Donnerstags-Nachdenk-Input

Katzen sind Meister des Versteckens! Niemals würde man dieses Exemplar, das Ursula fotografiert hat, je entdecken. Viele nehmen sich gerade an Katzen ein Beispiel, wenn sie gern unsichtbar wären.

Um die Frage von Sichtbarkeit ging es in unserer Runde über Eigenschaften des künftigen Menschen. Sichtbarkeit wird heute oft verstanden als Präsenz in den asozialen Medien. Das ist eher etwas, das mit Ego zu tun hat, wenn Menschen ihre Anwesenheit dort als Plattform zur Selbstdarstellung nutzen.

Wir meinten mit notwendiger Sichtbarkeit etwas anderes, nämlich Flagge zeigen, eine Position einnehmen, Stellung beziehen und sich damit erkennbar zu machen. Das erfordert Mut, denn wir sind schnell verschollen und abgetaucht, wenn Gegenwind kommt. Offline bedeutet häufig, dass wir Kommunikation, Auseinandersetzung, Konflikt vermeiden, wir sind einfach nicht erreichbar und lösen die Dinge nicht, wenn sie aufflackern, sondern vertagen, verschieben und hoffen, dass alles schnell vergessen und die nächste Sau rasch durchs Dorf getrieben wird.

Menschen, die sichtbar sind, haben eine Meinung. Sie ist nicht starr, denn diese Menschen haben die Fähigkeit, ihre Meinung zu ändern, wenn sie ihre Untragbarkeit oder Fehlerhaftigkeit erkannt haben. Sie vertreten ihre Meinung, sind jedoch weder missionarisch unterwegs noch der Auffassung, dass ihre Ansicht die allein seligmachende sei. Sie wissen, dass wir alle von unserer Warte aus blicken und insofern hat jeder Recht mit seiner Meinung, da wir immer nur Ausschnitte der Wahrheitstorte, nicht aber die gesamte Torte sehen können.

Zu Erkenntnissen kommt man durch Teamwork und Erweiterung des eigenen Blickwinkels wie in der Geschichte der blinden Forscher, die einen Elefanten beschreiben sollten. Alle hatten Recht mit ihrem Bericht, doch erst die Summe aller Berichte gab ein angemessenes Elefantenbild. Wir haben oft Angst vor dem Anderen, Fremden, sind verwirrt oder ablehnend. Dem anderen geht es sicherlich genauso. Lassen wir uns verwirren, halten wir das aus und fragen nach, bis wir verstehen können. Nur so kommen wir aus unseren klebrig-engen Denkschubladen heraus und finden uns im Feld der Möglichkeiten.

Menschen, die sichtbar sind, halten sich und andere aus. Sie vertreten eine Meinung offen, liebevoll und bereit, sich auszutauschen, sie halten sich nicht für Schlaubi Schlumpf, Besserwisser oder Pächter alleinseligmachender Wahrheiten. Sie wissen, dass nichts auf diesem Planeten fix und starr ist, sondern sich wandelt und sind bereit, sich immer wieder mitzuwandeln. Sie haben offene Augen, offene Herzen, einen freien Geist, der viele Richtungen erlaubt und können dennoch bei ihren Grundwerten bleiben und sie freundlich vertreten. Sie kämpfen nicht, weil sie gelernt haben, dass Kampf bedeutet, zu verletzen und verletzt zu werden, was selten eine gute Lösung bringt. Sie halten aus, hinterfragen sich selbst, öffnen sich und laden ein, gemeinsam am Tisch Lösungen zu erarbeiten, mit denen viele leben können. Sie sind sichtbar, weil sie sich selbst genug Wert zugestehen und sie sind leuchtend, weil sie eben nicht in Sturheit und Starrsinn verharren, sondern Ansichten vertreten, Fehler machen, bereit sind zum Lernen, zum Scheitern, zum neu Anfangen und um stetig die Horizonte zu erweitern.

So viele Wahrheiten gibt es auf der Welt. Lauschen wir dem Gesprächspartner, was seine ist, tauschen wir uns aus, halten wir Verwirrung und „Niemals“ aus und gehen hinter diese Begrenzungen. Dort ist ein Garten, dort werden wir uns treffen, dort steht die Artustafel freier Geister, die Zukunft gestalten möchten. Sei dabei.

Allen einen freundlichen Donnerstag. Möge er den Himmel wieder öffnen, damit viele den Kometen Neowise sehen können.

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