Ziel -> Ziel -> Vision

Manche Orte sind von Geschichten umrankt wie die Loreley, der Blautopf oder der Mummelsee im Schwarzwald. Schon als Kind liebte ich solche Geschichten. Ich stellte mir vor, wie die schöne Lau so unglücklich war mit ihrem Wasserehemann, welche Tragik, wenn Schiffe zerschellten im Rhein. Ich lauschte gebannt den Erzählungen über die Abenteuer von Odysseus, wanderte mit Stifter durch die Weihnacht im „Bergkristall“ und fand die Märchen von Astrid Lindgren wahrhaftig bewegender als Pippi Langstrumpf.

Viele Menschen haben im Herzen eine tiefe Sehnsucht nach Geschichten und Märchen, sie sind Medizin für unsere Ängste. Allein der Beginn: „In den alten Zeiten, in denen Wünschen noch geholfen hat“ bis „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ – das ist reine Magie! Es ist durchaus möglich, dass auch in unseren Zeiten das Wünschen noch hilft, wenn man erkannt hat, dass Wünschen bedeutet: Ich bin mit dem momentanen Zustand nicht ganz glücklich.

Wie soll das Leben sein, damit ich mich besser fühle? Daraus entwickle ich eine Vision, lasse sie wie einen Stern am Firmament leuchten, der mich begleitet, dessen Licht scheint, wenn ich auf dem Weg verzweifle, die falsche Richtung einschlage und neue Orientierung brauche. Ich breche Ziele herunter, Trittsteine, die mich der Vision näher bringen, ich breche sie in kleinere machbare Herausforderungen herunter und entscheide jeden Tag aufs Neue: Was konkret werde ich heute tun, um meiner Vision einen guten Schritt näher zu kommen? Und so gehe ich los und mache genau diesen Schritt.

Jeden einzelnen Tag. Ich frage nicht, ob ich darauf Lust habe oder  andere Dinge wichtiger sind – ich mache diesen Schritt, den ich mir vorgenommen habe und der Rest des Lebens gruppiert sich darum herum.

Vielleicht erreiche ich meine Vision nie – wer weiß. Dennoch ist sie der zentrale Leitstern, Fixpunkt, Orientierung in meinem Leben. Alles, was ich mache, folgt diesem Weg. Es geht nicht darum, die Vision wirklich zu leben. Es geht darum, Freude auf dem Weg zu haben. Die Abenteuer zu genießen, die dieser Weg an jedem Tag bereithält. Vom Weg abzukommen und sich neu zu orientieren. Seine Meinung auch mal gravierend verändern zu müssen, weil Erkenntnisse klarmachen: das war nicht die richtige Entscheidung. Und ich genieße jeden Tag die Geschichten der Menschen, mit denen ich arbeite. Letztlich ist jede einzelne Lebensgeschichte eine einzige Heldensage, die vom Kampf mit Drachen, vom Scheitern, Aufstehen und am Ende vielleicht Ankommen berichtet.

Welchen Titel mag DEINE Heldensage tragen?

 

Einen schönen Dienstag! Steffen hat dieses wunderschöne Ginkgofoto in China aufgenommen. Dankeschön für dein Bild!

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