Wochenend-Nachdenk-Input

Was für eine Aussage von Camus: „Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance.“ Ist uns bewusst, dass wir zu jeder Sekunde unseres Lebens dafür verantwortlich sind, unsere 24 Stunden des Tages mit dem zu füllen, was wichtig ist? Was für eine Freude zu lesen, man sei eine grenzenlose Chance. So viele Menschen beklagen ein schlechtes Selbstwertgefühl, halten sich für wertlos. Camus sagt es klar: Du bist eine grenzenlose Chance. Die Chance an sich, egal wie groß sie ist, nutzt dir nur, wenn sie auch ergriffen wird. Viktor Frankl, der Sinnsucher, stellte fest, dass es darum immer geht und alle großen Fragen, die der Mensch im tiefsten Herzensgrund bewegt, metaphysische seien, also letztlich die Urfragen: Wer bin ich? So komme ich her? Wo gehe ich hin?

Vorausgesetzt wir haben verstanden, dass Leben immer nur in diesem Moment stattfindet, wir permanent die Möglichkeit haben, zu gestalten. Vergangenes ist vorbei. Es ist weise, daraus die Quintessenz mitzunehmen und aus Fehlern zu lernen, aber keinen, die schlimme Vergangenheit aus Dauerschleife im Kopf zu reproduzieren oder die glorreichen Tage zu wiederholen. Es kann klug sein, Zukunft vorzubereiten, aber nur, wenn wir gewahr bleiben, dass sich in Sekundenbruchteilen neue Zukünfte ergeben, alles über den Haufen geworfen werden kann. Leben ist jetzt. Jetzt kann ich die Chance nutzen und mit Novalis fragen: Wo gehen wir hin? Immer nach Hause. Ich betrachte das geistig.

Solange ich hier in meinem Körper stecke, habe ich die Verantwortung, aus meinem Tagesgeschenk von 24 Stunden das Bestmögliche zu machen. Ich bin verantwortlich für mein Denken, Fühlen und Handeln, das kann ich keinem in die Schuhe schieben. Chance nutzen bedeutet für mich, möglichst frei von Vergangenheit und Zukunft dankbar in jeder Sekunde zu sein für das Geschenk, sie zu erleben und die Möglichkeit, anderen Menschen das Leben durch meine Arbeit zu erleichtern, sie zum Lachen zu bringen, an ihrer Seite zu sein, wenn sie gerade keinen Weg mehr sehen.

Das Leben ist ein bewegter Fluss. Ich kann mich dagegen wehren, ich kann aber auch begreifen, dass lebendige Wesen nie gleich sind, alles sich wandelt und lernen, mit meinem eigenen Fluss die Welt zu erkunden. Letztlich münden wir ins Meer. Weshalb sollte ich Angst vor der Zukunft haben, wenn das sicher ist? Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nicht linear, für mich sind es Möglichkeiten des Gleichzeitigen jenseits von Raum und Zeit. Wir wählen Zukunft durch die Entscheidungen, die wir im Jetzt treffen und sie basieren zu oft auf Vergangenem. Freiheit ist im Feld jenseits dieses Feldes, sie liegt im Möglichkeitenfeld, mit dem wir geboren werden.

Es liegt an uns, die Reise so sinnstiftend, freundlich, liebevoll und stärkend zu gestalten, wie es in jedem einzelnen Moment möglich ist. Manchmal ist es groß, was geht und manchmal ist es nur das Überleben von einem Atemzug zum nächsten. Nur dieser eine Atemzug zählt.

Allen ein chancenreiches Wochenende im Bewusstsein des Geschenks, das uns täglich unsere 24 Stunden machen.

Theresa hat das Foto auf dem Jakobsweg 2019 aufgenommen. Vielen Dank.

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