Kommunikationswunder

Am letzten Wochenende ging es in einem Kurs um die spannende Frage, was denn der Mensch ist und was wir meinen, wenn wir Körper, Seele und Geist sagen. Ich fasse es mal griffig zusammen: Ein Kaleidoskop an Erklärungen, Glaubenssystemen, Überzeugungen und Vermutungen ergab sich rasch. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, schreibt Platon Sokrates zu und das trifft es gut. Wir wissen ziemlich wenig von ziemlich viel. Und genau das macht oft auch Probleme, denn wir tauschen uns über das Wenige, was wir wissen, dann leider auch nicht aus, so dass der eine unter Freundschaft was ganz anderes versteht als ein anderer und schon ist sie aufgekündigt.

Klare Begriffe – das scheint uns schwer zu fallen. Bei Zahlen ist es leichter, da sind 12 immer 12. Bei einem Dutzend ist der Spielraum schon größer, weil der Begriff nicht mehr so geläufig ist (es sind 12), aber wieviel ein Schock sind, muss man heute schon fast googlen (60), Mandel ist für uns ein Rosengewächs (das wären 15) und ein Pfund Mehl ist auch ein böhmisches Dorf für die meisten heute.

Auch unsere Sprache ist ein aussterbendes Wesen. Wir pflegen eine Menge Worte nicht mehr und das bedeutet zunehmend Armut. Wenn ich einen Text von Adalbert Stifter vorlese, fällt mir immer wieder auf, wie schlicht wir uns mittlerweile austauschen. Wer kennt noch Purzelbaum, Botschamber, Kabale, Sommervögelein, saumselig, Mumpitz oder macht sich Gedanken, woher manche Begriffe stammen? Ich habe Jahre gebraucht, bis ich das „dutzwitt“ meiner Mutter verstand. Damit meinte sie, ich soll schneller machen und im Französischunterricht kam mir dann „tout de suite“ unter, was „sofort“ bedeutet. Und aus dem Bottschamber wurde ein „pot de chambre“. Klar, wenn man an der Grenze zu Frankreich aufwächst, rutschen in die Sprache viele Ausdrücke der Nachbarn mit hinein.

Herzliche Einladung, an diesem Tag der Venus mal nachzudenken, ob wir, wenn wir kommunizieren, wirklich über die gleichen Dinge sprechen oder ganz andere Vorstellungen von etwas haben, also permanent erfolgreich aneinander vorbeireden? Und uns mal überlegen, was unsere liebsten alten Worte sind wie Kandelaber und Konsorten? Was ist dein Lieblingswort? Warum?

 

Dieter hat diese beiden uralten Baumherrschaften bei einer kleinen privaten Auseinandersetzung entdeckt J Danke für das Foto! So viel zum Wunder der Kommunikation.

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