Du hast noch 90 Tage Lebenszeit. Und jetzt?

Immer wieder höre ich Sätze, die mit „wenn“ beginnen und dazwischen ein „dann“. Das sind echte Killersätze, denn sie suggerieren, dass ich nur dann glücklich, zufrieden, mit mir im Reinen etc. pp. bin, wenn vorher irgendjemand anderes (in aller Regel ist es jemand anderes oder das miese Karma) seine Hausaufgaben erledigt hat. Meine Stimmung ist dann also stets davon abhängig, dass ein anderer Mensch etwas macht, was ICH will. Finde den Fehler.

Auch schön: „Wenn die Probleme dann mal alle gelöst sind, bin ich frei und froh.“ Nee, sorry. Wir werden niemals den Zustand erreichen, dass unsere Probleme gelöst sind und wir nur dann und nur aufgrund dieser Voraussetzung frei und froh sein können. Frei und froh zu sein entscheide ich zu jeder Sekunde und es ist NICHT, null, niente, nada abhängig davon, was im Außen ist. Okay, zugegeben, es fällt schon schwer, einen leichten, beschwingten und heiteren Tag zu genießen, wenn die Welt im „Pissed“modus unterwegs ist und jeder nur mault, sich hinter Thesen verschanzt und Ängste pflegt. Aber es geht. Wir haben ja jetzt genug Übung im „und dennoch“-Denken, oder?

Mal angenommen, wir bekommen vom Arzt die Ansage: „Sie haben eine sehr schwere, weit fortgeschrittene Erkrankung, bitte ordnen Sie Ihre Angelegenheiten, Sie haben noch etwa drei Monate.“ – das geschieht immer wieder. Davon abgesehen, dass Lieschen Müller hört, dass sie dann noch drei normale Monate hat (der Arzt meint: du hast zwei Wochen, dann geht der Tanz des Lebens auf die Zielgerade, sprich wenn alles für dich super geht auf Palliativ) und dass sie das auch glaubt (kein Arzt der Welt kann in einer Liste nachschauen, wann die Lebensuhr des Patienten stehen bleiben wird) – was passiert wohl?

Nach dem Schock kommt der Aktivismus. Die nächtliche Recherche, ob es nicht doch schon – vermutlich in den USA oder so – ein Wundermittel gibt, das hier bei uns noch nicht zugelassen ist und das super wirkt. Die Suche nach der passenden Therapie beginnt und den Alternativen. Und nachts, wenn man nicht schlafen kann, kommt die große fette Keule der Endlichkeit auf Lieschen Müller nieder. Was hätte sie nicht alles noch tun wollen! Verreisen! Gelnägel! Einmal ein schnelles Motorrad kaufen! Mit Kumpels ein ganzes Schwein übers Feuer hängen und drei Tage reden. Verrückte Dinge tun! Einen Frisörladen aufmachen! Endlich den oberöden Partner verlassen und einmal Nordlichter sehen! Und jetzt? Puuh. Hilft nur die Fototapete mit Aurora borealis für die Nordmenschen und Aurora australis für die Bewohner der Südhalbkugel. Immerhin. Nordlicht ist Nordlicht.

Was lernen wir daraus? Wir leben, als hätten wir drei Leben in Reserve. Wir vergeuden unfassbar Zeit. Womit? Mit Schwachsinn. Mit Handydaddeln. Mit falschen Menschen. Mit Energievampiren. Bescheuerten Jobs, die unserer Berufung eher schaden als nutzen. In Wohnungen, die üble Kompromisse sind. Fahren gruslige Autos, gehen bescheuerte Kompromisse ein und belügen uns ab drei Minuten nach dem Wachwerden selbst.

Mal Hand aufs Herz – wenn du wüsstest, dass deine Zeit jetzt sehr begrenzt ist: Welche Entscheidungen würdest du heute treffen? Welche Menschen würdest du anrufen und mit welchen keinen Kontakt mehr haben wollen?

Ich sag dir was – deine Zeit IST begrenzt. Keiner kennt die Spanne, die jedem von uns noch zur Verfügung steht. Deshalb gilt: Leben findet JETZT, in diesem Moment, in dieser Sekunde, in der du das liest, statt. Nur JETZT. Und dann wieder nur JETZT. Du WEISST ganz genau, was du dann tun würdest, wenn dir das mal bewusst wäre. Frage an dich: Warum lebst du dann in deinem schlechten Film, in dem du als Protagonist permanent von einem anderen, dem sogenannten guten Leben TRÄUMST?

Ich frag ja nur. Vergeude deine Zeit nicht. Carpe diem und notfalls carpe noctem. Weil es dein Leben, deine Zeit und dein Bereuen ist, wenn dich der große Meister der Gerechtigkeit besucht. Erzähl mir also nie mehr was von „wenn und dann“. Erzähl mir deinen Traum. Und überlege dir, wie du ihn trotz aller widrigen Umstände leben kannst. Fange JETZT an. Beginne bei DIR. Was ist wirklich, wirklich, wirklich wesentlich, wichtig und notwendig für dich, dass du es heute tust?

Go for it.

Allen einen wendigen Merkurtag.

 

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