Wochenend-Nachdenk-Input

Spannend. Zwei Bücher liegen hier zum Lektorat. Jahrelang hat das Lektorieren von Büchern und das Begleiten von Autoren meinen Alltag ausgemacht, bis ich beschlossen habe, das zu verändern. Jetzt mache ich nur noch ab und an Bücher für Autoren, die ich schon lange begleite für einen Verlag, mit dem wir ebenfalls schon lange Wege gehen. Viele, die das gar nicht aus meinem Leben wissen, schlagen mir immer wieder froh vor: „Schreib doch mal ein Buch“. Öh, nö. Sag niemals nie, keine Frage, aber durch unsere Hände sind in über 30 Jahren ausreichend viele Bücher gegangen.

Dennoch hat die Buchwelt nie etwas von ihrer Faszination verloren und das Einzige, was es bei uns wirklich gibt, sind Bücher. Als Kind habe ich mir geschworen, jede Woche ein Buch zu lesen und bis auf wenige Ausnahmen habe ich das konsequent bis heute durchgezogen (und werde weiterlesen, bis meine Augen so schlecht sind, wie es mir meine Eltern früher nachts, wenn sie die heiße Lampe anfassten, schworen). War es früher „schöne Literatur“, wurden es mit den Jahren immer mehr Sachbücher. Heute genieße ich es, ab und an wieder ein Buch „zum Spaß“ zu lesen. Als Vorgeschmack auf die Hesseverfilmung von „Narziss und Goldmund“, die im Frühling ins Kino kommen soll (und die ich mir vermutlich gar nicht anschauen werde), habe ich meine Sammlung Hessebücher rausgekruscht, allesamt zerfleddert, am schlimmsten sieht „Siddharta“ aus, mein meistgelesenes Hessebuch neben den „Märchen“. Interessant, wie sich Hesse nach vier Jahrzehnten der Abstinenz für mich heute liest. Früher hätte ich alles gegeben, wie Hesse zu schreiben, ehe mich dann Rose Ausländer, Paul Celan und Hilde Domin auf andere Wege zogen.

Beim Nachdenken über die Bücher ist mir eingefallen, dass ich schon im Kindergarten Menschen eingeteilt habe in „lesen gute Bücher“ und „auf keinen Fall weiter hingehen, die lesen nicht“. Bis heute geht mein erster Blick auf die Suche nach dem Lesestoff, wenn ich irgendwo bin und an der Einteilung hat sich wenig geändert.

Wenn mich jemand fragte, wie ein perfekter Tag aussähe, gäbe es nur eine Antwort: Im Hintergrund rauscht das Meer (möglichst kalt und stürmisch). Ich sitze in einem großen Ohrensessel und habe ein Tischchen neben mir. Darauf steht eine sehr große Kanne Tee (okay, und Kekse) und es findet sich ein Stapel Bücher. Sollte es noch Musik geben, wäre es mit Sicherheit Bach. In dem Moment, in dem ich den Buchdeckel öffne, möchte ich hineinfallen und nichts existiert mehr außer einer guten Geschichte und der Teetasse. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass es heute Bücher über Therapien, Therapeuten oder Sinnfragen wären, am höchsten ist. Dann verbinden sich meine Welten, die der Bücher und die der Arbeit mit Menschen, perfekt. So stelle ich mir mein Leben in 20 Jahren vor, wobei das Meeresrauschen hier in Rottenbauer eher vom Mühlstein im Garten kommen wird.

Allen ein wunderschönes erstes Wochenende im neuen Jahr. Möge es ein belesenes sein!

 

Das schöne Meeresfoto ist auch von Theresa auf dem Jakobsweg in Spanien gemacht. Danke dir!

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