
Jeden Tag kommt das Thema Einsamkeit in der Praxis auf, betrifft alle Gesellschaftsschichten, jedes Alter. Einsamkeit macht körperlich und seelisch krank, wird als Schmerz im Körper erlebt, weshalb die Menschen Schmerzmittel schlucken, hochgefährlich.
Gegen Einsamkeit: Mehr Offenheit, auf Menschen zugehen, ansprechen im realen Leben. Die Techwelt ist eher Tummelplatz des Ghostens und Beziehungsabbruchs, wenn es menschlich herausfordernd wird.
Unsere Bereitschaft, uns auf Begegnungen einzulassen, wird geringer. Wohngemeinschaften möchten viele nicht. Das würde Reibung bedeuten, Kinderlärm, Hundebellen, jemand, der in der Küche sitzt und Tee trinkt, wenn man selbst sich einen Kaffee holen will – zu viel ungewollte Nähe.
Das Gefühl des Gebrauchtwerdens ist wichtig, uns fehlt es an Sinn, weil Einsamkeit genau in die andere Richtung drängt. Es braucht Bereitschaft, sich zu öffnen. In Austausch gehen meint, mit Reibung, Kritik, „Anderssein“ konfrontiert zu sein. Anders ist erstmal nur anders. Meine Welt wird weiter, wenn ich Anderes, Fremdes zulasse, in den Austausch gehe, gebe, was ich geben und neue Erfahrungen machen kann. Die einstige Großfamilie gibt es (häufig zum Glück) nicht mehr. Es braucht selbstgewählte Gemeinschaften (auch auf Zeit), in denen wir geben und nehmen, Nähe und Distanz trainieren und erfahren, was Menschsein heißt.
Allen einen schönen Freitag mit vielen herzwärmenden Begegnungen.
Annemarie hat das Foto gemacht, vielen Dank!
