Wochenend-Nachdenk-Input

 

 

Das Herz der unschuldigen Kindheit – das wünsche ich allen Menschen. Kindheit ist gerade in diesem Jahr nur begrenzt eine unschuldige Angelegenheit; wir bemerken nun so langsam die Auswirkungen auf Kontaktbeschränkungen. Ich erlebe nun viele Kinder, die nicht mehr in den nach wie vor nicht durchgehenden Rhythmus von Schule hineinfinden. Kinder, die sich zurückziehen und in die Einsamkeit gehen (das wäre die depressive Antwort auf den Lockdown) und Kinder, die laut und wütend werden (das ist die nach außen gerichtete aggressive Antwort). Entweder werden die Regeln nun komplett gebrochen oder durch eigene dazugekommene, die „magisch“ wirken können, noch verstärkt. Der Versuch, sich in einer Welt, die ins Chaos geraten ist, eine eigene sichere Struktur zu schaffen, um sich an oft straffe eigene Regeln zu halten mit dem Ziel, wenigstens über etwas im Leben noch die Kontrolle zu haben. Das tut im Herzen weh, die Kinder zu erleben und ihre Not wahrzunehmen.

Mir zeigt das – wir haben Angst vor Kontrollverlust. Wir benötigen Sicherheiten, dabei gibt es nur zwei: die Tatsache, dass wir sterben und dass nichts bleibt, wie es ist.

Aufgabe unserer Zeit ist es, zu verstehen, dass wir nichts festhalten können und das auch nicht gut wäre. Unsere Art zu leben hat uns in die Krise gebracht. Die Pandemie hat das nur verschärft und deutlicher gemacht, quasi ein wenig konzentriert aufgekocht, damit wir ins Bewusstsein kommen. Jetzt gilt es, ins Vertrauen zu gehen. Der Mensch verdankt seinen „Erfolg“ der Tatsache, dass er sich verbinden kann. Er ist weder das schnellste Tier auf dem Planeten noch das stärkste. Er kann weder fliegen noch sonderlich gut schwimmen oder tauchen, er hat nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Was ihm in der Evolution allerdings seinen Vorteil verschafft hat, ist das Netzwerken. Viele Menschen können sich helfen und schützen, Gemeinschaften aufbauen, die Vorteile bieten.

Wir haben in unserer Gier und Egozentrik vergessen, dass es das Miteinander ist, das uns Möglichkeiten eröffnet. Wenn wir uns darauf nicht schnellstmöglich besinnen, wird diese Haltung das Letzte sein, was der Planet vom Menschen gesehen hat. Miteinander meint nicht Unverbindlichkeit, vage Dahingesagtes. Miteinander meint: im Herzen verbunden. Klar. Kraftvoll. Klug. Im Möglichkeitenfeld agierend statt im begrenzten Feld der Persönlichkeiten. Die Kräfte des Vestands zusammengeworfen und gebündelt. Die Fähigkeiten der Einzelnen erkannt und gepflegt. Die Wichtigkeit jedes Kettenglieds begriffen, denn nach wie vor entscheidet das schwächste Glied über die Stabilität der Kette.

Es wird Zeit, die Egozentrik abzulegen. Es wird Zeit, sich zurückzunehmen. Es wird Zeit für Werte, Würde, Wesentliches. Das ist mein persönliches WWW.

In diesem Sinne allen ein schönes WWWWochenende. Die Zeit läuft, aber nicht für, sondern gegen uns. Awake. JETZT.

 

Eine feine Malvenernte hat Silke festgehalten. Da kann der Herbst kommen. Klug, wer Vorräte hat.

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