Wochenend-Nachdenk-Input

Heute startet der neue Ausbildungsgang für die angehenden Psycho-Heilpraktiker. Eine wunderbare Arbeit ist die mit Menschen, sie zu begleiten durch ihre Krisen und zu sehen, wie sie ihre inneren Ressourcen stärken und das Leben neu ergreifen. Das ist kein Beruf, das ist eine Berufung und ein Geschenk des Vertrauens der Klienten an uns. Wer sich angesprochen fühlt und diese notwendige Grundlagenausbildung gern hier bei uns machen mag – anmelden geht noch. Der Kurs ist intensiv, wir gehen den gesamten Stoff durch, ergänzt durch viele Beispiele aus der Praxis und beginnen auch mit dem inneren Schulungsweg des Therapeuten, denn das wird man auch erst, das ist man nicht schon  ohne Zutun.

Frieden – Immer wieder entgleitet uns das Bewusstsein, dass Frieden die Voraussetzung für Wachstum ist, für Freiheit und für Entwicklung. Im Krieg oder im Streit entwickelt sich wenig, das sind destruktive Geschehnisse, die Leid aufhäufen. Erst ein Friedensschluss ermöglicht wieder ein positives nach vorne Schauen. Der innere Friede ist es, der heute so oft in großer Gefahr ist. Innerer Frieden, innere Stille – sie wird vermieden um jeden Preis. Wir bezahlen mit Nervosität, Angst, Depressionen, massiven Störungsbildern bis hin ins Organische hinein, weil wir die meiste Zeit des Tages auf Displays und Monitore starren.

Gestern musste ich in einem Wartezimmer Zeit verbringen. Spannend. Drei Schilder mit Handyverbot an den Wänden. Rund 30 Zeitschriften lagen da, viele Spielsachen für Kinder. Im Wartezimmer – rund 40 Menschen. 38 Menschen mit ihrem Handy beschäftigt. Ein Kind versuchte vergeblich, seinen Vater auf sich aufmerksam zu machen. Keiner spricht. Keiner schaut auf den anderen. Oberkracher: ich warte über eine Stunde. Ich frage am Empfang nach. Die Mitarbeiterin schaut mich an: MRT? Da sind Sie bei uns aber falsch. Da müssen Sie nach unten! – Ich hake nach – Ja, aber das stand doch dick auf dem Überweisungsschein, den Sie zuerst durchgelesen haben! Ich war noch nie hier, ich kann leider nicht wissen, dass das MRT im Keller steht! – Kein Wort der Entschuldigung. Ich gehe in den Keller. Dort die Mitarbeiter – wir haben schon drei Mal bei Ihnen angerufen daheim, wo Sie bleiben. Glücklicherweise hatten sie andere Menschen einschieben können und mich dann in die Lücke setzen.

Insgesamte Wartezeit 3 Stunden, Fahrzeit jeweils eine Stunde, macht fünf Stunden für 20 Minuten MRT. Nun, ich komme selten dazu, fünf Stunden am Tag meditieren zu können, eine gute Sache. In der Straßenbahn nur Menschen mit Handys. Sie sitzen und checken ihre Nachrichten. Ältere Menschen müssen stehen und sich gut festhalten (Bei Zweien piepste sogar ein Taschenkobold mit mächtigem Getöse!). Ein Mann mit Gipsbein und zwei Krücken stand auch.

Manche dieser Menschen in der Straßenbahn und im Wartezimmer fahren an Wochenenden in ein Retreat zum Thema Achtsamkeit und zahlen viel Geld für etwas, was sie dauernd im richtigen Leben üben könnten.

Fazit des gestrigen Tages – wenn man eine neue Arztpraxis betritt, macht es sehr viel Sinn, direkt nachzuhaken, ob man auch am richtigen Ort ist. Es gibt wunderbare, freundliche und kompetente Mitarbeiter. Es gibt Mitarbeiter am Empfang, die nicht gut lesen können, deshalb empfiehlt es sich auch dort, direkt zu fragen, ob die Überweisung verständlich ausgestellt wurde. Das ist keine Bevormundung, nur Erleichterung des Dialogs, glaube ich. Und dem Weltfrieden geht es vielleicht heute besser, nachdem ich genug Zeit hatte, darüber nachzudenken.

Am Sonntag wird es fein – da ist der vierte Kurstag in unserem Rogerskurs zum Thema Wertschätzung, Authentizität und Empathie. Ein Kurs fürs Herz im besten Sinne. Ich freue mich.

Allen ein friedliches Wochenende.

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