Wandelzeiten

Auch wenn jetzt wieder ein paar denken – hä? Ist doch erst Montag. Richtig. Damit man sich auf etwas einstellen kann und viele nicht direkt morgens lesen, sondern nachts, kommt in der Regel am Vormittag der Input für den Folgetag. Und heute noch früher, weil ich gleich im Auto sitze und zu meinen Eltern fahre. Dort stehen heute jede Menge Arzttermine an, die ich fahre, Betten müssen frisch bezogen werden und vieles mehr. Da steht mir dann der Kopf woanders und bis ich nach Hause komme, ist Praxis, da komme ich nicht zum Schreiben.

Diese Zeiten geben mir viel Gelegenheit, um über das Alter nachzudenken und wie unterschiedlich sich Alter zeigt, wenn jemand sich weitgehend gesund fühlt wie meine nach wie vor alleine lebende Schwiegermutter mit 96 Jahren (!) oder viele Krankheiten den Alltag belasten wie bei meinen 85 Jahre alten Eltern, die zudem noch meinen behinderten Bruder (51) pflegen. Wie sich das alles entwickeln wird, weiß keiner.

Da teile ich die Herausforderung mit vielen Frauen meines Alters. Die Kinder sind selbstständig und gut aufgestellt, man denkt – so, super, endlich kann ich mal ne Menge von dem umsetzen, was ich so vorhabe im Leben und schon kommt das Thema Wechseljahre-Altersbegleitung von Eltern. Es ist nochmal ne andere Hausnummer, wenn ein behinderter Mensch mit im System ist und es dann mit einem Schlag drei Pflegefälle werden.

Allein der Bürokram, der Kampf mit Krankenkassen um Windeln, Taxifahrten, Hilfsmittel und Orthesen wäre ein Fulltimejob. Menschen mit chronischem Nierenversagen brauchen dauernd Urinkontrollen. Mittlerweile transportiere ich in meiner Getränkehalterung längst keinen Kaffee mehr (würde eh nur Herzrasen erzeugen), sondern Pipidosen. Wo früher Kinderwindeln im Fond lagen, liegen heute Bügelbrett (meine Mutter bügelt bis heute auf dem Tisch mit einer Decke, ich nicht, also verstaue ich im Fiat Panda ungelogen ein Bügelbrett. Es geht!!) und Kochkisten mit dem Essen für mehrere Tage, das ich vorgekocht habe, damit sie es nur warmmachen müssen. Fensterputzen, Garten, all das werden heute Themen, die mich in den Wahnsinn treiben können, denn ich habe eine sieben Tage-Woche mit meiner Arbeit, finde saubere Fenster überschätzt und den Garten halte ich für Hausherrensache. Mit 85 hat man jedoch sehr genaue Vorstellungen, wie alles zu laufen hat und wo der Vater früher für einen vergessenen Liter Milch losgeschickt wurde, kaufe ich einmal die Woche groß ein und was vergessen ist, gibt es halt nicht. Da prallen Welten aufeinander.

Der Vorteil – ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es vielen Klienten in ähnlicher Situation geht. Leider ist das nach wie vor ein Frauenthema der Generation Frauen, die jetzt zwischen 45 und 65 Jahre alt sind. Ich sehe sehr deutlich, was die innere Haltung in Bezug auf würdevolles Alter ausmacht. Ich lerne, ich übe und trainiere Geduld und Gelassenheit im Bootcamp (alles geben die Götter ihren Lieblingen ganz).

Deshalb allen schon am Montag einen wunderbaren Marstag mit kraftvollen Energien!

 

Für viele Menschen ist das eine Sehnsuchtsbucht im Süden Frankreichs zwischen Wassersport und mondänem Flair. Annemarie hat das Foto gemacht. Danke!

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