Eintauchen

Ich liebe Menschen, mit denen ich schweigen kann. Kein so ein betretenes Schweigen Marke „hoffentlich sagt wer gleich was“, sondern nur atmen, beieinander sitzen, in eine tolle Landschaft gucken und sich wohlfühlen. Das sind mir die Liebsten.

Von Rudolf Steiner gibt es für den Montag die schöne Übung, sein eigenes Reden zu bedenken, „nur was Sinn und Bedeutung hat“. In meiner Praxisarbeit ist meine Aufgabe nicht das Reden, sondern das Lauschen. Auf die gesprochenen Worte, wesentlich mehr aber auch das Unausgesprochene, Unklare, Gefühlte, nicht Gewagte, die Zwischenzeilen, die Fragezeichen und die geheimen Anklagen. Dies dann zu benennen und damit zu arbeiten ist spannend.

Die nächsten Tage werde ich mit Input verbringen. Auch ich brauche ab und an Inspiration und die hole ich mir am liebsten – wenn nicht in Büchern – in Museen. Und davon stehen jetzt einige auf dem Plan. Ich freue mich seit Wochen darauf, meinem Lieblingsmaler Caspar David Friedrich mal wieder „in echt“ begegnen zu dürfen. Das sind große Momente, so, wie ich zu den Menschen gehöre, die nach Basel fahren, um zum 20. Mal Böcklins Toteninsel anzuschauen und den ganzen Tag in Museem zu sein. Ich brauche nicht viel anderes. Schauen. Staunen. Fasziniert erleben, wie aus Klecksen auf der Netzhaut Bilder entstehen, die Geschichten erzählen. Techniken bestaunen. Farben entdecken, für die ich nicht mal einen Namen kenne. In Medizinalmuseen erstaunliche Gerätschaften und Artefakte entdecken, in historischen Museen in alte Zeiten entführt werden. Was wäre die Welt ohne Museen! Lernfelder, Erinnerungen, Aufweckmomente, Ahaerlebnisse.

Das ist für mich absolutes Abschalten. Dringend nötig, denn wer sich nicht ab und an bewusst abschaltet, wird vom Leben einfach ausgestellt.

Ein Bücherstapel gehört dazu. Irgendwo mit einer Tasse Tee sitzen und lesen, während Gewusel um mich herum ist, das mich nicht interessieren muss. Hervorragend. Meine Ohren machen Pause, mein Geist breitet sich aus und in meinem Herzen entsteht Freude.

Allen einen feinen Freitag.

 

Stephanie ist zum Wandern unterwegs und schickt großartige Bilder. Manchmal würde ich gern einfach in eines der Bilder hüpfen und eine Runde schwimmen gehen. Danke für deine Augenferienfotos.

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