Vom guten Schlaf

Manchmal bekommt man gefühlt viel in einem Tag unter und manchmal scheint es wenig. Das geschieht, wenn wir unachtsam durch den Tag gehen. Setzen wir uns am Abend zu einer stillen Rückschau hin, bemerken wir doch im rückwärts bis zum Morgen zurückgehen (eine Übung, die auf Rudolf Steiner zurückgeht), was alles an einem Tag gewesen ist. Es geht nicht um das übliche Bewerten, nur ein zur Kenntnis nehmen – ah, dann war dieses, dann das, jenes kam davor, das danach. Vielleicht nimmt man ein Gefühl mit, worauf man künftig mehr achten mag. So hat der Tag einen Abschluss, der Mensch kann loslassen und den Schlaf einladen.

Schlaf ist das wichtigste Gesundheitstool. So gut wie alle Krankheiten, Leiden und Verstimmungen bessern sich gravierend durch Schlaf. Unser Gehirn braucht den Schlaf für Lernen, Verarbeiten und neu Sortieren. Unser Körper repariert sich im Schlaf, entdeckt, was fehl am Platz ist und kann es entsorgen. Er entgiftet, putzt durch und sortiert.

Schlaf ist individuell. Generell gilt – die meisten Menschen schlafen viel zu wenig, erreichen gerade mal eine Stunde REM- und Tiefschlaf, das reicht nicht. Voraussetzungen für guten Schlaf sind neben einem gut gelüfteten Schlafraum die passende Matratze und Bettzeug, für viele ist Abdunklung sehr wichtig für die Melatoninausschüttung. Im Schlafzimmer haben weder Handys noch andere elektrische Geräte etwas verloren.

Für ältere Menschen kann ein Bewegungsmelder, der beim Füße auf den Boden stellen eine sanfte Lichtleiste einschaltet, sehr hilfreich sein, wenn sie nachts aufstehen müssen. Zwei Stunden vor dem Schlafengehen kein Fernsehen mehr (es ist mir ohnehin unbegreiflich, weshalb man das brauchen sollte), keine anstrengende Bildschirmarbeit (und wenn, dann mit entsprechenden Filterbrillen), kein Streit, kein Zwist, kein anstrengender Sport mehr. Lieber eine Runde um den Block spazieren (womit in diesen Tagen auch klar ist, dass wir lange vor Mitternacht zu Bett gehen), nochmal frische Luft tanken und ab ins Bett.

Rituale helfen wie die abendliche Rückschau bei einer guten Tasse Tee, sanftes Ausklingen des Tages, ein paar Seiten lesen. Für Kinder besteht das Ritual oft aus Geschichte vorlesen, beten und ein Gutenachtkuss. Warum geben wir das auf? Am Abend alles, was die Seele belastet, zur Seite legen, es einer höheren Macht anvertrauen, kann sehr entlastend sein.

Auch wenn es keiner gern hört: Rhythmus ist die halbe Miete, also nicht am Wochenende bis mittags im Bett liegen, so gewöhnt sich der Körper leider an keine Regelmäßigkeit. Schlaf braucht das Verlässliche, Konstante, damit er sicher kommt. Klienten sage ich manchmal, sie mögen sich den „Abendsegen“ aus der Oper Hänsel und Gretel anhören. Da steckt sehr viel Trost drin.

Allen ein schlaffreundliches erstes Maiwochenende.

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