Dienstags-Nachdenk-Input

Den Felsen in der Brandung suchen wir in diesen Tagen. Etwas, das Beständigkeit, Sicherheit und Gelassenheit ausstrahlt, wenn im Außen viel Wallung herrscht, zahllose Widersprüche auftreten, die man sich noch nicht erklären kann.

Wir sind das Abarbeiten von to do-Listen gewohnt. Wir machen Pläne, wie Tage zu laufen haben, was wir wann wie erledigen wollen, geben den Punkten Prioritäten, entscheiden, ob wir das selbst machen oder delegieren. Bisher.

Jetzt sind viele im Homeoffice auf sich gestellt. Andere dürfen sich neu erfinden (wer weiß, ob das nicht eine unglaubliche Möglichkeit ist!) und wir begreifen: es geht nicht um to do. Es geht um to be, um das Sein.

Die Geschäftigkeit, die uns vom eigentlichen Leben ablenkt, ist runtergefahren, bei manchen rauf. Noch wichtiger wird die Erkenntnis des Seins. Es kommt nicht darauf an, welche Listen wir abarbeiten, sondern ob wir am Abend einen gut gelebten Tag hinter uns gebracht haben. Was ist ein gut gelebter Tag?

Einer, an dem ich bin. An dem ich mir Zeit für die Stille genommen habe, in der mein Unruhegeist zur Ruhe kommt. An dem ich meine Werte überprüft und meine Vision gefüllt habe mit Leben. An dem ich Korrekturen der Route vorgenommen habe, wenn es nötig war. An dem ich vielleicht eine Vision in die Tonne klopfen musste, weil ich erkannt habe, dass sie nicht taugt. Das sind harte Tage, an denen wir massive Kurswechsel vornehmen, und gute zugleich, weil Enttäuschung oft „Ende einer Täuschung“ meint. Es kommt nicht darauf an, wie viele Punkte ich erledigt habe, sondern ob ich das getan habe, was an diesem Tag wichtig, richtig und notwendig war.

Hatte ich Zeit für Literatur und Kunst? Für gesegnete Mahlzeiten? Für frische Luft und Bewegung? Für die Orientierung an Idealen? Woran habe ich mich heute aufgerichtet oder bin ich gebückt im Hamsterrädchen der Selbstillusion gerannt? Wie oft gelang es mir, in meine Mitte zu kommen oder war der Tag so, dass ich permanent „außer mir“ war im wahrsten Sinne des Wortes? Habe ich mich erwärmt, begeistert für etwas, oder mich mit Dingen befasst, die so „cool“ sind, dass mir der „Hintern auf Grundeis“ geht, mir gar daran etwas vorbeigeht?

Worauf du deinen Fokus richtest, das wächst. Wähle weise. Wenn du (noch) nicht wählen kannst, atme. Die Dinge zeigen sich zur richtigen Zeit.

Allen einen tatkräftigen Dienstag. Tun macht Sinn, wenn wir es mit Bewusstheit tun. Sinnfreies Gekaspere können wir probeweise bleiben lassen und schauen, ob uns dadurch etwas abgeht oder ob die durch Verzicht darauf freigewordene Zeit nicht ein Geschenk für unsere Seelenruhe, den Seelenfrieden sein könnte.

Das Pfingstrosenfoto hat Silke gemacht, Dankeschön. Meine erste Pfingstrose im Garten hat sich entschieden, dem Regen zu trotzen und setzt ein farblich knalliges Signal passend zum Tag.

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