Hülle der Dämmerung

Abend

Der Abend wechselt langsam die Gewänder,

die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;

du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,

ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,

nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,

nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend

wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt –

und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)

dein Leben bang und riesenhaft und reifend,

so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,

abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

 

Rainer Maria Rilke, Buch der Bilder (1898-1906)

 

 

Abendstimmung über dem Heizhaus am Goetheanum in Dornach. Da erlebt man Rilkes Text auf eine wunderschöne sanfte und eindringliche Art neu.

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