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Gemeinsam

Jeden Tag kommt das Thema Einsamkeit in der Praxis auf, betrifft alle Gesellschaftsschichten, jedes Alter. Einsamkeit macht körperlich und seelisch krank, wird als Schmerz im Körper erlebt, weshalb die Menschen Schmerzmittel schlucken, hochgefährlich.

Gegen Einsamkeit: Mehr Offenheit, auf Menschen zugehen, ansprechen im realen Leben. Die Techwelt ist eher Tummelplatz des Ghostens und Beziehungsabbruchs, wenn es menschlich herausfordernd wird.

Unsere Bereitschaft, uns auf Begegnungen einzulassen, wird geringer. Wohngemeinschaften möchten viele nicht. Das würde Reibung bedeuten, Kinderlärm, Hundebellen, jemand, der in der Küche sitzt und Tee trinkt, wenn man selbst sich einen Kaffee holen will – zu viel ungewollte Nähe.

Das Gefühl des Gebrauchtwerdens ist wichtig, uns fehlt es an Sinn, weil Einsamkeit genau in die andere Richtung drängt. Es braucht Bereitschaft, sich zu öffnen. In Austausch gehen meint, mit Reibung, Kritik, „Anderssein“ konfrontiert zu sein. Anders ist erstmal nur anders. Meine Welt wird weiter, wenn ich Anderes, Fremdes zulasse, in den Austausch gehe, gebe, was ich geben und neue Erfahrungen machen kann. Die einstige Großfamilie gibt es (häufig zum Glück) nicht mehr. Es braucht selbstgewählte Gemeinschaften (auch auf Zeit), in denen wir geben und nehmen, Nähe und Distanz trainieren und erfahren, was Menschsein heißt.

Allen einen schönen Freitag mit vielen herzwärmenden Begegnungen.

Annemarie hat das Foto gemacht, vielen Dank!

Freiheit

Frei, aber einsam.

Johannes Brahms

Wobei ich gern einen Unterschied machen würde zwischen (oft unfreiwilliger) Einsamkeit und selbst gewähltem Alleinesein. Danke an Theresa für das Bornholm-Foto.

Fokus aufs Positive

Alles im Garten liegt plattgedrückt vom Schnee danieder. Dennoch spürt man, wie sich manches still und unauffällig verändert. Das Licht scheint ein bisschen länger und heller. Der Bruder isst sich durch Kresseberge, so schnell kann man das Grün gar nicht wachsen lassen. Wir wissen, dass in der Natur alles nach Homöostase strebt – einem Ausgleich zwischen Extremen. Wir richten unser Alltagsaugenmerk mehr auf das Negative; doch gibt es jeden Tag eine Fülle guter Nachrichten.

Wann haben wir aufgehört, dem Leben zu vertrauen und uns innerlich einzumitten? Beispielsweise mit stärkenden Gesprächen und Begegnungen. Mit dem Wechsel zwischen „otium und negotium“, also Verpflichtung und Muße. Mit verlässlichen echten Freundschaften, mit gemeinsamen Spaziergängen, in denen man über Gott und die Welt redet und sich vieles klären lässt. Mit Dankbarkeit im Herzen für das Gute, was im Leben ist und Freude an den vielen Geschenken, die das Leben bereithält.

Für diesen Jupitertag heute wünsche ich dir jede Menge kleiner Goldfunken der Freude, der Stärkung, des Vertrauens und der Zuversicht. Und ein feines Mittagessen, das dir ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

O edelstes Grün

O edelstes Grün,

das seine Wurzeln in der Sonne hat

und das in heiterem hellem Glanz im Kreis leuchtet,

von keiner irdischen Intelligenz zu begreifen.

Du bist umfangen von der großen Umarmung,

der göttlichen Geheimnisse.

Wie die Morgenröte strahlst du

und glühst wie das Feuer der Sonne

Hildegard von Bingen, 1098–1179

Fasten-Zeit

Aschermittwoch, Beginn der Fastenzeit. Eine der Fastenzeiten im Jahr, früher war Fastenzeit auch zwischen St. Martin und Weihnachten. Fasten gehört (für viele) zu den gesunderhaltenden Maßnahmen, denn der menschliche Körper ist nicht auf permanent verfügbare Mahlzeiten eingestellt.

Fasten kann man vielfältig. Auch digitales Detoxen wäre eine sehr gesundheitsfördernde Maßnahme, weniger Serienmarathon, mehr Handarbeit oder Lesen am Abend. Weniger große Reden, mehr leise hilfreiche Taten. Weniger Egozentrik, mehr „was kann ich für dich tun?“ Vielen Menschen würde ich einige Wochen Angst- und Meckerfasten wünschen. Weniger dystopische Horrorszenarien, dafür mehr Blick in die langsam erwachende Natur, die in diesen sechs Wochen gewaltige Veränderungen bieten wird. Weniger Kritik, mehr gute Ideen. Welches Fasten hast du dir für 2026 vorgenommen oder magst du vom Thema nichts wissen?

Einen freundlichen Wochenteilungstag allen.

 

Das Leben ist ein Fluss, ständig ist das Wasser in Bewegung und findet seinen Weg von der Quelle ins Meer. Warum vertrauen wir – ebenfalls lebendiger Bestandteil der Natur – dieser Kraft nicht auch?

Danke an Stephanie für das Bild.

Lost people

Es gibt Fragen, die mich tief beschäftigen. Oft betreffen sie Menschen auf dem Sprung in ihr Leben, den sie nicht machen. Prüfungen verweigern, kein Schulabschluss, keine Ausbildung ist das Richtige, Jobs werden nach Tagen abgebrochen. Irgendwann sitzen sie daheim im zu klein gewordenen Kinderzimmer, verschwinden hinter dem Vorhang aus Negativität und manchmal Drogen. Eltern erreichen ihr erwachsenes Kind nicht mehr, es schläft tagsüber und zockt nachts am PC, Freundschaften werden gecancelt.

Verweigerung, Rückzug – oft steckt Angst dahinter, nicht gut genug zu sein, es wird nicht genau hingeschaut, ausprobiert, Alternativen gesucht. Rückzug ist ein Alarmsignal, Abbruch sozialer Kontakte fragt laut: möchte jemand noch am Leben teilnehmen oder nicht? Schritte sind klein, mühsam – Vertrauen aufbauen, Frustrationstoleranz erhöhen, Widerstände als Wurzelfestiger nehmen, sich auf Bindungen einlassen und Sinn im Kleinen entwickeln.

„Das System“ ist darauf Herausforderungen nicht eingestellt, eine Folge aus Pandemie, falscher Langeweile durch Übersättigung, wenig Freude an Lernen und Herausforderung, zu viel Rücksichtnahme und Fehlen von Sinn. Zudem fehlt Unterstützung von Eltern in Erziehungsfragen, Lauschen auf das, was vom Kind her kommt und ZuMUTungen, an denen man wächst. Neu ausrichten ist viel schwieriger als von Anfang an liebevoll bei genau diesem Kind zu sein.

Manchmal möchte ich Morgensterns „Was wärst du Wind“ als Ermutigung jungen Eltern an die Hand geben.

Lost places. Stephanie hat das Bild gemacht, Danke!

All Leben will Widerstand

Was wärst du, Wind,

wenn du nicht Bäume hättest

zu durchbrausen;

was wärst du, Geist,

wenn du nicht Leiber hättest,

drin zu hausen!

All Leben will Widerstand.

All Licht will Trübe.

All Wehen will Stamm und Wand,

dass es sich dran übe.

            Christian Morgenstern

Danke an Stephanie für das Foto.

Herzensarbeit

Aufstellungssonntag. Es ist großartig, mit einem Team aufzustellen, das in vielen Jahren zusammengewachsen ist, viele hundert Aufstellungen miteinander gemacht hat. Wir halten einen Raum, in dem Menschen ihre tiefen Schicksalsfragen stellen können und das System antwortet. Ruhig, sicher, still, stärkend, auch wenn die Themen, die Menschen mitbringen, unglaublich komplex und tiefgreifend sind, teilweise Generationen überspannen. Diese Tage lassen uns erfüllt und gestärkt zurück.

Derzeit ist viel los im Außen und innerhalb von Familien. Trennungen, schwere Krankheiten, die das gesamte Familienmobile durcheinanderwirbeln, beruflich heftige Herausforderungen, Kündigung, Auflösung. Angst zieht sich wie ein Kaugummi durch, der an Kleidung klebt und sich schwer lösen lässt. Manchem schlägt auch das herausfordernde Wetter aufs Gemüt, andere sind bleischwer müde.

Wie immer es gerade in deinem Leben ist – mögen heute Sonnenstrahlen durch dein Herz tanzen und Leichtigkeit, Frohsinn und stille Heiterkeit mitbringen. Wenn Chaos das neue Normal ist, sind Flexibilität und innere Beweglichkeit mögliche Antworten. Hab einen lebendigen Rosenmontag.

Theresa hat das wilde Wasser in Schweden im Bild festgehalten. Danke dafür!

Stärke mir das Schauen

Die Welt sie drohet zu betäuben

Der Seele eingeborne Kraft;

Nun trete du Erinnerung

Aus Geistestiefen leuchtend auf

Und stärke mir das Schauen

Das nur durch Willenskräfte

Sich selbst erhalten kann.

Wochenspruch aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Treppenhaus im Goetheanum Dornach.

Dien-Mut

Morgensterns Bild vom Strom der Zeit, in dem wir gleich Blumen schwimmen, unser Leben ein kurzer Augenaufschlag – er erinnert mich an die Tugend der Demut. Dien-Mut, die Kraft, sich mit allem, was man selbst ist und hat, in den Dienst des Lebens zu stellen, dem Leben zu dienen mit seinen Herausforderungen. Das Leben ist wirklich ein Wimpernschlag im Angesicht der Ewigkeit. Wie können wir in Anbetracht dieses Wissens so leben, dass unser Sein wie ein kleiner Sonnenstrahl in der Finsternis des Alls sein kann? Wo greifen wir hin und unterstützen, wenn wir sehen, dass jemand Hilfe braucht? Wo hören wir das Seufzen einsamer Menschen, das stille Sterben in der Natur und handeln in unserem kleinen Umfeld angemessen? Vielleicht müssen wir nicht auf den „großen Wurf“, den „Lebensruf“, den „Durchbruch“ warten, weil viele kleine Schritte, die wir in Güte, Freude, Liebe und Geduld tun, uns möglicherweise auf stille Pfade führen. Letztlich führen sie uns jedoch genau dahin, wo wir sein sollen – in unserem Leben mitten drin mit aller Wirkkraft, die uns möglich ist.

Für alle Faschingsmenschen – habt frohe närrische Tage. Allen anderen ein feines Wochenende!

 

Theresa hat die Polarlichter in Schweden fotografiert. Dankeschön!

 

Der Strom der Zeit

Unhemmbar rinnt und reißt

der Strom der Zeit,

in dem wir gleich verstreuten

Blumen schwimmen,

unhemmbar braust und fegt

der Sturm der Zeit,

wir riefen kaum,

verweht sind unsre Stimmen.

Ein kurzer Augenaufschlag

Ist der Mensch,

der ewige Kraft

auf ihre Werke tut;

ein Blinzeln –

der Geschlechter lange Reihn,

ein Blick –

des Erdballs

Werde und Verglut.

Christian Morgenstern, 1871-1914

Danke an Theresa für das Bild aus Schweden.

Weise Systeme

Systeme sind weise. Dein Körper ist eines der unglaublichsten Systeme! Das feine Zusammenspiel von Neurotransmittern, Hormonen, der Arbeit deiner Mitochondrien, die hochkomplexen Vorgänge in den Organen – Wunder über Wunder. Grenzen wie Haut, Lunge, Darm spiegeln, wie wir mit uns und der Umwelt interagieren, uns etwas „einverleiben“, jemanden „gut riechen können“ und vieles mehr. Zahlreiche Symptome, die dem psychischen Bereich zugeordnet werden, haben handfeste körperliche Grundlagen. Das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist ist faszinierend. Manchmal muss der Körper sprechen, weil wir auf andere Signale nicht achten.

Viele Menschen machen vor einer längeren Urlaubsreise mit dem Auto einen Check in der Werkstatt. Wir vernachlässigen unsere Systemchecks gerne. Wie oft hältst du am Tag einen Moment inne, fragst den Körper, wie es ihm gerade geht, trinkst ein warmes Wasser, erlaubst der Seele, am offenen Fenster mit Blick in die Natur Stress loszulassen und über Atmung zu entspannen? Wie oft wird dein Geist mit Schönem genährt wie Musik, ein gutes Buch oder ein tiefer Austausch?

Ich wünsche dir für Körper, Seele und Geist immer wieder Momente des Innehaltens und der Verbundenheit.

 

Für ein bisschen Augenferien heute ein Foto von Theresa. Vielen Dank dafür.

Gibt es den großen Wurf

Warten auf den großen Wurf – gibt es das Eine, was mich richtig erfüllt? Die Frage bewegen viele Menschen in Kopf und Herz. Manchmal ist das Außen komplex. Mit drei Schulkindern im Ausland unterwegs sein ist möglich. Die Frage ist: Will ich das aus welchen Gründen? Wie gehen die (vielleicht pubertären) Kinder damit um, dass sie aus ihrem Freundeskreis genommen werden? Wie löse ich den ethisch-moralischen Konflikt alt werdender Eltern, wenn ich von weit weg aus arbeiten will, zugleich aber im Notfall vor Ort sein möchte? Aus Kostengründen aufs Land ziehen und im Alter nur noch wegkommen, solange ich selbst noch Auto fahren kann? Handwerk oder Studium?

Unzählige dieser Fragen wollen jeden Tag gelöst, gute Antworten gefunden und gelebt werden. Wir bebrüten ungelegte Zukunftseier oder glauben, nur weil jemand täglich vom tollen Leben auf dem Segelschiff bloggt und strahlende Kinder präsentiert, dass es nicht hinter den Kulissen genauso kracht wie in der eigenen Familie?

Manchmal gibt es „den einen Wurf“, von klein an weiß jemand „Wenn ich groß bin, werde ich dieses und jenes“, machen das und sind damit fein. Manchmal gibt es viele kleine Glückswürfe, weil der Menschen her generalistisch aufgestellt ist und viele Dinge probiert und kann. Ab und an rudern wir wie verrückt – und bemerken es erst durch eine Frage von außen, dass wir an Land sind.

Es gibt nicht DEN Weg zum guten Leben. Es gibt nur ein Bemühen um Antworten auf die Frage, was für dich persönlich das Gute, Wahre und Schöne ist. Was dein Herz zum Leuchten bringt, wo du den authentischen Weg wählst, der zu deinen Zielen führt. Kaum einer geht kerzengerade Wege, wir mäandern uns so durch den Lebensdschungel. Genießen wir die Etappen dieser Abenteuerreise. Das Ziel findet uns dann vielleicht entspannter. Was ist der kleine Schritt, den du heute wagen kannst?

Einen freundlichen Donnerstag für dich.

 

Das Foto ist von Stephanie, vielen lieben Dank!