Freitags-Nachdenk-Input

Freude – diesen Zustand wünschen wir uns möglichst oft. Wir glauben, dass Freude etwas ist, das „von außen“ kommt, uns „widerfährt“, dass Fortuna ihr Füllhorn über uns ausschüttet und dann erleben wir dieses schöne Gefühl von Freude.

Für mich ist Freude eher etwas, das aus mir heraus entsteht und wachsen darf. Ich freue mich, weil ich mich freuen WILL. Mein Tag wird nicht schöner durch schlechte Laune oder Traurigkeit. Natürlich gibt es Tage, an denen muss ich traurig sein, weil traurige Dinge geschehen. Tage, an denen nichts funktioniert und ich mich über mich selbst ärgere. Alle Gefühle haben ihren Platz und ihre Zeit. Dennoch finde ich Rudolf Steiners Bild von der „Meeresstille des Gemüts“ (aus dem Ergebenheitsgebet) wunderbar. Es besagt, dass alles seine Zeit und seinen Raum hat und wir danach zurückkehren können in diese Meeresstille des Gemüts. Ein Meer ist niemals still und ruhig. Klar kann es ein ruhiger Tag sein und die Wellen rollen gemütlich an den Strand, aber immer ist das Meer bewegt, erzählt, raunt sich Geschichten zu, wird die Oberfläche vom Wind gekräuselt, bilden Felsen und Riffe Hindernisse, die das Wasser umspült und wodurch es bewegt wird. Es ist also kein starrer Zustand gemeint, sondern etwas Flexibles. Ähnlich dem Bambus, der elastisch biegsam dem Wind standhält und genau darum nicht bricht.

Meeresstille des Gemüts bedeutet also nicht, starr und ignorant allen Gefühlen gegenüber zu sein, sondern sie wahrzunehmen, zu leben, zu erleben und in diese flexible Mitte zurückzukehren, die Ruhe ist, aber auch Achtsamkeit auf das, was ist. „Nichts war, nichts wird sein, alles ist und hat Wesen und Gegenwart“ (Hesse, Siddhartha)

Allen einen wunderbaren Venustag mit vielen Momente der Bewegung und der Meeresstille.

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