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G-rübelkeit

Grübelkeit – in dieses Wort von „Krieg und Freitag“ habe ich mich gleich verliebt. Damit beschrieb der Zeichner den Zustand, den man erreicht, wenn einem vom vielen Nachdenken übel wird.

Das wäre – ich bitte um Entschuldigung – gar nicht schlecht, wenn wir bei zu viel Nachdenken und damit das Gehirn meistens ja eher terrorisierend denn unterstützend Übelkeit bekämen, dann würden wir uns das vielleicht abgewöhnen.

Denken ist wichtig. Die Frage ist immer nur, WAS wir denken und wenn wir einen Lautsprecher anstellen würden, käme sicherlich heraus, dass der Großteil der Gedanken darin besteht, uns klein zu machen, zu beschimpfen und Glaubenssätze mantrisch zu wiederholen sowie unser Narrativ über uns selbst zu pflegen. Mit dem, was im Außen zu tun ist, mit dem Anvisieren und erfolgreich erreichen von Zielen hat das weniger zu tun, eher mit dem Gegenteil.

Grübelkeit –  fühlen wir uns alle eingeladen, diesem Übel übend entgegenzutreten mit freundlichen Gedanken, auch uns selbst gegenüber.

 

 

Kettenkarussell – nicht selten wird uns als Erwachsenen bei solchen Unternehmungen ein wenig flauer im Magen.

ZuFRIEDENheit

Zufriedenheit – ein weiteres eurer Wunschwörter (ein paar habe ich noch, aber ihr könnt gern noch welche posten, der Advent dauert ja noch ein wenig). Für mich klingt das immer wie eine Wegbeschreibung „zum Frieden“. Wenn wir zufrieden sind, sind wir mit uns im Reinen, mäkeln, meckern oder jammern nicht, sondern nehmen die Dinge so, wie sie sind. Die einen, weil das eine ihrer Grundhaltungen ist (herrlich, wenn jemand mit dem zufrieden ist, was ist, das ist so entspannend, mit solchen Menschen zusammen zu sein, denn sie sind demütig, geduldig, genügsam und freundlich sich und anderen gegenüber), die anderen, weil sie gerade einen Moment erleben, in dem alles für sie passt und sich vielleicht wünschen, dass der von Dauer wäre. Nichts ist von Dauer, alles ist im Wechsel, und Zufriedenheit ist, wie ich das Wort lese, eine innere Haltung zum Frieden, die ich bewusst wählen und üben kann.

Der Wochenspruch von Rudolf Steiner für diese Woche beschreibt Ähnliches: „Das eigne Selbst dem Weltenselbst als Glied bescheiden einzuleben“, auch das führt zu tiefster Zu-Frieden-heit.

 

Dir heute die heilsame Begegnung mit zufriedenen Menschen – vielleicht entdeckst du diesen Menschen, wenn du in den Spiegel blickst, das wünsche ich dir sehr.

 

Ursulas Hund wirkt zumindest von hinten zufrieden mit der Ruhe des Schnees. Danke für dein Bild!

 

Bescheiden einleben

Kann ich das Sein erkennen,

Dass es sich wiederfindet

Im Seelen-Schaffens-Drange?

Ich fühle, dass mir Macht verlieh’n,

Das eigne Selbst dem Weltenselbst

Als Glied bescheiden einzuleben.

Wochenspruch aus dem anthroposphischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Maike hat dieses herrliche farbstarke Foto gemacht. Freude zu euch und Dank zu Maike!

Hoffnungsstur

 

Hoffnungsstur – das war euer nächstes Wunschwort. Da muss man erst mal drauf kommen.

Ich habe echt nachgedacht, das Wort nach hinten geschoben. Dann kam der gestrige Montag. Ein Zahnarzttermin zur Kontrolle stand für meinen Bruder mit special handicaps an. Die Nacht zuvor: er schläft nicht vor Aufregung. Wir schrubben fein die Zähne, waschen ihn wie üblich, er beruhigt sich. Ich ziehe ihn an wie für eine Polarexpedition, er friert fix und wir wissen nicht, wo und wie wir auf Transport warten müssen. Fleecehose. Stiefel. Rollstuhlsack. Den Rollstuhl bauen wir bis aufs Fahrgestell runter, Motor ab, Fußstützen ab, der Aufzug beim Zahnarzt ist schmal. Der Fahrer ist pünktlich. Wir kommen gut durch den Morgenverkehr, der Rolli passt mit dem Fußsack eben in den Lift.

Beim Zahnarzt ist es voll. Meine Sorge, dass der Fahrer sagt, er muss weiter, steigt. Stephans Helferin kommt, strahlt und sagt „Junger Mann, Sie kommen mal sofort mit mir mit, ich hol den Doc, Sie können warten, er ist in drei Minuten abfahrbereit“, sagts, geht voran und ich denke nur „was für ein Lichtblick“. 50 Minuten später sitzt der junge Mann zahnkontrolliert und stolzer Besitzer von Probetuben glücklich daheim mit einem Tee vor seinen Puzzles und beruhigt sich froh.

Da kam es mir. Ich bin sowas von hoffnungsstur! Ich gebe nicht auf. Egal, wie gruselig es sein mag, wie lang ich mit irgendwem aus der Familie stundenlang auf Krankenhausfluren, vor OP-Räumen, Therapien oder sonstwas warten muss. Egal, was meine Klient:innen an Themen mitbringen und wie oft ich denke „Wie schaffst du nur den Tag, du Held:in, mit diesen Herausforderungen, wo kann ich dich dabei unterstützen?“ – ich bleib dran, ich geb nicht auf. Egal, wie oft mich irgendein Amt schockt mit Schreiben, bis wann ich was einreichen muss, sonst … Egal, ob ich denke, ich schaff das nicht – irgendwas in mir sagt: „Jo, wird auch heute Abend werden. Nimm dich nicht so wichtig, spar dir Gejammer, schau, was du als erstes Kleines machen kannst, der Rest wird schon.“ Ich glaube, ich weiß, was hoffnungsstur ist. Wobei mich dabei das „stur“ noch stört, „hoffnungsbeharrlich“ klingt halt noch so griffig.

 

Allen einen Tag voller Hoffnung, Freude und Lichtblicken.

 

Ursula hat dieses Schild entdeckt! DANKE dir!

 

 

Bach des Lebens

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens.

Friedrich Nietzsche

Stephanie hat diesen herrlichen Gebirgsbach beim Wandern in der Schweiz im Bild festgehalten. DANKE!

Mutausbruch

Das dritte Wort, das ihr euch gewünscht habt, war „Mutausbruch“. Es steht zum einen für eine Aktion in Kindertagesstätten gegen jede Form von Gewalt und somit für Kinderschutz generell. Zum anderen ist es ein in den letzten Jahren immer wieder aufgetauchter Begriff im Zusammenhang mit Angst und malt ein Gegenbild dazu.

Der zweite Teil des Wortes, Ausbruch, beschreibt etwas Eruptives, Plötzliches, vielleicht etwas, womit man nicht unbedingt zu diesem  Zeitpunkt gerechnet hat.

Mut vom Althochdeutschen Muot, steht für Kühnheit, Unerschrockenheit. Es ist eine Qualität von Denken, Fühlen und Wollen. Einst war Mut dem Fühlen intensiv zugeordnet, weniger der Verstandeskraft. Das Wort Courage hat Bezug zum Coeur, dem Herzen. Der Mut wird bildhaft mit dem Löwen verbunden.

Ein Mutausbruch als spannende Form der Angstbewältigung. Wann immer wir in eine (oft irrationale) Angst fallen, wäre eine kleine Dosis Mutausbruch nicht schlecht. Wenn wir anderen etwas zuMUTen, ermöglichen wir ihnen, ihre Angst zu überwinden und über ihre bisherigen Grenzen hinauszuwachsen.

 

Allen heute, wann immer sie dessen bedürfen, einen sanften, liebevollen und achtsamen Mutausbruch.

 

Maike hat dieses tolle Foto vom Bergwandern geschickt. Dazu gehört oft auch sehr viel Mut.

Mutworte

Wenn wir etwas nicht wagen, hilft eine Prise Mut, um Ängste zu bewältigen. Die kürzesten Worte, die Mut brauchen, um sie auszusprechen, sind Ja und Nein.

Hildegard von Bingen bewies viel Mut als Frau in ihrer Zeit.

Trauer und trauen

„Trauer“ habt ihr euch als Thema gewünscht. Trauer ist ein tiefes Gefühl von Verlust, Vermissen. Von einem Moment auf den anderen verlässt ein Mensch, ein Tier, eine Arbeitsstelle oder was auch immer für uns von hohem Wert sein mag, unser Leben. Vielleicht mit Vorbereitung, vielleicht unvermittelt und wir stehen da und wissen – nie mehr wird es so sein wie mit diesem Wesen, dieser Sache. Wir teilen die Welt in ein Davor und ein Danach, von dem wir keine Vorstellung haben, nur Schmerz.

Zeit heilt nicht alle Wunden, das sagen wir oft und es soll tröstlich sein, so, wie wir gern meinen, jemanden trösten zu müssen. Worte sind oft vollkommen sinnfrei. Einfach da sein, daneben sitzen, still aushalten, dass jemand das Leben nicht aushalten kann. Einen Topf Suppe bringen. Präsenz schenken.

In Trauer steckt für mich auch immer trauen. Sich trauen, in die endlose Schmerztiefe zu gehen. Sich trauen, eines Tages wieder Sonnenstrahlen zu spüren. Sich trauen, das Leben neu anzusehen und zu gestalten. So, wie es die Tage der Trauer gibt, gibt es auch die Tage des Trauens, des Mut  fassens, des sich wieder etwas zutrauens und des neuen Vertrauens in den ewigen Kreislauf des Lebens.

Mit der Kunst des Lebens und der Kunst des Sterbens befassen wir uns am 17. 12. an unserem Online-Kurstag. Wer sich intensiv auf dieses Thema mit uns gemeinsam einlassen mag, kann gern teilnehmen, hier ist der Anmeldelink

https://elopage.com/s/SeelenGarten-Krokauer/np-em3

 

Ein licht- und mutvolles erstes Adventswochenende euch!

 

Stephanie hat das Foto vom Spaziergang mitgebracht. Dankeschön!

In 20 Jahren

In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke.

Mark Twain

Danke an Stephanie für dieses herrliche Winterbild!

Lichtcharakter

Lichtcharakter war das erste Wort, das ihr euch gewünscht habt für den diesjährigen Adventskalender.

Licht hat mehrere Qualitäten. Zum einen als Ursprungsquell das Sonnenlicht, dem wir das Leben auf unserem Planeten mit verdanken. Die Sonne bringt Licht und Wärme und das Sonnenlicht verbinden wir in unserer Sprache auch mit „Wahrheit“ „Die Sonne bringt es an den Tag“, heißt es. Ein Charakter von Licht ist also Wahrheit aufzeigen. Ein weiterer wäre Erkenntnislicht im Sinne von „ich habe etwas verstanden“, „mir ist ein Licht aufgegangen“. Das ist eine Qualität, die ohne Handlung in Folge „nett“ ist, aber nicht weiterbringt. Erkenntnis und Erkennen ohne Handlung bleibt ein Geistesblitz, auch eine Qualität, die mit Licht verbunden ist.

Licht kann erhellen, klar machen, aufzeigen, Hoffnung schenken, wenn wir uns im Wald verlaufen haben und in der Dunkelheit erkennen wir einen Lichtschimmer, können wir unsere Kräfte mobilisieren und darauf zugehen und vielleicht gerettet werden. Ins Licht gehen wir, wenn wir Nahtodberichten glauben, nach dem Tod, vielleicht gehört zum Lichtcharakter auch Weisheit. Licht ermöglicht Erkennen, Hinsehen, Wahrheit wahrnehmen, Orientierung.

Einen lichtvollen Tag heute.

 

Claudia hat dieses Wunderwerk der Natur im Bild festgehalten. DANKE!

Lichtzeit

Das erste Türchen im diesjährigen Adventskalender öffnet sich, am Sonntag wird die erste Kerze am Adventskranz leuchten – bei uns ist er dieses Jahr länglich, mal sehen, wie lange er durchhält. Euch eine lichtvolle Zeit.

Wärme!

Wärme – wenn es draußen kalt wird, ist sie besonders wichtig. Was für ein Geschenk, wenn wir es warm haben dürfen bei Kälte.

Wärme hat viele Qualitäten. Zum einen ist es eine Frage der Temperatur, da hat jeder so sein Wohlfühlmaß und das ist manchmal am einfachsten zu erfüllen. Dann brauchen wir Herzenswärme im Sinne von angenommen sein, sich mit anderen wohlfühlen, Zugehörigkeit erleben. Dafür darf jeder aktiv etwas tun, denn das kommt nicht von alleine, das ist eine Aufgabe, sich Menschen zu suchen, mit denen man eine wärmende, stärkende Verbindung hat. Vielleicht braucht es auch eine geistige Wärme, die dann schon einen Lichtcharakter mitbringt im Sinne von Erkenntnis gewinnen UND daraus neue Wege ableiten. Erkenntnis allein ist nett, mehr nicht, wenn ich daraus nichts mache, geschieht nichts.

Wärme ist nötig zum Keimen, zum Wachsen, zum Entfalten. Das gilt für Körper, Seele und Geist.

Wo suchst und findest du heute Wärme auf allen Ebenen? Wo schenkst du sie? Hab einen wärmenden, stärkenden, leuchtenden Donnerstag.

 

Feuer ist die älteste Wärmequelle der Menschheit.

Was suchst und was findest du?

Anfragen junger Menschen nehmen zu – Einsamkeitsgefühle, depressive Verstimmung, Probleme mit der Schule, den Eltern, den Freunden, Berufsfindung. Welchen Beruf soll ich lernen? Duales Studium machen? Ins Ausland gehen? Soziales oder ökologisches Engagement?

Natürlich haben wir heute mehr „Berufe“ als vor 100 Jahren. Allerdings hatten junge Menschen vor 100 Jahren mehr Zeit, sich zu entscheiden. Nicht in Jahren, die Lehre begann oft mit 14 oder 15, sondern freier Zeit jenseits von Schule und Mithilfe im Haushalt, dem elterlichen Betrieb oder Bauernhof. Mehr Zeit, um sich über sich selbst Gedanken zu machen, sich mit Freunden zu treffen und auszutauschen.

Heute hängen wir am Netz/Handy, wirkliche zwischenmenschliche echte Kommunikation hat Seltenheitswert und damit ein gewisses Korrektiv oder eine Relativierung. Das Problem des Einzelnen ist der Kosmos, um den sich alles dreht, auf der anderen Seite sind immer mehr (junge) Menschen daran interessiert, eine sinnvolle Arbeit zu finden.

Letztlich ist es die Frage von Leonardo da Vinci: An welchen Stern willst du deinen Lebenskarren hängen? Vielleicht fällt es Erwachsenen wieder ein, dass sie auch für Jugendliche eine gewissen Vorbild- und Mentorenfunktion haben und ihre Aufgabe mit darin besteht, jungen Menschen Orientierung an die Hand zu geben. Das würde voraussetzen, dass wir uns selbst führen können – woran hängst du selbst deinen Lebenskarren und machst du das, was du sagst, also „walk your talk“? Fühl dich dazu eingeladen.

 

Vielen Dank an Katrin für dein Foto!