor den Aufgaben, mit denen sich die Menschheit (aus eigenem Verschulden übrigens) konfrontiert sieht. Aber brauchen wir Angst? Natürlich haben wir alle Angst und in diesen Zeiten nicht zu knapp, doch Angst verringert sich in dem Maß, in dem wir machbare Schritte auf dem Weg zu einer Lösung sehen und einen Sinn in unserem Handeln finden können. Der dritte Aspekt ist die Freude, die wir haben, wenn viele Menschen vereint in einem Ziel sind. Jede Katastrophe lehrt uns das (wobei wir auf diese Lektionen freilich gut verzichten könnten): Wenn im Außen etwas Bedrohliches geschieht, öffnen wir das Herz und die Hand und können plötzlich helfen, fragen nicht lang und packen da an, wo es nötig ist. Da sehen wir, wie wesentlich die kleinen Schritte sind! Aus kleinen Schritten werden lange Wege, wie Beppo Straßenkehrer in Momo höchst anschaulich zeigt.

Wir fangen vielleicht deshalb nicht wirklich mal mit den großen Themen der Menschheit an und bleiben auf unseren vielbespielten Nebenkriegsschauplätzen hängen, weil wir Angst vor der Größe der Aufgaben haben. Ja! Nachvollziehbar. Aber bitteschön: Wie isst der Bauer die Klöße? Einen nach dem anderen, oder? Jeder von uns hat enorme Talente und Fähigkeiten. New Work heißt im weitesten Sinne: Setz dich mit all deinen Fähigkeiten, Talenten und deinem ganzen Sein für das ein, was dir WIRKLICH wichtig ist und verbinde es mit einem Nutzen für das große Ganze. So erleben wir tiefes Glück in unserem Tun. Dann ist Arbeit nicht getrennt vom Rest des Lebens, müssen wir nicht einteilen in Jobgesicht und Privatgesicht, uns zerreißen zwischen Welten.

Wie willst du in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aufwachsen, lernen und arbeiten? Was macht für dich Sinn und wo krempelst du mit Freude die Ärmel hoch und gehst es an – womit du viele inspirieren kannst?

Allen einen freudigen Donnerstag. Jupiter schaufelt uns hoffentlich gute Energie unter die Füße.

 

Maikes Glück liegt in den Bergen und mit Freude klettert sie hinauf und hinunter. Uns freut, dass sie so schöne Fotos unterwegs macht. Danke dir!

Das Glück ist immer da

Willst du immer weiter schweifen  

Willst du immer weiter schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah.

Lerne nur das Glück ergreifen,

Denn das Glück ist immer da.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

Katja hat Herbstfarben für uns eingefangen. Der Herbst ist ein Farbmeister, oder? Danke für das Bild.

Das Herz – Wunder in uns

Das menschliche Herz wird oft als Pumpe im Körper bezeichnet. Mich erschreckt das jedes Mal. Wir sind doch keine Maschine, die von einer Pumpe angetrieben wird!

Das Herz ist ein unfassbares Organ. Es hat sein eigenes Nervensystem. Wir verbinden es mit dem Gefühlserleben. Ein Mensch, der eine Transplantation eines Herzens bekommt, kann sich so verändern, wie das Wesen des ursprünglichen Besitzers war. Herz und Blutkreislauf sind verbunden. Das Herz ist mit all unseren Systemen eng vernetzt – das Blut im Kopf belebt unsere Sinneswahrnehmungen und das Denken. Im rhythmischen System ist die Quelle der Lebendigkeit, ist unser Fühlen beheimatet. Im Gliedmaßen-Stoffwechsel-Bereich ermöglicht die Arbeit des Herzens tüchtiges Ergreifen der Aufgaben, liebevolles Halten und Schützen, aber auch Verdauen und Bewegung aller Art.

Das Herz ist ein mitfühlendes Wesen. Es ist mit dem gesamten Körper verbunden und weiß, was los ist. Es ist in der Lage, Außen- und Innenwelt wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Seine Qualitäten entscheiden darüber, was für ein Mensch wir sind und werden, wenn wir das Herz jenseits seiner organischen Aufgaben wahrnehmen. Es ist unser Ausgangspunkt des Magnetfelds, mit dem wir in Kontakt zu anderen Menschen treten. Die Herzkraft ist die stärkste Kraft der Liebe.

Mozes Foris hat das Relief „Mysterium cordis“, das auf dem Foto abgebildet ist, geschaffen. Es hängt im Eingangsbereich der Ita-Wegman-Klinik (heute Klinik Arlesheim) in Arlesheim. Es zeigt Herz und Blutkreislauf des Menschen. Wer die Klinik betritt, kann sich mit dem Geheimnis des Herzens verbinden. Es ist ein wunderbares Werk, vor dem man lange stehen kann. Es spricht direkt zum Betrachter und macht uns vielleicht das erste Mal überhaupt bewusst, dass wir wahrhaftig ganz und gar ein Wunder sind. Wie froh bin ich, kürzlich mehrere Tage die Möglichkeit gehabt zu haben, lange vor diesem Werk zu stehen und glücklich zu sein, dass es Menschen gibt, die mit ihren Fähigkeiten solche Reliefs schaffen, die direkt von Herz zu Herz sprechen.

Allen einen bewegenden, herzlichen Merkurtag.

Vom Wert des Wissens

Das Wissen hat nur dadurch Wert, dass es einen Beitrag liefert zur allseitigen Entfaltung der ganzen Menschennatur.

Rudolf Steiner, in:  Die Philosophie der Freiheit

Das sind die Ecken, die das Goetheanum für mich zu einem Bau zwischen den Welten machen.

Mein und Dein, das ist hier die Frage

Das Leben bietet jeden Tag eine Fülle an Überraschungen. Gute und weniger gute, bunt gemischt. Eine bislang noch nie dagewesene erlebten wir, als wir neulich aus dem Fenster auf den Pflaumenbaum schauten und feststellen durften, dass er sich über Nacht seiner Pflaumen entledigt hatte. Sie waren nicht auf dem Boden. Die Wespen haben genug mit den Äpfeln zu tun, die waren es auch nicht. Der eingedrückte Minizaun und die plattgetretenen Rosen zeugten eher von anderem. Nun, seit acht Jahren warten wir auf die erste Ernte, denn der Baum ist etwas Besonderes – er ist eine Züchtung zwischen Pflaume und Schlehe. Dieses Jahr hing er das erste Mal wahrhaft voll und wir freuten uns auf den Kuchen daraus. Wir vermuten, dass jemand anderes nachts überraschend Besuch bekam und schnell einen Zwetschgenkuchen machen musste. Wir hoffen, dass das ein Versehen war und aus Not, denn auch wenn jemand keinen meterhohen Zaun mit Flutlichtanlage und Sirene auf seinem Grundstück hat, um klarzumachen, wo Mein und Dein beginnt, gehört es sich absolut nicht, anderer Menschen Gärten als Selbstbedienungsladen zu betrachten. Unrecht Gut gedeihet nicht.

Werte – wie oft haben wir an dieser Stelle darüber schon geschrieben. Werte sind das Skelett einer Gesellschaft. Nur wenige Prozent der Bundesbürger befassen sich mit Werten (wie man leider sieht). Frage ich Menschen, welche Werte ihre wichtigsten sind, kommt oft wenig an Antworten. Dinge wie Gleichheit und Fairness, wenn jemand Sportler ist, das wird geantwortet. Oder es kommt die vorsichtige Frage: Was für Werte meinst du? Dax, Aktien? Öhm, nee, sowas wie Authentizität, Freundlichkeit, Demut, Respekt … ach so! – Darüber habe ich noch nie nachgedacht.

Neben „Wie sorge ich für Glück und Zufriedenheit“ gehören die Fächer „Werte“ und „Würde“ auf jeden Schulplan. Wissen pumpen wir uns in Zukunft mehr und mehr online und im Selbststudium hinein, aber die Grundlagen einer menschenwürdigen Welt müssen wir von klein auf legen. Dann ist mehr Frieden und Wertschätzung allerorten.

Einen kraftvollen Marstag allen.

Herbst!

Dies ist ein Herbsttag!!

 

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

 

Christian Friedrich Hebbel, 1813-1863

Das erste Mal

Jedes Mal ist es etwas Besonderes, wenn Menschen zum ersten Mal Aufstellungen erleben. An diesem Wochenende gab es gleich zwei Premieren: Wir hatten das erste Mal auch in der Therapeutenausbildung das Thema Spiral Dynamics (beim WeltenWandlerProjekt ist das immer mit dabei) und die ersten Aufstellungen. Mir fällt auf, wie selbstverständlich für uns der Umgang mit vielen Themen wie Spiral Dynamics, Integrale Arbeit von Ken Wilber, Wertemodelle, Persönlichkeitsentwicklung ist. Ich darf immer umdenken, wie sich das alles anhört, wenn man das noch nie gehört hat. Das ist hilfreich, denn dadurch beginne ich jedes Mal mit dem Thema erneut, erstaunlicherweise lerne ich dadurch eine Menge. Wiederholung hat noch nie geschadet, wenn man etwas vertiefen will.

Am Abend kam dann ein weiterer Baustein in meiner eigenen Fortbildung dazu, so langsam baut sich etwas auf, das auf solidem Boden gründet und sich immer weiter verfeinert. Das Meiste, was mir bislang noch nicht bewusst oder auch neu war, fließt ohnehin gleich mit in die tägliche Arbeit ein, besser kann ich es nicht haben. Was ich neu erlerne gleich anwenden können und auf offene Klientenohren dafür stoßen macht einfach tiefste Herzensfreude.

Unsere Entscheidungen, die wir in Bezug auf die Entwicklung unserer Schule vor einer knappen Woche getroffen haben, runden sich. Wir nehmen uns immer wieder unsere Notizen vor, vertiefen, verfeinern, die ersten konkreten und wegweisenden Schritte sind unternommen. Jetzt kommt die Konzeptarbeit für zwei große Ausbildungen. Die Programme stehen nun, jetzt darf alles auf umsetzbare Einheiten heruntergebrochen werden. Die müssen gut in sich machbar und abgeschlossen sein, einer Struktur und inneren Ordnung folgen und sinnvoll nacheinander kommen. Das macht mir wirklich Freude, aus dem, was ich alles vermitteln möchte, die entsprechenden Themenblöcke und Sequenzen festzulegen. Wenn das geschafft ist, besteht meine Arbeit darin, die Inhalte zu schreiben. Der letzte Schritt ist die Umsetzung, der Unterricht. Das sind meine Beiträge in unserer Schule. Christoph denkt über seinen Anteil nach, seine Aufgaben beziehen sich auf die technische Umsetzung, grafische Gestaltung meiner unleserlichen Skizzen und vieles mehr, was man erstmal nicht wirklich sieht und dennoch die halbe Miete ist.

„Und allem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“, heißt es bei Hermann Hesse. Das merke ich, wenn ich ans Neugestalten eines Kurses gehe. DAS ist reine Freude. Und dann richtig, richtig viel Arbeit, damit es hinterher leicht und locker ausschaut. Was habe ich für ein Glück, dass ich genau das tun darf, was mir am Herzen liegt. Das wünsche ich allen Menschen!

 

Einen guten Start in eine neue Woche. Für viele Kinder nun auch wieder Beginn des neuen Schuljahrs, die Azubis haben die ersten harten 14 Tage geschafft. Habt Freude bei eurem Tun und von Herzen wünschen wir allen beste Lehrer, Ausbilder und Mentoren.

 

Haus Duldeck. Beton muss nicht langweilig sein.

Harmonie

Architektur ist (…) Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Gesamte zu zerstören.

Leon Battista Alberti in: De Re Aedificatoria, 1452

Im Treppenhaus des Goetheanums in Dornach kann man nachvollziehen, was Alberti gemeint hat.

Schwere Geburten

 

Das erste Kurswochenende steht vor der Tür. Wir freuen uns, es ist ein vorgezogenes für die Teilnehmer, die bald ins zweite Cardea-Jahr starten und wir möchten vorab das Thema Aufstellung/systemische Arbeit praktisch angehen. Brett und Kissen, Zettel und Team – wir werden uns durchprobieren und jeder kann seine Fragen auf vielleicht unerwartete neue Weise anschauen.

Die Lerngruppe ist letzte Woche wieder losgegangen, damit auch alles rechtzeitig vor der Oktoberprüfung durchgegangen werden kann. Wer noch mitmachen will, kann sich gern melden.

Die Herbstkurse füllen sich – wer mit einsteigen möchte in die Cardea-Ausbildung oder den als Selbsterfahrung bestens geeigneten „Carl Rogers“-Kurs belegen mag, darf sich sehr gern anmelden, es gibt nur noch wenige Plätze. Wir arbeiten in kleinen Gruppen, damit wir intensiv arbeiten können.

In der Praxis geht es nahtlos weiter. So viele Menschen sind er-schöpft, leer, ausgebrannt und wollen sich doch gut ausrichten, bevor der Winter kommt und das Hamsterrad überall wieder im Schwung ist. Verunsicherung ist spürbar. Wo geht es hin mit diesem Land, der Welt, einem selbst? Das sind großartige Fragen. Wir sind in einem großen Prozess der Entstehung von Neuem, schöpferische Prozesse sind schwere Geburten. Wir sind nicht geübt im Neugestalten der Welt und das macht vielfach Angst.

Wichtige Helfer im Moment: Viel und ausreichend schlafen. Möglichst gute Ernährung, viel bewegen. Weg von zu vielen Medien und Beeinflussungskanälen, die nur unser Gehirn erweichen. Lesen, Nachdenken, bei sich ankommen. Ruhe üben und Mitte spüren. Natur, Natur, Natur. Gut atmen. Sich mit Menschen austauschen, die einem eine Quelle der Freude und Inspiration sind. Keine Energievampire ins System lassen. Dankbarkeit und Mitgefühl sowie Freude und Stille kultivieren. Der Sehnsucht nach dem Schönen, Wahren und Guten folgen.

Allen ein inspiriertes und freundliches Wochenende.

 

Zauberhaft, oder? So kann ein Gebäude in einem Krankenhaus auch aussehen. Dieses hier steht im Garten der Klinik Arlesheim (Ita Wegman Klinik) und dieses Gelände ist mein wichtigster Kraftort auf dem Planeten.

Neuanfänge machen Spaß

Nun kommen der zweite Seminarherbst und –winter seit der Pandemie. Zeit also, die Erfahrungen der letzten Jahre und die Resultate aus sehr vielen Gesprächen und Bergen an Literatur zum Thema in den letzten Monaten zusammenzutragen.

Wenn wir Grundsatzentscheidungen zu treffen haben und den Metablick auf alles unternehmen möchten, gibt es für uns keinen besseren Kraftplatz als das Goetheanum in Dornach bei Basel, der Hochschule für Anthroposophie (und vielem mehr).

Am Ankunftstag stand erstmal ein Theaterbesuch an – Homers Odyssee hätte nicht besser passen können. „Take the long way home“, perfekt auf die Bretter der Welt gebracht von der wie immer grandiosen Jungen Bühne. Nach der Vorstellung sind wir sehr still lange im Garten des Goetheanums unterwegs gewesen, bis die Sterne blinkten, um alles sacken zu lassen, genug Abstand zu allem, was in unserem Leben gerade außenherum so los ist, zu finden und gut auszuruhen, damit der erste Arbeitstag gut startet.

Dank der Caféteria in der Wandelhalle und der Tatsache, dass man da restlos ungestört arbeiten, reden, denken kann, haben wir alle Lieblingstische durchgemacht. Einer stand für die Gegenwart, einer für die Zukunft, so dass wir gut von der Zukunft her arbeiten konnten. Da nutzen wir dann gern verschiedene Zeitfenster, nahe Zukunft und fernere, damit wir viele Blickwinkel haben.

Dann kommt ein Pausentag, den haben wir uns in Basel gegönnt mit gutem Essen, Museumsbesuch bei good old Böcklin, was sonst!!!, und dem Aufsuchen diverser Läden, um alle Bestellungen nach Tee und Leckerli abzuarbeiten. Als Krönung natürlich die Buchhandlung am Goetheanum (nachdem wir bereits bei Bider und Tanner Stunden verbracht hatten. Nimmt man nur die Zeit in Buchläden, waren es gute sechs Stunden, dazu vier im Museum und eine in der Stadt :-)) Soviel zu Prioritäten in unserem Leben). Während man so geht und schaut, klärt sich nochmal sehr vieles, wozu auch das Überschlafen zweimal beiträgt.

Der Mittwochmorgen stand nochmal im Zeichen der Reflektion: Haben wir einen klaren Blick? Sind die Aufgaben alle benannt? Konsequenzen best und worst case angesprochen? Ängste und Bedenken formuliert? Ist jedem klar, was zu tun ist? Das braucht nochmal einen halben Tag mit viel Gehen im Park. Danach war Mittagessen in der Ita Wegman Klinik der beste Abschluss (ich sage nur: Eclairs gibt es nirgendwo besser). Zur Krönung eine Ausstellung mit Bildern aus Mittelerde!!

Ab auf die Autobahn. Auf der Heimfahrt konnten wir dann alles nochmal fünf Stunden lang (Danke, Staus) sacken lassen. Dann ist der Kopf wirklich aufgeräumt. Sehr hilfreich. Und dank des Tee- und Eissortiments am Goetheanum und der Backkunst der Schweizer in Bezug auf Gipfeli aller Art ist jeder auf seine Kosten gekommen.

Jetzt können wir Schritt für Schritt an die Umsetzung gehen. Das ist viel Arbeit, großartige, weil die Fahrpläne geschrieben sind. Ihr könnt euch vorfreuen. Es wird nach und nach viel Neues geben und das Beste – das Nautilusprojekt steht als Bauplan. Die Inhalte sind festgezurrt. Jetzt geht es Step by Step voran. Wir hatten enorm viel Freude beim Ausarbeiten und hoffen, dass das beim Ergebnis bei euch so ankommt. Mehr Infos, wenn das Ei bebrütet ist. Gelegt ist es jedenfalls endlich in Ruhe.

 

Auch die Homepage war Bestandteil unserer Arbeitsphase. Was wird wo sein? Was ändert sich, was bleibt? Auswertung von Zahlen und Fakten, Daten und persönlichen Eindrücken. So mancher Kaffee und Tee musste dran glauben in diesen Tagen. Da wir auf diesen Kraftort zum Entscheiden getrimmt sind, ist das System auch wahrhaft eingenordet an diesen Tagen. Da sind wir extrem fokussiert und konzentriert.