Mittwochs-Nachdenk-Input

Die Saiten des Gemüts ausruhen lassen, damit sie ihren Ton und Klang behalten – das finde ich ein wunderbares Bild. Im Radio hörte ich heute Morgen, dass Schulkinder in unserem Land zu wenig schlafen, zwei Stunden weniger sind es bei Neunt- und Zehntklässlern, diese zwei Stunden gehen zu Lasten der Mediennutzung.

Was tun wir da? Schlaf ist heilig. Die Nerven der Menschen brauchen den Schlaf, um zu verarbeiten, was tagsüber gewesen ist, um das Gelernte sicher greifbar abzulegen, um dem Körper die Kraft zur Regeneration zu geben.

Heute brauchen wir das offenbar nicht mehr. Kuren dauerten in meiner Kindheit vier Wochen, mit Verlängerung sechs oder acht Wochen. Man empfahl den Menschen, mindestens vier Wochen im Jahr am Stück Auszeit zu nehmen, weil der Körper schon drei Wochen braucht, um in der Erholung anzukommen. Es gab viele Bäderanwendungen, sogar Dauerduschen, weil das zerrüttete Nerven gut entspannt hat. Die Menschen bekamen lange Spaziergänge verordnet, manche nahmen sich Zeit für ein Schachspiel am Wochenende. Man saß irgendwo in der Natur mit einem Picknick oder einfach nur auf einer Bank an der warmen Hauswand und aß einen frisch gepflückten Apfel, den man mit einem tausendfach gebrauchten Taschenmesser aufschnitt.

Nein, es waren keine goldenen Zeiten der Vergangenheit, die da beschworen werden sollen. Aber wir müssen immer wieder darüber nachdenken, was WIR SELBST unseren Nerven antun, wenn wir den ganzen Tag im Netz unterwegs sind, beruflich stundenlang auf Bildschirme starren und das in unserer Freizeit ebenfalls tun. Ganz freiwillig übrigens und ohne dass wir merken, was das mit uns macht.

Vielen Menschen, denen ich begegne, würde ich gern eine Kur verordnen. Sie sähe so aus: Maximal eine Stunde elektronische Mediennutzung am Tag und das auch erst nach einem Entzug derselben für mehrere Monate, um frei zu werden. So viel Schlaf, wie der Körper braucht. Für die meisten viel mehr Bewegung, die zu ihnen passt. Jeden Tag die Möglichkeit, sich an der frischen Luft aufzuhalten. Schlichte, einfache, unverarbeitete Nahrung. Ausreichend sauberes Wasser zum Trinken. Literatur, Kunst, Kultur aller Art, selbst gemacht oder erlebend. Mehr handgemachte Musik und Singen. Tausend Prozent mehr Lachen und viel mehr Vögel, die uns daran erinnern, wie das Singen geht. Summende Bienen, die gesundenden Honig produzieren. Ausreichend körperliche Arbeit, um am Abend rechtschaffen müde zu sein. Viel mehr Gemeinschaft, damit aus der Ansammlung einsamer Zombies in der Welt wieder Gruppen werden, die Wir statt Ego sagen, die Respekt vor Mutter Erde zeigen und eine Kultur der Dankbarkeit, der Wertschätzung und der Freude pflegen. Dann können unsere Nerven am Abend langsam ausklingen, um am nächsten Morgen frisch gestimmt von Neuem gezupft zu werden vom Leben.

Allen einen Wochenteilungstag, an dem wir ja das eine oder andere sehr wohl gleich mal ausprobieren können!

 

 

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