Mittwochs-Nachdenk-Input

Der Glaube, meint Marie von Ebner-Eschenbach, der Berge versetzen kann, sei der an die eigene Kraft. Wie viele Menschen zweifeln an ihrer eigenen Kraft! Wie viele unterschätzen ihre eigene Handlungsfähigkeit, ihre Wirksamkeit. Oft höre ich: „Da kann ich doch gar nichts machen/ausrichten“, „Was sollen denn meine kleinen Dinge schon nutzen!“ Dahinter stecken zum einen die Angst, dass man selbst keine Wirksamkeit haben könnte und zum anderen die Angst vor Verantwortung. Wenn ich nämlich durch meine Handlungen Folgen generiere, könnte das auch für mich negativ ausgehen. Ja und? Viele handeln nicht, weil sie den Berg sehen, aber nicht den ersten Schritt, der für jede Besteigung notwendig ist. Und danach den zweiten. Sie sehen die ganze lange Straße, vor der Beppo Straßenkehrer in Michael Endes wunderbarem Buch „Momo“ warnt. Wer nur die ganze Arbeit vor sich sieht, gerät schnell in Hatz und Panik, doch wer Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug und bei Beppo „Besenstrich für Besenstrich“ vorangeht, hat mit einem Mal die ganze Arbeit geschafft.

Wir verweigern das Tun, weil wir glauben, die Aufgabe sei zu groß. Damit drücken wir uns gewaltig vor der Verantwortung und meinen uns hinter „das muss die Politik, die da oben, der liebe Gott regeln“ verstecken zu dürfen. Nein, dürfen wir nicht. Jeder ist zu jedem Moment für sein Denken, Handeln und Wollen zuständig und jeder hat Wirksamkeit. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Realität, in der wir leben. Alles, was nach „ich bin“ folgt, wird, denn das ist ein sehr mächtiges Schöpfungsmantram.

Haben wir weniger Bedenken, zu handeln. Wir helfen nicht, weil wir nicht sicher sind, ob wir noch fit genug in erster Hilfe sind. Entweder empfiehlt sich dann ein Auffrischungskurs oder wir helfen einfach, denn wie wäre es für uns an Stelle des anderen, wenn jemand da ist, aber nichts tut? Was wollen wir denn falsch machen? Ich glaube, dass wir alle wesentlich wirksamer und fähiger sind, als wir uns zutrauen.

Vieles liegt auch an unserer Erziehung. Wir werden von klein auf darauf getrimmt, dass Fehler tödlich sind, sie werden rot angestrichen und aufsummiert, daraus ergibt sich die Note und damit – so das Denken vieler Menschen – ihr Wert für die Welt. Es wird Zeit für eine Scheiterkultur. Wenn wir von der Annahme ausgehen, dass uns unsere eigene Zukunft zu jeder Sekunde unseres Lebens freundlich die Hand reicht, die wir nur ergreifen müssen, wäre doch die spannende Frage in jedem Augenblick: Was für ein Experiment wage ich jetzt? Das gesamte Leben ist eine Abfolge mehr oder weniger spannender Experimente, denn ehrlich gesagt hat keiner von uns die finale Ahnung, wie Leben geht, dass es gelingt. Wann wagen wir also das Experiment, in die beste Version von uns selbst hineinzuwachsen und zu bemerken, dass wir häufiger über die Maulwurfshügel unserer eigenen Begrenzungen im eigenen Kopf gestolpert sind als über die Berge draußen?

Allen einen sehr beweglichen Merkurtag.

Theresa war in Eisenach auf den Spuren von Bach, Telemann und Luther und hat uns dieses Foto mitgebracht. Danke!

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