Author page: Christine Krokauer

Mehr Tempo

Mein Tempo diese Woche war deutlich langsamer. Ich merke, dass mein Gehirn jetzt anfängt, die Eindrücke aus Dornach zu verarbeiten, das war im Juni. Das Tempo des Jahres insgesamt war also zu hoch, die Seele kommt mit Verdauen nicht nach. Es war viel los das ganze Jahr über, das merke ich jetzt, wo es im Außen trüber und dunkler wird und der Fokus nicht mehr permanent im Außen auf dem Organisieren von Tausenderlei liegt, weil vieles einfach geschafft ist. Es waren einige Projekte in diesem Jahr mit viel Vorplanung und Organisation. Ereignisse, die für Nachdenken und Gespräche sorgen, Veränderungen von außen, die tiefgreifend auch in unsere Familie hereinwirken. All das hat mehr Kraft gekostet als ich angenommen habe. Jetzt darf ich Kraft, Zeit und anstehende Aufgaben gut abstimmen. Die Tage waren dringend notwendige Reflektion.

Jeder Mensch erlebt die Herausforderungen im Außen derzeit als starke Belastung. Entscheidend ist, wie resilient und flexibel mein Inneres aufgestellt ist. Wir sind alle eingeladen, mehr inne zu halten, uns Verarbeitungszeit für das zu geben, was die Welt fordert und dafür zu sorgen, dass wir im Inneren ausreichend Ruhe, Mitte und Wurzelkraft haben, um im Sturm der Zeit stabil zu stehen.

 

Rundkirche und Baum am Benediktushof haben schon viele Stürme überstanden.

Naturwunder

Die Nächte werden frostiger und das ist gut für die Schlehe, ebenso wie für die Mispel. Beide Früchte können jetzt vollends ihre Kraft entfalten und nach ein paar Frostnächten gut geerntet werden. Schlehe blüht so zeitig im Frühjahr und ist mit die letzte geerntete Frucht, die gesamte Kraft des Jahres ist in ihr enthalten. Sie ist deshalb so hilfreich in der Rekonvaleszenz nach Krankheiten als Schlehenursaft oder Schlehenelixier, im Schlehenblütenöl hüllt sie auf zarte und dennoch klare Weise Schützenswertes. Es ist nicht leicht, sie zu ernten und zu verarbeiten, denn die Schlehe wehrt sich mit starken Dornen und bildet Hecken und ein unglaubliches Netzwerk, das undurchdringlich ist. Ich denke oft, dass die wahre Dornenhecke in Dornröschen vielleicht Schlehe oder Rosa Rugosa, die Kartoffelrose, gewesen sein könnte, weil beide für undurchdringlichen Schutz sorgen. Die Bündel aus Zweigen findet man manchmal in Gradierwerken wie in der Nähe in Bad Kissingen. Auch im Ikebanagesteck macht sie sich dekorativ.

Farbfreude

Wenn die Blüten im Garten bis auf die Reste der Lampionblume und der letzten Rosen und Astern verschwinden, freue ich mich über Sommerbilder wie hier die zauberschönen Glocken am Goetheanum. Wo bringst du heute einen Farbtupfer der Freude in dein Leben?

Zwangspause

 

Schüttelfrost in der Nacht. Leichte Sorge, ob ich mir einen Infekt geholt habe. Nein, zum Glück nicht. So ein Phänomen des „rien ne va plus“ kommt alle paar Jahre für ein, zwei Tage vor und sind mein Sicherheits-Bremssystem. Da ist sofort Absagen aller Termine angesagt und so habe ich es auch dieses Mal entschieden. Alles abgesagt bis auf Bruder versorgen und zwischendurch hinlegen und schlafen. An solchen Tagen merke ich, dass die Versorgung eines Schwerstbehinderten mit Pflegestufe 5 auch eine krasse Anstrengung darstellt, die täglich zu leisten ist und es einen Unterschied macht, ob ich einen Säugling wickle oder einen gelähmten erwachsenen Menschen und ich sehe, was sonst noch jeden Tag alles außenherum miterledigt wird. Auch typisch: Als hätte das Schicksal Regie geführt kommt ein innerfamiliärer Hilferuf, der gleich Unterstützung braucht, stirbt abends die Heizung und wir stehen da mit Wasserkocher und Heizlüfter, damit der Bruder warm bleibt in der Nacht. Heute ist nach der Heizungsreparatur plus X hoffentlich etwas Pause angesagt, damit die Batterien wieder laden können.

Allen einen freundlichen Wochenteilungstag!

Dankbar

Jedes Jahr ist es ein besonderer Moment, wenn alles Obst verarbeitet ist. Wir sind unendlich dankbar, dass wir Obst ernten dürfen – und in diesem Jahr wegen ausgefallener Apfelernte von lieben Menschen beschenkt wurden! – und mit unseren Obstbäumen beitragen, dass alte Sorten erhalten bleiben. Auf dem städtischen Grün vor dem Haus warten die Mispeln auf den ersten Frost. Das ist toll, die Stadt Würzburg sorgt so dafür, dass alte Obstsorten angebaut werden und das Wissen um diese feinen Früchte nicht verlorengeht. Wenige Menschen kennen Mispeln und wenn sie sie probieren, finden sie sie nicht fein, was daran liegt, dass sie zu dem Obst gehören, das erst Frost braucht. Vorher abreißen macht keinen Sinn. An diesen Obstarten (und vielem anderen) lernen wir anschaulich, dass alles seine Zeit braucht, um zu reifen und gut zu werden.

Einen kraftvollen Marstag!

 

Dieter hat das Erntefoto gemacht. Dankeschön!

Rogers und die Kunst des Spiegelns

Gestern war der Auftakt für unser Nautilusthema „Carl Rogers“ – für die nächsten Wochen werden sich die Inhalte der Lektionen um Spiegeln, Authentizität, Wertschätzung und Empathie drehen mit vielen Übungen für die Buddysysteme. Damit ist die Gruppe im zweiten Themenblock angelangt, der dritte wird sich ebenfalls mit verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten befassen. In einer Übung war zu spüren, dass es gar nicht so einfach ist, Gehörtes mit seinen eigenen Worten ohne Interpretation wiederzugeben. Das Wort Herzlauschen hat uns den Tag über begleitet.

Diese Woche werde ich ein Team in Backnang coachen, viele Klienten sehen und am Wochenende dann die angehenden Coaches durch das zweite Kurswochenende begleiten. Das ist ein umfangreiches und vielfältiges Programm, zwischenrein eine Beratung zum Thema Wärmepumpe. Mein Bedarf an Baustellen ist mehr als gedeckt, es ist dennoch ein Bereich, über den wir nachdenken.

Allen einen freundlichen Wochenstart, für viele auch der Arbeitsbeginn im vorletzten Monat des Jahres.

Licht aus Geistestiefen

Das Licht aus Geistestiefen

Nach außen strebt es sonnenhaft

Es wird zur Lebenswillenskraft

Und leuchtet in der Sinne Dumpfheit

Um Kräfte zu entbinden

Die Schaffensmächte aus Seelentrieben

Im Menschenwerke reifen lassen.

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Stephanie hat das lichterfüllte Foto in der Schweiz vor einigen Wochen gemacht. Danke für dein Bild!

Wat mutt dat mutt

 

An manchen Tagen muss es einfach mal das Backen der Lebkuchen sein. Die brauchen jetzt ihre Zeit bis Weihnachten, dann sind sie richtig fein. Natürlich halb – halb Zitronenguss und Schoko. Man kennt seine Pappenheimer.

Seelen-Wanderführer

Wanderführer für die Seele sind Märchen für mich. Sie sind unglaubliche Seelennahrung und geben uns Stärkung fürs ganze Leben mit. Am Mittwochabend waren Märchen eines der beiden Themen (Stille war das zweite), mit denen ich zu Gast in einer Selbsthilfegruppe war. Wir haben uns zwei Märchen intensiv angeschaut, Frau Holle und Hans im Glück, uns darüber ausgetauscht, welche Ebenen wir in diesen Märchen finden können und dass sie im Grunde tiefe Einweihungswege von Menschen beschreiben. Märchen spiegeln das tiefe Weisheitswissen eines Volkes wieder, weshalb ich es mag, wenn mir Menschen aus anderen Ländern Märchen ihrer Heimat mitbringen. Oft sind sie in Gesprächen die Brücke zur Frage, wo ich mich selbst beheimate und lösen einen ganzen Strom an Erinnerungen aus. Märchen verbinden uns mit erzählenden Großeltern, mit Geborgenheit und dem Geist der Heimat, die wir vielleicht verloren haben und sind somit auch ein Bestandteil der eigenen Lebensreise. Welches Märchen hat dich am meisten geprägt?

 

Mutter Erde in der Praxis wird von den Klientinnen und Klienten oft auch als „Frau Holle“ bezeichnet.

Halloween

Diese Woche ist Halloween. All Hallows Eve. Ein Tag, an dem sich die Schleier zwischen den Welten etwas weiter öffnen. An Michaeli haben wir uns Kraft geholt, die Drachen in uns anzugehen, nun zeigen wir außen unguten geistigen Wesen mit Kürbisfratzen und Kostümen, dass es bei uns von dieser Sorte Wesenheiten schon voll ist. Die Menschen stellten einst ihren Verstorbenen Essen auf die Fensterbank als Zeichen der Wertschätzung, es sind Tage und Nächte, in denen man gern auf sich und seine Lieben achtgibt.

Die alten Rhythmen und Weisheiten verlieren sich, der tiefe Sinn hinter dem Aller-Heiligen-Abend (die als stärkende Schutzkräfte den negativen Wesenheiten entgegentreten) ist einem Süßigkeitenfest gewichen. Wir erleben Mangel ans Angebundensein an die Atemprozesse der Welt und die Weisheit in der Abfolge der Jahreskreisfeste, ohne das benennen zu können. Natur ist entweder ein Supermarkt, den man ausräumen kann oder ein Sportplatz. Dass Heilendes heilig ist, Rituale uns verbinden mit anderen Menschen, der Umgebung und dem Jahreskreis, also dem, was wir wirklich als materielle und seelisch-geistige Wesen selbst sind, haben wir oft vergessen. Wir erleben selten Momente der Andacht in der Natur, der Demut vor der gewaltigen Schöpfung. Vielleicht ist das bewusste Beobachten an diesen Schwellentagen eine Einladung, wieder mehr in Verbindung zu kommen mit den Menschen, die vor uns auf dieser Erde waren und jenen, die nach uns kommen. Wo sind wir wertschätzende Nach- und Vorfahren, die behüten, wahren und erneuern auf allen Ebenen?

 

In alten Büchern finden wir manche Weisheit, vieles in Märchen, Sagen, Legenden und den Erzählungen der älteren Menschen über Bräuche und überliefertes Wissen – wie seit jeher. Theresa hat diese Folianten in Schweden fotografiert. Danke dir!

Natur

Die Natur ist zugleich Buch und Schrift, Märchen, Gemälde und Lied.

Johann Wolfgang von Goethe

Danke an Theresa für das Foto aus Schweden.