Donnerstags-Nachdenk-Input

Verbindlichkeit – wer kennt das Wort heute noch. Viel bekannter und im Dauerabusus ist die Unverbindlichkeit. Wir sind so gern unverbindlich, damit wir uns Optionen ohne Ende freihalten können. Es gibt ja so viele Angebote. Wer weiß, wenn wir uns für Sache A entscheiden und dann bemerken, dass Sache B doch besser ist und wir haben uns verbindlich für A angemeldet? Katastrophe des Lebens! Oder wir haben Angst, etwas zu verpassen, wenn wir uns verbindlich für etwas entscheiden, denn wo bliebe da die Spontaneität, wenn wir uns einengen lassen durch Zusagen, die uns binden, wo wir doch alle heute „ich bin mal so“ sind?

Verbindlichkeit schafft Vertrauen und ist ein Ermöglicher. Angenommen, für eine Veranstaltung melden sich 50 Menschen an. Verbindlich. Der Veranstalter kann Stühle, Essen, Trinken, Größe des Raums, Toiletten, was immer alles notwendig ist, gut planen. Wenn dann drei krank sind okay, das ist der natürliche Schwund. Wenn sich die Menschen unverbindlich anmelden, hat der Veranstalter Essen, Trinken, Stühle, Größe des Raums für 50 Menschen organisiert. Kommen 10, wirft er das Essen für 40 Menschen weg (klar ist die Tafel, Seniorenheim etc. eine Alternative, aber dafür hat der Veranstalter das nicht gekauft, gekocht, gebacken und geplant, von seinem finanziellen Verlust abgesehen, womit nicht die Hilfe für andere geschmälert werden soll!). Zahlt Raummiete für einen großen Raum, schleppt Kisten voller Getränke weg, die er nicht gebraucht hat. Die Personen, die gekommen sind, fühlen sich im übergroßen Raum verloren, es ist ungemütlich. Davon abgesehen könnte es auch sein, dass mehrere solcher Erlebnisse im Veranstalter tiefe Frustration erzeugen, ihn an sich und seinem Angebot oft zu Unrecht zweifeln lassen und ihn in absehbarer Zeit finanziell ruinieren. Da hätte er besser frei gemacht und wäre auch spontan wandern gegangen wie der Rest. Nur – er bestreitet davon seinen Lebensunterhalt und arbeitet, damit andere was lernen oder es schön haben können.

Darüber denken die Menschen, die irgendwo mal spontan zusagen, selten nach, sie trifft der Verlust ja nicht, sie hatten anderweitig eine gute Zeit. Und genau das ist das Problem unserer Tage. So viele Menschen stecken ihr Herzblut in ihre Projekte, brauchen verbindliche Zusagen, um Dinge zu planen und dann kommen wenige bis keiner, weil alles unverbindlich ist und selbst eine Unterschrift unter einen Vertrag heute nicht bedeutet, dass man erscheint unter dem Motto „das kann ich ja beim nächsten Kurs nachholen“. Einer meiner Lehrer meinte mal: Weihnachten 2000 ist Weihnachten 2000, das kann ich weder 2001 noch 2100 nachholen, Basta Pasta. Von Gruppenbildung, Gemeinschaftsprozessen etc. mal ganz abgesehen – Verbindlichkeit schafft Vertrauen. Wir wollen alle gern wertgeschätzt, vernetzt und sonstwas sein, sind aber oft im Alltag nicht bereit, zu unseren Zusagen zu stehen oder Wort zu halten, erwarten es aber von allen anderen. Finde den Fehler.

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