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Allergrößte Wunder

In den kleinsten Dingen zeigt die Natur ihre allergrößten Wunder.

Carl von Linné, 1707-1778

Die Natur ist nicht aufzuhalten. Auch 2022 wird es einen Frühling geben. Danke an Ursula für das Foto!

97 Lebensjahre!

Meine Schwiegermutter hat ihren 97. Geburtstag gefeiert. Das allein ist schon mal krass und ungewöhnlich. Sie lebt seit dem Tod ihres Mannes alleine, versorgt sich nach wie vor weitgehend selbst bis auf schwere Sachen zum Tragen und Reparaturen, um die sich mein Schwager kümmert, kauft noch selbst vieles ein und hat es sehr bedauert, dass sie wegen ihrer schlechten Augen nicht mehr loslegen kann mit Handys und PC.

Am Wochenende ist Christoph zu seiner Mutter gefahren, unsere große Tochter kam von Hannover an, so war es festlich, aber nicht zu viel. Ein Geburtstag in dem Alter soll die Menschen nicht überlasten. Sie hatten einen tollen Tag zusammen, Schwiegermama hat einen Apfelkuchen gebacken, für die Torte hat Theresa gesorgt und so konnten sie den ganzen Tag beieinander sein und sich austauschen.

Schwiegermama ist mega interessiert an allem. Sie fragt, hat echtes Interesse und ist hier in meiner Praxis eine wichtige Stütze, denn sie übernimmt die Gebete für alle Klienten. Wenn hier ein Klient eine OP hat, wirklich geistigen Beistand braucht, mit einer schlimmen Diagnose belastet ist, sonstige Sorgen hat – sie betet jeden Tag für alle Menschen, die zu uns kommen, damit sie wieder schnell Lebensfreude empfinden können. Ich glaube, dass das einen wichtigen Teil des guten Feldes hier ausmacht. Oft hat sie gesagt, wie gern sie an den Kurswochenenden helfen würde mit dem Kochen, denn das macht sie gern. Allerdings trennen uns gut vier Stunden Fahrt, da kann man nicht mal eben vorbeischauen.

Was ich bewundernswert finde: Ich habe sie noch nie klagen hören. Auch sie hat manches, das ihr Leben wirklich beeinträchtigt und schwer macht wie Probleme mit den Augen, den Hüften und vielem mehr. Für sie ist das ein Grund, gut für sich zu sorgen, sie schluckt ihr Hagebuttenpulver und macht Gymnastik jeden Tag und kann es kaum erwarten, dass die Gartenarbeit wieder losgeht und sie draußen in ihrem Garten buddeln und allem beim Wachsen zusehen kann. Natürlich wird nach wie vor vieles vom Garten verarbeitet, was sie nicht frisch isst, denn Vorräte für den Winter sind wichtig, das weiß sie nach 97 Lebensjahren.

Es kommt von ihr kein böses Wort über jemanden oder etwas. Sie ist zufrieden und dankt jeden Tag, dass sie noch lebt. Sie nimmt die Dinge, wie sie kommen, in restloser Ergebenheit. Sie versucht zu verstehen, was ihr nicht verständlich erscheint. Die moderne Welt überfordert sie in manchem, dennoch fragt sie, erkundigt sich und staunt, was heute alles machbar ist. Sie war begeistert von einer Videokonferenz, die wir mit ihr gemacht haben am Samstag, so konnte sie mit beiden Enkelinnen und mit sprechen, sie fand das großartig (und ein wenig doof, dass sie mit der Technik nun leider nicht mehr umgehen kann, weil ihre Augen das nicht möglich machen). Sie geht zum Gottesdienst und hält Kontakte, soweit es möglich ist. Sie ist die Älteste der Pfarrgemeinde und in ihrer Altersgruppe gibt es kaum mehr Menschen. Sie hat mehr Menschen bestattet als sie lebend kennt und verfolgt nach wie vor das Weltgeschehen. Keine Spur von Demenz. Sie hat für alles vorgesorgt, falls sie stirbt, alles ist geregelt, jeder weiß Bescheid. Sie will auch im Tod keine Mühe machen.

Ich lerne viel. Ich erlebe Altern in beiden Familien auf höchst unterschiedliche Weise. Man kann würdevoll altern und man kann wütend kämpfen. Man kann klar bleiben und in irgendeine Welt diffundieren. Man kann körperlich schwach werden und es annehmen oder darüber lamentieren. Ich beobachte und lerne. Ich denke – wie werde ich sein, falls ich alt werde? Wer weiß. Ich kann mich nur darum bemühen, eine gute Richtung einzuschlagen.

Bei all dem, was gerade da draußen geschieht – es gibt Menschen, die haben den Krieg voll erlebt. Sie wissen, wie das ist. Sie haben sich ihr Leben lang bemüht, so zu leben, dass in ihrem Feld Frieden herrscht. Sie brauchen keinen weiteren Krieg mehr, sondern Schutz und Fürsorge. So, wie das alle Menschen brauchen, egal wo auf der Welt. Allen einen friedvollen Tag. Frieden beginnt in deinem Herzen, in deinem Kopf.

Es ist okay, Angst zu haben

Besonnen zu Werke gehen – im Außen erleben wir gerade das Gegenteil. Umso wichtiger, dass wir nicht unbesonnen reagieren. Wenn Menschen Grenzen, die das Zusammenleben auf diesem Planeten vorgibt, massiv und vorsätzlich überschreiten, müssen diese Grenzen erneut in Klarheit aufgezeigt werden. Spekulationen über Gesundheits- oder Geisteszustände sind müßig, weil sie nicht auf für uns von hier aus belegbaren Fakten beruhen, Vermutungen reichen leider nicht. Taten zählen und die sprechen eine klare Sprache. „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“ sagt das Sprichwort. Der Punkt ist nur: Bei den entstehenden Spänen handelt es sich um das Leben Unschuldiger und ist damit extrem schwierig einzuschätzen.

Alles, was seit zwei Jahren auf diesem Planeten geschieht, erfordert ein klares und eindeutiges Vorgehen in Situationen, mit denen wir naturgemäß überfordert sind. Manches ist vorhersehbar wie der Angriff auf die Ukraine, manches nicht wie die Pandemie. Es zeigt uns: Wir müssen lernen, wesentlich schneller und klarer, eindeutiger und sicherer zu agieren. Es braucht integre Führungskräfte, die frei entscheiden, was das Beste in einer Situation ist und keine Menschen, die auf Vernetzungen Rücksicht nehmen müssen. Es wird noch viel stärker darauf ankommen, dass die breite Masse lernt, Verantwortung zu übernehmen für sich selbst, die eigene Gesundheit und die klare Ausrichtung, wen und was sie unterstützt.

Social Media können ein enormes Instrument sein, aber nicht, wenn der Nutzen in Angst und Panikmacherei oder der Verbreitung von falschen Informationen besteht. Es wäre sinniger, Hilfemöglichkeiten zu teilen und dafür zu sorgen, dass unser aller schlimmster Feind, die Angst, nicht dauernd getriggert wird.

Ich wurde am Wochenende gefragt, ob wir hier im Land noch sicher sind oder ob eine Flucht sinnig ist. Mal ganz ohne irgendwelche Dinge im Außen: Es gibt nur zwei Sicherheiten im menschlichen Leben. Die Erste: Nichts bleibt, wie es ist, weil alles immer im Wandel ist. Die Zweite: Alles, was lebt, stirbt eines Tages. Keiner weiß, wann, Fakt ist, dass. Mehr Sicherheiten haben wir nicht. Der Rest besteht aus Illusionen. Deshalb macht es sehr viel Sinn, jeden Tag so zu leben, dass er erfüllt ist und achtsam zu sein auf das, was geschieht. Wohin sollte man denn flüchten? Man entrinnt den Dingen selten durch Flucht und da wir meistens vor unserer eigenen Angst fliehen, werden wir merken, dass sie vor uns da ist, wo wir hingehen. (Wobei es durchaus gute Gründe für Flucht geben kann.)

So, wie beim Fußball nicht Millionen der Mann sind, der das Siegertor geschossen oder den Elfmeter verdaddelt hat, sind auch jetzt nicht Millionen diejenigen Politiker, die Entscheidungen zu treffen haben, die sehr weitreichend sein werden. Wir wissen wenig über die Verflechtungen und Einflüsse, über geheime Absprachen oder Bündniszusagen, was das Verständnis massiv erschwert. Wir können nur hoffen und ruhig bleiben.

Bewahren wir also Ruhe. Achten wir auf Menschen, die unsere Unterstützung brauchen, weil sie Familie im Kriegsgebiet haben. Unterstützen wir Hilfsorganisationen und hoffen wir darauf, dass die Menschen, die über die Waffen der Welt verfügen, die Nerven behalten. Bedenken wir, dass viele Menschen über keinerlei Informationen verfügen, weil sie mit Fakenews gefüttert werden aus Gründen der Propaganda. Bleiben wir wach und skeptisch. Achtsam und aufmerksam. Geben wir der Angst keinen Raum, sie vernebelt unseren Verstand und sorgt für Aktionen, die mehr schaden als nutzen.

Was ich wichtig finde: Es ist total nachvollziehbar, jetzt sehr stark in der Angst zu sein. Und es ist okay, sich in so einer Situation auch Hilfe zu holen, damit die Angst nicht überhand nimmt. Ich denke, das geht jedem Menschen immer wieder so, dass ihn die Angst packt und er Ruhe und Ausgeglichenheit massiv verliert. Jeder darf jetzt dafür Sorge tragen, dass er in einer guten inneren Mitte bleibt, damit wir nicht aus einer Emotion heraus reagieren, sondern bedacht.

Am Ende jeder dunklen Nacht erscheint die Sonne für einen neuen Tag. Eine der möglichen Botschaften dieses Fotos von Stephanie. Vielen Dank dafür.

Sei besonnen

Bei allem, was du tust, gehe besonnen zu Werke und verwirre dich nicht durch Gedankenmenge; aber siehe, dass du stets die größten Grundsätze im Auge behältst.

Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut. Wer das Unrecht nicht verbietet, wenn er kann, der befiehlt es.

Mark Aurel, 121-180

Der Himmel bietet in diesen Tagen mächtige Spektakel. Stephanie hat dieses hier festgehalten. Danke!

Frieden beginnt nur bei dir

Krieg in der Ukraine. Leid für jene, die am wenigsten dafür können. Alte, kranke Menschen, Kinder in Not. Menschen, die auf Menschen schießen müssen. Menschen, die verschwinden. Binnen weniger Momente verändert sich die Welt.

Ich weiß nicht, wie die Zukunft wird. Ich kann nur jeden Tag versuchen, mein Bestes zu geben und mein eigenes Herz friedlich zu halten, frei von Hass, von Verurteilungen, von Wertungen. Ich kann versuchen, Ruhe zu bewahren und zu hoffen, dass die Entwicklungen auf politischer Ebene gelöst werden können, denn militärische Lösungen sind nie wirklich dauerhaft. Ich kann nur wünschen, dass das menschliche Leid  nicht weiter vergrößert wird und die Menschen so leben können in der Zukunft, dass es für sie gut ist.

Während ich für meinen schwerstbehindeten Bruder das Essen kleinschneide und  mit seinem Katheterschlauch hadere, weiß er nicht, was da draußen in der Welt geschieht. Er verlässt sich darauf, dass jemand seine Windel wechselt, ihn anzieht, wäscht, mit ihm spricht, seine Umgebung sauberhält und dafür sorgt, dass er keinen neuen Harnwegsinfekt bekommt, der tödlich sein kann. Mein Vater mit 86 Jahren sitzt fassungslos über der Zeitung mit den Fotos aus der Ukraine und versteht nicht, warum Panzer fahren und berichtet mir von seinem täglichen Kleinkrieg mit dem Leben, das für ihn immer unverständlicher wird.

Kriegsangst treibt die Menschen um. Dazwischen normale Fragen, das Leben ist eben einfach auch das Leben. Im Außen war es viel die letzten zwei Jahre – Krieg herrscht an vielen Stellen auf der Welt. Die gesamte Menschheit ist aufgefordert, jeden Krieg zu beenden. In sich selbst. Den Krieg gegen die Natur, den wir täglich führen. Den Krieg, der entsteht, weil Menschen einander bekämpfen, wie wir das sehr oft in den letzten Monaten im Kleinen gesehen haben. Vieles beginnt klein. Kein Krieg beginnt über Nacht, er hat seine Geschichte, seine Entwicklung, seine Auslöser und Nährer. Das Meiste wissen wir nicht, was jede Form der Meinungsbildung schwer macht.

Was ich sicher weiß, ist: Frieden beginnt in jedem einzelnen Herzen. Das ist der Ort, an dem wir sofort sehr tiefgreifend etwas tun können. Der einzige Ort, an dem wir immer handlungsfähig sind. Öffnen wir die Augen und die Herzen, wo wir  um Hilfe gebeten werden und halten wir den Frieden in uns selbst aufrecht. Jeder an seinem Platz und alle für den Planeten. Krieg ist Leid. Frieden ist Arbeit. Bist du bereit?

 

Stephanie hat dieses krasse Foto gemacht. Danke dir!

Im Kleinen Frieden finden

Donnerstag ist dem Jupiter gewidmet, der den Menschen auch Freude bringt. Dieser Donnerstag ist kein solcher Freutag, denn der Blick in die Welt zeigt, dass in 1768 Kilometern Entfernung ein Angriff auf Kiew und andere Städte stattfindet. Wir sprechen hier nicht von anderen Kontinenten, von weit weg. Krieg bringt immer Leid, Not, Vertreibung, Zerstörung. Es geht um Macht und viele Interessen, die durchgesetzt werden sollen.

Im Großen zeigt sich, was auch im Kleinen existiert – sich durchsetzen, Recht haben wollen, andere dominieren löst unsagbares Leid aus. Wir neigen auch in unserem kleinen Alltagsleben dazu, andere überzeugen zu wollen, ihnen unsere Meinung aufzudrücken und sind nicht selten ebenfalls übergriffig.

Ich weiß nicht, wie sich Geschehnisse entwickeln. Ich weiß nicht, was als Nächstes kommt. Was ich weiß ist, dass ich auf mein eigenes Denken Einfluss habe und dass ich dafür Sorge trage, dass das friedfertig, freundlich und liebevoll ist, damit ich keine negative Kraft ins Universum sende. Gestern habe ich in der Praxis meine Friedenskerze aufgestellt und angezündet und sie wird dort solange brennen, wie es nötig ist. Sie stammt aus einem Projekt für die Flutopfer im Ahrtal, die nach wie vor massive Probleme vor Ort haben und wo ich auch Menschen begleiten darf, wieder in eine Normalität zurückzufinden.

Wir können immer nur dafür sorgen, dass wir in unserem Umfeld Frieden wahren und ausstrahlen. Dass wir uns nicht dazu verleiten lassen, in Hass und Abwertung zu fallen und dass wir versuchen, das zarte Licht des Vertrauens zu schützen. Und dass wir Freundlichkeit anderen Menschen und uns selbst gegenüber pflegen, denn Unfreundlichkeit, Neid, Missgunst und Vertrauensbeschädigung sind der Auslöser für Katastrophen im Kleinen wie im Großen.

Blumen-Liebe

Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.

 

Johann Wolfgang von Goethe

Gleich drei Mal haben gestern Blumen zu uns gefunden – ein zauberhafter Frühlingskorb vor die Haustüre, ein Rosenstock für Schwiegermama (den wir gern am Wochenende übergeben) und am Nachmittag der erste gelbe Narzissengruß, der jetzt den Weg ans Küchenfenster gefunden hat. DANKE den lieben Menschen, die uns diese Pracht geschenkt haben.

Eilende Zeit

An manchen Tagen rennt es durch, die Menschen geben sich Klinke oder Telefonhörer in die Hand und es wird Nachmittag, bis ich mal an den Rechner komme zum Posten.

Erstaunlicherweise sind das die Tage, an denen man am Vorabend denkt, das Zeitmanagement sei perfekt geplant und diese Tage strecken einem dann die Zunge heraus nach dem Motto: Mensch denkt, Gott lacht.

Freue ich mich also mit und genieße es, die Kontrolle mal nicht über meine Zeit zu haben wie ich sie sowieso über so gut wie nichts im Leben habe. Menschen gehen vor und das ist gut so.

Was großartig ist: Vor meiner Haustür steht ein wunderschöner Korb mit Frühjahrsblühern, den eine liebe Klientin am Morgen mitgebracht hat. Herrlich! Da ist eine Ranunkel drin, die finde ich soooo traumhaft schön.

Der Postbote hat vorhin eine zauberhafte rosarote Rose in einem schönen Korb gebracht für meine Schwiegermama! Eine Schülerin hat sie geschickt, damit wir sie ihr geben können. Sie war von 97 Lebensjahren so beeindruckt – ist das nicht total schön? Das sind Gesten, die mir immer wieder zeigen, wie wertschätzend Menschen sind und was die Kraft von Pflanzen ist: Freude ins Gesicht und damit auch ins Herz zu zaubern.

Ähnlich ging es uns vor einigen Jahren im Residenzgarten, als die unfassbar schönen duftigen Kirschbäume blühten und da ist auch das Foto von Annemarie entstanden. Danke für die blumigen Grüße heute zu etwas späterer Stunde als gewohnt. Allen einen feinen Feierabend.

Zeit zum Nachdenken

Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.

Georg Christoph Lichtenberg

Annemarie hat im Residenzgarten fotografiert. Nein, nicht dieses Jahr. Noch nicht.

Happy birthday

Am 22. Februar 1876 wurde Ita Wegman in Indonesien geboren, die zum Ende des Jahrhunderts nach Europa kam und Heilgymnastik und Massage erlernte. 1902 lernte sie 26-jährig Rudolf Steiner kennen und entschied sich, in der Schweiz Medizin zu studieren, was in Deutschland für Frauen zu dieser Zeit noch nicht möglich war. 1911 begann sie als Fachärztin für Gynäkologie in einer Praxis zu arbeiten.

Sie erwarb in Arlesheim, nahe am Goetheanum, ein Anwesen mit dem Ziel, eine kleine Klinik zu gründen. Sie wollte in ihrer Klinik die Anregungen Steiners für die Medizin praktisch umsetzen und 1921 war das Haus bereit, die ersten Patienten aufzunehmen. Steiner kam in den ersten gut drei Jahren nahezu jeden Tag in die Klinik und entwickelte gemeinsam mit Ita Wegman die anthroposophisch erweiterte Medizin auf Grundlage der Schulmedizin.

Dr. Wegman erarbeitete zahlreiche spezielle Pflegeformen, nutzte Wickel und Einreibungen und auf sie geht die Technik der rhythmischen Massage und Einreibung zurück. Sie schuf ein tiefes Bewusstsein für die Prozesse, die bei der Herstellung von Heilmitteln geschehen und zog von Anfang an speziell für die Klinik hergestellte Mittel in die Arbeit mit ein, schulte Mitarbeiter intensiv und entwickelte 1917 die ersten Mistelpräparate gegen Krebs mit Rudolf Steiner. Zudem begründete sie eine therapeutische Einrichtung für seelenpflegebedürftige Kinder, den Sonnenhof. Aus dem Institut zur Heilmittelherstellung wurde in der Zusammenarbeit von Steiner, Wegman und Oskar Schmiedel die Firma Weleda. Die Klinik ist bis heute eine der führenden anthroposophischen Kliniken unter dem heutigen Namen Klinik Arlesheim. Unter ihrem Dach haben sich die ehemalige Ita Wegman-Klinik und die onkologisch ausgerichtete Lukas-Klinik zusammengeschlossen.

Zahllose Impulse für die Medizin sind von der Klinik Arlesheim und der Zusammenarbeit von Wegman und Steiner und ihren Schülern ausgegangen.

Ita Wegmans Werk wird nach und nach durch die Arbeit von Prof. Dr. Peter Selg zugänglich gemacht. Johannes Zeylmans van Emmichoven hat sich in vier Bänden mit dem Lebenswerk von Ita Wegman intensiv auseinandergesetzt. Die Schriften zeugen vom Mut, der Zugewandtheit und der liebevoll-praktischen Art Ita Wegmans.

Ein Foto von ihr steht seit Jahrzehnten auf meinem Schreibtisch. Sie hatte intensive lange Arbeitstage am Krankenbett, schrieb unzählige Briefe und förderte ihr Team sehr. Sie ist jeden Tag eine Inspirationsquelle für mich.

Wie schön, dass meine Schwiegermutter mit ihr gemeinsam Geburtstag hat. Stellt euch vor – sie wird heute 97 Jahre alt!

Nicht den Boden unter den Füßen verlieren

Und die wichtigste Frage ist diejenige nach dem Wesen des Menschen selber: Den Menschen erkennen, den Menschen verstehen, mit den Menschen auskommen, mit den Menschen gemeinsam leben können. Das ist schließlich dasjenige, wohin im Grunde alles menschliche Denken doch tendieren muss, wenn der Mensch nicht den Boden unter den Füßen verlieren will.

 

Rudolf Steiner

 

Im Garten der Klinik Arlesheim, die von Ita Wegman gegründet wurde.

Was uns gesund erhält

Draußen Sturm und drinnen Kurs. Am Samstag ging es darum,wie Philosophie helfen kann in der Arbeit mit Menschen. Wir haben uns angeschaut, was Philosophie ist, welche einzelnen Gebiete innerhalb der Philosophie existieren und sind von der Antike bis zur Moderne im Schnelldurchlauf durch verschiedene Richtungen gegangen. Für viele war es vollkommen neu, dass unser Denken auf der Antike basiert und was Menschen vor Jahrhunderten schon gedacht und gesagt haben, womit sie beschäftigt waren und warum vieles zeitlos ist. Dass die Beschäftigung mit Philosophie das Denken kraftvoll schult, dürfte allen aufgefallen sein. Wer seinen Geist mit Herausforderungen füttert, konzentriert, fokussiert sich und kann nicht nebenher noch irgendwelche anderen Dinge denken, dazu sind die Textel zu komplex. Manchem fällt bei so einer Gelegenheit auf, wie wenig er geistige Arbeit gewohnt ist und wie tief die Inhalte uns berühren können.

Anderes Programm am Abend mit der Frage, was Meisterschaft bedeutet und was das mit dem Satz „Der Weg ist das Ziel“ zu tun haben könnte. Auch ein philosophisches Thema, in dem Fall aber sehr praktisch darauf bezogen, dass Lernen nicht bedeutet, etwas zu lesen und mal zu probieren, sondern ein und dieselbe Sache viele Hunderte Male zu tun, bis sie wirklich in Fleisch und Blut übergegangen ist. So, wie Tai Chi oder Chi Gong im Osten bis ins höchste Alter praktiziert wird (und die Menschen zudem meist noch ein Ikigai haben, einen Grund, morgens aufzustehen).

Am Sonntag in der Rogersfortbildung die Frage nach gelingender Kommunikation, das Ohren-Münder-Modell von Schulz von Thun und intensives Üben in Zweiergruppen, ehe es am Abend in einer Fortbildung um die Frage ging, wie man für Onlineveranstaltungen am besten vor der Kamera agiert. Es ist hilfreich, wenn man dazu eine Lehrerin hat, die jahrzehntelang Erfahrung mit Moderation, Stimme und Körpersprache hat. Das ist letztlich nichts anderes in Bezug auf Stimme und Sprechtempo gewesen als das, was ich bereits mit 20 bei den Kollegen vom Rundfunk in der Journalistenausbildung über die Nutzung der Stimme gelernt habe.

Morgen geht es in der alten Synagoge in Kitzingen ab 19.30 Uhr im VHS-Vortrag um das Thema „Salutogenese – Verständnis, Sinn und Machbarkeit“. Was erhält uns gesund? Was sind die Faktoren, die wir selbst beeinflussen können und warum ist Salutogenese für uns heute so bedeutsam? Ich freue mich sehr auf euch, denn das Thema ist so spannend und wichtig, gerade in diesen Zeiten!

Allen einen guten Start in eine hoffentlich etwas sturmfreiere Woche. Wir haben wieder in vielem Glück gehabt, das war nicht überall so.

Danke an Theresa für den hoffnungsvollen Regenbogen zwischen den windgebeutelten Bäumen.

Sturm und Ungewitter

Was er kann, zeigt der Steuermann nicht bei schönem Wetter, sondern in Sturm und Ungewitter.

Petrus Chrysologus, ca. 380–451

Zwischen den Sturmspitzen war Steffi draußen unterwegs. Danke für dein farbstarkes Foto!