Verständnis, Sinn, Machbarkeit

Rilkes Gedanke, dass möglicherweise alles Schreckliche im Grunde das Hilflose ist, das von uns Hilfe will, taucht oft als Frage in mir auf. Ich glaube nicht, dass alles Schreckliche etwas in die Ecke Gedrängtes, Ängstliches, Ausgeliefertes ist, dem wir behilflich sein können. Es gibt vermutlich Schreckliches, das einfach nur schrecklich ist, wo man stumm zurückbleibt und auch nach Jahrzehnten den Sinn daran nicht finden kann.

Dennoch hilft mir das innere Bewegen dieser Aussage, wenn ich mit heftigen Kliententhemen in Kontakt komme. Wir können einen Teil des gehaltenen Raumes als Schutzraum für das Hilflose anzubieten, wenn es das möchte. Schlimmes, das Menschen angetan wurde, hat vielfach eine Generationen lange Geschichte, ebenso viele Ursachen im Außen wie im Inneren der Menschen. Manches kann man erfahren, vieles bleibt verborgen. Salutogenetisch können wir das Selbstmitgefühl des Betroffenen einladen; einen Sinn vielleicht darin erkennen, dass sein Survivor-System ermutigt werden darf, aus dem Überleben ins Leben zu kommen. Eher gelingt eine Form der Machbarkeit – ein Atemzug, ein Gewahrsein eines geschützten Raums in mir selbst, die Orientierung am Ort, an dem ich mich gerade befinde. Wir müssen das Hilflose im Schrecklichen nicht entschuldigen oder retten. Wir dürfen uns jedoch die Erlaubnis erteilen, aus unserer eigenen Hilflosigkeit kein Schreckliches erwachsen zu lassen, sondern den Mut, um Hilfe zu bitten und eine andere Wahl für unser Leben zu treffen. Vielleicht noch nicht schnell, sondern in dem Tempo, in dem es für uns möglich sein mag. Dann wachsen wir um das Schrecklich herum in unser Sein.

 

Theresa hat das Foto aus Kanada mitgebracht. Traumfutter für Buchfreunde.