Dienstags-Nachdenk-Input

Menschen der Zukunft – vieles haben wir schon zusammengetragen, was Menschen stärkt. Am Wochenende gab es nicht nur einen Umzug, sondern auch einige Gespräche und Begegnungen zwischendurch, in denen es um die momentane Situation der Welt ging. Viele Menschen sind restlos erschöpft. Corona hat manchen das Gefühl gegeben, dass endlich mal irgendwer die Pausentaste gedrückt hat. Diese Menschen haben gemerkt, dass sie sich sehr getrieben gefühlt hatten. Anstatt die Zeit zu nutzen, um sich zu erholen, wurde sehr oft gekruscht und geräumt, entsorgt und die Nacht vor dem PC mit den neuesten Infos zum Tag gemacht. Andere kamen in eine vollkommene Überlastung mit Homeoffice auf begrenztem Raum, Homeschooling, wo sich vielleicht mehrere Kinder auch einen PC teilen mussten, denn nicht alle Familien verfügen über eine Ausstattung für jeden.

Was bei uns in der Praxis anbrandet, sind zutiefst erschöpfte und teilweise sehr ratlose Menschen. Sie haben Angst vor der Zukunft, dem Herbst. Sie beklagen den fehlenden Urlaub (was ich für eine Luxusklage halte, wir sind die zweite Generation, die das Wort überhaupt kennt, eine Sommerfrische gab es bis vor wenigen Jahrzehnten nur für sehr ausgewählte Bevölkerungsgruppen). Die Senkung der Mehrwertsteuer ist nicht so ganz spürbar, weil die Preise vorher schon hoch waren. Angst vor Arbeitsplatzverlust und Insolvenzen schwingt an sehr vielen Stellen mit. Der Ton draußen in der Welt ist rau. Klarheit fehlt, Angaben, was denn jetzt genau der Stand der Dinge ist. Ich erlebe täglich Menschen, die man als hoffnungslos bezeichnen kann. Müde, erschöpft, ausgelaugt und ohne Perspektive und das teilweise unter 25 Jahren Lebensalter.

Vielleicht bedenken wir, dass jede Zeit ihre Herausforderungen hat. Dass es als Mensch darauf ankommt, mit dem umzugehen, was ist. Es braucht die Vision einer Menschheit, die sich an eine Tafel setzt und bespricht, wie die Völker der Erde mit eben dieser Erde umgehen werden. Wie sie beweisen, dass sie sich einigen können. Wie sie es schaffen, Gier und Egozentrik, die seit Jahrhunderten nichts als Leid, Tod, Verzweiflung, Hass und Gewalt erzeugen, zu überwinden und Seite an Seite losgehen, um Würde, Menschlichkeit und Achtsamkeit zu implementieren, Respekt vor den Naturreichen in die Herzen der Kinder legt und das Teilen neu erfindet. Wir haben so viele Aufgaben vor uns, dass es genau jetzt der falsche Moment ist, sich in Ängste und Zukunftspanik zu begeben. Der Planet braucht unseren klaren Verstand, unser weites Herz und unsere fleißigen Hände, damit wir gemeinsam Zukunft möglich machen für die Kinder und Enkel, für lange Zeiten.

Wann lernen wir aus der Vergangenheit? Wie viele Coronakrisen braucht die Welt? Jetzt ist eine Welle durch in vielen Ländern. Wo bleiben die Folgen der Balkongesänge für die Pfleger, Helfer, Krankenschwestern, Ärzte, Betreuer in Heimen, Horten und Kliniken aller Art? Wo wachen wir auf im Angesicht der geschundenen Erde? Wo sehen wir klar, wie schnell Hass und Gier erneut aufgeflackert sind und so manchen vergessen lassen, was Anstand ist?

Ich wünsche mir Klarheit von oben. Kommunikation über das, was ist, was die Forschung sagt, wie die Fakten sind und was für die nächsten Monate ein guter Weg sein kann. Einsicht, welche Bereiche der Wirtschaft wirklich Förderung brauchen. Die Bereitschaft, sich an die Welttafel zu setzen und Zukunft zu gestalten, anstatt Lobbyismus, Ausbeutung und klares Handeln wider besseres Wissen zu fördern.

Ich wünsche mir Respekt, Wertschätzung, Anstand im zwischenmenschlichen Umgang. Dass wir hinlauschen auf den anderen und versuchen, ihn zu verstehen und wahrzunehmen in seinen Sorgen und Nöten. Dass wir bereit sind, umzudenken, anders zu handeln.

Ich wünsche mir die Erkenntnis, dass jede Handlung gegen die Natur, sprich alles, was da draußen lebt und existiert inklusive der Mensch selbst, sofort ein Ende haben muss und wir das Miteinander neu gestalten dürfen.

Ich wünsche mir, dass alle, die Angst haben, gestützt werden, denn es gibt keinen Grund zur Angst und keinen zur Panik. Es gibt Aufgaben, die zu lösen sind. Krisen, die wir bewältigen werden. Fragen, die Antworten aus dem Verstand in Verbindung mit dem Herzen brauchen. Es sind mächtige Aufgaben, götterwürdig. Aber wir haben uns vieles selbst eingebrockt, also wird es auch unsere Verpflichtung sein, uns um die Lösung der Fragen zu kümmern. Es ist zu spät, um Angst zu haben. Es ist zu spät, um zu kneifen. Es ist zu spät, um sich herauszureden. Es ist JETZT Zeit, Mensch zu sein.

Allen einen sehr kraftvollen und vor allem sehr ermutigenden Dienstag.

Für die Urlaubssehnsüchtler ein bisschen französisches Meer, Annemarie hat es fotografiert.

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