Monthly Archives: Juni 2023

Gesang des Meeres

Der Gesang des Meeres

Wolken, meine Kinder, wandern gehen

Wollt ihr? Fahret wohl! Auf Wiedersehen!

Eure wandellustigen Gestalten

Kann ich nicht in Mutterbanden halten.

Ihr langweilet euch auf meinen Wogen,

Dort die Erde hat euch angezogen:

Küsten, Klippen und des Leuchtturms Feuer!

Ziehet, Kinder! Geht auf Abenteuer!

Segelt, kühne Schiffer, in den Lüften!

Sucht die Gipfel! Ruhet über Klüften!

Brauet Stürme! Blitzet! Liefert Schlachten!

Tragen glühnden Kampfes Purpurtrachten!

Rauscht im Regen! Murmelt in den Quellen!

Füllt die Brunnen! Rieselt in die Wellen!

Braust in Strömen durch die Lande nieder. –

Kommet, meine Kinder, kommet wieder!

Conrad Ferdinand Meyer, 1825–1898

Leuchtturm – Stephanie hat ihn entdeckt. Danke für dein Bild!

Quo vadis, Welt?

Spannende Tage. Ich beobachte, hinterfrage, staune und versuche Klarheit zu bekommen. Planet vor dem Kipppunkt – Menschen erzählen, wie sie sich auf den Urlaub freuen. Absoluter Mangel an vielem – ich bekomme den Tipp: Bestell das doch im Internet. Jemand sagt mir, dass er so viele Erdbeeren in dem Jahr gegessen hat, es reicht. In meinem Garten reifen die erst jetzt. Überlastung wird beklagt, Nachfrage nach der Arbeit: „Ich bin auf Teilzeit, mehr Life weniger Work, ich mach mich doch nicht alle für irgendwen.“ Eine liebe Freundin schickt mir eine Nachricht und sagt „Ich hab grad so viele Fragen an das Leben!“ Ich nicke.

Quo vadis? Bisschen wilde 20er gefühlt, einfach noch einen Schampus aufmachen und eine Runde Charlston tanzen, bevor alles explodiert? Ich mache mir erstmal einen Tee. Der hilft, ein wenig Abstand zu bekommen und mich auf das zu fokussieren, was zu tun ist – den Bruder wickeln, für gutes Mittagessen sorgen und den Raum halten, in dem die Klienten ihren Weg und sich selbst wiederfinden.

 

Diesen Mohntraum hat Sigrid mit der Kamera festgehalten. Danke!

Naturwunder

Kornblumenblau – die Natur ist eine unfassbare Künstlerin, oder? Was derzeit alles an Farben, Formen, Geräuschen und Düften wahrnehmbar ist, ist ein Gesamtkunstwerk.

 

Sigrid hat diese Kornblume fotografiert, Danke für deine Geduld, auf die Hummel zu warten und im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken.

Holla die Waldfee

Anfrage zu einem Kurs: „Geht das nicht schneller oder weniger umfangreich?“ Schnell geht selten etwas, wenn es gründlich und fundiert sein soll. Dinge brauchen Zeit, um verstanden, durchgearbeitet und sicher vernetzt zu sein. Bei einer Ausbildung geht es auch um Persönlichkeitsentfaltung, das geschieht selten über Nacht.

Wir sind alle bequem geworden. Ich habe im Krankenhaus erlebt, womit die Pflegenden konfrontiert werden. Menschen, die vor wenigen Jahren applaudierten und Bedankungsplakate aufgehängt haben, meckern über alles. In Bezug auf Medikamente herrscht Notstand, am 14. Juni werden viele Apotheken streiken, um auf Missstände aufmerksam zu machen, die durch Engpässe und enorm gestiegenen Aufwand dadurch entstehen. Wir haben verlernt, darauf zu achten, dass wir uns im eigenen Land möglichst mit vielem selbst versorgen.

Die Zukunft wird uns erinnern, mehr selbst zu machen, tätig zu werden anstatt Forderungen zu stellen, weil sie nicht erfüllt werden, mit einfachen Mitteln Selbsthilfe zu betreiben. Im 19. Jahrhundert wurden rund 6% der Fläche der Stadt Paris von den Marktgärtnern, den Maraîchers“ mit Hilfe von Pferdemist intensiv bewirtschaftet, sie versorgten die Stadtbevölkerung mit Gemüse. Weshalb glauben wir heute, das ginge in den Städten nicht? Getreidefelder mitten in Berlin wird es nicht geben, doch Gärtnern kann man auf jedem Balkon.

Alles hängt zusammen: Unsere Bequemlichkeit, der Wunsch, overnight ohne viel Aufwand zu bekommen, was wir möchten, sich selbst nicht anstrengen. Damit haben wir uns an den Rand der Vernunft verkonsumiert. Basics wie Ernährung, Erziehung, Pflege und vieles mehr werden wieder in den privaten Fokus rücken, die Bewältigung des Alltags wird künftig anders sein. Gut, wenn man weiß, wie man sich helfen kann. Wie gesagt – über Nacht lernt sich das nicht, es braucht alles Zeit und Einsatz, Interesse und die Einsicht, dass das Not-wendig ist.

 

Allen einen guten Start in die neue Woche mit viel Schwung und Kraft.

Neues Yoga

Garteln ist das neue Yoga. Es erdet nicht nur enorm, sondern lehrt uns auch, dass alles sich gegenseitig fördern oder stören kann.

Blühender Holunder. Manche machen Sirup und Küchle drauf, wir hoffen auf Saft aus den Beeren – Grippevorbeugung vom Feinsten.

Erste Ernte

Im Hochbeet geht die Post ab. Die ersten Salate werden geerntet, die Kohlrabi sind perfekt und zart.

Vor Jahren haben wir alle alten Weckgläser von Oma Stück für Stück entsorgt. Das war insofern okay, als sie gruslig waren nach gefühlt 100 Jahren im Einsatz. Und doch – der gute alte Weckautomat wird reaktiviert. In diesem Jahr schaffe ich das rein arbeitstechnisch nicht, aber im Moment schaue ich immer wieder ins alte Weckkochbuch. Für uns in der Kindheit war das Einwecken ganz normal wie das Marmeladekochen auch Standard war, das Einlegen von Riesenmengen Gurken, zentnerweise Pflaumen und Kirschen zum Entsteinen und vieles mehr. Einwecken hat den Vorteil, dass es nur den Strom zur Herstellung braucht, danach im Regal steht ohne weitere Energiezufuhr.

Es ist Zeit, dass wir uns wieder mit diesen alten Techniken fitmachen und uns neue Techniken erarbeiten wie z.B. Essbare Städte (beispielsweise in Frankfurt die Gemüseheld:innen), Speicher/Sickerstadt (für Wasserrückhaltung), Permakultur auch jenseits von Beeten, Urban Farming und vieles mehr. Ist das nicht alles spannend? Und höchste Eisenbahn?

Allen ein gutes Wochenende!

 

 

Erste Erntezeit im Beet. Dankbarkeit für das Selbsterzeugte.

Kruscheltag

Es gibt so Tage – man fängt an einer Ecke an aufzuräumen und plötzlich wird eine Riesenaktion daraus. Seit Wochen möchte ich den Vorratsraum aufräumen, weil der seit Corona irgendwie chaotisch ist. Klar: Am Tag mit drei Gewittern, also maximaler Schwüle und ich mit gewickeltem Bein mit Wattebergen unter der Zugbinde mit dem Projekt am Start. Wenn ich schon mal dabei bin, mache ich gleich den Gefrierschrank mit, bevor die Obsternte des Sommers Platz braucht. Das dauert, weil zwischendurch fein kochen, Telefonate, Betten frisch beziehen, Wäscheberge ohne Ende, die mit Dampf gebügelt werden wollten.

Schwüle ist so gar nicht meins, auch der Bruder klebt vor sich hin mit seinem Windelpaket und mag gar nichts alleine machen. Ich krame mir jetzt wieder mein Motto raus für den Sommer (ich werde niemals Temperaturen über 18 Grad gut finden) – „der Winter naht“. Bald ist Sommersonnwende. Ich sags ja nur als Vorinfo.

 

Allen einen freundlichen Venustag!

Sigrid hat bei den Pfingstrosen ein tolles Foto nachgelegt. Danke!

Ein Kinderspiel

Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.

Johann Wolfgang von Goethe

Die Natur ordnet die Rosenpracht nach ihrem inneren Muster alleine – Silke hat dieses zauberhafte Rosenexemplar fotografiert. Danke!

In diesen Tagen

Zungenbrecher sind nicht nur eine wunderbare Übung für die oft bequeme Mundmuskulatur, sondern auch fürs Gehirn. Manchmal beschäftige ich in Zeiten zwischen zwei Terminen meinen Geist mit dem Aufsagen von Zungenbrechern, wenn ich den Fokus halten möchte. Davon abgesehen sorgen sie für Heiterkeit, wenn man merkt, wie schnell man aus dem Rhythmus kommt und sich absolut verhaspelt.

Der Feiertag heute ist ein wenig seltsam. Ich kann ihn gut brauchen, um noch ein bisschen Kraft zu tanken, denn die Antibiose wird nach wie vor fortgesetzt und ist relativ anstrengend. Das Geburtstagskind des Tages, Christoph, darf arbeiten, denn in Hamburg, dem Firmensitz, ist dieser Donnerstag kein Feiertag.

Nachdem viele von euch nachgefragt haben, überlegen wir, ob wir unseren Megakurs, das Nautilusprojekt, in kleinere und mehr auseinandergezogene Einheiten anbieten sollen. Einige von euch wünschen sich mehr Zeit, nicht jede Woche Input etc., was für Persönlichkeitsentfaltung absolut in Ordnung ist. Wir tüfteln mal dran und geben euch dann gern Bescheid. Alle Infos zum Projekt unter www.seelengarten-krokauer.de/nautilus/

Kickstart für die den diesjährigen Ausbildungsgang ist am 23. 9.! Welcome!

 

Sina hat das Meerfoto geschickt. Da wäre ich jetzt gefühlt auch gern. Danke für dein Bild!

 

Zungenbrecher

Siebzehn Schnitzer, die auf siebzehn Schnitzsitzen sitzen und mit ihren spitzen Schnitzern Ritzen in ihr Schnitzholz schlitzen, wobei sie schwitzen, sind siebzehn schwitzende, schnitzende, auf dem Schnitzsitz sitzende, spitze Schnitzer benützende Schnitzholzritzenschlitzer.

 

 

Einfach mal was anderes denken und probieren. Herzliche Einladung zum Zungenbrecherspaß am Feiertag.

 

Die Jungfer im Grünen ist einfach eine Schönheit. Sigrid hat sie in ihrem Garten fotografiert, vielen Dank!

Meinen Weg neu finden

Nun sind unsere Sinne nach draußen orientiert. Farben, Wärme, Licht, Vogelkonzert, Luft und Sonnenschein ziehen Nase, Auge und Ohr in die Welt hinein, mehr als im Winter, wenn wir stärker nach innen orientiert sind.

Sich verlieren, um sich zu finden – wie oft erleben wir das, manchmal mit Sorge, dass wir uns vielleicht nicht mehr wieder finden, wie es gestern in einem Klientengespräch anklang: Werde ich meinen Weg wieder finden? Ich glaube, wir verlieren unseren Weg nicht, wir sehen ihn nur immer wieder nicht und tappen wie im Dunkeln, suchend, irrend und vielleicht auch mit Angst im Herzen. Da darf man sich erinnern an Hilde Domins Satz aus ihrem Buch „Nur eine Rose als Stütze“ aus dem Jahr 1959: „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug.“

Es gibt nicht immer eine Versicherung, dass die Luft tragen wird. Manchmal fallen wir auch, straucheln, stürzen und müssen uns wieder aufrichten, was oft sehr mühsam ist. Leben ist lernen, ist nicht „alles fällt mir zu“. Leben bedeutet, sich oft genug etwas zu erringen, mit Mühe, mit Anstrengung, ich bin eingeladen, mir etwas „zu eigen“ zu machen, denn nur dann ist es auch zu mir gehörig.

 

Allen einen bewegten Merkurtag.

 

Pfingstrosen sind einfach wunderbar. Stephanie hat dieses Prachtexemplar fotografiert. Danke dir!

Weltenwärme

Vergessend meine Willenseigenheit,
Erfüllet Weltenwärme sommerkündend
Mir Geist und Seelenwesen;
Im Licht mich zu verlieren
Gebietet mir das Geistesschauen,
Und kraftvoll kündet Ahnung mir:
Verliere dich, um dich zu finden.

 

Wochenspruch für diese Woche, Seelenkalender von Rudolf Steiner

Sommerkündende Weltenwärme ist derzeit draußen wirklich gut wahrnehmbar. Wenn der Mohn leuchtet, ist der Sommer greifbar wie auf Stephanies Foto.

Zukunft der Pflege

Einmal alle Vierteljahr wird geschaut, ob der Bruder gut versorgt ist. Gestern war unser Besuchstermin, alles fein. Neulich ging es in einem Gespräch um die Lage in den Kliniken mit Notstand, Personalproblemen und vielem mehr und die Frage, ob es so kommt wie in anderen Ländern, dass die Angehörigen ihre Menschen in der Klinik versorgen mit Essen, sie waschen und Pflegemaßnahmen übernehmen. Da sind wir sehr nah dran, würde ich mal sagen. Wir werden wieder sehr bald lernen müssen, wie man pflegt.

Hausmittel wie die gute alte essigsaure Tonerde, Pflanzentinkturen, Presssäfte, Retterspitz, Wickel und Auflagen werden erneut Eingang in unser Bewusstsein finden (müssen). Wer denkt, dass das Gesundheitssystem ewig so weitergeht mit „versorgt von der Wiege bis zur Bahre“ unterliegt einem massiven Irrtum.

Pflege wird zunehmend wieder ins häusliche Umfeld verlagert werden und es macht sehr viel Sinn, sich in diesem Bereich Grundlagenwissen anzueignen. Ich kann aus wirklich langer Erfahrung sagen – es macht auch Freude, einen Menschen gut zu versorgen, ihn sauber gewaschen zu haben, mit gutem Essen zu versorgen, zu fühlen, ob Füße warm oder kalt sind, was es braucht, damit ein bettlägeriger Mensch keine Druckstellen bekommt und was das alles mit Mitmenschlichkeit und Würde zu tun hat. Anwendung ist schlichtweg Zuwendung.

 

Allen einen gut versorgten Dienstag. Unsere Königskerze wächst. Sie lehrt uns Würde.

Ein solcher Vormittag

Es war ein solcher Vormittag

Es war ein solcher  Vormittag,

wo man die Fische singen hörte,

kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,

kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis

der weit und breiten Stille Siegel

und sangen millionenweis‘

dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Christian Morgenstern, 1871 – 1914

Im Garten erlebt man auch oft besondere Vormittage, vor allem in diesen Tagen.